Ostwind – Aufbruch nach Ora

Im dritten Teil der beliebten „Ostwind“-Reihe zieht es Mika und ihren stolzen Hengst ins spanische Andalusien. An den furiosen ersten Teil kommt OSTWIND – AUFBRUCH NACH ORA zwar auch zum Finale nicht heran, doch die märchenhafte Magie des Films und die überschäumende Faszination für das Lebewesen Pferd lassen nicht nur das Herz von Pferdefans höher schlagen. Mehr dazu in meiner Kritik.

Der Plot

Noch immer hat Mika (Hanna Binke) nicht gefunden, wonach sie im Leben sucht. Kurzentschlossen kehrt sie Gut Kaltenbach den Rücken, um sich mit ihrem Hengst Ostwind in den südlichsten Zipfel von Spanien durchzuschlagen, nach Andalusien. Dort will sie den sagenumwobenen Ort Ora finden, den sie in ihren Träumen sieht und wo Ostwind seine Wurzeln hat: einen Ort, an dem Pferde wirklich frei sein können, wild und glücklich. Auf einer einsamen Hacienda mitten im Nirgendwo lernt Mika die selbstbewusste Sam (Lea van Acken) kennen. Sie hilft ihrem Vater Pedro (Thomas Sarbacher) dabei, den Pferdehof am Laufen zu halten – mehr schlecht als recht. Seit Jahren liegt Pedro im erbitterten Streit mit seiner Schwester Tara (Nicolette Krebitz), die nichts davon hält, Pferde einzuzäunen und in Boxen zu halten, sondern lieber mit ihnen zusammen in Freiheit lebt. Mika ist beeindruckt von Tara, die Pferde noch besser zu verstehen scheint als sie selbst. Als die Stadt droht, die unberührte Natur mit der wichtigsten Wasserquelle für den Lebensraum der Wildpferde platt zu walzen, hat Mika die zündende Idee in der Not.Ein uraltes und fast vergessenes Pferderennen soll die legendäre Quelle von Ora retten. Die Zeit drängt, doch die größte Herausforderung steht Mika und Ostwind erst noch bevor…

Kritik

Seit Katja von Garnier vor vier Jahren ihre Verfilmung des ersten „Ostwind“-Romans auf den Weg brachte, erlebt das Mädchen-trifft-Pferd-Subgenre eine Art Renaissance. Weshalb die beliebten Vierbeiner-Geschichten zuletzt vornehmlich direkt ins Heimkino kamen, zeigen lieblose Trittbrettfahrer wie „Wendy – Der Film“ oder „Hanni & Nanni – Mehr als beste Freunde“, denn wenn der Plot im Grunde immer der gleiche ist, kommt es umso mehr auf Leidenschaft an; und davon spürt man bei den meisten Pferdefilmen nun mal kaum etwas. „Ostwind“ hatte es dagegen en masse, während es Von Garnier in der Fortsetzung damit sogar übertrieb. War der Auftakt zur mittlerweile dreiteiligen Reihe trotz esoterischem Beiklang immer fest im Hier und Jetzt verwurzelt, kollidierte in „Ostwind 2“ die märchenhaft überhöhte Story mit einem bodenständigen Konflikt; am Ende bildete das Sequel damit den bislang deutlich schwächsten Teil des Franchises. Was uns zum nunmehr dritten „Ostwind“-Film führt. In „Aufbruch nach Ora“ geben sich die Macher nun vollends ihrer fast schon übernatürlich anmutenden Grundidee von der geistig mit ihrem Pferd verbundenen Mika hin, für die diese Gabe im heimeligen Deutschland mehr Fluch denn Segen ist. Also reist sie ins andalusische Ora, wo Ostwind herzukommen scheint – und in diesem exotischen Setting wirkt die außerweltliche Verbindung zwischen diesem Pferde-Mädchen-Traumpaar direkt weniger aufgesetzt.

Mika (Hanna Binke) und ihr Hengst Ostwind suchen nach der Quelle von Ora.

Sieht man einmal von dem großen Kontinuitätsfehler ab, dass der Hengst Ostwind in den letzten beiden Filmen als außergewöhnliches Springpferd deklariert wurde (wofür die edlen spanischen Andalusier-Pferde eigentlich alles andere als geeignet sind), ist es schon eine wirkungsvolle Wahl, die Handlung von „Aufbruch nach Ora“ in die spanische Provinz zu verlegen. Nicht nur reitsportunkundige Laien dürften die Faszination der Pura Raza Espagnola (zu deutsch: Pferde rein spanischer Rasse) sofort erkennen; Die vornehmlich in den Farben weiß und dunkelbraun gezüchteten Dressurpferde sind mir ihrem mächtigen, kompakten Körperbau, den geschmeidigen Bewegungen und ihrer hohen Versammlungsbereitschaft ideal für den gehobenen Dressursport geeignet, was Katja von Garnier in einigen kurzen, prägnanten Einzelszenen betont. Zumindest äußerlich glaubt man es entsprechend sofort, dass auch Ostwind dieser Pferderasse angehört – und indem die esoterisch veranlagte Mika von Ostwinds Brandzeichen träumt, welches sie wiederum zum Geburtsort ihres Pferdes führt, ist dann auch direkt die inhaltliche Grundlage für Mikas Reise gegeben, denn die spanische Steppe mitsamt der großzügigen Hacienda bilden einfach die ideale Kulisse für ein Pferdeabenteuer, abseits von Konkurrenzkampf und Zickenkrieg. Gleichzeitig etabliert das aber auch, dass in „Aufbruch nach Ora“ nun eben alles noch eine Spur märchenhafter, abgehobener, und eben auch konsequent unrealistischer ist. Doch lässt man sich darauf ein, lässt es sich nicht nur mehr denn je in den spektakulären Bildern versinken.

