Category Archives: Wessels‘ Weekly

Das startet am 13. Oktober 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 13. Oktober 2016, der mit „Inferno“ einen potenziellen Hit in petto hat. Gemessen an den Zuschauerzahlen der Vorgängerfilme „Illiminati“ (4,6 Millionen) und „The Da Vinci Code“ (5,7 Millionen) müsste das neueste Robert-Langdon-Abenteuer eigentlich ebenfalls einen mehrfachen Millionenwert einfahren können. Bleibt abzuwarten, ob die Romanverfilmung nach wie vor so viele Fans hat, dass ihr dieses Kunststück gelingt. Qualitativ hätte sie es verdient. Der stärkste Neustark „American Honey“ hingegen, der auch auf Cannes frenetisch gefeiert wurde, wird aufgrund seiner niedrigen Kopienanzahl  vermutlich nicht einmal annähernd so viele Zuschauer in die Kinos locken können. Zu hoffen ist die übrigens auch der grauenvollen Klischeeparade „Verrückt nach Fixi“ – doch in einem Jahr, in dem die Zotenparade „Dirty Grandpa“  zu den meistbesuchten Filmen gehört, bin ich auf alles vorbereitet. Starpower könnte sich indes beim Fantasy-Filmfest-Hit „Swiss Army Man“ auszahlen. Der Film, der als jener bekannt wurde, in dem Harry Potter eine furzende Leiche spielt, hat schon vor seinem Start einen gewissen Kultstatus erreicht.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

AMERICAN HONEY | Regie: Andrea Arnold | USA 2016

American Honey

Star (Sasha Lane) ist gefangen in einem Leben, dass sie sich so nicht erträumt hat. Als sie eines Tages Jake (Shia LaBeouf) sieht, ist sie fasziniert. Er ist der vermeintliche Kopf einer Gruppe unbeschwerter Jugendlicher, denen sie in einem Supermarkt begegnet. Unvermittelt lädt er sie ein, sich ihnen anzuschließen. In Star keimt der Gedanke, alles hinter sich zu lassen. Jake hat ihr den Kopf verdreht und so stürzt sie sich ins Abenteuer, in die Freiheit und das Gefüge einer Gruppe mit ganz eigenen Regeln – tagsüber ziehen sie von Haustür zu Haustür, um halb-legal Magazine zu verkaufen, und nachts feiern sie wild und zügellos. Ein Roadtrip in das Herz Amerikas und der Beginn einer rohen jungen Liebe, die ihre Grenzen sucht….
5 von 5

Die Konfrontation mit den Reichen und Schönen, die Folgen von Drogenmissbrauch aber auch leidenschaftlicher Sex unter dem Sternenhimmel: „American Honey“ ist eine thematisch vielfältige, inszenatorisch starke und vor Enthusiasmus übersprudelnde Wundertüte über die Faszination der gesellschaftlichen Unabhängigkeit, die sich von der ersten Sekunde an auf den Zuschauer überträgt.


SWISS ARMY MAN | Regie: Dan Kwan, Daniel Schreinert | USA 2016

Swiss Army Man

Er hat weder einen „Freitag“ zur Ablenkung noch einen Volleyball zur Ansprache. Deshalb hat der auf einer einsamen Insel gestrandete Hank (Paul Dano) bereits mit seinem Leben abgeschlossen und sich den alles beendenden Strick geknüpft, als ihn ein merkwürdiges „Strandgut“ ablenkt und unverhofft zu seinem Lebensretter wird: Die aufgeblähte Leiche von Manny (Daniel Radcliffe) entpuppt sich als veritabler, (un)toter Alleskönner, mit dem sich trefflich Boot fahren, jagen und sogar kommunizieren lässt. Als Manny mit der Zeit immer aktiver wird und Hank schon bald sogar als sprechender Weggefährte zur Seite steht, ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Denn obwohl die beiden völlig verschieden sind, haben sie doch mit ähnlichen Problemen zu kämpfen… 4 von 5

So einen Film gab es einfach noch nicht! Was schon ohne weitere Erklärungen ausreichen würde, um die Qualitäten von „Swiss Army Man“ hervorzuheben, unterstreicht das Regieduo The Daniels mit zwei starken Hauptfiguren, deren philosophische Gedankengänge das Geschehen zu ungeahnter Menschlichkeit verhelfen, ohne die Geschichte zu verkopfen.


