Planet der Affen: Survival

Nachdem sich die „Planet der Affen“-Reihe schon von Film eins zu zwei steigern konnte, setzt Regisseur Matt Reeves dem Franchise mit seinem erschütternden Finale PLANET DER AFFEN: SURVIVAL die Krone auf, indem er mit ihm den besten Blockbuster des Sommers abliefert. Mehr dazu in meiner Kritik.

Der Plot

Caesar (Andy Serkis) und seine Affen werden in einen tödlichen Konflikt mit einer Armee von Menschen getrieben, die unter der Leitung eines rücksichtslosen Colonels (Woody Harrelson) Affen für ihre Zwecke missbraucht. Nach schweren Verlusten auf Seiten der Affen kämpft Caesar mit seinen dunkleren Instinkten und beginnt seinen eigenen mystischen Kampf um Rache für die Seinen. Als Ceasar und der Colonel sich schließlich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, beginnt ein epischer Kampf, der über das Schicksal beider Spezies und die Zukunft des Planeten entscheiden wird.

Kritik

Nur wenige Filmreihen haben das große Glück, sich dank fähiger Regie-Hände von Teil zu Teil weiterzuentwickeln. Normalerweise gilt die Faustregel, dass ein Sequel nie so stark sein kann, wie der filmische Auftakt. Und wenn es einem Franchise über zwei Teile hinaus gelingt, sich zu etablieren, dann scheiden sich die Geister üblicherweise daran, welcher Part denn nun der Beste ist. Dass sich das Reboot der „Planet der Affen“-Reihe von „Prevolution“ zu „Evolution“ steigern konnte, darin waren sich 2014 überraschend viele Leute einig. Dass der schon für Teil zwei verantwortlich zeichnende Matt Reeves („Cloverfield“) diesen Achtungserfolg aber sogar noch übertrifft, indem er sich für seinen Abschluss „Survival“ erneut das einheitliche Lob einholt, hiermit sogar noch einmal seinen umjubelten Vorgänger in den Schatten zu stellen, gleicht einem Geniestreich. Und tatsächlich: „Planet der Affen 3“, der im Original den sperrigen Titel „War for the Planet of the Apes“ trägt, präsentiert sich nicht bloß einmal mehr ganz anders als der suspense- und actiongeladene Vorgänger, sondern setzt auch neue Maßstäbe darin, großes Popcornkino mit anspruchsvollem Erzählen zu verbinden. Obwohl es der Titel anders ankündigt, ist „Planet der Affen: Survival“ nämlich mitnichten eine spielfilmlange Schlacht, sondern ein erschütterndes Kriegsdrama, dem man ebenso gut den Titel „Caesars Liste“ verpassen könnte.

Caesar (Andy Serkis) führt sein Team durch den Krieg gegen die Menschen.

Gen Ende von „Planet der Affen: Evolution“ war eigentlich klar, dass diese Lage aussichtslos ist. Mensch und Affe stehen sich verfeindet gegenüber und obwohl keine der beiden Spezies diesen Krieg hat derart eskalieren lassen wollen („Ich habe diesen Kampf nicht begonnen, aber ich werde ihn beenden!“), scheint das Schicksal besiegelt: Am Ende gewinnt, wer die andere Rasse ausgelöscht hat. Der Titel deutet an, wie das vonstatten gehen soll: Wir sind im Krieg – und auch der Trailer spielte bereits sehr geschickt mit der Erwartungshaltung der Zuschauer, indem hier vornehmlich jenes Material verwendet wurde, das im Film selbst aber erst in der letzten halben Stunde zu sehen sein wird. Alles, was sich in den 100 Minuten davor abspielt, konzentriert sich auf das, was im Deutschen so gezielt hervorgehoben wird: das Überleben (denn tatsächlich zeigt sich, dass die Marketingmaschinerie hierzulande sehr gut daran getan hat, der Reihe ein „Survival“ anzuhängen, anstatt sich ebenfalls auf den Krieg zu konzentrieren). Die Kämpfe, die in „Planet der Affen 3“ ausgetragen werden, finden lange Zeit nicht auf der körperlichen Ebene statt. Nach einem abenteuerlichen Einstieg, der mit einigen, die Situation einordnenden Actioneinlagen gespickt ist und thematisch fast schon an ein Roadmovie erinnert – Ceasar und seine Freunde sind zu Pferd permanent auf der Flucht –, drosselt Matt Reeves das Tempo hart und flüchtet sich in ein zermürbendes Kammerspiel, ausgetragen vor der Kulisse eines Arbeits- und Folterlagers, das eigens von den Menschen für die Affen errichtet wurde. Spätestens hier zeigt sich: „Planet der Affen: Survival“ ist, nicht nur an aktuellen Blockbusterverhältnissen gemessen, ziemlich starker Tobak.

