Schlagwort-Archiv: Sally Potter

Das startet am 13. August 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 13. August, dessen wohl größter Start „I Still Believe“ gleichzeitig der schwächste ist. Vielleicht gelingt es ihm aufgrund der populären Vorlage einige Zuschauer in die Kinos zu locken, auch wenn das Buch hierzulande längst nicht so bekannt ist wie in den USA. Mit „Der letzte Mieter“ und „The Witch next Door“ trumpft das Genrekino auf: Zum einen, weil der erste Vertreter starkes deutsches Wirtschaftskino mit einem spannenden Entführungsplot verknüpft, und zum anderen, weil es sich beim Hexenfilm um einen überraschenden Rekordbrecher handelt. Alles weitere lest ihr in den dazugehörigen Kritiken.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DER LETZTE MIETER | Regie: Benjamin Karalic | DE 2018

Es passiert in vielen Großstädten, doch besonders in der Bundeshauptstadt Berlin: Es werden reihenweise Häuser saniert und die alten Mieter müssen ausziehen, da sie sich die höheren Mieten nicht mehr leisten können und in der sich verschönernden Gegend Platz für neue Mieter zu machen. Diese Geschichte erzählt vom Schicksal einer dieser Mieter. Dem letzten. Der alte Dietmar (Wolfgang Packhäuser) hat da keinerlei Verständnis für. Der 67-Jährige sieht nicht ein, weshalb er seine geliebte Wohnung nach 40 ereignisreichen Jahren verlassen sollte. Selbst sein Sohn Tobias (Matthias Ziesing) schafft es nicht, ihn zu beruhigen. Als plötzlich die Polizistin Shirin (Pegah Ferydoni) vor der Tür steht, nimmt die die Situation die erste von vielen dramatischen Wendungen …

Eine interessante Mischung: Regisseur Benjamin Karalic breitet einen wirtschaftspolitischen Konflikt für das Genrekino auf. Das Ergebnis ist mit „Der letzte Mieter“ ein hin und wieder etwas unrundes Entführungs-Thrillerdrama aus (und über) Deutschland.

THE WITCH NEXT DOOR | Regie: Brett Pierce, Drew T. Pierce  | USA 2018

Der Überraschungshit aus den USA: „The Witch next Door“ ist ein ordentlicher Hexenhorrorfilm, der dann am stärksten ist, wenn er sich nicht auf die ungeschriebenen Gesetze des Genres verlässt. Doch auch Liebhaber des schnellen Jumpscare-Kinos dürften hieran ihre Freude haben.


WEGE DES LEBENS – THE ROADS NOT TAKEN | Regie: Sally Potter | UK/SWE/USA/POL/ESP 2020

24 bedeutsame Stunden im Leben von Leo (Javier Bardem) und dessen Tochter Molly (Elle Fanning): Beide haben sich mit der Zeit auseinander gelebt, doch nun kämpfen sie gemeinsam mit dem zunehmend kritischen mentalen Zustand des alleinstehenden Vaters kämpft. Während sie sich durch einen stressigen Tag in New York City schlängeln und versuchen, den normalen Alltag zu bewältigen, verliert sich Leo immer wieder in zwei Lebensrealitäten, die er so hätte erleben können: Von der leidenschaftlichen Ehe mit seiner Jugendliebe Dolores (Salma Hayek) in Mexiko bis hin zu einem Leben in Einsamkeit auf einer abgelegenen griechischen Insel, wo das zufällige Aufeinandertreffen mit zwei jungen Touristinnen schmerzliche, unbequeme  Einsichten ans Licht bringt.

Sally Potter gelingt mit ihrem melancholisch-träumerischen Demenzdrama „Wege des Lebens – The Roads not taken“ von der Annäherung zwischen Vater und Sohn auf dem Rücken einer schweren Krankheit. Doch ihr Inszenierungsstil steht der angestrebten Ernsthaftigkeit im Weg und wirkt bisweilen esoterisch.


I STILL BELIEVE | Regie: Andrew Erwin, Jon Erwin  | USA 2020

Der aufstrebende junge Musiker Jeremy (K.J. Apa) verliebt sich Hals über Kopf in die bezaubernde Melissa (Britt Robertson). Die Annäherung der beiden gestaltet sich zunächst als schwierig. Vor allem Melissa wird längst nicht bloß von Jeremy, sondern auch noch von anderen jungen Männern umworben. Doch die Chemie zwischen den beiden stimmt und schnell wird aus ihnen ein Paar. Doch ihr Glück scheint nur von kurzer Dauer, denn Melissa erhält eine schreckliche Diagnose: Sie hat einen aggressiven Krebs, der das Leben der jungen Frau bedroht.. Durch Jeremys Musik schöpft das junge Paar immer wieder Kraft, sich gegen das Schicksal zu stellen. Ihr gemeinsamer Lebensmut scheint alles überwinden zu können. Doch ist ihre Liebe stark genug, den Weg bis zum Ende gemeinsam zu gehen?

