Blackhat

Regisseur Michael Mann meldet sich mit seinem Hackerthriller BLACKHAT zurück auf der großen Leinwand und müsste mit Chris Hemsworth in der Hauptrolle sowie dem brandaktuellen Thema Internetkriminalität eigentlich zwei Asse im Ärmel haben. Leider kommt sein Hochglanz-Blockbuster nicht über die inhaltlichen Belange einer durchschnittlichen Crime-Serienfolge hinaus und erweist sich als große Enttäuschung. Mehr zum Film in meiner Kritik.

Blackhat

Der Plot

Ein Angriff auf die globalen Finanzmärkte von nie gekanntem Ausmaß versetzt Regierungen und Geheimdienste in Panik – so sehr, dass sie sogar Nicholas Hathaway (Chris Hemsworth) aus dem Gefängnis holen, um den Kampf gegen die geheimnisvollen Cyberkriminellen zu gewinnen. Hathaway, ein zu 15 Jahren verurteilter Hacker und Computergenie, ist der Einzige, der es mit den Gangstern hinter der Web-Attacke aufnehmen kann. Er lässt sich für das Versprechen anheuern, ein freier Mann zu sein, wenn er die Täter aufspürt. Doch was für Hathaway fast als sportliche Herausforderung beginnt, wird sehr schnell zu einem erbarmungslosen Spiel auf Leben und Tod – denn sein anonymer Gegner kapert nicht nur die globalen Datenleitungen, sondern trägt auch höchst realen Terror in die Welt. Eine Hetzjagd rund um den Erdball beginnt, die Hathaway und seine Helfer nach Chicago, Los Angeles, Hong Kong und Jakarta führt. Wer hat im Zeitalter der vernetzten Welt eigentlich die wahren Fäden in der Hand?

Kritik

Es ist und bleibt ein schwieriges Unterfangen, die Machenschaften im World Wide Web ansprechend und auch für Außenstehende nachvollziehbar auf die Leinwand zu bringen. Die karg verklausulierte Arbeit von Hackern blockbustertauglich zu inszenieren, bedarf stets eines inszenatorisch wertvollen Kniffes, wie es zuletzt Baran bo Odars Thriller „Who Am I – Kein System ist sicher“ vormachte, in welchem der Regisseur die Abgründe des Internets als wahnhaft düstere U-Bahn-Szenerie einfing. Gesellschaftliche Parabeln über die Modernisierung der technikvisierten Kommunikation wie „Disconnect“ oder „#Zeitgeist“ machen Stimmung, indem sie das Medium realitätsnah in den Alltag der Personen integrieren, die Leinwand splitten sowie Facebook und Twitter zu einer Art Protagonist aufbauen. Verlässt man sich dagegen auf den Unterhaltungswert von in die Tasten hauenden Programmierern, läuft man schnell Gefahr, seinem Film jedweden Unterhaltungswert zu rauben.

Blackhat

Das Thema Internetkriminalität ist von einer nie dagewesenen Relevanz und Aktualität. Man denke nur an den Hackerangriff auf das Hollywoodimperium Sony Pictures, das sich Ende des vergangenen Jahres mit der Frage konfrontiert sah, wie man mit der Vermarktung der Brachialkomödie „The Interview“ vorgehen müsse, wenn Cyberkriminelle mit Anschlägen oder der Veröffentlichung brisanter Geschäftsinterna drohen. Ein gefundenes Fressen für einen Thriller-Experten wie Michael Mann, der zuletzt das Krimi-Biopic „Public Enemies“ sowie den wenig gelungenen Leinwandaufguss der Achtzigerserie „Miami Vice“ inszenierte. Der auf stringent erzählte Hochglanzkost spezialisierte Filmemacher erschafft mit „Blackhat“ einen Thriller mit Köpfchen, dafür ohne Knalleffekt und mit viel, viel Leerlauf. Und auch Teilzeit-Donnergott Chris Hemsworth hat beileibe nicht das Charisma eines Internetexperten, sondern agiert auf Superheldenautopilot mit Anleihen zum Unterwäschemodel.

Michael Mann scheint sich der per se nur mäßig spannenden Ausgangslage von „Blackhat“ durchaus bewusst und macht aus seinem WWW-Thriller kein dröges Kammerspiel-Szenario, sondern schickt seine gut aussehenden Protagonisten viel lieber rund um den Globus, um sich an den visuell berauschenden Kulissen diverser Weltmetropolen zu ergötzen. Die Dramaturgie ähnelt dabei der einer Schnitzeljagd. Es folgt Puzzlestück auf Puzzlestück, die Nick und seine schöne Assistentin Chen (Wei Tang) nach und nach zusammensetzen müssen, um den Ganoven auf den Pelz zu rücken. Letztere bleiben dabei ebenso blass, wie die eigentlich recht ansprechend gecasteten Protagonisten, doch viel mehr als eine oberflächliche Schwarz/Weiß-Zeichnung erhält das Publikum nicht, um mit allen Beteiligten mitzufiebern. Weder Nick, der als inhaftierter Profi-Hacker einen durchaus ambivalenten und damit interessanten Antihelden zum Besten geben könnte, noch die ihm alsbald verfallende Agentin Chen Lien können aus den drehbuchbedingten Vollen schöpfen. Ihre Charaktere sind allenfalls Mittel zum Zweck. Zum emotionalen Hoch der Gefühle wird da eine sich anbandelnde Liebelei zwischen den Ermittlern, die der Story dagegen noch eine Prise mehr Beliebigkeit einverleibt.

