Point Break

Jeder Film hat seine eigenen, ganz individuellen Vorzüge. Und jene von POINT BREAK liegen definitiv bei der visuellen Aufbereitung von unbestreitbar spektakulären Stunts, die Regisseur und Kameramann Ericson Core hier in den schönsten Ecken der Welt eindrucksvoll auf die Leinwand bringt. Da sollte man sich an der inhaltlich wenig ausgereiften, für sich allein stehend nicht immer funktionierenden Story nicht stören – sondern einfach nur genießen! Mehr dazu in meiner Kritik.Point Break

Der Plot

Eine Gruppe von Kriminellen hat es sich zur Aufgabe gemacht, mithilfe ausgeklügelter Extremsport-Choreographien Überfälle zu begehen und die wirtschaftliche Ungerechtigkeit somit auf ihre ganz eigene Art und Weise wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Für den jungen FBI-Agenten Johnny (Luke Bracey) könnte dieser Fall sein ganz großer Durchbruch sein. Der früher selbst als Extremsportler tätige Ermittler schleust sich undercover unter die Verbrecher, in denen er mit der Zeit immer mehr Gleichgesinnte, und weniger Kriminelle sieht. Schon bald begibt er sich gemeinsam mit den Adrenalinjunkies auf die höchsten Berge, in den Rausch der höchsten Wellen und an die steilsten Klippen, während er seinen Auftrag mehr und mehr zu vergessen droht…

Kritik

Der Begriff „Foodporn“ beschreibt die detailreiche In-Szene-Setzung kulinarischer Köstlichkeiten, die einzig und allein dazu dient, den Betrachter – im wahrsten Sinne des Wortes – auf den Geschmack zu bringen. Billigste Triebbefriedigung also; da kommt „Porn“ nicht von ungefähr. Mit Nahrungsaufnahme hat das Ericson Cores („Unbesiegbar“) „Gefährliche Brandung“-Remake „Point Break“ zwar nichts zu tun, gleichwohl funktioniert sein Film auf ähnlich simple Weise wie das Fotografieren von stilecht arrangierten Süßspeisen: Der Backround von Story und Figuren ist nebensächlich. Was zählt, ist ein möglichst ästhetischer Umgang mit jenen Actionszenen, die in „Point Break“ etwa 80 Prozent der knapp zweistündigen Handlung ausmachen. Dass diese auf den ersten Blick etwas einseitig anmutende Aufteilung so hervorragend funktioniert, liegt an der Vielfältigkeit, mit welcher sich hier ein paar Kriminelle als „Robin Hood 2.0“ aufführen. Da wird auf riesigen Wellen gesurft, in Batsuites durch Felsspalten geflogen und ohne Netz und doppeltem Boden an senkrechten Klippen hinaufgekraxelt. Das alles in 3D, ohne einen Moment zum Luftholen. Wen interessiert da noch die (zugegebenermaßen sehr dünne) Handlung, wenn er solch atemberaubende Bilder geboten bekommt?

Point Break

Natürlich kann und sollte man einen Film nie anhand eines ausschließlichen Faktors bewerten. Im Falle von „Point Break“ liegt diese Tat allerdings so nahe wie selten. Es ist nicht zu leugnen, dass sich die Story (Kurt Wimmer, „Salt“) hier allenfalls alibimäßig für eine halbwegs geregelte Chronologie betrachten lässt, denn der visuell auffällige Film, der sich nie länger als nötig an Dialogen und zwischenmenschlicher Interaktion aufhält, schert sich wenig um dramaturgische Zusammenhänge, allzu ausgereifte Figuren und ein substanzielles Storytelling. Die Frage ist: Muss er das? Und die Antwort darauf lautet: nicht unbedingt! Sicherlich ist die weitgehend aufs Charisma der Figuren ausgelegte Charakterisierung der Protagonisten förderlich, um mit den Eskapaden der Extremsportler mitzufiebern, doch die inhaltliche Belanglosigkeit wirkt sich nicht derart negativ auf das Sehvergnügen aus, wie es in anderen Genres der Fall ist.

