Bedeviled – Das Böse geht online

Man stelle sich vor, ein Computerprogramm reagiere auf Zuruf seiner Nutzer, nehme ihm alle möglichen Aufgaben ab und gelange somit immer tiefer in das Leben seiner Besitzer vor – nein, hier ist nicht von Amazons Alexa die Rede, sondern von Mister Bedevil, dem furchteinflößenden Antagonisten im Horrorfilm BEDEVILED – DAS BÖSE GEHT ONLINE. Wie sich der hierzulande nur im Heimkino erscheinende Gruselschocker schlägt, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Es ist schon unheimlich, als Nikki (Alexis G. Zall) ihren engsten Highschool-Freunden eine Einladung schickt, eine App runterzuladen. Denn Nikki ist tot. Ihr Herz ist einfach stehengeblieben. Doch die Neugier besiegt den Horror und schnell haben alle „Mr. Bedevil“ auf dem Smartphone. Zuerst bietet er allerlei nützliche Dienste an. Aber dann beginnt das Grauen. Denn „Mr. Bedevil“ findet die schlimmsten Ängste seiner User und lässt sie real werden. So ist Nikki gestorben – vor Furcht. Verzweifelt suchen die Freunde nach einem Ausweg. Deinstallieren kann man die App nicht und zerstörte Smartphones reparieren sich selbst. Panik ist „Mr. Bedevils“ Lebenselixier und der Tod sein Fest.

Kritik

Ein todbringendes Videoband („Ring“), ein verfluchter Facebook-Account („Unfriend“), Skype als Vorort zur Hölle („Unknown User“) oder eine gruselige App („App“) – die modernen Medien mit ihren vielen Kommunikationsmöglichkeiten und sozialen Netzwerken können ganz schön furchteinflößend sein. Wenn das Genre gerade einen Trend durchläuft, dann ist es wohl der des Media-Horrors – und überraschenderweise hat dieser bislang keine allzu großen Tiefpunkte hervorgebracht. Selbst die „Ring“-Fortsetzung „Rings“ schrammte weit an der Vollkatastrophe vorbei, doch was ist, wenn man seinen Blick einmal von den Kinosälen löst, um sich auf dem bekanntermaßen recht überlaufenen Direct-to-DVD-Markt umzusehen? Das von den Vang-Brüdern Abel und Burlee inszenierte, erste gemeinsame Spielfilmprojekt „Bedeviled – Das Böse geht online“ kam hierzulande gar nicht erst in die Lichtspielhäuser, in den USA nur streng limitiert und auch in Polen, wo der Film immerhin landesweit eine Auswertung erfuhr, wurde „Bedeviled“ nicht zum ganz großen Erfolg. Nun kann man sich hierzulande auf dem altmodischen Weg davon überzeugen, ob die nächste Geschichte einer waschechten Horror-App hält, was der Vertrieb hochmutig mit „Ring“-ähnlicher Spannung verspricht. Und tatsächlich: Ein Totalausfall sieht anders aus, wenngleich „Bedeviled“ vornehmlich auf Jumpscares baut und die emotionale Verfassung seiner jungen Protagonisten weitestgehend außen vor lässt.

Saxon Sharbino spielt Alice, die ebenfalls von Mister Bedevil verfolgt wird.

Trotz des nach wie vor brandaktuellen Themas allgegenwertiger Vernetzung und Überwachung ist „Bedeviled – Das Böse geht online“ alles andere als innovativ. Effektiv ist er dank seiner kreativen Machart trotzdem allemal, denn gerade für eine No-Name-Produktion erweist sich die technische Aufmachung als äußerst hochwertig. Der weniger auf technischen Schnickschnack und vornehmlich auf handgemachte Effekte setzende Horrorfilm besticht mit einer surrealistisch-beklemmenden Optik, durchzogen von blau-roten Farbspielereien und einer einfallsreichen Bildgestaltung. Der Aufbau von Spannung und Jumpscares bleibt zwar bis zuletzt weitestgehend vorhersehbar, doch wie es den Machern, insbesondere Kameramann Jimmy Jung Lu („Friended to Death“) gelingt, die verschiedenen Ängste der Jugendlichen einzufangen, besitzt einen nicht zu leugnenden Reiz. In der Ausarbeitung der einzelnen Phobien kann sich Jung Lu so richtig austoben. Ob Polizisten, Clowns oder Kuscheltiere: Wie der Bilderkünstler die Manifestation des Bösen hier in Szene setzt, scheint direkt aus einem Albtraum zu stammen. Darüber hinaus wirkt es sich absolut positiv aus, dass beim Design des als eine Art Horrorclown auftretenden Mister Bedevil auf die Verwendung von Computertrick verzichtet und stattdessen auf besondere Kamerawinkel und –Positionen vertraut wurde. Wenn dieser etwa eine dunkle Treppe heruntersteigt und so verharrt, dass sich für den Betrachter zunächst bloß die langen dürren Finger und der unmenschlich langgezogene Körper erschließen, dann ist das viel angsteinflößender, als die x-te Blutfontäne in einem durchschnittlich amüsanten Slasher-Film.