Christlicher Propagandakitsch im Gewand eines romantischen Jugenddramas – so schön das alles auch aussieht und klingt, „I Still Believe“, der von zwei im christlichen Kino bereits bestens bekannten Regisseuren stammt, ist alles andere als erträglich.


DER GÖTTLICHE ANDERE | Regie: Jan Schomburg  | DE/IT 2020

Während er in Rom über die Papstwahl berichtet, verliebt sich der vollkommen atheistische Moderator Gregory ausgerechnet in Maria, die kurz davor ist, Ordensschwester zu werden und damit eigentlich Gott versprochen ist. Nach einer mysteriösen Häufung von Hindernissen, mit denen sich Gregory bei dem Versuch, Maria näherzukommen, konfrontiert sieht, muss er sich schließlich eingestehen, dass er es beim Kampf um Marias Liebe mit einem übersinnlichen Konkurrenten zu tun hat, der im wahrsten Sinne des Wortes allmächtig ist.

Nach seinen Arbeiten „Über uns das All“ und „Vergiss mein Ich“ verzaubert Regisseur Jan Schomburg als kreativer Kopf einer göttlichen Liebesgeschichte mit trockenem Witz, viel Charme und skurrilen Einfällen, die die Frage nach einem Gott aus einer ungewöhnlichen Perspektive stellen.


Heimkinotipp: ENKEL FÜR ANFÄNGER | Regie: Wolfgang Groos  | DE 2020

Karin (Maren Kroymann), Gerhard (Heiner Lauterbach) und Philippa (Barbara Sukowa) haben nicht nur ihr Rentenalter gemein, sondern auch die die Angst vor der Langeweile im Alltag. Die quirlige Philippa hat dagegen vorgesorgt und kümmert sich als Paten-Oma regelmäßig um betreuungsbedürftige Kinder aus der Nachbarschaft. Etwas, was für Karen und insbesondere Gerhard eigentlich gar nicht infrage kommt. Doch manchmal kommt es eben ganz anders und so findet sich Karin schon bald als Betreuerin zweier aufgeweckter Patchwork-Geschwister wieder, die mit dem unsteten Umfeld ihrer Familie heillos überfordert sind. Und auch der verhärmte Witwer Gerhard erkennt in einem kleinen russischen Jungen zunächst sich selbst wieder und entdeckt später die Freude daran, wie es ist, auch im hohen Alter noch mal Verantwortung zu übernehmen und neue Freundschaften zu schließen. Doch damit fangen die Probleme erst an…

Auch wenn es natürlich ein Risiko ist, sich bereits Ende 2019 auf so ein Urteil festzulegen, so darf doch sehr stark daran gezweifelt werden, dass es 2020 eine bessere deutsche Komödie ins Kino schaffen wird als Wolfgang Groos‘ „Enkel für Anfänger“. Dieser Film gehört mit der ganzen Familie genossen!

Das startet am 30. November 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 30. November; dem Tag, mit den vermutlich meisten Kinostarts in diesem Jahr. Kein Wunder: nur noch zwei Wochen bis „Star Wars“ – bis dahin wollen kleinere Verleiher ihre Starts noch schnell hinter sich gebracht haben. Der wichtigste kommt diese Woche aus dem Hause Pixar, denn mit „Coco“ startet der diesjährige Weihnachts-Animationsfilm aus der berühmten Filmschmiede. Aufgrund seines Erfolges auch als breiter Start angelegt, ist die Komödie „Girls Trip“, auch wenn diese kaum überzeugen kann und wird. Das Remake des Thrillers „Flatliners“ wurde der deutschen Presse bislang nicht gezeigt, wird allerdings ebenfalls mit vielen Kopien starten. Der stärkste Film dieser Woche ist dagegen einer, der nur in wenigen Kinos laufen wird, dort allerdings von möglichst vielen Leuten besucht werden sollte: Die Rede ist von dem harten Westerndrama „Brimstone“ mit einem überragenden Guy Pearce.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BRIMSTONE  | Regie: Martin Koolhoven | NED/DE 2017

Ende des 19. Jahrhunderts im amerikanischen Westen: Die junge Liz (Dakota Fanning) ist auf der Flucht vor ihrer düsteren Vergangenheit, als sie sich zum Schutz hinter den Mauern eines gottesfürchtigen Dorfes niederlässt. Hier arbeitet sie als Hebamme und lebt an der Seite ihres Ehemannes Eli (William Houston) und gemeinsam mit ihren zwei Kindern, nichtsahnend, das sich ein diabolischer Priester (Guy Pierce) auf den Weg in genau dieses Dorf begibt. Liz ist überzeugt davon, dass er es auf sie abgesehen hat. Fortan lebt sie in noch größerem Unbehagen und schottet sich immer mehr von der Außenwelt ab. Als sie eines Tages eine Entscheidung fällt, die die ganze Dorfgemeinschaft gegen sie aufbringt, zieht sie genau die Aufmerksamkeit auf sich, vor der sie bislang geflohen ist und muss sich schließlich endgültig ihrer Vergangenheit stellen.

