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2017 – Die Plätze 40 bis 31

Es ist vorbei! Zwölf Monate voller verschiedener Filme – satte 318 an der Zahl – so viele wie noch nie zuvor! Die ärgerlichsten, nervigsten und anstrengendsten Vertreter habe ich bereits in meinen Flops abgefrühstückt. Doch ich kann den Jahreswechsel nicht guten Gewissens antreten, ehe nicht auch all jene Filme ausführlich gewürdigt wurden, die mir in diesem Jahr ganz besonders am Herzen lagen. Entsprechend folgen an dieser Stelle und in den kommenden Tagen meine 40 Lieblingsfilme des Jahres 2017, die ich auch diesmal um einen weiteren Vertreter ergänzen musste, da ich mich einfach nicht entscheiden konnte. Und weil das in den letzten Jahren ja immer schon so gut geklappt hat, weise ich nun noch einmal auf Folgendes hin: Hierbei handelt es sich nicht um die aus objektiver Sicht besten Filme des Jahres, sondern ausschließlich um meine ganz persönlichen, vollkommen subjektiv ausgewählten Lieblingsfilme! Doch genug der Theorie! Hier kommen also meine ersten elf Lieblingsfilme aus über 300 gesichteten Produktionen, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember hierzulande in Deutschland erschienen sind. Und erstmals habe ich nicht bloß Kinofilme, sondern auch Direct-to-DVD-Produktionen und solche berücksichtigt, die auf Streamingplattformen erschienen sind. Viel Spaß!

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Das startet am 7. Dezember 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 7. Dezember; dem letzten Starttag vor „Star Wars“. Entsprechend unspektakulär kommt er daher – fast ohne Mainstreamstart. Am besten dürfte noch das Comedy-Sequel „Daddy’s Home 2“ abschneiden, auch wenn das melancholische Mysterydrama „A Ghost Story“ den größten Mehrwert besitzt. Die Mogelpackung „Zwischen zwei Leben – The Mountain Between Us“ dürfte viele Zuschauer vor den Kopf stoßen, genauso wie die anvisierte Kinderzielgruppe an „Bo und der Weihnachtsstern“ wenig Spaß haben wird.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

A GHOST STORY  | Regie: David Lowery | USA 2017

Es geschieht ganz plötzlich und unerwartet: C kommt bei einem tragischen Autounfall ums Leben. Doch kurz darauf kehrt sein Geist zurück. Der Illusion verschrieben, seiner Frau M bei ihrem Verlust beizustehen, muss er feststellen, dass er in einer neuen Gestalt, losgelöst von jeglicher Zeit, existiert. Als passiver Beobachter ist er gezwungen, schmerzlich dabei zuzusehen, wie ihm das Leben, das er kannte, entgleitet und die Frau, die er liebte, in eine neue Zukunft entschwindet. Unfähig seine Situation zu akzeptieren, vergehen Tage, Wochen und sogar Jahre, bis C verzweifelt erkennt, dass er womöglich für immer an dieses Dasein gefesselt sein wird. Während sich die Welt um ihn drastisch verändert, verblassen Stück für Stück die Konturen seiner eigenen Existenz. 

„A Ghost Story“ fühlt sich so an, als hätte sich Kinopoet Terrence Malick an der Inszenierung eines Horrorfilms versucht. Herausgekommen ist eine melancholische Trauerstudie in hypnotischen Bildern, die vor allem eines ist: aufregend!


