Der Nanny

Mit der Familienkomödie DER NANNY liefert Regisseur und Schauspieler Matthias Schweighöfer seinen obligatorischen Beitrag zum laufenden Filmjahr ab. Doch diesmal ist alles ein wenig anders. Zwar ist der Streifen nicht völlig frei von Schwächen, doch erstmals bewegt sich Schweighöfer sichtbar heraus aus dem überdimensional großen Schatten seines bisher augenscheinlichen Vorbilds Til Schweiger. Was seine neueste Arbeit so viel besser macht als „Schlussmacher“ und Co. verrate ich in meiner Kritik zum Film.

Der Nanny

Der Plot

Clemens (Matthias Schweighöfer) hat kaum Zeit für seine Kinder. Er plant gerade eines der größten Bauprojekte der Stadt und die Verträge sind so gut wie unterschrieben. Lediglich ein paar letzte Mieter müssen noch ihre Wohnungen räumen und der Bau kann beginnen. Doch als auch Rolf (Milan Peschel) seine Wohnung verliert, schwört er Rache und heuert undercover als männliche Nanny in Clemens Haushalt an. Sein Plan heißt: Sabotage. Da hat er die Rechnung allerdings ohne Clemens Kinder Winnie und Theo gemacht. Die beiden haben es sich zum Ziel gesetzt, neue Nannies innerhalb kürzester Zeit aus dem Haus zu vertreiben. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht und sie zeigen bei der Wahl ihrer Waffen kein Erbarmen. So muss Rolf schmerzlich feststellen, dass Nanny sein kein einfacher Job ist und dass nun auch er zu härteren Mitteln greifen muss. Doch während er versucht, seine Wohnung und Heimat zu retten, entsteht aus seiner Sabotage mehr und mehr eine neue Familie.

Kritik

Filmemacher und Schauspieler Matthias Schweighöfer hatte es nach seinem Regiedebüt „What a Man“ wahrlich nicht leicht. Schon kurze Zeit nachdem sich durch seine Filme wie „Schlussmacher“ oder „Vaterfreuden“ eine Til Schweiger ähnliche Handschrift herauskristallisierte, musste sich der sympathische Blondschopf nicht nur Vergleiche mit dem vermeintlichen Vorbild gefallen, sondern auch ein ähnlich undifferenziertes Presseecho über sich ergehen lassen. Der von Durchschnitts-RomComs dominierte Markt des Deutschfilms, von denen sich auch die bisherigen Schweighöfer-Produktionen nicht ausnehmen, fördert eben nicht nur wohlwollende Zuschauer zutage, sondern auch genervte Filmjournalisten. Die typischen Hater hat dagegen fast ausschließlich Til Schweiger auf seiner Seite; ob man Schweighöfer hingegen zugetan ist oder nicht beschränkt sich dagegen zumeist ausschließlich auf seine Arbeit. Dafür ist der zweifache Familienvater einfach zu sympathisch, als dass sich die Qualität der Filme auch auf die Persönlichkeit des Akteurs übertragen ließe. So haben Schweiger und Schweighöfer natürlich etwas gemeinsam; immerhin fischen beide im selben Genre-Gewässer und verlassen sich bei der Inszenierung ihrer Werke auf die ewig gleichen Erfolgsmechanismen. Doch nach seinen ersten drei Streifen widmet sich Matthias Schweighöfer in „Der Nanny“ nun erstmals einer Geschichte, die komplett ohne die obligatorische Lovestory auskommt und setzt die Handlung um eine männliche Nanny, die sich mit ihrer Anstellung einen Zugang zum hartherzigen Bauleiter erhofft, mit einer solchen Liebe zur Absurdität in Szene, dass man nicht umher kommt, sich als Zuschauer die Frage zu stellen, weshalb Matthias Schweighöfer sein Regie-Können bislang unter den Scheffel durchschnittlicher Romantic Comedies gestellt hat.