Dennoch lassen sich manch kleine Schwachpunkte nicht leugnen: Die Motivation der Sportler-Clique, die mit ihren spektakulären Stunts allen voran darin ihren Auftrag sehen, mithilfe ihrer penibel genau geplanten Coups das wirtschaftliche Gleichgewicht innerhalb der Erdbevölkerung wieder herzustellen, beißt sich bisweilen mit den Gewalttaten, die von den Charakteren während der Aktionen bewusst einkalkuliert und schließlich ausgeführt werden. Auch das Anreißen spiritueller Themen wie etwa dem „Ozaki Eight“, einer fiktiven Reihe von extremen Aufgaben, welche die Verbundenheit von Mensch und Natur symbolisieren und jener zugleich Respekt zollen sein, fügt sich nicht schlüssig in den alles überbauenden Krimi-Plot, in welchem Polizist Johnny, vor einem tragischen Unfall selbst aktiver Extremsportler, sich undercover in die Kriminellen-Gruppierung einschleusen und sie schließlich von innen heraus zerstören soll. Es ist bei aller Beliebigkeit also ganz schön viel Stoff für einen Film, der seinen Unterhaltungswert zu 80 % daraus schöpft, dass das Publikum – auch dank des Einsatzes von berauschendem 3D – Zeuge unwirtlicher Stunts wird, die nicht weniger sind als ein Kräftemessen zwischen Mensch und Natur. Dass es da innerhalb des ausführenden Personenkreises auch immer wieder zu Todesfällen kommt, beschönigen die Macher nicht. Doch leider bleiben die Opfer, welche die Crew im Laufe der Zeit immer wieder auf tragische Weise bringen muss, seltsam fern.

Point Break

Der Grund dafür ist die Zurückhaltung innerhalb der Figurenkonstellation. Sämtliche Darsteller, vom ambivalent aufspielenden und zwischen Vorsicht und frecher Neugier changierenden Luke Bracey („The Best of Me – Mein Weg zu Dir“), über einen im Hintergrund kühn die Strippen ziehenden Clemens Schick („4 Könige“) bis hin zu einer charmanten Teresa Palmer („Warm Bodies“) oder einem tough-seriösen Édgar Ramírez („Joy – Alles außer gewöhnlich“) fügen sich sämtliche Darsteller in ihre vorgegebenen Rollenmuster. Leider gibt das Skript für jeden einzeln nicht allzu viele Möglichkeiten der Entfaltung. Stattdessen funktionieren die Akteure in der Gruppe gut und legen eine stimmige, jedoch nicht immer auf den ersten Blick zu durchschauende Chemie an den Tag, was „Point Break“ trotz seiner inhaltlichen Oberflächlichkeit zu einer gewissen Unberechenbarkeit führt. Schlussendlich macht ihr konstant zurückhaltendes Spiel damit aber auch den Weg frei für den eigentlichen Protagonisten: die Action. Bezug nehmend auf den eingangs erwähnten Foodporn-Vergleich ist „Point Break“ wohl in etwa das, was man sich unter einem „Extremsport-Porno“ vorstellt. Dabei ist der Film trotz seines hohen Budgets von 100 Millionen Dollar nicht auf billige Effekte aus; anders als Filme wie „Fast & Furious 7“ oder „San Andreas“ geht es den Verantwortlichen nicht um die stumpfe Aneinanderreihung von möglichst viel zerstörender, krawalliger Action. Stattdessen begibt sich der Film auf eine Reise in die schönsten Gebiete der Welt – und der Kameramann (Ericson Core, der im ersten Teil der „Fast & Furious“-Reihe bereits für die Bilder zuständig war) ganz nah ran an Menschen, die in eindrucksvollen Akten (die nahezu vollständig ohne die Arbeit am Computer auskamen) an ihre körperlichen und physischen Grenzen gehen. Da wird an senkrechten Wänden heraufgeklettert, meterhohe Wellen geritten, mit dem Snowboard werden steile Felswände hinunter gefahren und im Batsuite wird durch schmale Felsspalten hindurchgerast. Und schon in den ersten fünf Minuten wird der Zuschauer für den Ticketkauf entlohnt.

Fazit: Nach Logik-Löchern, Sinn und Substanz sollte man in der Neuauflage des Neunzigerjahre-Klassikers „Gefährliche Brandung“ nicht suchen. Doch: wozu auch? Ericson Core schreibt sich in „Point Break“ die spektakuläre Inszenierung diverser Extremsportarten auf die Fahnen – und liefert diese auf den Punkt! Dieses 2016 vermutlich einmalige Filmerlebnis sollte man sich, besonders in 3D, nicht entgehen lassen. Ein Kinobesuch der ganz besonderen Art!

„Point Break“ ist ab dem 21. Januar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in 3D!

2 Kommentare

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