INFERNO | Regie: Ron Howard | USA/JP/TUR/HUN 2016

Inferno

Nach einem mysteriösen Unfall wird der erfahrene Symbologe Robert Langdon (Tom Hanks) mit einer Reihe von Hinweisen konfrontiert, die mit Dantes „Inferno“ zusammenhängen. Nachdem er in einem italienischen Krankenhaus mit Amnesie erwacht ist, tut er sich mit der jungen Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) zusammen, die mehr über die Ereignisse zu wissen scheint, als er.  Langdon hofft, dass sie ihm dabei helfen kann, seine Erinnerung wiederzuerlangen. Gemeinsam hetzen sie in einem Wettlauf gegen die Zeit durch ganz Europa, um einen Wahnsinnigen davon abzuhalten, einen globalen Virus freizusetzen, der die halbe Weltbevölkerung auslöschen würde. Seiner Auffassung nach ist die Menschheit das Virus – und Inferno die Heilung. 4 von 5

„Inferno“ ist eine über weite Strecken hochspannende Verfolgungsjagd rund um den Erdball, angereichert mit einer Handvoll Rätseln, die Ron Howards neuesten Film wie eine Erwachsenen-Version der „Drei Fragezeichen“-Abenteuer erscheinen lassen.


VERRÜCKT NACH FIXI |  Regie: Mike Marzuk | DE 2016

Verrückt nach Fixi

Tom (Jascha Rust) ist ein richtig netter Kerl, und genau das ist sein Problem: Echte Frauen stehen nicht auf nette Kerle. Kein Wunder also, dass Tom bis jetzt noch bei keinem Mädel landen konnte, und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, wird ihm auf der Abi-Party vor dem Gelächter aller FIXI, eine lebensgroße aufblasbare Puppe, überreicht. Peinlicher geht‘s nicht. Tom ertränkt seinen Frust und will das Ding einfach nur loswerden. Doch am nächsten Morgen liegt plötzlich eine echte Traumfrau in seinem Bett: Die Puppe ist zum Leben erwacht! Mit der bildhübschen FIXI (Lisa Tomaschewsky) als Freundin wird Tom quasi über Nacht vom Normalo zum Hipster: Das erste Mal, coole Partys, neue Freunde – doch dabei bleibt nicht nur sein BFF Dodie (Roland Schreglmann) auf der Strecke.1 von 5

„Verrückt nach Fixi“ hantiert mit grauenvollen Geschlechterklischees, setzt auf unausstehliche Charaktere und zu allem Überfluss ist das, was auf der Leinwand passiert dann auch noch nicht mal im Ansatz interessant oder gar komisch. Am besten lässt man hier ganz schnell die Luft raus!


WELCOME TO NORWAY |  Regie: Rune Denstad Langlo | NOR 2016
Welcome to Norway

Primus ist ein Mann mit großen Visionen. Am größten aber ist bei ihm die Abneigung gegen alles Fremde. Die vielen Flüchtlinge, von denen allseits die Rede ist, kommen ihm trotzdem gerade recht. Sein Pleite gegangenes Hotel im Norden Norwegens soll dank ihnen doch noch zur Goldgrube werden, denn sie können hier kostengünstig zwischengelagert werden. Und dafür winken saubere Subventionen. Seine Frau Hanni und Tochter Oda trauen ihren Augen nicht, als ganze Busladungen in das Hotel einmarschieren, in dem Zimmer, Türen, Heizung und Strom fehlen. Nicht vorbereitet ist Primus auf die diplomatischen Verwicklungen, die nun auf ihn lauern: Christen weigern sich mit Arabern, Sunniten mit Schiiten das Zimmer zu teilen. Der optimistische Abedi erweist sich schon bald als unverzichtbarer Vermittler.