Das in seiner Düsternis und Kompromisslosigkeit kaum zu ertragene Rachedrama „Brimstone“ ist nicht bloß meisterhaft erzählt und bravourös inszeniert. Es fährt mit einem spektakulär-widerwärtigen Guy Pearce auch den abartigsten Bösewicht des diesjährigen Kinojahres auf – und eine bärenstarke Dakota Fanning!


COCO  | Regie: Lee UnkrichAdrian Molina | USA 2017

Am mexikanischen “Día de los Muertos“ gedenken Freunde und Verwandte ihrer geliebten Ahnen, bedenken sie mit Zucker-Totenköpfen und Blumen, um so deren spirituelle Reise im Land der Toten zu unterstützen. Ausgerechnet an diesem so wichtigen, traditionellen Feiertag landet der kleine Miguel mit seinem schrägen Hund Dante durch einen unglaublichen Zufall in dieser anderen Welt. In dem lauten, bunten Kosmos voller schräger und liebenswerter Charaktere trifft er nicht nur auf seine Ur-Ahnen, sondern auch auf den liebenswerten Hector, der ihm helfen will, den Weg zurück nach Hause zu finden. Doch das ist leichter gesagt als getan! Je mehr Miguel versucht, in die Welt der Lebenden zurück zu kehren, desto tiefer wird er in ein altes Familiengeheimnis gezogen. Doch die äußerst toten und gleichzeitig lebendigen Typen sind so gar keine Hilfe… 

In atemberaubenden Farben und mit viel Gefühl erzählt Pixars neuester Streich „Coco“ eine musikalische Geschichte über die Macht der Erinnerung und darüber, dass es sich lohnt, das Vergessen zu vergessen. Ein zauberhafter FIlm!


120 BPM  | Regie: Robin Campillo | FR 2017

Paris, Anfang der 90er. Seit fast zehn Jahren wütet Aids in Frankreich, doch noch immer wird über die Epidemie in weiten Teilen der Gesellschaft geschwiegen. Mitterrands Regierung kümmert sich nicht um sexuelle Aufklärung und die Pharma-Lobby verschleppt die Entwicklung neuer Medikamente. ACT UP, eine Aktivistengruppe von Betroffenen, will auf die Missstände aufmerksam machen. Sie schmeißt Kunstblut-gefüllte Wasserbomben auf die Wände von Forschungseinrichtungen und kapert bewaffnet mit Informationsbroschüren die Klassenräume der Stadt. Wie weit die Aktionen gehen dürfen, wird bei den wöchentlichen Treffen kontrovers diskutiert. Als der 26-jährige Nathan, der selbst HIV-negativ ist, zu ACT UP stößt, zieht ihn die Entschlossenheit der Gemeinschaft sofort in ihren Bann. Und er verliebt sich in Sean, den Mutigsten und Radikalsten der Gruppe. 

„120 BPM“ erzählt zunächst differenziert und detailreich von der Aktivistengruppe ACT UP, die sich Anfang der Neunzigerjahre für eine großflächige Aufklärung über AIDS einsetzte und wird in der zweiten Hälfte schließlich zum herben Sterbedrama, das von seinen herausragenden Darstellern getragen wird und in seiner Radikalität schockiert.


WHATEVER HAPPENS  | Regie: Niels Laupert | DE 2017

Die Trennung ist beschlossen: Hannah und Julian treffen sich noch ein letztes Mal zur Wohnungsübergabe, die kurz und schmerzlos über die Bühne gehen soll. Das ist zumindest der Plan. Doch nichts verläuft wie gedacht: Die Übergabe platzt und die beiden sitzen, ausgerechnet am Silvesterabend, nach wochenlanger Funkstille, gemeinsam in ihrer ehemaligen Wohnung fest. Dabei müssten sie schon längst auf der Party ihrer besten Freunde sein, um einen letzten gemeinsamen Auftritt hinzulegen. Vor sieben Jahren haben sich Hannah und Julian bei einer Wohnungsbesichtigung kennengelernt und wurden zu Mitbewohnern wider Willen. Sie, die zielstrebige Jurastudentin, er, der in den Tag hineinlebende Fotograf. Plan versus Planlosigkeit. Aus den Mitbewohnern wird ein ungleiches, aber sich liebendes Paar. Während Julian beruflich zurücksteckt, startet Hannah durch. Die beiden entfernen sich immer mehr voneinander… 

Niels Laupert seziert in „Whatever Happens“ eine ganz normale Beziehung und macht daraus ein clever geschriebenes Zeitdokument über den Zwiespalt zwischen Kind und Karriere. Die anklagenden Momente gehen einher mit einem liebevollen Blick fürs Alltägliche, was Fahri Yardim und Sylvia Hoeks in ihren Hauptrollen brillieren lässt.