DIE LEBENDEN REPARIEREN  | Regie: Katell Quillévéré | FR/BEL 2016

Als Simon am frühen Morgen zum Surfen aufbricht, kann niemand etwas von der drohenden Tragödie ahnen: Ein schwerer Autounfall verändert auf einen Schlag das Leben des Teenagers. Auch seine Eltern in der Hafenstadt Le Havre müssen plötzlich Entscheidungen treffen, deren weitreichende Konsequenzen sie an ihre Grenzen führen. Unterdessen erfährt die zweifache Mutter Claire in Paris, dass ihr schwaches Herz zu versagen droht, wenn nicht umgehend etwas unternommen wird. Den Ärzten und dem medizinischen Fachpersonal in beiden Städten läuft die Zeit davon. Und so wird sich in den nächsten Stunden zeigen, auf welche Weise diese Menschen untrennbar miteinander verbunden sind und wie drei scheinbar zusammenhanglose Stränge einer Geschichte in einen gemeinsamen Kampf münden: den leidenschaftlichen Kampf ums Leben… 

„Die Lebenden reparieren“ ist trotz seiner kurzweiligen Inszenierung ein beklemmend-realistisches Drama, das aufgrund seiner nüchtern-sachlichen Betrachtungsweise dazu beitragen könnte, dass im Anschluss an den Film einige Zuschauer endlich ihren lebensrettenden Organspendeausweis beantragen.


DADDY’S HOME 2  | Regie: Sean Anders | USA 2017

Langweilig gegen cool. Spießig gegen lässig. Schusselig gegen souverän: Das Duell um den Titel als „Super-Dad“ haben der übervorsichtige Brad (Will Ferrell) und der draufgängerische Dusty (Mark Wahlberg) mittlerweile ausgefochten, auch wenn kleinere Sticheleien und Rivalitäten weiterhin an der Tagesordnung sind. Bis eines Tages ihre eigenen Väter vor der Tür stehen und die beiden sich wohl oder übel zusammenraufen müssen, um die Weihnachtsfeiertage zu retten. Denn sich gegen Dustys adrenalinstrotzenden Macho-Dad (Mel Gibson) und Brads übertrieben liebevollen und emotionalen Vater (John Lithgow) durchzusetzen, bedarf einiger Nerven und jeder Menge Männlichkeit. Ein aberwitziger Wettbewerb zwischen vier erwachsenen Männern beginnt…!

Adieu, besinnliche Weihnachtszeit! Der„Daddys Home 2“ ist quasi das männliche Pendant zur zahmen „Bad Moms“-Sause und punktet zur Feier des Tages nicht bloß mit einer hohen Gag-Trefferquote und dem Mut zur Imperfektion, sondern auch mit zwei (Groß-)Vätern, die das ohnehin absurde Daddy-Duo nochmal gehörig durcheinander bringen.


S.U.M. 1  | Regie: Christian Pasquariello | DE 2017

Unheimliche, übermächtige, außerweltliche Kreaturen zwingen die Menschheit seit Jahrzehnten dazu, Zuflucht in einem Versteck aus unterirdischen Bunkersystemen zu suchen. Der junge Militärrekrut S.U.M. 1 (Iwan Rheon) wird nach dem Rücktritt seines Vorgängers zur Erdoberfläche geschickt, um in einem entlegenen Wald von dem Wachturm eines Sicherheitskreises aus die letzten Überlebenden zu beschützen. Er soll ein Auge auf die Umgebung haben und jede Gefahr sofort eliminieren. Was als eine 100-Tage Routinemission beginnt, entwickelt sich bald zu einem Alptraum, denn die ständige Isolation und damit einhergehende Paranoia fordern ihren Tribut und S.U.M. 1 muss nicht nur um seinen Verstand, sondern auch um sein Überleben fürchten. 

„S.U.M. 1“ ist ein reduziert inszenierter, visuell überzeugender Science-Fiction-Thriller mit spannender Ausgangslage, der bis zuletzt so undurchschaubar bleibt, wie seine faszinierende Hauptfigur. Lediglich die wenigen Effekte trüben den Gesamteindruck ein wenig.