Matt Reeves macht nie einen Hehl daraus, dass seine Vision vom „Planet der Affen“ zugleich auch eine Parabel auf den Zweiten Weltkrieg, gleichsam aber auch auf aktuelle, weltpolitische Zustände ist. Er appelliert an ein Miteinander, an Menschlichkeit und vor allem daran, sich nicht einfach blindem Hass hinzugeben, bloß weil es die Menschen respektive Affen um einen herum ebenfalls tun. Das funktioniert allerdings nur, da sich das Skript von Mark Bomback („Die Bestimmung – Insurgent“) und Reeves selbst nie in Hoffnungslosigkeit und Pessimismus ergießt. Die hier dargestellte Szenerie ist an Brutalität, Härte und Herzlosigkeit zwar kaum zu überbieten (allein die Folterszenen eines an ein großes Holzkreuz genagelten, immer wieder mit eiskaltem Wasser übergossenen Caesar treibt einem die Tränen der Wut in die Augen), doch parallel dazu lässt Reeves eine bestechend dynamische, klug und abwechslungsreich gedrehte Befreiungsaktion stattfinden, die dem Geschehen nicht bloß Tempo verleiht, sondern auch eine gute Prise Optimismus. Der naiv-weltoffene Neuzugang Bad Ape (Steve Zahn), ein ehemaliger Zooaffe, repräsentiert in Gestalt eines klassischen Sidekicks den unbedingten Willen nach Besserung und zieht seine Truppe in seiner Furchtlosigkeit immer wieder mit, auch wenn sich die Lage zwischendurch als äußerst brenzlig entpuppt. Selbst für einige feine Lacher ist er zu haben – als domestizierter Affe steckt er, genauso wie das zwischenzeitlich aufgegabelte, menschliche Waisenmädchen Nova (Amiah Miller) genau zwischen beiden Spezies fest, indem er sich von beiden Seiten verschiedene Wesenszüge angeeignet hat. Ein äußerst cleverer Schachzug von Matt Reeves – letztlich offenbart sich hier im Detail, dass eine friedliche Koexistenz beider Spezies eben doch funktionieren kann.

Woody Harrelson ist in seiner Rolle des Colonels einer der fürchterlichsten Zeitgenossen jüngerer Kinogeschichte.

Doch natürlich wäre die Betrachtung eines „Planet der Affen“-Films noch nicht einmal ansatzweise komplett, würde man nicht die einmal mehr spektakuläre Tricktechnik berücksichtigen. „War for the Planet of the Apes“ empfiehlt sich nur auf inhaltlicher Ebene dafür, stellvertretend für das gesamte Franchise endlich auch bei den großen Filmpreisen berücksichtigt zu werden. In den Technikkategorien sollte eine Auszeichnung für die ihre liebevolle Detailtreue bekannt gewordenen Motion-Capturing-Experten dieser Reihe schlicht Pflicht sein. Doch ohne die Schauspieler würde das gar nicht funktionieren. Andy Serkis („The Avengers 2: Age of Ultron“) beweist sich in der Hauptrolle des Affen Caesar erneut als emotionale Antriebsfeder des Geschehens. Das Besondere: Während man auf der einen Seite fasziniert davon ist, mit welch technischer Brillanz hier einmal mehr der Eindruck erweckt wird, man hätte nicht etwa mit Menschen, sondern mit echten Affen gedreht, erkennt man in den verschiedenen Fellträgern eben doch genau jene Menschlichkeit, die nur möglich ist, weil Serkis, Zahn und Co. ihr ganzes schauspielerisches Können auffahren. Manchmal genügen wenige Blicke in die traurigen, erleichterten und auch hasserfüllten Augen, um minimale Änderungen im Gemütszustand zu erkennen. „Planet der Affen: Survival“ ist schlicht und ergreifend ganz großes Schauspielkino, ohne dass man die Schauspieler – mit Ausnahme eines widerlich-großartig aufspielenden Woody Harrelson („Die Unfassbaren 2“) – überhaupt als solche wahrnimmt.

Fazit: Am Ende fließen Tränen – der technisch wegweisende „Planet der Affen: Survival“ ist nicht bloß der mit Abstand beste Teil der Filmreihe, sondern beweist auch, dass eine hochdramatische, tieftraurige und im Kern so realistische Grundidee als Basis für einen Popcorn-Blockbuster hervorragend funktionieren kann.

„Planet der Affen: Survival“ ist ab dem 3. August bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in solidem 3D!

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