What Happened to Monday?

In seinem neuesten Film WHAT HAPPENED TO MONDAY? fährt „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“-Regisseur eine siebenfache Noomi Rapace auf, die sich gegen eine menschenverachtende Ein-Kind-Politik durchsetzen muss. Mehr zum Film verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

In einer nahen Zukunft haben Überbevölkerung und Hungersnot zu einer drastischen Ein-Kind-Politik geführt. Dadurch sind sieben identisch aussehende Schwestern (Noomi Rapace) zu einem Versteckspiel gezwungen, um der Verfolgung durch das „Child Allocation Bureau“ unter Leitung der unerbittlichen Nicolette Cayman (Glenn Close) zu entkommen. Um zu überleben, müssen Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday und Sunday, wie die Frauen von ihrem Großvater (Willem Dafoe) genannt wurden, die Identität einer fiktiven Person annehmen – Karen Settman. Einmal pro Woche darf jede der Schwestern am Wochentag, dessen Namen sie trägt, an die Öffentlichkeit und am Leben teilnehmen, während die restlichen sechs in der gemeinsamen Wohnung gefangen sind. Das geht so lange gut, bis Monday eines Tages nicht mehr nach Hause zurückkehrt…

Kritik

Der Regisseur Tommy Wirkola hat in den vergangenen Jahren eine äußerst ungewöhnliche Karriere hingelegt. Der auf B-Movies und Genrefilme spezialisierte Norweger machte sich ausgerechnet mit einer Horrorkomödie über Nazi-Zombies („Dead Snow“) einen Namen bei Filmfans und erhielt für sein darauf folgendes Projekt direkt ein Millionenbudget. Dass er zum Zeitpunkt des Drehs von „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ auf dato noch nicht ganz so bekannte (und damit nicht unbedingt teure) Namen wie Gemma Arterton und Jeremy Renner zurückgreifen konnte, sollte sich ebenfalls als cleverer Schachzug erweisen: Als der unkonventionelle Fantasyactioner zwei Jahre später in die Kinos kam, war der Hänsel spielende Part längst durch „Avengers“ zum Mainstream-Star geworden, genauso wie Arterton ihren Bekanntheitsgrad steigern konnte. Ganz gleich, wie man zu der zweifelhaften Qualität der etwas anderen Grimm-Märchen-Verfilmung steht: Als fetziges Guilty-Pleasure taugt das Projekt in jedem Fall. Und so finden in Wirkolas neuestem Film „What Happened to Monday?“ diese beiden Stärken seines Schaffens zusammen: sein Fingerspitzengefühl im Hinblick auf die Darstellerwahl sowie die Fähigkeit, noch so hanebüchene Geschichten temporeich zu inszenieren, sodass man angesichts der vorhandenen Logikfehler zwar noch so gern die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte, doch den Spaß am Seherlebnis lässt sich seinen Werken einfach nicht absprechen.

Die Siebenlinge (Clara Read) haben ein enges Verhältnis zu ihrem Großvater (Willem Dafoe).

Sein ganzes Können fährt Tommy Wirkola regelmäßig auch in der Inszenierung der digitalen Effekte auf – und in „What Happened to Monday?“ sind diese zwangsläufig das A und O, um zum Funktionieren der Prämisse beizutragen. Hauptdarstellerin Noomi Rapace („Kind 44“) ist hier schließlich in ganzen sieben verschiedenen Rollen zu sehen und erscheint zeitweise in mehrfacher Ausführung in einer einzelnen Szene auf der Kinoleinwand. Das erfordert nicht bloß von ihr ein Gespür für die unterschiedlichen Befindlichkeiten ihrer Figuren, auch tricktechnisch bedarf es eines genauen Auges dafür, die mehrfache Noomi Rapace so zu platzieren, dass man ihr die unterschiedlichen Existenzen abnimmt. Visuell muss sich der Low-Budget-Film nicht vor der großen Konkurrenz aus Hollywood verstecken: Die Illusion der Siebenlinge wird von den Verantwortlichen gekonnt aufrecht erhalten, wozu natürlich auch Noomi Rapaces aufopferungsvolles Spiel beiträgt. Sie erweckt alle sieben Figuren mit ihren ganz verschiedenen Spleens und Eigenheiten zum Leben, was zwar nicht von überbordender Subtilität geprägt ist (Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday und Sunday sind passenderweise das absolute Paradebeispiel dafür, wie sich Geschwister in ganz unterschiedliche Richtungen entwickeln – sonst würde man als Zuschauer schließlich zu schnell durcheinander kommen), doch darstellerisch gelingt es der gebürtigen Schwedin hervorragend, glaubhaft in die Haut jeder einzelnen Frau zu schlüpfen und sie somit zu einem ganz eigenen Charakter zu machen.