BURG SCHRECKENSTEIN 2  | Regie: Ralf Huettner | DE 2017

Es ist wieder soweit: Schreckenstein und Rosenfels überbieten sich bei den alljährlichen Wettkämpfen am Kapellsee mit ausgeklügelten Sabotageakten. Doch kurz vor Schluss kommt es zum Abbruch, als der Zeppelin des Grafen abstürzt! Zwar konnte sich Graf Schreckenstein in letzter Sekunde retten, muss nun aber mehrere Wochen im Sanatorium verbringen – und ist finanziell ruiniert. Der Vertreter des Grafen, sein Vetter Kuno, sieht im Verkauf der Burg an den chinesischen Unternehmer Wang die einzige Lösung. Den Jungs dämmert, dass Burg Schreckenstein nach China umgesiedelt werden soll, um Teil eines mittelalterlichen Themenparks zu werden. Doch Diener Jean glaubt an die Rettung von Burg Schreckenstein und will sich auf die Suche nach dem einst vergessenen Schatz im Burghof begeben. Nur Mythos – oder Realität? 

Ralf Huettner liefert mit „Burg Schreckenstein 2 – Küssen (nicht) verboten!“ eine souveräne Jugendabenteuerfortsetzung, die den Tonfall des Vorgängers gut trifft. Das Liebes-Wirrwarr hätte er sich allerdings für den dritten Teil aufheben dürfen.


ZWISCHEN ZWEI LEBEN – THE MOUNTAIN BETWEEN US | Regie: Hany Abu-Assad | USA 2017

Da ein aufziehender Sturm die Streichung ihres Fluges nach New York zur Folge hat, sieht sich die erfolgreiche Fotoreporterin Alex Martin gezwungen, die Nacht vor ihrer Hochzeit in Idaho zu verbringen. Um vielleicht doch noch rechtzeitig nach Hause zu kommen, beschließt sie, ein Privatflugzeug nach Denver zu chartern. Zufällig trifft sie auf einen ebenfalls gestrandeten Passagier, den britischen Neurochirurgen Ben Bass, der dringend an die Ostküste muss. Kurzentschlossen tun sich die beiden zusammen. Bald darauf nehmen Alex und Ben in einer viersitzigen Piper Platz. Während des Fluges erleidet ihr Pilot einen Herzinfarkt und die kleine Maschine stürzt in den verschneiten Uinta Bergen im Nordosten von Utah ab. Weitab von jeglicher Zivilisation gehen die Chancen, in dieser Einöde gefunden zu werden, gegen Null. 

„Zwischen zwei Leben – The Mountain Between Us“ entwickelt sich vom authentischen Survivaldrama vor atemberaubender Kulisse hin zum sentimentalen Kitschfilm, gegen dessen Rührseligkeit auch Kate Winslet und Idris Elba nur mit Mühe anspielen können. Ein klassischer Fall von Potenzial verschenkt!


BO UND DER WEIHNACHTSSTERN | Regie: Timothy Reckart | USA 2017

Der kleine, aber tapfere Esel Bo wünscht sich nichts sehnlicher als seinen Alltagstrott und die nicht enden wollende Schufterei an der Dorfmühle für immer hinter sich zu lassen. Für das Abenteuer seiner Träume nimmt er eines Tages all seinen Mut zusammen und reißt kurzerhand aus. Endlich in Freiheit, trifft Bo auf das liebenswerte Schaf Ruth, dass eine Herde verloren hat, sowie auf Dave, eine weiße Taube mit äußerst ambitionierten Plänen. Zusammen mit drei albernen Kamelen und einem Haufen exzentrischer Stalltiere folgen die ungleichen Freunde einem großen Stern am Horizont. Doch noch ahnen sie nicht, dass sie die unwahrscheinlichen Helden der wohl großartigsten Geschichte aller Zeiten werden sollen: dem allerersten Weihnachten…

Technisch überzeugt „Bo und der Weihnachtsstern“ mehr als auf inhaltlicher Ebene, denn auch, wenn der Film als lustiges Abenteuer mit niedlichen Tieren überzeugt, verwirrt der halbherzige Umgang mit der biblischen Vorlage ebenso wie das Andichten eines blutrünstigen Schurken.