DIE VIERHÄNDIGE  | Regie: Oliver Kienle | DE 2017

Die beiden Schwestern Sophie (Frida-Lovisa Hamann) und Jessica (Friederike Becht) werden als Kinder Zeuge eines brutalen Verbrechens – sie müssen mitansehen, wie ihre Eltern von zwei fremden Eindringlingen grausam abgeschlachtet werden. Jessica verspricht daraufhin der jüngeren Sophie, immer auf sie aufzupassen. Doch 20 Jahre später ist aus dem Versprechen eine Besessenheit geworden. Während Sophie versucht, Pianistin zu werden und sich ein Leben frei von Ängsten aufzubauen, leidet Jessica unter Wahnvorstellungen, fürchtet überall eine Bedrohung. Als die Täter von damals auf freien Fuß kommen, ist Jessica entschlossen, sie zu finden. Ein Unfall aber verändert alles und verwandelt Jessicas Versprechen in einen existentiellen Alptraum. 

Oliver Kienle gelingt mit „Die Vierhändige“ ein Mysterythrillerdrama, das mit starken Darstellern besticht und eine Erkenntnis offenbart, die in ihrer Tragik sämtliche übernatürlichen Momente des Films in den Schatten stellt.


DER MANN AUS DEM EIS | Regie: Felix Randau | DE/IT/AT 2017

Vor 5.300 Jahren in der Jungsteinzeit. Eine Großfamilie lebt friedlich an einem Bach in den Ötztaler Alpen. Ihrem Anführer Kelab obliegt es, den heiligen Schrein zu verwahren. Während Kelab auf der Jagd ist, wird seine Siedlung überfallen und die gesamte Sippe ermordet, darunter Kelabs Frau und sein Sohn. Auch das Heiligtum der Gemeinschaft wird geraubt. Getrieben von Schmerz und Wut hat Kelab nur noch ein Ziel – Vergeltung! Er folgt den Spuren der Täter. Auf seiner Odyssee durch das Gebirge ist er den Gefahren der Natur ausgesetzt. Ein tragischer Irrtum macht ihn selbst zum Gejagten. Schließlich steht Kelab nicht nur den Mördern seiner Familie, sondern auch sich selbst gegenüber. Wird er seinem Drang nach Rache nachgeben und selbst vom Opfer zum Täter? Oder gelingt es ihm, den ewigen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen? 

„Der Mann aus dem Eis“ überzeugt weniger durch seine ausgeklügelte Geschichte oder den Umgang mit seinen Figuren. Dafür gelingt Regisseur Felix Randau ein technisch brillanter und bis zuletzt konsequenter Einblick in das Leben vor über 5000 Jahren, dem man den hohen Produktionsaufwand jederzeit anmerkt.


MADAME | Regie: Amanda Sthers | FR 2017

Die Dinnerparty der angesehenen Societylady Anne (Toni Collette) steht unter keinem guten Stern: Aufgrund des unangekündigten Besuch ihres Stiefsohns (Tom Hughes) gibt es plötzlich dreizehn anstatt zwöllf Tischgedecke. Eine Katastrophe für die perfektionistische Hausherrin und abergläubische Anne sowie für ihren geschäftstüchtigen Ehemann Paul (Harvey Keitel). Kurzerhand muss die langjährige Angestellte Maria (Rossy de Palma) als 14. Gast einspringen – und prompt verliebt sich ihr wohlhabender Tischherr, der zuvorkommende Kuntsthändler David (Michael Smiley), in sie. Die um ihren Ruf besorgte Anne setzt nun alles daran, das entstandene Chaos ins Gleichgewicht zu bringen – während Maria an ihrer neuen Rolle immer mehr Gefallen findet… 

„Madame“ beginnt als schwarzhumorige Kammerspiel-Komödie über die oberen Zehntausend und mündet anschließend in ein Gesellschaftsdrama, das trotz seiner fortwährend leichtfüßigen Inszenierung nicht die Augen vor der Realität verschließt und sogar auf ein Happy End verzichtet.


HAPPINESS | Regie: SABU | JP 2016

Ein unscheinbarer Mann namens Kanzaki (Masatoshi Nagase) kommt mit einer großen Box in eine Kleinstadt,. In einem heruntergekommenen Laden holt er einen seltsamen Helm heraus und setzt ihn einer alten teilnahmslos wirkenden Frau auf, mit der er zuvor ein wenig inspirierendes Gespräch geführt hat. Nach einem kurzen Moment kehrt plötzlich unermessliche Freude in ihr Gesicht zurück. Glückliche Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Kanzakis einzigartige Erfindung macht die Runde, auch der Bürgermeister ist von der mysteriösen Kraft des Helms begeistert und bittet Kanzaki für eine Weile in der Stadt zu bleiben, um hoffnungslose Einwohner zu ermutigen. Kanzaki nimmt die Einladung an, aber niemand ahnt etwas von der geheimen Absicht, weshalb der Seelentröster diese Stadt gewählt hat.

„Happiness“ kommt schwer in die Gänge und macht es dem Zuschauer in seiner betont behäbigen Inszenierung nicht leicht, den Ereignissen zu folgen. Für die zweite Hälfte dringt Regisseur SABU in deutlich dynamischere Gefilde vor, doch sowohl der verschlossene Protagonist, als auch die unnatürlich aufspielenden Nebendarsteller halten das Publikum trotz der interessanten Grundidee konsequent auf emotionalem Abstand.


