Max – Agent auf vier Pfoten

In dem Hunde-Abenteuer MAX – AGENT AUF VIER PFOTEN wird ein freundlicher Schäferhund zum Beschützer der US-amerikanischen Präsidentenfamilie. Ob diese Idee aber auch einen ganzen Film trägt, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Der liebenswerte Belgische Schäferhund Max bekommt eine spannende Aufgabe, als er dem Geheimdienst helfen soll, das weiße Haus zu bewachen. Schnell werden Max und TJ (Zane Austin), der Sohn des Präsidenten (Lochlyn Munro), die besten Freunde. Als ein ausländischer Staatschef (Andrew Kavadas) mit seiner Tochter Alexandra (Francesca Capaldi) das Weiße Haus besucht, freunden sich Max und TJ mit dem Mädchen an. Bald entdecken Max, TJ und Alexandra ein gefährliches Geheimnis. Da ihnen die Erwachsenen nicht glauben wollen, versuchen TJ und Alex das Geheimnis selbst aufzudecken. Und zum Glück haben sie dabei den Belgischen Schäferhund Max an ihrer Seite – ein Agent auf vier Pfoten.

Kritik

Da sich Fortsetzungen heutzutage meist besser an den Mann bringen lassen, als Originalgeschichten, stellt man manchmal sogar Bezüge zwischen verschiedenen Filmen her, die eigentlich gar nicht existieren. Die Tanzromanze „Streetdance: New York“ etwa heißt eigentlich „High Strung“ und gehört überhaupt nicht zum besagten Musikfranchise, wurde hierzulande aber genau so vermarktet. Ein weiteres Beispiel für einen ähnlichen Marketingcoup bildet die Reihe „Open Water“; der Found-Footage-Tauch-Horror „Cage Dive“ wird in einigen Ländern bereits unter dem Titel „Open Water 3: Cage Dive“ vermarktet, obwohl er ebenfalls keinerlei Zusammenhang zu den ersten zwei Filmen aufweisen kann. Dass aber auch das exakte Gegenteil vonstatten gehen kann, beweist aktuell der Hunde-Abenteuerfilm „Max – Agent auf vier Pfoten“, der eigentlich als „Max 2“ in die Kinos kommen müsste. Nur hat hierzulande leider Niemand etwas davon mitbekommen, dass es folglich ja vor ein paar Jahren einen „Max 1“ gegeben haben muss.  2015 lief dieser in Deutschland nämlich in gerade einmal 27 Kinos, sodass man sich für das Sequel wohl erst recht keine Erfolgschancen mehr ausrechnet – weshalb man ihm trotzdem eine Kinoauswertung spendiert, erschließt sich uns nicht. Nicht einmal mehr Warner Bros., der den Auftakt der Reihe ins Kino brachte, steht in Deutschland weiterhin hinter dem Projekt. Stattdessen bringt der Independentverleih kinostar den Film auf nationaler Ebene in die Kinos. Unter dem Titel „Max – Agent auf vier Pfoten“ präsentiert sich dieser zwar von einer ganz anderen Seite, als sein bemüht rührseliger Vorgänger, taugt als leichtfüßige Kinder- und Jugendkomödie aber kaum etwas. Brian Levant („Spy Daddy“) weiß leider überhaupt nicht, wie sein junges Publikum tickt und inszeniert einen Film, zu komplex für die Kleinen und zu durchschaubar für die Großen.

TJ (Zane Austin) und sein vierbeiniger Freund Max

Zu Beginn von „Max – Agent auf vier Pfoten“ erfahren wir nicht einmal, ob es sich bei dem freundlichen Schäferhundrüden um genau denselben Hund handeln soll, der noch in „Max“ im Mittelpunkt stand. Sollte dem so sein, würde das bedeuten, dass der einst traumatisierte Kriegshund mittlerweile ein geschätztes Mitglied des Secret Service ist (viel absurder als die Idee, Channing Tatum würde den US-Präsidenten beschützen – gesehen 2013 in „White House Down“ –, ist das schließlich auch nicht). Weshalb der First Son TJ schnell Feuer und Flamme für seinen neuen, vierbeinigen Spielgefährten ist, etabliert das Skript früh glaubwürdig; in einer der ersten Szenen darf der in seiner Schule wie ein Außenseiter behandelte Junge nicht einmal Völkerball spielen, ohne dass ihn seine Bodyguards vor den vermeintlich gefährlichen Wurfgeschossen in Sicherheit bringen. Man ist daher richtig glückselig, als sich TJ und Max unter dem strengen Blick von Max‘ Herrchen anfreunden. Denn Spielfilmdebütant Zane Austin überzeugt in seiner sympathischen Rolle noch am ehesten und fingiert für das junge Publikum gleichsam als Identifikationsfigur. Wer sich nun allerdings erhofft, aus TJs Blickwinkel ließen sich einige interessante Perspektiven hinter den Kulissen des Weißen Hauses finden, der irrt; dass „Max – Agent auf vier Pfoten“ genau dort spielt, behandeln die Macher eher beiläufig, verlieren es zeitweise fast aus den Augen und gerade für die kleinen Zuschauer dürften die angedeuteten Seitenhiebe in Richtung Weltpolitik viel zu komplex sein, um als solche verstanden zu werden.