Matthias Schweighöfer

Zugegeben: Auch „Der Nanny“ ist noch lange nicht dort angelangt, wo das anspruchsvolle Kinopublikum den deutschen Film gern sehen würde. Die Familienkomödie kann weder auf ein perfekt durchdachtes Drehbuch zurückgreifen, noch legen die Darsteller überragende Leistungen an den Tag und die Geschichte ist so frei von Überraschungen, dass der Film in anderen Händen nur zu einem weiteren x-beliebigen 08/15-Komödchen geworden wäre. Doch genau hier kommt nicht nur Schweighöfers selbstironische Ader ins Spiel, sondern auch eine beherzte Inszenierung, die gerade in der ersten Hälfte von der karikaturesken Zuspitzung der Szenerien lebt. Allein dadurch wird „Der Nanny“ über den Großteil der Laufzeit zu einem launigen Familienabenteuer und auch das Drehbuch von Lucy Astner, Murmel Clausen („Der Schuh des Manitu“) und Schweighöfer selbst ist trotz logikbedingter Schwächen kreativ und kurzweilig. Logiklöcher wie die, dass es sich nicht erklären lässt, wie es Rolf gelingt, in die der Preisklasse entsprechend sicherlich gut bewachte Villa von Clemens einzudringen, machen „Der Nanny“ bisweilen zwar nur dann vollends erträglich, wenn man bewusst beide Augen zudrückt und auch das penetrante Verwenden vermeintlich cooler Anglizismen ergibt nur dann einen Sinn, wenn man es mit Clemens‘ Yuppie-Dasein erklärt.

Doch im Mittelpunkt von „Der Nanny“ steht weder irgendeine weitere Reißbrett-Message noch das Auf und Ab einer Beziehung, sondern zunächst einmal der anarchische Spaß. Die Rückblenden, in denen zu sehen ist, was die beiden großartig-ätzenden Kinder mit ihren Aufpasserinnen schon so alles angestellt haben, sind phänomenal und voll von comichaftem Humor, der zu keinem Zeitpunkt infrage stellt, dass es Matthias Schweighöfer in erster Linie darum ging, beim Publikum möglichst viele Lacher zu generieren. Hier findet sich auch sogleich eine weitere Stärke von Film und Macher: Anders als ebenjener „großer Bruder“ Schweiger, der gerade mit „Honig im Kopf“ einen Ego-Höhenflug nach dem anderen erlebt und sein Alzheimer-Roadmovie wohl für die Wiederbelebung des tiefschürfenden, deutschen Dramakinos hält, so hat ihm sein Kollege Schweighöfer eine beachtliche Leichtigkeit in der Regieführung, aber auch innerhalb der PR-Arbeit voraus. Schweighöfer verkauft seine Filme als das was sie sind und misst ihnen somit nicht mehr Bedeutung bei, als sie verdienen. Gleichzeitig steht er hinter dem Ziel, seinem Publikum Spaß zu bereiten. Und das gelingt! „Der Nanny“ nimmt sich nur selten wirklich ernst und macht über große Teile der Laufzeit tatsächlich richtig Spaß.

Paula Hartmann

Schwächer wird’s dagegen immer dann, wenn der im Film einmal mehr äußerst naiv gezeichnete Milan Peschel, der schon in „Schlussmacher“ in die Protagonistenrolle schlüpfen durfte, die Handlung alleine tragen muss. Zwar spielen sich er und der lange Zeit als eine Art Antagonist gezeichnete Matthias Schweighöfer zumeist gegenseitig die Bälle zu, doch gerade die ruhigen Momente darf Peschel schon mal im Alleingang bestreiten. Da sich das Drehbuch gerade im Rahmen der Charakterzeichnung immer mal wieder starke Patzer erlaubt und so etwa Rolf als solch weltfremden Chaoten zeichnet, der weder „Harry Potter“ kennt, noch weiß, dass das R auf einem Schaltknüppel für „rückwärts“ steht, ist es bisweilen schwer, zu Peschels Figur Sympathien aufzubauen. Dafür schließt man ausgerechnet die beiden Rotzgören Vinnie und Theo sofort ins Herz. Paula Hartmann („Alle anderen“) und Arved Friese („Totale Stille“) funktionieren in ihrer frechen, auch schon mal böswilligen aber stets immens kreativen Art fast schon als eine Form des Storymotors und grätschen immer dann dazwischen, wenn das Skript auf wenig glanzvolle Art versucht, tiefgründig zu sein. Ganz ohne liebevolle Botschaft kommt „Der Nanny“ gen Ende dann nämlich doch nicht aus.

