Schlagwort-Archiv: Michael Chaves

1. Juli 2021: Die deutschen Kinostarts

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, die insgesamt mit 24 (!!) Neustarts aufwartet. Eine derart unübersehbare Anzahl an Filmen kann kaum einer in einer Woche schauen. Und deshalb haben wir uns der Übersicht halber – mal wieder – auf die vermutlich wichtigsten Neuerscheinungen beschränkt. Neben dem Oscarabräumer „Nomadland“, der unter anderem die Trophäe als „Bester Film“ gewann, freuen sich vor allem Genrefans seit Monaten auf Brandon Cronenbergs zweiten Film „Possessor“. Auch der dritte Teil der „Conjuring“-Reihe befriedigt die Lust nach kurzweiligem Horror. Während „100% Wolf“, „Catweazle“ und „Peter Hase 2“ sich hervorragend für die ganze Familie eignen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

 

PETER HASE 2: EIN HASE MACHT SICH VOM ACKER | Regie: Will Gluck | AUS/IND/USA/UK/CAN 2021

Nach den nervenaufreibenden Ereignissen der Vergangenheit haben Bea (Rose Byrne), Thomas (Domhnall Gleeson) und die Hasenbande, angeführt von dem frechen aber liebenswerten Peter Hase (in der deutschen Fassung gesprochen von Christoph Maria Herbst) als Familie ihren Frieden geschlossen. Aber auch wenn er sich redlich bemüht, gelingt es Peter einfach nicht, seinen Ruf als kleiner Schlawiner loszuwerden. Etwas, was Thomas sehr entgegenkommt, denn so ganz überzeugt von der ungewöhnlichen Familienkonstellation ist er immer noch nicht. Als er sich gemeinsam mit seinem neuen Kumpel Barnabas, einem alten Freund von Peters verstorbenem Vater, auf ein aufregendes Abenteuer außerhalb des Gartens einlässt, findet er sich auf den Straßen der Großstadt in einer Umgebung wieder, wo seine spitzbübische Art gut ankommt. Aber als seine vierbeinigen Freunde in Gefahr geraten, muss Peter sich selbst fragen, was für ein Hase er sein will.

Anarchischer Spaß, großes Gefühlskino und jede Menge Meta-Schabernack: „Peter Hase 2 – Ein Hase macht sich vom Acker“ steht dem fantastischen Vorgänger in Nichts nach und ist einmal mehr ein herrlich chaotisches Familienabenteuer, das für die Großen im Publikum diesmal ganz besonders viel zu bieten hat.


POSSESSOR | Regie: Brandon Cronenberg | CAN/UK 2020

Der Firmenagentin Tasya Vos (Andrea Riseborough) ist es dank einer neuartigen Technologie möglich, mithilfe von Hirnimplantaten in die Körper anderer Menschen einzudringen. Ihre Opfer bekommen im Idealfall nichts davon mit. Sie führen lediglich das aus, was Tasya von ihnen verlangt. Im Auftrag ihrer Chefin Girder (Jennifer Jason Leigh) arbeitete sie auf diese Weise als Serienkillerin, indem sie auf diese Weise fremde Menschen dazu bewegt, Morde zum Wohle des Konzerns zu begehen, für den die beiden Frauen tätig sind. Doch bei einem dieser längst zur Routine gewordenen Aufträge geht etwas schief und plötzlich findet sich Vos im Körper eines fremden Mannes (Christopher Abbott) wieder, dessen Identität ihre eigene auszulöschen droht. Denn dieser Mann ist sich seiner selbst bewusster als sämtliche anderen, von Tasya eingenommenen Personen zuvor…

„Possessor“ ist ein visuell starker und akustisch überragender Science-Fiction-Horrorfilm, der mit Ausnahme einiger heftiger Gewaltspitzen voll und ganz über seine unterkühlt-unberechenbare Atmosphäre funktioniert. Andrea Riseborough lässt sich in ihrer Performance ebenso wenig in die Karten schauen wie der Film selbst, der inhaltlich wie ein verquerer Hybrid aus Pixars „Soul“ und Jonathan Glazers „Under the Skin“ daherkommt. Nur eben in der FSK-18-Version.