VERLOSUNG

Ihr wollt eine von zwei DVDs oder Blu-rays von „Mister Bedeviled – Das Böse geht online“ gewinnen? Dann schaut noch bis zum 2. April, 23:59 Uhr auf unserer Facebook-Seite vorbei und berichtet uns von Euren größten Ängsten! Viel Glück!

Doch auch die originellste Optik nützt nichts, sofern ein Film inhaltlich baden geht. Im Falle von „Bedeviled – Das Böse geht online“ ist es mit dem Lob Schluss, sobald man einen Blick auf die Story wirft. Von einem vollständigen Absturz kann hier zwar keine Rede sein, doch wo die Vang-Brüder visuell und akustisch mit Einfallsreichtum punkten können, verläuft ihr Projekt erzählerisch in allzu generischen Bahnen. „Bedeviled“ erzählt von durchschnittlichen Teenagern, die noch dazu mit weitestgehend unkreativen Ängsten und Phobien gesegnet sind. In einem Film, der ausgerechnet hiervon individuell geprägt wird (Mister Bedevil spielt die Ängste seiner Nutzer geschickt gegen sie aus, wodurch das Programm, ähnlich in Stephen Kings „Es“, für jedermann unterschiedlich erscheint), ist das besonders schade. Lediglich der vor Weißen und der Polizei gejagte Cody (Mitchell Evans) erhält dadurch auch direkt die kreativsten Gruselmomente und wird auch charakterlich ein wenig umfassender beleuchtet. Seine Freunde Alice (Saxon Sharbino), Dan (Brandon Soo Hoo) und Haley (Victory Van Tuyl) füllen die Schablonen typischer Young-Adults aus und halten den Film mit engagiertem Spiel auf solidem Durchschnitt. Mehr drin gewesen wäre hier trotzdem, zumal das ihnen hier entgegen gestellte Grauen tatsächlich richtig furchteinflößend ist.

Die Freunde überlegen, wie sich Mister Bedevil stoppen lässt.

Wie viel besser der alles in allem absolut solide auftretende „Bedevil“ noch hätte werden können, erschließt sich bei einem Blick auf die in einer hohen Schlagzahl auftretenden Jumpscares. Den beklemmend inszenierten, ruhigen Suspense-Momenten stellen die Macher vorhersehbare Schocks gegenüber, die in erster Linie deshalb funktionieren, weil der Sound schlagartig in die Höhe gefahren wird. Menschliche Umrisse, die durchs Bild huschen, plötzlich im Spiegel auftauchende Fratzen oder Arme, die einen unters Bett zerren wollen, bilden das Potpourri gängiger Horrorfilmproduktionen, doch so richtig aufregend ist das mittlerweile nicht mehr. Dafür kommen solche Szenen im Minutentakt – Langeweile oder erzählerische Schlenker sucht man in „Bedeviled“ vergeblich. Hier macht sich auch die übersichtliche Spieldauer von gerade mal etwas mehr als eineinhalb Stunden bemerkbar, denn kaum begonnen, nimmt der Schrecken im Film sofort seinen Lauf. Das Potenzial, den aktuellen Zeitgeist mitsamt der von ihm ausgehenden, technischen Gefahren auch noch auf einer tiefergehenden Ebene aufzugreifen und damit wohlmöglich noch aufklärerische Arbeit zu leisten, verspielen die Macher leider vollkommen. Dafür Ist die Idee hinter der App dann doch viel zu abgehoben und die Schlenker ins Übernatürliche zu deutlich als Fantasie erkennbar. So etwas wie Mister Bedevil ist also nicht mal möglich, wenn man sich einmal anschaut, was für technische Fortschritte der Mensch in den vergangenen Jahren gemacht hat.

Fazit: „Bedeviled – Das Böse geht online“ kommt erzählerisch nicht über den Durchschnitt hinaus, punktet aber mit einer optisch äußerst ansprechenden Aufmachung und ist daher gerade für Fans von Media-Horror einen Blick wert.

„Bedeviled – Das Böse geht online“ ist ab dem 24. März auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich.

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