Der geilste Tag

Die Zeichen stehen auf Erfolg: Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer machen sich in DER GEILSTE TAG auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen geilsten Tag. Beide spielen sterbenskranke, junge Männer, die nicht im Hospiz, sondern lieber am Ende der Welt sterben wollen. Was bei dieser Idee für ein Film entstanden ist und weshalb sich Publikum und Kritiker hier uneins sein werden, das verrate ich in meiner Kritik.Der geilste Tag

Der Plot

Der kauzige, sehr ehrgeizige Pianist Andi (Matthias Schweighöfer) und der Lebenskünstler Benno (Florian David Fitz) haben nur eines gemeinsam: Sie werden bald sterben – und landen deshalb im Hospiz, das sich aber schnell als suboptimale letzte Lebensstation entpuppt. Also beschließen die beiden, den geilsten Tag ihres Lebens zu genießen: Weil sie bei ihrer sehr begrenzten Lebenserwartung keinen Knast fürchten müssen, reisen sie mit ergaunertem Geld nach Afrika. Doch der Trip ist für den hypochondrischen Andi anfangs ein Albtraum und auch für Benno eine große Herausforderung, da er sich zum ersten Mal seiner Vergangenheit stellen muss. Über lustige, tragische, dramatische und auch gefährliche Etappen führt das Abenteuer schließlich zu ihrem eigentlichen Ziel – nämlich zu der Erkenntnis, dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen muss, um es nicht zu verpassen.

Kritik

Der Tod hat derzeit Hochkonjunktur. Das mag angesichts der zuletzt verhältnismäßig vielen Todesfälle berühmter Persönlichkeiten wie David Bowie, Alan Rickman oder Lemmy Kilmister zwar ein wenig geschmacklos klingen, doch wenn man den Blick über das aktuelle Kinoprogramm schweifen lässt, dann kommt man zwangsläufig zu genau diesem Urteil. Dabei findet man todbringende Krankheiten schon lange nicht mehr nur im europäischen und zur Oscar-Saison durchaus auch amerikanischen Nischenkino, sondern seit einiger Zeit auch in Filmen, die auf die breite Masse zugeschnitten sind. In den vergangenen Jahren tummelten sich in den oberen Etagen der cineastischen Jahrescharts vermehrt Tragikomödien vor dem sehr ernsten Hintergrund einer schweren Krankheit, an der einer oder mehrere Protagonisten einer Geschichte erkrankt sind. Zu den hierzulande erfolgreichsten Vertretern dieser Gattung gehören Til Schweigers Alzheimer-Roadmovie „Honig im Kopf“, der französische Überraschungshit „Ziemlich beste Freunde“ sowie das Jugend-Krebsdrama „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Aber auch ein Film wie „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“ lockte 2015 bei einer maximalen Kopienanzahl von gerade einmal 276 über 430.000 Besucher in die Kinos – das ist mehr, als die starbesetzte Weihnachtskomödie „Die highligen drei Könige“, Ryan Reynolds‘ Science-Fiction-Kracher „Self/Less“ und das hochgelobte Biopic „Steve Jobs“ zusammen.

Auf diesen erfolgversprechenden Zug aufspringen will nun auch das sich in letzter Zeit als Dreamteam bewiesene Duo aus Florian David Fitz („Hin und weg“) und Matthias Schweighöfer („Der Nanny“). Schon seit Monaten rühren die beiden Schauspieler und Regisseure für ihren Krebsfilm „Der geilste Tag“ die Werbetrommel – mit famosem Ergebnis. Die Tickets für ihre deutschlandweite Kinotour sind in fast allen Städten ausverkauft. Damit entsprechen die Vorverkaufszahlen ihres Projekts, bei dem Fitz neben seiner Tätigkeit als Hauptdarsteller Regie führt und Schweighöfer zudem als Produzent fungiert, in etwa denen eines Blockbusters wie zuletzt „Fuck ju Göhte 2“, „Fifty Shades of Grey“ und einigen Kinobetreibern zufolge gar „Star Wars: Das Erwachen der Macht“. Es ist natürlich auch ein cleverer Schachzug, einen derartigen Genrefilm, wie sie zuletzt haufenweise für Besucheranstürme sorgten, mit zweien der derzeit beliebtesten Schauspiel-Beaus Deutschlands zu besetzten. Man lehnt sich also nicht wirklich aus dem Fenster, wenn man an dieser Stelle die Prognose abgibt, „Der geilste Tag“ könnte zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme des Jahres werden. Doch so spaßig-leidenschaftlich die beiden Schauspieler die PR-Maschinerie derzeit auch durchlaufen mögen, auf das Endergebnis kommt es an. Und das wird die Kern-Zielgruppe dieses Films definitiv zufriedenstellen. „Der geilste Tag“ ist eine zu weiten Teilen stimmige, mit viel Herz inszenierte Ode an die Lust am Leben. Doch derart lange nachhallen wie Fitz‘ letzte Dramarollen wie in dem tiefschürfenden Sterbedrama „Hin und weg“ oder dem mutig-kantigen Portrait eines Tourette-Kranken, „Vincent will Meer“, wird „Der geilste Tag“ zu Gunsten eines weitestgehend bequemen Feel-Good-Erlebnisses dann leider nicht.