NOMADLAND | Regie: Chloé Zhao  | USA/DE 2020

Wie viele ihrer Landsleute hat auch Fern (Frances McDormand) nach der großen Rezession im Jahr 2008 alles verloren was ihr lieb war. Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch einer Industriestadt im ländlichen Nevada packt sie ihre Sachen und bricht in ihrem Van auf, ein Leben außerhalb der konventionellen Regeln als moderne Nomadin zu erkunden. Dort, wo sie einen (Aushilfs-)Job findet, lässt sich Fern eine Weile nieder. Ist ihre Arbeit vorbei, zieht sie weiter. Dabei macht sie die Bekanntschaft mit vielen Gleichgesinnten, muss aber auch feststellen, dass das auf den ersten Blick so verwegene Leben auch seine Tücken mit sich bringt. Insbesondere die permanenten Geldsorgen bereiten der engagierten Frau Kopfzerbrechen. Eine Sorge, die Menschen, denen sie auf ihrer Reise begegnet, teilen. Doch Fern ist fest davon überzeugt, der Zivilisation ein für alle Mal den Rücken zu kehren…

„Nomadland“ hätte sehr leicht ein Problemfilm werden können. Doch Chloé Zhao arbeitet in ihrem modernen Nomad:innenporträt die Faszination für das nicht-sesshafte Leben heraus, ist dabei weder romantisch verklärend noch analytisch nüchtern, sondern im besten Sinne lebensecht.


JUDAS AND THE BLACK MESSIAH | Regie: Shaka King  | USA 2021


NOBODY | Regie: Ilya Naishuller  | USA/JPN 2021

Hutch Mansell (Bob Odenkirk) ist ein typischer Niemand, den keiner so richtig wahrnimmt. Wortlos erträgt der Ehemann und Vater die Demütigungen seines Alltags, ohne sich dagegen zu wehren. Selbst als eines Nachts zwei Unbekannte in sein Vorstadtzuhause einbrechen, weigert er sich, seine Familie zu verteidigen, um eine Eskalation zu verhindern. Davon ist sein jugendlicher Sohn Blake (Gage Munroe) schwer enttäuscht, und auch seine Frau Becca (Connie Nielsen) entfernt sich in der Folge nur noch mehr von ihm. Doch tatsächlich ist dieser Vorfall der Tropfen, der das Fass mit Hutchs lange brütender Wut zum Überlaufen bringt – dunkle Geheimnisse kommen zum Vorschein und wecken seine tödlichen Instinkte. Plötzlich begibt sich der unscheinbare Hutch auf einen brutalen Feldzug, um seine Familie vor einem gefährlichen Gegenspieler zu retten (Aleksey Serebryakov) – unterschätze niemals einen Nobody!

Conjuring 3: Im Bann des Teufels

Das Dämonenjägerpaar Ed und Lorraine Warren bekommt es in seinem neuesten Spuk CONJURING 3: IM BANN DES TEUFELS mit einem jungen Mann zu tun, der unverhofft zum Gefäß einer natürlichen Gestalt wird. Die Zutaten sind ähnlich jenen der ersten beiden Teile. Das Endergebnis leider nur bedingt. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

OT: Conjuring 3: The Devil Made Me Do It (USA/UK 2021)

Weiterlesen

Das startet am 18. April 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 18. April, an dem sich mit „Der Fall Collini“ ein deutscher Thriller auf die Leinwände wagt, der dort aber eigentlich gar nicht so recht hingehört. Es wird interessant sein, zu sehen, ob Elyas M’Barek auch abseits von Komödien Zuschauer ins Kino lockt, nachdem das mit „Who Am I?“ schon einmal nicht funktioniert hat. Die Verfilmung des Ferdinand-von-Schirach-Romans ist immerhin solide, doch so richtig emotional wird es diesmal mit „Goliath96“, einem Drama mit Katja Riemann, das vermutlich in viel zu wenigen Kinos zu sehen sein wird. Im Gegensatz zu „Lloronas Fluch“, einem weiteren Beitrag zur „Conjuring“-Saga. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