FORGET ABOUT NICK | Regie: Margarethe von Trotta | DE 2017

Zwei starke Frauen, zwei unterschiedliche Welten: Familienorientiert die eine, karrierefixiert die andere. Frauen, die nur eins gemeinsam haben: Den Ex-Ehemann.  Vor Jahren schon hat Nick Maria mit zwei Kindern sitzen lassen, jetzt schickt er auch Jade in die Wüste. Als Abschiedsgeschenk, und um die Eheverträge einzuhalten, hat er jedoch jeder Ex die Hälfte eines luxuriösen Lofts in Manhattan überschrieben. Umgehend quartiert sich Maria bei Jade ein, und die beiden verlassenen Frauen starten einen erbitterten Kleinkrieg: um die Wohnung, die Einrichtung, die richtige Diät, die passenden Beleidigungen für den Ehe-Deserteur und den richtigen Umgang mit dem Ex: achten oder ächten? Doch mit der Zeit kommen die Frauen sich näher, finden Verständnis und Mitgefühl füreinander, sie lachen nicht mehr übereinander, sondern miteinander – und müssen feststellen, dass Uneinigkeit manchmal auch einen kann.


CLAIR OBSCUR  | Regie: Yesim Ustaoglu | TUR 2016

Chehnaz ist eine attraktive Frau um die Dreißig. Sie ist mit dem Cem (38) verheiratet, den sie bewundert, aber nicht liebt. Sie geben ein beneidenswertes Paar ab und leben in Istanbul in einer schicken Wohnung. Cem ist ein erfolgreicher Architekt. Er ist rational, neigt dazu seine Frau zu bevormunden und kritisiert sie ständig dafür, dass sie zu emotional sei. Chehnaz hat gerade ihre Ausbildung zur Psychologin beendet und muss nun wochentags ein Pflichtpraktikum in einem Krankenhaus in einer abgelegenen Küstenstadt absolvieren. Chehnaz hofft, dass sie diese Zeit übersteht, in dem sie jedes Wochenende zurück zu ihrem Mann nach Istanbul fährt. Eines Morgens, nach einem heftigen Sturm, sitzt ihr im Krankenhaus eine junge Frau gegenüber. Es ist Elmas (18). Diese Begegnung ist für Chehnaz wie ein Weckruf, denn plötzlich realisiert sie, wie unglücklich sie eigentlich ist.


Heimkinotipp: PLANET DER AFFEN: SURVIVAL  | Regie: Matt Reeves | USA/CAN/NZL 2017

Caesar (Andy Serkis) und seine ihm treuen Affen werden in einen tödlichen Konflikt mit einer Armee von Menschen getrieben, die unter der Leitung eines rücksichtslosen und nihilistischen Colonels (Woody Harrelson) Affen für ihre Zwecke missbraucht. Nach schweren Verlusten auf Seiten der Affen kämpft Caesar gemeinsam mit einer Handvoll Verbündeter und mit seinen dunkleren Instinkten und beginnt seinen eigenen mystischen Kampf um Rache für die Seinen. Als Ceasar und der Colonel sich schließlich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, beginnt ein epischer Kampf, der über das Schicksal beider Spezies und die Zukunft des Planeten entscheiden wird. Denn so wie es scheint, kann nur eine von ihnen überleben.

Am Ende fließen Tränen – der technisch wegweisende „Planet der Affen: Survival“ ist nicht bloß der mit Abstand beste Teil der Filmreihe, sondern beweist auch, dass eine hochdramatische, tieftraurige und im Kern so realistische Grundidee als Basis für einen Popcorn-Blockbuster hervorragend funktionieren kann.