Was für das anvisierte Zielpublikum der Kinder so wichtig ist, sind die Interaktionen zwischen Hund und Mensch sowie die erlebten Abenteuer. Dahingehend ist „Max – Agent auf vier Pfoten“ zwar weitaus stilsicherer als der Vorgänger, der sich als halbgare Mischung aus arg pathetischem Heldendrama und amüsant-spannendem Coming-of-Age-Film verkaufte, doch nicht nur die Tatsache, dass der Filmhund selbst überraschend wenig auf der Leinwand zu sehen ist, trübt hier den Gesamteindruck. Die harmlose und im Ansatz trotzdem spannende Idee von der bevorstehenden Entführung von Alexandra (die Francesca Capaldi leider mit einem nervtötenden, russischen Akzent sowie über die Grenze zum Overacting hinaus verkörpert), die es für TJ und Max zu verhindern gilt, offenbart zwar einen aufregenden, dramaturgischen Bogen. Doch Drehbuchautor Steven Altiere („Beethovens abenteuerliche Weihnachten“) findet selbst für diese simple Ausgangslage kein erzählerisches Gleichgewicht. Die Szenen, in denen TJ, Alex und Max herauszufinden versuchen, wer es auf die russische First Daughter abgesehen hat, haben noch einen gewissen Miträtselfaktor. Doch immer wieder wird das Geschehen von den unglaubwürdigen Verhandlungen der Staatsleute unterbrochen, die für den weiteren Verlauf der Handlung jedoch überhaupt keine Rolle spielen.

Fortan darf sich TJ ganz allein um seinen Max kümmern – auch wenn der Secret Service das gar nicht gern sieht.

Die Kleinen dürften sich bei der zwischendurch wiederholt eingeschobenen Politikthematik langweilen, für die Älteren erreicht diese indes niemals den Wert einer ernst zu nehmenden Parodie. Zwar böte es ordentlich Zündfeuer, dass in „Max – Agent auf vier Pfoten“ ausgerechnet das russische sowie das US-amerikanische Staatsoberhaupt miteinander friedlich verhandeln sollen, doch nicht nur die beiden Darsteller Lochlyn Munro („White Chicks“) und Andrew Kavadas („Underworld: Evolution“) besitzen überhaupt keine Präsenz, um glaubhaft einen Präsidenten zu verkörpern. Irgendwann verlagert sich das Geschehen vom (gerade im Hinblick auf die Außenfassade absolut grauenhaft animierten) Weißen Haus in die freie Wildnis, wo die beiden Familien einen Abenteuerurlaub verbringen sollen, um sich hier anzunähern. Das ist nicht bloß absolut hanebüchen, es zeigt auch, wie irrelevant es ist, dass TJ der First Son und Max ein Mitglied des Secret Service ist. Würde „Max – Agent auf vier Pfoten“ nämlich nicht in diesem Umfeld spielen, müsste man nicht derart krampfhaft immer wieder die politische Relevanz des Treffens betonen müssen und am Ende wäre hieraus dann vielleicht sogar noch ein zwar harmloser, aber immerhin noch sehenswerter Kinderfilm geworden.

Fazit: „Max – Agent auf vier Pfoten“ könnte ein harmlos-unterhaltsames Kinderabenteuer sein, doch die Macher versuchen auf Krampf, einen politischen Subplot im Film unterzubringen, der nicht nur dem vierbeinigen Protagonisten wertvolle Leinwandzeit raubt, sondern auch die lediglich im Finale zum Tragen kommende Dynamik aus dem Film zieht.

„Max – Agent auf vier Pfoten“ ist ab dem 27. Juli in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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