GOLIAT96 | Regie: Marcus Richardt | DE 2019

Kristin und ihr Sohn David haben sich seit zwei Jahren nicht mehr gesehen und gesprochen. Und das, obwohl sie gemeinsam in einer Drei-Zimmer-Wohnung leben. Denn David lehnt jegliche Kommunikation mit seiner Mutter ab. Er geht ihr aus dem Weg, er verbarrikadiert sich fast durchwegs in seinem Zimmer, verlässt es nur gelegentlich, um in Abwesenheit seiner Mutter ins Bad zu gehen oder Tiefkühlpizzen in den Ofen zu schieben. Kristin ist völlig verzweifelt. Versuche seiner Mutter, ein Gespräch zu führen, ignoriert David. Ihrem Umfeld verheimlicht sie das alles. Als Kristin eines Tages ihren Job verliert, nimmt sie die Situation zuhause mehr denn je mit, weshalb sie Hilfe von außen sucht. So erfährt sie von einer Bekannten ihres Sohnes, dass David in Internetforen aktiv ist.  Also meldet sie sich im Forum an, in dem er als „Goliath96“ agiert…

Gefühlvoll, stark gespielt und mit zielsicherer, ruhiger Hand inszeniert: „Goliath96“ ist ein emotional aufgeladenes, aber packend-subtil umgesetztes Drama über’s Abschotten.


WENN DU KÖNIG WÄRST | Regie: Joe Cornish | UK/USA 2019

Der zwölfjährige Alex (Louis Serkis) und sein bester Freund Bedders (Dean Chaumoo) müssen sich tagtäglich mit den beiden Schulbullys Lance (Tom Taylor) und Kaye (Rhianna Dorris) herumschlagen. Bis sich das Schicksal der beiden eines Nachts auf unverhoffte Weise wandelt: Auf einer geschlossenen Baustelle findet Lance ein Schwert – es ist Excalibur, das sagenumwobene Schwert von König Artus. Nur, wer sich als würdig erweist, ist in der Lage, es zu benutzen – und offenbar ist Alex der Auserwählte, der auch direkt Bedders zum Ritter schlägt. Das erweckt an anderer Stelle der Welt ein abscheuliches Drachenwesen zum Leben, denn die böse Zauberin Morgana (Rebecca Ferguson) hat es auf die Menschheit abgesehen und benötigt dazu Excalibur, um die Weltbevölkerung zu unterjochen. Wie gut, dass der gutmütige Magier Merlin (Angus Imrie/Patrick Stewart) genau weiß, wie Alex und seine Freunde das verhindern können…

„Wenn Du König wärst“ ist charmante Verbeugung vor und Neuinterpretation der Artusepik, die mit einem schönen Humor und einer stilsicheren Inszenierung seitens Regisseur Joe Cornish überzeugt. Schade ist nur, dass der Film sich gen Ende in ein etwas austauschbares Krawallfinale verliert.


VAN GOGH – AN DER SCHWELLE ZUR EWIGKEIT | Regie: Julian Schnabel | IE/CH/UK/FR/USA 2018

In der Gegend von Arles und Auvers-sur-Oise, wohin sich der bislang weitgehend unbeachtete Maler Vincent van Gogh (Willem Dafoe) zurückgezogen hat, um dem Druck des Lebens in Paris zu entkommen, wird er von den einen freundlich und von den anderen brutal behandelt. Die Inhaberin des örtlichen Restaurants hat Mitleid mit ihm und schenkt ihm ein Notizbuch für seine Zeichnungen. Andere haben Angst vor seinen dunklen und unberechenbaren Stimmungsschwankungen. Auch sein enger Freund und Künstler Paul Gaugin (Oscar Isaac) findet ihn zu erdrückend und verlässt ihn. Allein sein Bruder und Kunsthändler Theo (Rupert Friend) unterstützt ihn unerschütterlich, auch wenn es ihm nicht gelingt, auch nur eines von Vincents Werken zu verkaufen.

Das Biopic „Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit“ ist mehr bewegtes Kunstwerk als klassische Nacherzählung eines bewegten Lebens, dem es zugute kommt, dass Regisseur Julian Schnabel in der Welt der Maler selbst zuhause ist. Seine Ansichten sind bisweilen träge, aber immer wunderschön.