Das startet am 3. August 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 3. August, der mit dem stärksten Sommer-Blockbuster dieses Jahres aufwartet. „Planet der Affen: Survival“ wird sicherlich viele überraschen – aber dafür wohl umso mehr Leute positiv. Die französische Komödie „Alibi.com“ liefert dagegen ein sehr unterhaltsames, wenn auch ziemlich albernes Kontrastprogramm, während es sich das Familiendrama „Das Gesetz der Familie“ trotz Starbesetzung wohl nur in wenigen Kinos breitmachen wird. Einen Totalausfall gibt es außerdem: Der Animationsfilm „Emoji – Der Film“ ist leider eine Zumutung für Groß und Klein. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

PLANET DER AFFEN: SURVIVAL  | Regie: Matt Reeves | USA/CAN/NZL 2017

Caesar (Andy Serkis) und seine ihm treuen Affen werden in einen tödlichen Konflikt mit einer Armee von Menschen getrieben, die unter der Leitung eines rücksichtslosen und nihilistischen Colonels (Woody Harrelson) Affen für ihre Zwecke missbraucht. Nach schweren Verlusten auf Seiten der Affen kämpft Caesar gemeinsam mit einer Handvoll Verbündeter und mit seinen dunkleren Instinkten und beginnt seinen eigenen mystischen Kampf um Rache für die Seinen. Als Ceasar und der Colonel sich schließlich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, beginnt ein epischer Kampf, der über das Schicksal beider Spezies und die Zukunft des Planeten entscheiden wird. Denn so wie es scheint, kann nur eine von ihnen überleben.

Am Ende fließen Tränen – der technisch wegweisende „Planet der Affen: Survival“ ist nicht bloß der mit Abstand beste Teil der Filmreihe, sondern beweist auch, dass eine hochdramatische, tieftraurige und im Kern so realistische Grundidee als Basis für einen Popcorn-Blockbuster hervorragend funktionieren kann.


DAS GESETZ DER FAMILIE  | Regie: Adam Smith | UK 2016

Seit Generationen leben die Familienmitglieder des berüchtigten Cutler-Clans als Outlaws in der sanfthügeligen Landschaft um Gloucestershire in England. Was sie zum Leben brauchen, stehlen sie von den reichen Bewohnern der Gegend und haben einen Mordsspaß dabei, die lokale Polizei an der Nase herumzuführen. Chad bewundert seinen Vater, Clan-Oberhaupt Colby, dafür ein Freigeist zu sein und sein Leben in absoluter Unabhängigkeit verbracht zu haben. Aber er weiß auch, dass das Leben abseits der Regeln nur bedingt Freiheit bietet, denn der Rückweg in die zivile Gesellschaft ist verbaut. Auch Chads Kinder sollen, ginge es nach Colby, frei und wild bleiben und ihre Zeit nicht mit der Schule vergeuden. Doch die Unabhängigkeit hat ihren Preis: Die Polizei liegt stets auf der Lauer, in der Gruppe herrscht Chaos und das Geld ist immer knapp. 

„Das Gesetz der Familie“ ist ein brisantes, nicht immer leicht zu verdauendes Familiendrama, das Michael Fassbender und Brendan Gleeson brillieren lässt. Wo der Film in den Actionszenen seine Höhepunkte findet, hätte der Charakterformung ein wenig mehr Genauigkeit gut getan. Alles in allem ist Adam Smiths Film jedoch mehr als sehenswert.


ALIBI.COM  | Regie: Philippe Lacheau | FR 2017

Greg (Philippe Lacheau) ist Geschäftsmann und sein jüngster Coup ist die Gründung des überaus erfolgreichen Unternehmens Alibi.com: Die zumeist männlichen Kunden werden bei Bedarf mit Alibis nach Maß beliefert. Zusammen mit seinem Partner Augustin (Julien Arruti) und dem neuen Mitarbeiter Medhi (Tarek Boudali) wenden sie dabei alle Formen der Kunst an, um ihre Klienten zu decken oder ihnen aus der Patsche zu helfen. Doch dann lernt Greg die schöne Flo (Élodie Fontan) kennen – und wenn diese eins verabscheut, dann sind es lügende Männer. Selbstredend, dass Flo unter keinen Umständen den Hintergrund von Gregs Erfolg erfahren darf. Doch als Greg eines Tages Flos Eltern kennenlernt und ausgerechnet in ihrem Vater einen der treusten Kunden von Alibi.com erkennt, nimmt das Chaos seinen Lauf.