Blackhat

Auf die haarsträubende Prämisse von „Blackhat“ muss man sich einlassen. Hängt man sich von vornherein an der, nennen wir es einmal recht übersichtlichen Wahrung realistischer Verhältnisse auf, dürfte man sich ohnehin an dem Konzept des Thrillers stören. Doch auch darüber hinaus präsentiert sich Manns Streifen leider reichlich highlightarm. Abgesehen von einer beachtlich gut inszenierten Kampfsequenz in einem unterirdischen Tunnel und einer erwartungsgemäß sehr durchgestylten Optik begehen die Macher den großen Fehler, sich auf die Weltreise als einzigen Adrenalinkick zu verlassen. Für einen Wirtschaftsthriller mit Message und Denkanstoß präsentiert sich „Blackhat“ jedoch viel zu sehr auf den durchschnittlichen Massengeschmack abgestimmt, als dass sich Liebhaber des intellektuell fordernden Kinos angesprochen fühlen könnten.  Für Fans des klassischen Actionfilms wiederum liefert „Blackhat“ kaum das Maß an Explosionen und Kampfchoreographien, die den Streifen auf dieser Ebene punkten ließen. Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes, mit dem Michael Mann sich seinen Weg auf die großen Leinwände zurück zu bahnen versucht. Denn wenigstens von einem kantigen Chris Hemsworth hätten wir hier viel mehr erwartet.

Gerade weil sich das Bild vom langhaarigen, ungewaschenen Computerprofi längst in Luft aufgelöst hat und Hacken fast schon zu einer modernen Kunstform aufgestiegen ist, ist der Casting-Coup des Marvel-Gesichts („Thor 1 und 2“) ein großes Zugeständnis an die Zuschauer. Doch Hemsworth tut sich schwer, in der Rolle des unnahbaren Programmierers zu bestehen und besinnt sich ähnlich seiner Paraderolle Thor viel zu oft auf seine äußeren Werte. Den Fachmann für Cyber-Kriminalität nimmt man ihm schlicht nicht ab. Lieber gefällt er sich dagegen in der Rolle des Frauenhelden, was die Interaktion mit Kollegin Wei Tang („Dragon“) teilweise gar unfreiwillig komisch macht. In einer Nebenrolle agiert unter anderem Viola Davis („Das Verschwinden der Eleanor Rigby“), die dabei schlicht verschenkt ist, da sie kaum mehr zu tun bekommt, als den Protagonisten ihre Stichworte zu liefern.

Erst in der zweiten Hälfte kann die Mischung aus Wirtschaftskrimi und Actionthriller ansatzweise punkten. Immer dann, wenn „Blackhat“ aus seinem starren Korsett des Anspruchs herauslugt und sich den vielfältigen Möglichkeiten öffnet, welche die Internetkriminalität auch im Real Life zu bieten hat, kommt Manns Regiearbeit durchaus mit dem einen oder anderen Überraschungseffekt daher. Dies kann sich in einer unberechenbaren Atmosphäre wiederfinden, oder im sukzessiven Anziehen der Spannungsschraube, was schlussendlich dazu führt, dass „Blackhat“ trotz seiner nur übersichtlichen Vorzüge wenigstens nach und nach besser wird. Der Schlussakt präsentiert sich schließlich weit unter seinen Möglichkeiten, hat mit einer interessanten Kulissenwahl und mehreren eindringlichen Dialogen aber eine große Aussagekraft. Doch reicht all das, um aus „Blackhat“ einen potenziellen Kassenschlager zu machen?

Blackhat

Hacker Nicholas (Chris Hemsworth) nimmt von seiner Vorgesetzten (Viola Davis) den Auftrag entgegen, mit dem er es aus dem Gefängnis schaffen könnte.

Wir kommen zu dem Fazit, dass eine durchgestylte Optik nicht reicht, um den Anschein zu erwecken, in „Blackhat“ würde mehr stecken, als das typische Thrillergewäsch diverser Direct-to-DVD-Produktionen. Die Bilder sind eindeutig für die große Leinwand gemacht, doch weder der Plot, noch die Leistungen der Akteure sind von jedwedem Wiedererkennungswert. Darüber hinaus strapaziert eine viel zu üppige Laufzeit die Nerven des Zuschauers, denn es fehlt „Blackhat“ nicht nur an Spannung, sondern auch an einer eindeutigen Festlegung darauf, was der Film denn nun eigentlich sein will. So ganz ohne Zielgruppe lässt sich schließlich auch der beste Cast nicht vermarkten.

„Blackhat“ ist ab dem 5. Februar bundesweit in den Kinos zu sehen.

Erschienen bei Quotenmeter.de

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