FLATLINERS  | Regie: Niels Arden Oplev | USA/CAN 2017

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen, starten die fünf Medizinstudenten Courtney (Ellen Page), Ray (Diego Luna), Jamie (James Norton), Sophia (Kiersey Clemons) und Marlo (Nina Dobrev) ein wagemutiges und überaus gefährliches Experiment an sich selbst. Indem sie gegenseitig ihren Herzschlag für kurze Zeit stoppen – teilweise bis zu vier Minuten lang -, lösen sie bei sich eine Nahtoderfahrung aus, von der sich sich berichten können. Als die Kommilitonen sich mit ihren lebensbedrohlichen Trips ins Unbekannte gegenseitig überbieten möchten, sind die Fünf plötzlich gezwungen, sich ihrer eigenen dunklen Vergangenheit zu stellen. Denn an den Grenzen des Jenseits lauern erschreckende Abgründe… 

Als kurzweiliger Grusel-Schabernack geht „Flatliners“ in Ordnung, doch die philosophischen Ansätze, die das Original zumindest versucht hat, anzureißen, lässt Niels Arden Oplev völlig links liegen. Auf dieser Basis können sich auch die Darsteller nur wenig profilieren.


GIRLS TRIP  | Regie: Malcom D. Lee | USA 2017

Zwischen beruflichen Ambitionen, Familienplanung und Beziehungskrisen haben sich die vier besten Freundinnen Ryan (Regina Hall), Sasha (Queen Latifah), Lisa (Jada Pinkett Smith) und Dina (Tiffany Haddish) mit der Zeit einfach aus den Augen verloren. Mittlerweile sind sie sich nicht einmal mehr sicher, ob sie überhaupt noch Freunde sind, denn die Zeit ist an ihnen allen nicht spurlos vorbei gezogen. Fünf lange Jahre ist es also her, dass die „Flossy Posse“ das letzte Mal zusammen feiern war – viel zu lang für die Partyqueens, die sie eigentlich sind und die sie zu gern wieder sein würden. Ein längst überfälliger Girls Trip zum Essence Festival in flirrende New Orleans soll die Mädelsclique nach Jahren endlich wiedervereinen, doch ganz so einfach ist das nicht… 

„Girls Trip“ ist eine Partycomedy von der Stange, in der sich die vier Hauptdarstellerinnen alle Mühe geben, gegen die oberflächliche Geschichte anzuspielen, doch die Freundschaft der Mädels bleibt nur Behauptung. Dafür überzeugen das Setting sowie ein gutes Dutzend Cameoauftritte namhafter Musiker.


GENAUSO ANDERS WIE ICH  | Regie: Michael Carney | USA 2017

Nach außen hin scheint alles perfekt, doch in der Ehe zwischen Debbie (Renée Zellweger) und Ron Hall (Greg Kinnear) kriselt es gewaltig. Um nach seiner außerehelichen Liaison die Beziehung mit seiner Frau zu retten, lässt sich Ron darauf ein, mit ihr zusammen die Obdachlosen der Nachbarschaft zu bewirten. Eines Tages kommt es zu einem Zwischenfall und der schwer zugängliche, von allen nur Suicide genannte Denver Moore (Djimon Hounsou) droht, die gesamte Einrichtung kurz und klein zu hauen. Debbie bittet ihren Mann darum, Kontakt mit dem Fremden zu knüpfen, denn schon mehrere Male begegnete die Frau Denver in ihren Träumen. Weder er noch das Ehepaar Hall ahnt, wie sehr die aufkeimende Freundschaft zwischen ihnen das Leben aller Beteiligten verändern wird. 

Die Buchverfilmung „Genauso anders wie ich“ scheitert radikal an ihrem ambitionierten Vorhaben, sich so ziemlich jedes Problem der westlichen Welt aufzuladen und sie der Reihe nach abzuarbeiten. Das Ergebnis ist eine Geschichte, die – auch aufgrund teilweise blamabler Schauspielleistungen – absolut nichts aussagt.


TOKIO HOTEL – HINTER DER WELT  | Regie: Oliver Schwabe | DE 2017

Mit gerade einmal neun Jahren beschließen die unzertrennlichen Zwillingsbrüder Bill und Tom Kaulitz aus Magdeburg berühmt zu werden. Mit zwölf Jahren gründen sie gemeinsam mit Gustav Schäfer und Georg Listing eine Band, die ab 2005 unter dem Namen Tokio Hotel die Welt erobert. Sie werden bestaunt, belächelt, gehasst und verehrt…. Der Erfolg ist gigantisch: Platin in 68 Ländern, ausverkaufte Konzerte und der androgyne Bill wird zur Stilikone. Mit Anfang Zwanzig fliehen die Zwillinge – reich und berühmt – im Privatjet nach Los Angeles und lassen Tausende von begeisterten Fans und ein Leben hinter Schutzmauern hinter sich. Sie möchten ihre Freiheit zurück … und wissen nicht, wie und ob es mit ihnen weitergeht. Der Film „Tokio Hotel – Hinter der Welt“ taucht ein in das Leben der Band, begleitet Bill und Tom durch einsame Wüsten Kaliforniens und Gustav und Georg an die Ufer der Elbe.