Die französische Komödie „Alibi.com“ ist derbe aber nicht zu vulgär, albern aber nicht schwachsinnig und trotz der richtigen Portion Realismus auch ein wenig abgehoben. Da die Stimmung innerhalb des Ensembles glaubhaft von Sympathie und Freundschaft geprägt ist, ist es leider ein wenig schade, dass der emotionale Aspekt erst auf der Zielgeraden so richtig zum Tragen kommt.


GRIESSNOCKERLAFFÄRE  | Regie: Ed Herzog | DE 2017

Der restalkoholisierte Franz Eberhofer wird am Morgen nach einer rauschenden Polizisten-Hochzeit von einem schwer bewaffneten SEK-Kommando geweckt. Der Kollege Barschl ist mit einem Messer im Rücken tot aufgefunden worden. Und blöderweise ist die Tatwaffe ausgerechnet Franz‘ Taschenmesser. Dass der Dahingeschiedene Franz‘ ungeliebter Vorgesetzter und erklärter Erzfeind ist, macht die Sache auch nicht besser. Gut, dass sein Alt-Hippie-Vater ihm ein schönes Alibi zusammenlügt. Aber ermitteln muss der Franz eben doch selber. Zum Glück ist Kumpel Rudi Birkenberger zur Stelle, um mit ihm gemeinsam den delikaten Fall aufzuklären. Privat ist der Franz auch gefordert. Denn der Papa kocht vor Eifersucht, seit die Jugendliebe der Oma, der kauzige Paul (Branko Samarovski), aufgetaucht ist und sich daheim breit macht. 

Die Eberhofer-Krimis werden weiterhin ein süddeutsches Phänomen bleiben. Doch mit „Griessnockerlaffäre“ bietet Ed Herzog erstmals auch seichte Unterhaltung für Leute, denen dieser Kult bislang fremd geblieben ist. Sein vierter Spielfilm der Reihe ist der bislang beste und macht dank vieler gelungener Momente tatsächlich richtig Spaß.


DIE GÖTTLICHE ORDNUNG  | Regie: Petra Volpe | CHE 2017

Nora (Marie Leuenberger) ist eine junge Hausfrau und Mutter, die 1971 mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einem beschaulichen Schweizer Dorf lebt. Hier ist wenig von den gesellschaftlichen Umwälzungen der 68er-Bewegung zu spüren. Ganz im Gegenteil: Es herrscht die Meinung, Emanzipation sei ein Fluch, eine Sünde gegen die Natur und schlichtweg gegen die göttliche Ordnung. Als Nora wieder anfangen möchte zu arbeiten, verweigert ihr Mann ihr die Erlaubnis und beruft sich dabei auf das Ehegesetz, das die Frau dazu verpflichtet, sich um den Haushalt zu kümmern. Hier erwacht Noras Widerstand! Sie beginnt feministische Literatur zu lesen, enge Jeans und wilden Pony zu tragen und besucht einen Workshop für sexuelle Befreiung. Als sie sich aktiv für das Frauenstimmrecht einsetzt und zu einem Streik aufruft, gerät der Dorf- und Familienfrieden gehörig ins Wanken… 

Petra Volpes Tragikomödie „Die göttliche Ordnung“ beginnt aus einer starken Ausgangsposition. Doch mit der Zeit erweisen sich nicht bloß die Figuren beider Geschlechter durchweg als auf ihre erzählerische Funktion beschränkte Stereotypen, auch die Handlung verläuft in generischen Bahnen und zeigt sich mit ihrem sexuellen Subtext gar völlig überfordert. Wie gut, dass Marie Leuenberger eine durchgehend famose Performance abliefert.


