Ratchet & Clank

Computerspielverfilmungen haben seit jeher einen miserablen Ruf. Mit der gleichnamigen Leinwandadaption von RATCHET & CLANK unternimmt der kanadische Filmemacher Kevin Munruoe nun leider nichts, um zu beweisen, dass es anders geht. Sein seelenloses CGI-Spektakel gehört zu den miserabelsten Filmerlebnissen des Jahres. Mehr dazu in meiner Kritik.Ratchet & Clank

Der Plot

Der vorlaute, aber liebenswürdige Lombax Ratchet hat schon immer davon geträumt, zu den berühmten Galactic Rangers zu gehören. Als Anführer Qwark Aufnahmeprüfungen für sein Team abhält, sieht Ratchet seine große Chance gekommen – aber Qwark lässt ihn knallhart abblitzen: Ratchet hat seiner Meinung nach nicht das Zeug zum Helden. Unterdessen zerstört Bösewicht Drek am anderen Ende der Galaxie den Planeten Tenemule mit einem einzigen Strahlenstoß seines brandneuen Deplanitosators. In derselben Nacht wird Ratchet vom Lärm einer abstürzenden Rettungskapsel aus dem Schlaf gerissen: Im letzten Augenblick ist es dem etwas zu klein geratenen Roboter Clank gelungen, Dreks Schergen zu entkommen. Er berichtet Ratchet von Dreks Plan, die Galactic Rangers auszulöschen und das gesamte Sonnensystem zu vernichten. Wer kann ihn jetzt noch aufhalten? Qwark sicher nicht – der stolpert über sein übergroßes Ego. Nun ruhen die Leben von Millionen also auf den flauschigen Schultern des tollkühnen Lombax Ratchet und seines neuen, metallenen Freundes Clank…

Kritik

Früher war alles besser. Zugegeben, diese Aussage funktioniert meist nur in einem dramatischen Zusammenhang und ist selten auf Fakten denn vielmehr persönlichen Empfindungen begründet. Trotzdem kommt die Verfasserin dieser Zeilen nicht umher, ihre Kritik zur Spieleverfilmung „Ratchet & Clank“ mit genau diesem Satz zu beginnen, obwohl wir uns bei dem vom Spieleriesen PlayStation koproduzierten Animationsabenteuer eigentlich mit einer Filmgattung zu tun haben, bei welchem die zu Anfang getätigte Aussage gar nicht stimmen dürfte. Dreidimensionale Computertrickfilme haben in Zeiten von Pixar, DreamWorks und Co. eigentlich ein gewisses Grundniveau, sodass allein vom technischen Standpunkt aus ein Hauch von Qualität auch dann gesichert sein sollte, wenn ringsherum nichts stimmt. Gleichwohl haben ausgerechnet Leinwandadaptionen von Games einen miesen Ruf. In naher Zukunft haben gleich zwei Filme des Genres die Möglichkeit, jenen ein wenig aufzupolieren: In wenigen Wochen erscheint zum einen die visuell stark an „Herr der Ringe“ angelehnte „World of Warcraft“-Verfilmung „Warcraft: The Beginning“ in den Kinos. Darüber hinaus ließen sich für die Spielfilmvariante von „Assassin’s Creed“ gar Hollywoodgrößen wie Michael Fassbender und Marion Cottilard verpflichten. Bis wir uns jedoch (vielleicht) davon überzeugen können, dass es sehr wohl funktionieren kann, ein Computerspiel filmisch aufzubereiten, gibt sich der Kanadier Kevin Munroe erst mal alle Mühe, das miese Image von Gamingverfilmungen aufrecht zu erhalten.

Ratchet & Clank

Wie genau hängt jetzt eigentlich die zu Beginn getätigte Aussage, dass früher alles besser war, mit den Ausführungen zum Status Quo des Animationsfilms zusammen? Ganz einfach: In einer Sache sind sich insbesondere Kinder der Neunziger heutzutage einig: Wenn früher eines besser war, dann war es die Qualität des Nachmittagsfernsehens. Ob harmlose Zeichentrickserien, actiongeladene Animes oder Abenteuer-Spielshows, einst war für jeden Geschmack etwas dabei. Heutzutage liefern Super RTL, RTL 2 und Co. allenfalls austauschbare, irgendwo im Ausland produzierte Billiganimationsformate, die die jungen Zuschauer mit ihren grellen Farben und den seelenlosen Figuren allenfalls in einen televisionären Zuckerschock versetzen, sofern diese nicht ohnehin schon auf einem solchen sind. Was das wiederum mit der Verfilmung des PlayStation-Bestsellers zu tun hat? Nun, als Doppelfolge einer solch austauschbaren Kiddie-Serie, eingebettet irgendwo zwischen „Biene Maja 3D“ und „Seelenlos-animierte-Superhelden-kämpfen-gegen-das-Böse – Die Serie“ befände sich „Ratchet & Clank“ in bester Gesellschaft. Blöd nur, dass sich Macher und Studios dazu entschlossen, den nervigen Weltraum-Budenzauber international in die Kinos zu bringen.