 Heimkinotipp: THE PARTY  | Regie: Sally Potter | UK 2017

Um ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett zu feiern, lädt die ehrgeizige Politikerin Janet (Kristin Scott Thomas) enge Freunde und Mitstreiter in ihr Londoner Stadthaus. Als ihr Ehemann Bill (Timothy Spall) mit einem brisanten Geständnis herausplatzt, nimmt die Party eine überraschende Wendung. Plötzlich offenbaren auch die anderen Gäste lang gehütete Geheimnisse, woraufhin Beziehungen, Freundschaften, politische Überzeugungen und Lebensentwürfe in Frage gestellt werden. Innerhalb kürzester Zeit kippt die kultivierte Atmosphäre in ein emotionales Chaos aus gegenseitigen Anschuldigungen. Während im Ofen die Häppchen verbrennen, fliegen im Wohnzimmer die Fetzen wie die Whiskeygläser und die Party steuert unaufhaltsam auf den großen Knall zu. 

„The Party“ ist zugleich bitterböses wie hochgradig unterhaltsames Schauspielkino vom Feinsten, das die im Kern so unmenschlichen Machenschaften der (britischen) Politbühne mit den finsteren Abgründen der menschlichen Psyche verbindet. Was für ein Spektakel!

Das startet am 27. Juli 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 27. Juli, der zu den besten des bisherigen Jahres gehört. Mit „The Party“ und „Baby Driver“ gibt es direkt zwei Kandidaten, die zu den Must-Sees 2017 gehören – mit letztgenanntem könnte es, nach überragendem Kritikerfeedback, vielleicht sogar mal einen Überraschungshit an den Kinokassen geben. Der dritte Teil der „Ostwind“-Reihe hat dank seiner treuen Fanbase mindestens eine Million Zuschauer sicher, wie man hierzulande hingegen auf den sehr amerikanischen „Dunkirk“ reagieren wird, kann ich nicht abschätzen. Der Rest läuft unter dem Radar. In Ermangelung an Genre-Konkurrenz könnte höchstens „Wish Upon“ noch ein wenig was reißen. Warten wir es mal ab…

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

THE PARTY  | Regie: Sally Potter | UK 2017

Um ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett zu feiern, lädt die ehrgeizige Politikerin Janet (Kristin Scott Thomas) enge Freunde und Mitstreiter in ihr Londoner Stadthaus. Als ihr Ehemann Bill (Timothy Spall) mit einem brisanten Geständnis herausplatzt, nimmt die Party eine überraschende Wendung. Plötzlich offenbaren auch die anderen Gäste lang gehütete Geheimnisse, woraufhin Beziehungen, Freundschaften, politische Überzeugungen und Lebensentwürfe in Frage gestellt werden. Innerhalb kürzester Zeit kippt die kultivierte Atmosphäre in ein emotionales Chaos aus gegenseitigen Anschuldigungen. Während im Ofen die Häppchen verbrennen, fliegen im Wohnzimmer die Fetzen wie die Whiskeygläser und die Party steuert unaufhaltsam auf den großen Knall zu. 

„The Party“ ist zugleich bitterböses wie hochgradig unterhaltsames Schauspielkino vom Feinsten, das die im Kern so unmenschlichen Machenschaften der (britischen) Politbühne mit den finsteren Abgründen der menschlichen Psyche verbindet. Was für ein Spektakel!


BABY DRIVER  | Regie: Edgar Wright | UK/USA 2017

Der talentierte junge Fluchtwagenfahrer Baby (Ansel Elgort), verlässt sich seit einem schweren Autounfall, das ihm einen Tinnitus verschaffte, ganz auf den Beat seiner persönlichen Playlist, um der Beste in seinem Job zu werden. Als er in einem Diner das Mädchen seiner Träume trifft (Lily James), sieht Baby endlich eine Chance, seine kriminelle Karriere endgültig an den Nagel zu hängen und einen sauberen Ausstieg zu schaffen. Tatsächlich scheint ihm das auch zu gelingen. Fortan verdient er sein Geld als Pizzabote. Aber nachdem er gezwungen wird, für einen Gangsterboss (Kevin Spacey) zu arbeiten und ein zum Scheitern verurteilter Raubüberfall sein Leben, seine Liebe und seine Freiheit gefährdet, muss er für seine Handlungen geradestehen.

In seinem Actionmusical „Baby Driver“ lässt Edgar Wright Newcomer Ansel Elgort zum Sound cooler Evergreens über die Leinwand jagen und präsentiert perfekt auf den Beat der Musik geschnittene Verfolgungsjagden und Schießereien, die in ihrer Brillanz sogar einem „Mad Max“ Konkurrenz machen. Dass die Story da nur die zweite Geige spielt, ist absolut in Ordnung.