Die größten Stärken von „Ostwind 3“ liegen wieder einmal in der technischen Aufmachung. Schon in den ersten beiden Teilen hat Katja von Garnier nie einen Hehl daraus gemacht, ausgiebige Zeitlupen und gefühliger Musik einer inszenatorischen Schlichtheit vorzuziehen. Doch während das gerade in „Ostwind 2“ viel zu häufig in puren Kitsch abdriftete – vor allem, weil die Regisseurin es mit ihren Stilmitteln gehörig übertrieb – wäre es in „Aufbruch nach Ora“ fast schon ein Verbrechen, sich hier nicht so ausgiebig wie möglich an den Aufnahmen der wunderschönen Landschaft sowie den galoppierenden Wildpferdeherden zu ergötzen, die schon ganz unverfälscht für Gänsehaut sorgen. Der dritte „Ostwind“-Film ist visuell der bislang schönste, während die Macher akustisch sowohl auf altbekannte, als auch neue, jedoch weit weniger manipulierende Klänge zurück greifen, als noch im Film zuvor. Da fällt es dann auch weit weniger ins Gewicht, dass die Geschichte mitsamt ihres eigentlichen Konflikts nur schleppend in Gang kommt; stattdessen ergötzt sich Katja von Garnier viel lieber (und zu Recht) am exotischen Setting, etabliert mit viel Fingerspitzengefühl die neuen Charaktere, unter denen Nicolette Krebitz (Regisseurin von „Wild“) als Einsiedlerin besonders hervor sticht und kombiniert Mikas Wunsch nach einem Platz im Leben mit der Faszination für Neues und die Lust am Abenteuer.

Tara (Nicolette Krebitz) will ihre Wildpferde beschützen.

Dass sich auch in „Ostwind – Aufbruch nach Ora“ am Ende wieder alles auf ein großes Event konzentriert, mag da auf den ersten Blick fast ein wenig einfallslos erscheinen. Schließlich ist das normalerweise Usus in diversen anderen Pferde-Mädchen-Filmen, von denen sich die „Ostwind“-Reihe in ihrer Konzentration auf das Freiheitsgefühl und die Verbindung zwischen Mensch und Pferd bislang so gekonnt abzuheben wusste. Doch während es in anderen Geschichten darum geht, wer denn ebenjene Veranstaltung am Ende für sich entscheidet, ist in „Ostwind 3“ das Rennen an sich das Problem – um das Gebiet der wildlebenden Pferde vor einem großen Bauvorhaben zu bewahren, wollen Mika und ihre Freunde das Rennen selbst zum Weltkulturerbe erklären lassen und die zerstörerischen Pläne damit zerschlagen. Dass die kleinen Mädels am Ende natürlich trotzdem Ostwind die Daumen drücken werden, ist da Nebensache. Noch bevor sich Mika im Finale schließlich einer folgenschweren, überraschenden und sogar richtig traurigen Entscheidung ausgesetzt sieht, gerät der Weg dorthin amüsant und mitreißend. Wenngleich es dem Skript von Lea Schmidbauer (schrieb auch die Drehbücher zu Teil eins und zwei) nach wie vor vereinzelt an Authentizität in den Dialogen mangelt und die Autorin ihre Charaktere häufig Dinge aussprechen lässt, die man in der Realität so nicht sagen würde, kann ein Großteil der Darsteller umso mehr überzeugen. Neben Hanna Binke sind auch Marvin Linke („Nicht mein Tag“) als Mädchenschwarm Sam und Amber Bongard („Die Päpstin“) als Fanny wieder mit an Bord, während die schon in „Bibi & Tina – Tohowabohu total“ so überragende Lea van Acken als Pferdepflegerin ihr Debüt gibt.

Fazit: Der erste Teil bleibt immer noch der beste. Doch „Ostwind – Aufbruch nach Ora“ überragt nicht bloß dank seiner furiosen Bebilderung den zweiten um Längen. Als esoterisch angehauchte Sinnsuche in bester Pferdemärchen-Manier gelingt es Katja von Garnier und ihrem jungen Ensemble, die Faszination Pferd ungefiltert auf die Leinwand zu bringen.

„Ostwind – Aufbruch nach Ora“ ist ab dem 27. Juli bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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