Mit der Message, dass Kinder ihre Eltern brauchen, um glücklich zu sein, macht Matthias Schweighöfer mit einer verhältnismäßig subtilen Herangehensweise viel richtig und verzichtet auch im Rahmen des Schlussakkords darauf, diese Botschaft mithilfe eines Mono- oder Dialogs noch einmal Richtung Publikum zu transportieren. Wenngleich sowohl der schematische Schlussspurt, als auch ein Nebenplot um eine verführerische Investorin die Dynamik des ansonsten zwar überzeichneten, aber doch gesitteten Streifens stören, versteht sich „Der Nanny“ im Großen und Ganzen als Family-Abenteuer. Manchmal droht sich der um eine moderne Weltsicht bemühte Film jedoch, mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Eine Szene, in welcher Vinnie auf die Schulzicke trifft und sich ein bretthartes Wortgefecht mit ihr liefert, findet in ihrem verwendeten Vokabular schon stark an der Grenze des guten Geschmacks wieder. Wesentlich gelungener präsentiert sich dagegen die Wahl des Ensembles. Ausgerechnet „Circus HalliGalli“-Gesicht Joko Winterscheidt legt in „Der Nanny“ ein Langfilmdebüt hin, das ihn fern seines Images als Blödelbarde als ernst zu nehmenden Schauspieler etabliert. Auch die Gastauftritte einiger Promis sind im Gegensatz zu diversen Schweiger-Filmen nicht bloß Mittel zum Zweck oder dafür, möglichst viele prominente Namen in den Vorspann klatschen zu können. Sie alle passen in ihre kurzem Cameo-Rollen und lockern das Geschehen in der jeweiligen Szene gekonnt auf. Lediglich Frida-Gold-Frontsängerin Alina Süggeler wirkt in ihrer Rolle der attraktiven Barkeeperin Steffi ein wenig verloren zwischen all den Mimen um sich herum.

Kindermädche Rolf (Milan Peschel) hat mit seinen beiden Schützlingen alle Hände voll zu tun.

Fazit: Matthias Schweighöfer liefert mit „Der Nanny“ den bislang besten Film seiner noch jungen Karriere als Regisseur ab und beeindruckt mit einer passionierten Lust am Absurden, an überzeichneten Figuren und am konsequenten Verschmähen einer 08/15-Liebesgeschichte. Auch als Schauspieler gelingt ihm der Spagat zwischen arrogantem Yuppie und liebendem Familienvater sichtbar. Ebenso zeigt Schweighöfer ganz nebenbei, dass er als Regisseur die Belange seiner Nebenfiguren kennt. Obwohl er auf dem Regiestuhl den Überblick behält, gibt es allerdings Schwächen. Vor allem das Skript ist nicht frei von ihnen. Doch zum ersten Mal seit „Vaterfreuden“ und Co. überwiegt die Freude darüber, dass sich Schweighöfer mit seinem neuesten Film endlich raus aus dem Schweiger-Schatten bewegt. Denn er macht etwas, das man ihm bislang zwar zutraute, jedoch nicht wirklich mit Beispielen belegen konnte: einen richtig guten Film!

„Der Nanny“ ist ab dem 26. März bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

Erschienen bei Quotenmeter.de

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