Die Ausgangslage zweier Männer, die angesichts des nahenden Todes noch eine letzte große Reise unternehmen wollen, erinnert durchaus an das Ende der Neunzigerjahre erschienene Roadmovie „Knocking On Heaven’s Door“. Das wäre bei dessen derzeitigen Stellenwert als Kultfilm ja kein schlechter Vergleich, doch anders als besagte Sinnsuche mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers in den Hauptrollen bietet „Der geilste Tag“ nicht genügend Ecken und Kanten, die einen Film eben erst in den Status „Kultfilm“ heben könnten. Kurzum: Der gemeinsame Trip Florian David Fitz‘ und Matthias Schweighöfers riskiert zu wenig, um sich von ähnlich gelagerten Tragikomödien abzuheben. Dabei weiß insbesondere die erste halbe Stunde, die die Vorbereitung der beiden Männer auf ihre Reise zeigt, als gewitzt und charmant. Nicht nur die stete Antipathie der beiden grundverschiedenen Leidensgenossen weiß dem Film eine angenehme Dynamik beizumengen, gerade im Detail finden sich einige Drehideen wieder, die sehr viel Spaß machen. Schon der Name des gemeinsam angelegten YouTube-Channels, über den die beiden ihre Erfahrungen mit der ganzen Welt teilen wollen, ist mit „Bettboys“ durchaus augenzwinkernd zu verstehen, und wenn Andi und Benno einen großen deutschen Elektronikmarkt mithilfe seines eigenen Werbeversprechens ausnehmen, dann darf sich spätestens an dieser Stelle kein Sittenwächter mehr über die Unannehmlichkeiten von Product Placement beschweren.

Den beiden jungen Männern bei ihren Eskapaden zuzusehen, macht besonders zu Beginn viel Spaß. Mit dem resignierten Benno und dem mit sich und seiner Situation hadernden Andi macht es Drehbuchautor Florian David Fitz dem Publikum leicht, mit den nicht immer ganz leicht zu durchschauenden Protagonisten mitzufiebern respektive mitzuleiden. Begeben sich die Zwei allerdings erst einmal auf ihre Reise nach Afrika, leistet sich das Skript einige Fehlschläge, die der Dramaturgie und Charakterentwicklung im Großen und Ganzen zwar nicht schaden, die vorab aufgebaute Atmosphäre für den einzelnen Szenenmoment allerdings kurz zum Verpuffen bringen. Momente, in welchen Matthias Schweighöfer von einem Löwen angepinkelt wird, ein Schäferstündchen mit einheimischen Frauen kolossal schief geht, oder sich die Freunde wider Willen plötzlich und nicht immer ganz feinfühlig mit den Gepflogenheiten des Landes konfrontiert sehen, haben den Wert mal gelungener, mal weniger gelungener Sketche, fügen sich aber nur suboptimal in die insgesamt recht ernste Stimmung. Der Kinobesucher, der Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer vorzugsweise als Komödiendarsteller kennt, wird sich an derartigen Momenten vermutlich nicht stören. Darüber hinaus bieten sie dem Publikum die Möglichkeit, bei aller Tragik der Situation immer wieder Luftholen zu können. Doch je mehr die Story voranschreitet, desto mehr häufen sich einzelne Sketcheinlagen, die den Fokus von der Tragikomödie nehmen und aus „Der geilste Tag“ mehr und mehr eine reine Komödie machen. Damit verkauft sich der Film weit unter Wert, denn wer die Story genau verfolgt und insbesondere den Handlungsstrang um den nach und nach glaubhaft geläuterten Benno beobachtet, der wird merken, dass in dem Film viel mehr steckt als jene banale Komödie, die nicht immer, aber leider zum Teil durch den zu weiten Teilen mit viel Fingerspitzengefühl inszenierten Film durchscheint.

Trotzdem (oder gerade deswegen) wird es den Machern ein Leichtes sein, das Publikum mithilfe ihrer allumfassend leichtfüßigen Inszenierung auf ihre Seite zu ziehen. Um sich an ein schweres Thema zu wagen, bedarf es der Fähigkeit, dieses leicht zugänglich aufzubereiten. Und genau das gelingt Florian David Fitz. Dass er die Handlung recht zügig vom verregneten Deutschland ins sonnengetränkte Afrika verlagert, ist obendrein ein Dienst am Zuschauer: Die Szenerie des exotischen Staates ist Urlaub für die Augen und bietet noch dazu einen unterschwelligen Kontrast zu den traurigen Umständen des hiesigen Aufenthalts beider Männer. Musikalisch nähert sich Fitz dem aktuellen Deutschkomödien-Standard und nutzt verstärkt Songs und weniger Score, um die Szenerie zu untermalen. Angenehmerweise haben wir es hier (mit einer treffenden Ausnahme) nicht mit herkömmlichen Radiopop-Gedudel zu tun, sondern mit Liedern, die einen deutlichen Wiedererkennungswert besitzen. So ist der Film trotz eines holprigen Schlussakts, der auf der einen Seite das im Detail fehlende Risiko unterstreicht, auf der anderen Seite aber auch ein Ausrufezeichen hinter einen konsequenten Optimismus setzt, ein interessanter Film, der allerdings so viel mehr könnte, als die Macher ihm bisweilen vielleicht selbst zutrauen.

Der geilste Tag

Benno macht sich in Afrika auf die Suche nach seiner Tochter, die er vor seinem Tode noch einmal wiedersehen will.

Fazit: „Der geilste Tag“ ist der Anwärter auf den erfolgreichsten deutschen Film des Jahres. Die anvisierte Zielgruppe – in diesem Fall die breite Masse – wird die Tragikomödie mit einem Tick zu viel Humor lieben, der anspruchsvolle Cineast wird sie hassen. Das kann den Machern allerdings vollkommen egal sein, wenn die Kassen klingeln und das Publikum zufrieden ist. Denn wie könnte genau dieser Umstand die Message „Sei mit Dir selbst zufrieden und scher dich nicht darum, was die anderen denken!“ besser unterstreichen?

„Der geilste Tag“ ist ab dem 25. Februar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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