Im Hinblick auf die von Jahr zu Jahr stetig gewachsene Fanbase des Gaming-Bestsellers, ist diese Entscheidung sicher richtig. „Ratchet & Clank“ umfasst mittlerweile 13 Spiele für die Konsole, daneben vertreibt PlayStation natürlich massig Merchandising und um sich dem Zeitgeist anzupassen, gibt es das Jump-and-Run-Spiel mit dem putzigen Fuchswesen Ratchet und dessen Roboter-Sidekick Clank mittlerweile auch fürs Smartphone. Betrachtet man nun die Filmvariante, so kommt man nicht umher, zu überlegen, ob der trotz seiner übersichtlichen Laufzeit von gerade einmal 90 Minuten viel zu zäh geratene Film nicht doch eher als Gimmick fürs Handy gedacht war; zumindest wir können partout nicht glauben, dass das Drehbuch von Kevin Munroe, T.J. Fixman und Garry Swallow länger ist, als eine DinA4-Seite. Völlig inkonsequent ist das nicht: T.J. Fixman etwa war bislang ausschließlich an den Skriptarbeiten der „Ratchet & Clank“-Spiele beteiligt, Kevin Munroe als Schreiber und Inszenator einiger „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Episoden. Lediglich Garry Swallow kann mit seiner Beteiligung an einigen namhafteren Animationsfilme („Ice Age 2“, „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“) auf Erfahrung im animierten Spielfilmbereich bauen, wenngleich die dreidimensionalen Eskapaden der Urzeitechsen von vor einigen Jahren über weite Strecken ohne Text auskamen.

Ratchet & Clank

Wo sich andere Autoren bei Ihrer Arbeit normalerweise in ihren Stärken ergänzen, geschah dies im Falle von „Ratchet & Clank“ offenbar auf negativer Seite. Ohne eigene Impulse, vollkommen frei von Überraschung und Innovation propagiert die Story hier einzig und allein das familientaugliche Credo „Du kannst alles schaffen, wenn Du nur fest daran glaubst!“. Die Charaktere sind nicht mehr als bloße Abziehbilder von standardisierten Figuren ebenso gängiger Familienunterhaltung (vom mutigen Helden über den putzigen Sidekick bis hin zum allmachtsfanatischen Schurken gibt es kein Klischee, das „Ratchet & Clank“ nicht bedient) und wenn man sich schließlich doch mal traut, wenigstens für ein paar Momente so etwas wie Eigeninitiative zu ergreifen und beispielsweise eine Figur zu etablieren, die sich mit viel Gutwillen als Satire auf das übersteigerte Ego diverser Stars und Sternchen interpretieren ließe, geht das deshalb vollkommen in die Hose, weil die Macher zu keinem Zeitpunkt ein Gespür für Timing an den Tag legen. Kurzum: Jeder funktionierende Ansatz, egal ob auf erzählerischer, humoristischer oder charakterlicher Ebene läuft sich irgendwann tot. Von Fingerspitzengefühl ist in „Ratchet & Clank“ zu keinem Zeitpunkt etwas zu spüren.

Dabei wäre eine derart standardisierte Geschichte gerade im Hinblick auf die Herkunft von „Ratchet & Clank“ als Spieleverfilmung gar nicht so verkehrt, wenn die Macher ihren Fokus stattdessen auf etwas Anderes legen würden, denn die Geschichte an sich. Die Games sind in ihrer Simplizität wie geschaffen, um damit innerhalb eines Films so viel wie möglich anzustellen, ohne Fans dabei vor den Kopf zu stoßen. Doch offenbar waren sich die Macher im Entstehungsprozess nie so ganz einig, an wen sich der Film eigentlich richten soll. Eingebettet in ein Setting, irgendwo zwischen „Krieg der Sterne“, „Star Trek“ und dem in Kürze in den Kinos startenden Animationsfilm „Einmal Mond und zurück“, stillt die „Ratchet & Clank“-Verfilmung visuell zwar den Durst nach dreidimensionaler Weltraum-Action (auch wenn der 3D-Effekt in der Pressevorführung für unser Auge kaum zu erkennen war), doch trotz seiner übersichtlichen Laufzeit von 90 Minuten, geht der Unterhaltungswert des Films nicht über die sich stark an den Spielen orientierende Animation hinaus. Daran ändern auch die mittlerweile zum Standard gewordenen Popkulturreferenzen nichts, die augenscheinlich jene Zuschauer zufriedenstellen sollen, für die „Ratchet & Clank“ eigentlich konzipiert ist: die Fans. Diese werden sich jedoch aufgrund der vorhersehbar-lieblosen Story langweilen, während die kleinen mit den sich an Ältere richtenden Gags nichts anfangen können werden. Am Ende bleibt die Frage: Was soll das eigentlich?

Clank sollte ursprünglich ein Kriegsroboter werden, ist dafür aber etwas zu klein geraten.

Clank sollte ursprünglich ein Kriegsroboter werden, ist dafür aber etwas zu klein geraten.

Fazit: „Ratchet & Clank“ hat nichts, außer zwei halbwegs sympathische Hauptfiguren, von denen der mit dem höheren Wiedererkennungswert – Clank nämlich – kaum etwas zu tun bekommt. Stattdessen rattert das dreidimensionale Weltraumspektakel einmal genau das herunter, was man von jeder standardisierten Geschichte eines solchen Schlages kennt. Da ist nichts, was man nicht schon einmal gesehen hat. Nur hier eben in Computerspiel-, anstatt in Filmoptik. Dann doch lieber eine Runde Snake auf dem Nokia 3210.

„Ratchet & Clank“ ist ab dem 28. April bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in miesem 3D!

4 Kommentare

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