OSTWIND – AUFBRUCH NACH ORA  | Regie: Katja von Garnier | DE 2017

Mika kehrt Gut Kaltenbach den Rücken, um sich mit ihrem Hengst Ostwind in den südlichsten Zipfel von Spanien durchzuschlagen. Dort will sie den sagenumwobenen Ort Ora finden, den sie in ihren Träumen sieht und wo Ostwind seine Wurzeln hat. Auf einer einsamen Hacienda lernt Mika die selbstbewusste Sam kennen. Sie hilft ihrem Vater Pedro dabei, den Pferdehof am Laufen zu halten. Seit Jahren liegt Pedro im erbitterten Streit mit seiner Schwester Tara, die nichts davon hält, Pferde einzuzäunen und in Boxen zu halten, sondern lieber mit ihnen zusammen in Freiheit lebt. Mika ist beeindruckt von Tara, die Pferde noch besser zu verstehen scheint als sie selbst. Als die Stadt droht, die unberührte Naturmit der wichtigsten Wasserquelle für den Lebensraum der Wildpferde platt zu walzen, hat Mika die zündende Idee in der Not

Der erste Teil bleibt immer noch der beste. Doch „Ostwind – Aufbruch nach Ora“ überragt nicht bloß dank seiner furiosen Bebilderung den zweiten um Längen. Als esoterisch angehauchte Sinnsuche in bester Pferdemärchen-Manier gelingt es Katja von Garnier und ihrem jungen Ensemble, die Faszination Pferd ungefiltert auf die Leinwand zu bringen.


DUNKIRK  | Regie: Christopher Nolan | FR/NED/USA/UK 2017

An der Küste der französischen Hafenstadt Dünkirchen sind Hunderttausende britischer und alliierter Truppen vom Feind eingeschlossen. Ein Entkommen scheint es aus dieser misslichen Lage nicht mehr zu geben. Am Strand haben sie sich bis ans Meer zurückgezogen – und befinden sich damit in einer ausweglosen Situation. Zu Land, auf dem Wasser und in der Luft spielen sich ergreifende Schicksale ab: Spitfires der Royal Air Force attackieren den Feind im Himmel über dem Ärmelkanal, um die wehrlosen Männer am Strand zu schützen. Gleichzeitig starten Hunderte von Soldaten und Zivilisten mit kleinen Booten eine verzweifelte Rettungsaktion und riskieren bei diesem Wettlauf gegen die Zeit ihr Leben, um zumindest einen Teil der britischen Armee zu retten.

Christopher Nolans Kriegsepos „Dunkirk“ ist ein technischer Meilenstein, das mit gewaltigen Bildern und einem nie da gewesenen Sounddesign besticht. Erzählerisch kommt der Film ohne eine richtige Handlung aus, doch gerade weil dadurch nicht zuletzt auch die schablonenhaft bleibenden Charaktere zu leiden haben, bleibt einem am Ende vor allem das Staunen ob der inszenatorischen, weniger der erzählerischen Brillanz.


PARADIES  | Regie: Andrey Konchalovskiy | RUS/DE 2016

Frankreich im Zweiten Weltkrieg: Die adlige Exilrussin Olga engagiert sich heimlich für die französische Widerstandsbewegung. Die gefährliche Tätigkeit wird ihr zum Verhängnis, als deutsche Besatzer bei einer Razzia in ihrer Wohnung zwei jüdische Kinder entdecken, die sie dort versteckt hält. Im Gefängnis fällt die elegante junge Frau dem Nazi-Kollaborateur Jules auf , der für ihren Fall zuständig ist. Der Familienvater stellt ihr eine mildere Bestrafung in Aussicht, sollte sie seinen sexuellen Avancen nachgeben. Olga ist zu allem bereit, um ihre Freiheit wiederzuerlangen und willigt ein. Doch als Jules auf unerklärliche Weise verschwindet, wird sie umgehend in ein Konzentrationslager gebracht. Inmitten dieser Hölle auf Erden trifft sie völlig unverhofft auf ein bekanntes Gesicht: Helmut, der sich während eines weit zurückliegenden Sommers in Friedenszeiten in sie verliebte und immer noch Gefühle für sie hegt.

„Paradies“ ist ein langes, schweres und dadurch äußerst zermürbendes Kriegsdrama, das von drei miteinander verbundenen Schicksalen erzählt, die alle eines gemeinsam haben: Schmerz. Dabei mangelt es dem Regisseur Andrey Konchalovskiy weniger an künstlerischem Gespür, als vielmehr daran, der Geschichte abseits ihrer betonten Ausweglosigkeit ansatzweise dynamische Facetten zu verleihen. Dadurch strapaziert nicht nur die Thematik an sich die Nerven der Zuschauer, sondern auch die schiere Endlosigkeit.


WISH UPON  | Regie: Lucien Jean-Baptiste | FR/BEL 2016

Die 17-jährige Clare Shannon (Joey King) und ihre Freundinnen Meredith (Sydney Park) und June (Shannon Purser) haben es an der Highschool nicht leicht. Clares Vater (Ryan Phillippe) schenkt ihr eines Tages eine alte Spieluhr mit einer Inschrift, die besagt, dass dem Besitzer der Uhr alle Wünsche in Erfüllung gehen sollen. Clare hat nichts zu verlieren und spricht ihren ersten Wunsch aus. Zu ihrer Überraschung erfüllt er sich! Kurze Zeit später besitzt sie alles, was sie sich jemals erhofft hat: Geld, Ansehen und ihren Traumprinzen. Alles scheint perfekt zu sein. Doch dann sterben die Menschen, die ihr am nächsten stehen, auf grausame Art und Weise. Clare hat Blut an ihren Händen und muss die Spieluhr loswerden, bevor sie selbst und alle, die sie liebt, den ultimativen Preis zahlen müssen.