EMOJI – DER FILM  | Regie: Tony Leondis | USA 2017

Versteckt in der Messaging-App liegt Textopolis, eine geschäftige Stadt, in der alle beliebten Emojis leben und darauf hoffen, von ihrem Handy-Besitzer ausgewählt zu werden. In dieser Welt hat jedes Emoji nur einen Gesichtsausdruck – jedes außer Gene. Denn der ist ein überschwängliches Emoji, das ohne Filter geboren wurde und vor lauter unterschiedlichen Ausdrücken förmlich platzt. Fest entschlossen, so „normal“ wie alle anderen Emojis zu werden, holt sich Gene Hilfe von seinem bestenFreund Hi-5 und dem berühmt-berüchtigten Codebrecher-Emoji Jailbreak. Gemeinsam brechen sie auf zu einem atemberaubenden Abenteuer quer durch alle Apps auf dem Handy,um den Code zu finden, der Gene reparieren kann. Jede App birgt dabei eine ganz eigene, wilde Welt voller Spaß. Doch plötzlich bedroht eine viel größere Gefahr das Handy.

Musik aus der Konserve, eine Geschichte ohne erkennbares Herzblut, Charaktere, für die das Wort „Reißbrett“ noch zu viel des Guten wäre und eine Welt, die mit Ausnahme einiger kleiner kreativer Ideen allenfalls ADHS fördert – das ist „Emoji – Der Film“. Das und Christoph Maria Herbst.


FINAL PORTRAIT  | Regie: Stanley Tucci | UK 2017

Während einer Parisreise im Jahr 1964 wird der junge Schriftsteller und Kunstliebhaber James Lord von seinem Freund gefragt, ob er ihm für ein Porträt Modell sitzen würde. Geschmeichelt und fasziniert sagt er zu, denn es handelt sich dabei um niemand geringeren als Alberto Giacometti. Lord hat keine Ahnung, worauf er sich da eingelassen hat. Schon bald erhält der junge Amerikaner Einblicke in den faszinierenden, intensiven, wunderschönen und stellenweise völlig chaotischen und irritierenden Schaffensprozess des weltbekannten Künstlers. Das Bild will nicht fertig werden, und aus Tagen werden Wochen. Termine werden verschoben, weil der Meister gerade nicht in Stimmung ist, oder lieber bei Rotwein im Bistro sitzt, als seiner Kunst nachzugehen. Weil er ganze Gesichtszüge wieder übermalt oder gar absolut an seinem Werk zweifelt. Oder erst einmal Konflikte zwischen Ehefrau und Geliebter gelöst werden müssen…


Heimkinotipp: FENCES  | Regie: Denzel Washington | USA 2016

Pittsburgh in den 50er-Jahren. Der Müllmann Troy Maxson (Denzel Washington) träumte einst von einer Karriere als Baseball-Spieler. Er gehörte zu den Besten seines Teams, konnte als Afroamerikaner jedoch nie auf die Aufnahme ins Profiteam hoffen. Als die Major League endlich schwarze Spieler zuließ, war er bereits zu alt, seither hängt er seinem Traum hinterher. Trotzdem versuch Troy, seiner Frau Rose (Viola Davis) ein guter Ehemann und seinem Sohn Cory (Jovan Adepo) ein guter Vater zu sein. Doch dass der Traum vom Ruhm geplatzt ist, frisst ihn langsam auf und verführt ihn zu Entscheidungen, die seine Familie zu zerreißen drohen. Als eines Tages seine beiden Söhne auf der Matte stehen, kippt die Stimmung und ein Sturm zieht auf… 

Denzel Washingtons Theaterstück-Verfilmung „Fences“ mag ein wenig sperrig sein und die Möglichkeiten des Mediums Kino nicht vollends ausschöpfen. Doch wer den Beruf des Schauspielers in seiner ganzen Bandbreite erleben möchte, für den ist dieser Film Pflichtprogramm.