DER FALL COLLINI | Regie: Marco Kreuzpaintner | DE 2019

Anwalt Caspar Leinen (Elyas M‘Barek) gerät über eine Pflichtverteidigung an einen spektakulären Fall: Über 30 Jahre lang hat der 70-jährige Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) unbescholten in Deutschland gearbeitet und dann tötet er anscheinend grundlos den angesehenen Großindustriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in dessen Berliner Hotelsuite. Für Caspar steht weit mehr auf dem Spiel als sein erster großer Fall als Strafverteidiger. Das Opfer ist der Großvater seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara) und war wie ein Ersatzvater für Caspar. Zudem hat er mit der Strafverteidiger-Legende Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) als Vertreter der Nebenklage einen Gegner, der ihm haushoch überlegen scheint. Caspar muss herausfinden, warum Collini ausgerechnet einen vorbildlichen Menschen wie Meyer ermordet hat.

Ohne Publikumsliebling Elyas M’Barek in der Hauptrolle wäre „Der Fall Collini“ im Fernsehen besser aufgehoben. Die zwar eleganten aber insgesamt einfach zu unspektakulären Bilder entfalten auf der Leinwand keine Wucht und trotz des wichtigen Themas hat man die Geschichte schon lange vor der Auflösung durchschaut, wenn man zuvor auch nur ein Buch von Ferdinand von Schirach gelesen hat.


LLORONAS FLUCH | Regie: Michael Chaves | USA 2019

Los Angeles, 1973. Anna Tate Garcia, eine Sozialarbeiterin und alleinerziehende Witwe, ist verzweifelt bemüht, ihrem Job und ihren Kindern gerecht zu werden, während sie gleichzeitig noch um ihren Ehemann trauert. Im Zuge ihrer Arbeit mit den von ihr betreuten Familien bewegt sich Anna dabei oft durch eine Vielzahl von Wahngebilden und Geisterglauben und findet meist deren persönliche Dämonen hinter den Ereignissen heraus. Als sie zum Haus der verzweifelten Patricia Alvarez gerufen wird, findet sie deren zwei Söhne in einer Kammer eingesperrt vor und deutet das als gefährliches Anzeichen von Missbrauch. Obwohl Anna entschlossen ist, Patricia zu helfen, gilt ihre erste Sorge der Sicherheit der Kinder. Angesichts ihrer Unkenntnis der sehr realen Gefahr weist sie die Mutter in eine Nervenheilanstalt ein und nimmt die Kinder in Gewahrsam – völlig ahnungslos, was sie im Begriff ist zu entfesseln…

„Lloronas Fluch“ ist gerade für ein Debütwerk mit solider Hand inszeniert und sieht phasenweise richtig gut aus. Leider verlässt sich Regisseur Michael Chaves in der zweiten Hälfte zu sehr auf gängige Horrorfilmmechanismen und zieht den vorhersehbaren Jumpscare der Erzählung einer emotionalen Story vor. Der Ursprung der Geschichte hätte das locker hergegeben.


Heimkinotipp: UNDER THE SILVER LAKE | Regie: David Robert Mitchell  | USA 2018

Hollywood, Los Angeles. Obwohl die Miete für sein Apartment überfällig ist, hegt Sam (Andrew Garfield) keinerlei Ambitionen, einen Job zu finden. Womit er früher einmal Geld verdient hat, weiß er vermutlich selbst nicht einmal mehr so genau. Lieber hängt er auf seinem Balkon herum, liest Comics und beobachtet die knapp bekleideten Nachbarinnen durchs Fernglas. Als ihn die umwerfend schöne Sarah (Riley Keough) eines Abends zu sich einlädt, kann er sein Glück kaum fassen. Doch nach einer gemeinsamen Nacht ist sie am nächsten Morgen spurlos verschwunden. Sam wittert eine globale Verschwörung, die Millionäre, Celebrities, Hundemörder und urbane Mythen involviert und begibt sich auf eine Schnitzeljagd quer durch L.A. Seine Suche nach Sarah mutiert zur rauschhaften Odyssee durch den undurchsichtigen Dschungel der Großstadt.

In „Under The Silver Lake“ begibt sich Andrew Garfield auf die Spuren von David Lynchs „Mullholland Drive“. David Robert Mitchells Schnitzeljagd durch Los Angeles präsentiert sich als Sammelsurium aller möglichen Verschwörungstheorien, die der „It Follows“-Regisseur gar nicht unbedingt hätte auflösen müssen. Sein packend inszeniertes Mysteryabenteuer weiß auch so ziemlich gut zu unterhalten.