Wer in seinem Leben auch nur irgendeinen Horrorfilm gesehen hat, wird „Wish Upon“ nur dann etwas abgewinnen können, wenn er sich an einer Light-Version der deutlich blutigeren „Final Destination“-Reihe erfreut. Genreeinsteiger und (jugendliche) Zuschauer, die ohnehin eher zart besaitet sind, dürfen hier immerhin gern einen Blick riskieren.


MAX – AGENT AUF VIER PFOTEN  | Regie: Brian Levant | USA 2017

Der liebenswerte Belgische Schäferhund Max bekommt eine spannende Aufgabe, als er dem Geheimdienst helfen soll, das weiße Haus zu bewachen. Schnell werden Max und TJ (Zane Austin), der Sohn des Präsidenten (Lochlyn Munro), die besten Freunde. Als ein ausländischer Staatschef (Andrew Kavadas) mit seiner Tochter Alexandra (Francesca Capaldi) das Weiße Haus besucht, freunden sich Max und TJ mit dem Mädchen an. Bald entdecken Max, TJ und Alexandra ein gefährliches Geheimnis. Da ihnen die Erwachsenen nicht glauben wollen, versuchen TJ und Alex das Geheimnis selbst aufzudecken. Und zum Glück haben sie dabei den Belgischen Schäferhund Max an ihrer Seite, der ihnen in manch brenzliger Lage aus der Patsche hilft – ein echter Agent auf vier Pfoten.

„Max – Agent auf vier Pfoten“ könnte ein harmlos-unterhaltsames Kinderabenteuer sein, doch die Macher versuchen auf Krampf, einen politischen Subplot im Film unterzubringen, der nicht nur dem vierbeinigen Protagonisten wertvolle Leinwandzeit raubt, sondern auch die lediglich im Finale zum Tragen kommende Dynamik aus dem Film zieht.


SIE NANNTEN IHN SPENCER  | Regie: Martin Pold | AT/DE 2017

Carlo Pedersoli war der Überzeugung, jeden Beruf ausgeübt zu haben außer Jockey und Balletttänzer. Er war Schriftsteller, elffacher italienischer Schwimmchampion, zweifacher Olympiateilnehmer, Wasserballeuropameister, Rechtswissenschaftler, Sänger, Komponist, Pilot, Flugunternehmer, Modedesigner, Fabrikant, Drehbuchautor, Produzent und nicht zuletzt Erfinder einer Art Einwegzahnbürste. Er beherrschte sechs Sprachen. Seinen Weltruhm jedoch verdankt Carlo Pedersoli knallharten Backpfeifen und schlagfertigen Sprüchen – als Schauspieler unter dem Pseudonym Bud Spencer. An der Seite von Terence Hill wurde ein Bösewicht nach dem anderen zur Schnecke gemacht, niemand ließ die Fäuste so fliegen wie Bud Spencer. Ihre Westernkomödien avancierten zu Kulthits und begeisterten ein Millionenpublikum. Zwei seiner Fans wollen nicht nur Anekdoten sammeln, sie machen sich auf die Reise zu ihrem ewigen Idol.


Heimkinotipp: DIE ROTE SCHILDKRÖTE  | Regie: Michael Dudok de Wit | FR/BEL/JPN 2016

Ein schiffbrüchiger Mann strandet eines Tages auf einer einsamen Insel. Zum Überleben gibt es dort genug. Er findet eine Wasserquelle, genug Essen und bringt sich selbst bei, Tiere zu erlegen. Gefahren lauern jedoch überall. Nach einer gewissen Zeit auf der Insel beginnt er, sich ein Floss zu bauen, um mit dessen Hilfe von der Insel fortzukommen. Daran wird er allerdings jedes Mal von einer roten Schildkröte, die sein Holzgefährt zerstört, gehindert. Als die Schildkröte eines Tages an Land kommt, versucht der Mann, sie zu überwältigen, so dass seine Flucht endlich gelingen möge. Doch nach der tatsächlich geglückten Attacke auf das Tier entpuppt es sich als eine magische Kreatur, die das Leben des Mannes von Jetzt auf Gleich grundlegend verändert.

„Die rote Schildkröte“ ist die sanfte, feinfühlige Erzählung über einen Schiffbrüchigen, der sich mit dem Leben auf einer einsamen Insel arrangieren muss. Ohne ein gesprochenes Wort lässt diese Studio-Ghibli-Produktion die lebensecht gezeichneten Bilder ganz für sich allein sprechen und lässt aus ihnen etwas Märchenhaftes emporsteigen. Ein minimalistisch, aber absolut atemberaubendes Konzept.