Leider ist die fehlende Subtilität in der Charakterzeichnung nicht das einzige Problem, mit dem „What Happened to Monday?“ abseits vieler, bevorzugt auf handwerklicher Ebene zu findender Vorzüge zu kämpfen hat. Während der dystopische Sci-Fi-Fantasyfilm zu Beginn noch versucht, die Situation der menschlichen Überbevölkerung als durch und durch ernste Grundlage für umso härtere (und im Anbetracht der bis 2006 tatsächlich existenten Ein-Kind-Politik in China auch gar nicht so abwegige) Gegenmaßnahmen zu etablieren, erweist sich die Geschichte im weiteren Verlauf vornehmlich als überzeichnete Illusion. Das mag zum Genre passen, nur finden sich im Skript (Max Botkin, Kerry Williamson) derart viele hanebüchene Logiklöcher, dass es schwerfällt, das Szenario dauerhaft als gegeben anzunehmen. Von in ihrem Ablauf regelrecht willkürlich gestalteten Grenzkontrollen (offenbar reicht die Aussage, man habe keine Geschwister, aus, um fraglos von dem einen in den anderen Distrikt überstellt zu werden) über fragwürdige Regierungsideologien bis hin zu einem Finale, das einen mit unangenehm vielen Fragezeichen zurücklässt, bleiben so viele Ideen und Gedanken bloß angerissen, dass sich das Gezeigte nur schwer zu einem großen Ganzen zusammenfügen lässt. Darüber hinaus erfährt man über den täglichen Ablauf innerhalb des futuristischen Amerika kaum etwas, obwohl man gern mehr darüber erfahren würde, wie die Leute unter den an sie gestellten Bedingungen zu leben haben. Es ist also wieder einmal angebracht, nicht zu viel über die getätigten Behauptungen nachzudenken, denn eines kann man „What Happened to Monday?“ gewiss nicht vorwerfen: Langeweile.

Die hitzköpfige Saturday (Noomi Rapace) befindet sich in größter Gefahr.

Es scheint eine dankenswerte Angewohnheit von Tommy Wirkola zu sein: Der Regisseur weiß die inhaltlichen Schwächen seiner Filme mit einem Gespür für pure Unterhaltung auszugleichen. „What Happend to Monday?“ ist nicht bloß absolut unberechenbar (schließlich wäre der Aufwand auf Dauer dann doch etwas zu groß, wirklich bis zuletzt mit allen sieben Noomi-Rapace-Variationen zu arbeiten), konsequent und überraschend brutal; auch die stark choreographierten Actionszenen gehen beileibe nicht immer so aus, wie man es von ihnen erwarten würde. Kameramann José David Montero („Black Butterfly: Der Mörder in mir“) macht sich das düstere, vorwiegend verregnete Setting zunutze und zelebriert einen dreckigen Futurismus, womit er gekonnt von den begrenzten Geldmitteln ablenkt. „What Happened to Monday?“ sagt sich optisch klar vom Hochglanz-Hollywood-Einheitsbreilook los und schlägt damit in dieselbe B-Movie-Kerbe, in der sich Tommy Wirkola in den letzten Jahren bereits so wohlgefühlt hat – mit der Ausnahme, dass er diesmal darauf verzichtet, das Billige in der Inszenierung hervorzuheben. So erweckt seinen Film letztlich doch wieder den Eindruck eines Blockbusters; nicht zuletzt, weil er neben Noomi Rapace auch mit solchen Großkalibern wie Willem Dafoe („The Great Wall“) und Glenn Close („The Girl with All the Gifts“) aufwarten kann, die die Geschichte selbst in den absurdesten Momenten davor bewahren können, in pure Lächerlichkeit abzurutschen.

Fazit: Das Drehbuch zu “What Happened to Monday?” ist bisweilen hanebüchener Unsinn, doch die siebenfache Noomi Rapace fasziniert ebenso, wie Tommy Wirkolas erzählerische Konsequenz und die hinter dem Szenario steckende Ideologie. Und trotz des geringen Budgets macht der dystopische Sci-Fi-Film auch optisch richtig was her.

„What Happend to Monday?“ ist ab dem 12. Oktober bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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