AFFENKÖNIG | Regie: Oliver Rihs | DE 2016
Affenkönig

DIE WELT DER WUNDERLICHS | Regie: Dani Levy | DE 2016
Wie Welt der Wunderlichs

Mimi Wunderlich (Katharina Schüttler) – alleinerziehend in Mannheim – hat soeben ihren Job verloren und auf dem Parkplatz einen Kunden (Steffen Groth) angefahren. Nur, weil sie schon wieder Hals über Kopf zur Schule musste, wo der hyperaktive Sohn (EWi Rodriguez) eine Lehrerin in den Schrank gesperrt hat. Mimis manischer Vater (Peter Simonischek) ist aus dem Krankenhaus getürmt und verwettet samt neuer Flamme aller Hab und Gut beim Pferderennen, Mimis Mutter (Hannelore Elsner) pflegt ihre Depression, die toughe Schwester (Christiane Paul) denkt nur an sich und ihren Frisörsalon und Ex-Mann Johnny (Martin Feifel) lebt ein Versager-Rockstar-Leben im Hotel und hat in Erziehungsfragen ganz eigene Vorstellungen. Und Mimi? Kümmert sich um alle und ist kurz vorm Durchdrehen.


SAINT AMOUR | Regie: Benoît Deléphine, Gustave Lervern  | FR/BEL 2016
Saint Amour - Drei gute Jahrgänge

So kann es nicht weitergehen! Seit Langem redet Bruno (Benoît Poelvoorde) kaum noch mit seinem Vater Jean (Gérard Depardieu). Wie jedes Jahr fahren sie zur Pariser Landwirtschaftsmesse, bei der Bruno traditionell seine „Weinreise“ unternimmt, während Jean hofft, mit seinem Zuchtbullen Preise zu gewinnen. Doch diesmal soll alles anders zu werden. Eine echte Weinreise muss her! Obwohl man die beiden eher voreinander schützen müsste, sitzen sie kurzentschlossen gemeinsam im Taxi des jungen Mike (Vincent Lacoste) und fahren schnurstracks nach Saint Amour, dem malerischen Weinort im Beaujolais. Eine idyllische Gegend der Weinberge und kleinen Restaurants, in der alles möglich scheint. Vielleicht ja auch, dass Jean und Brunos Differenzen sich auflösen, und sie wieder zueinander finden.


WEISSE RITTER | Regie: Markus Mischkowski, Kai Maria Steinkühler | DE 2015
Weiße Ritter

Mit dem Kinofilm „Weiße Ritter“ präsentiert Westendfilme die achte Episode des Kölner Westend-Zyklus:

Die beiden langzeitarbeitslosen Freunde Mike (Markus Mischkowski) und Alfred (Kai Maria Steinkühler) werden von ihrem alten Kumpel Rasto (Jens Claßen) als Mitarbeiter seines neuen Kurierdienstes rekrutiert und sollen wichtige Unterlagen „diskret“ nach Luxemburg bringen. Als Rasto jedoch, gecoacht von einer charmanten Consulterin (Claudia Basrawi), neue Methoden der Personalführung und Mitarbeitermotivation einführt und Alfred sich in die eigenwillige Tramperin Anja (Steffi Gosejohann) verliebt, gerät das Pilotprojekt schnell zu einem unwägbaren Unterfangen. Ein Abenteuer mit postmodernen Prekariern in frühmittelalterlichen Beschäftigungsverhältnissen.


Heimkinotipp: WHISKEY TANGO FOXTROT | Regie: Glenn Ficarra, John Requa | USA 2016

Whiskey Tango Foxtrot

TV-Reporterin Kim sucht nach einer neuen Herausforderung. Als ihr Sender unter den Mitarbeitern kamerataugliches „Kanonenfutter“ für die Berichterstattung von der afghanischen Reporter-Front sucht, meldet sie sich kurzerhand freiwillig. Überfordert von sich und Kabul, erlebt die Journalistin schon bald, dass es keinen Unterschied macht, dass man den Presseausweis um den Hals trägt. Kim lässt sich auf neue Regeln ein. 1. Was Colonel Hollanek befiehlt, ist maximal eine grobe Richtlinie für beschissene Situationen. 2. Wenn Politiker einem unter den Rock kriechen, kann man wenigstens guten Gewissens seine Kontakte nutzen. 3. Bevor man den neuseeländischen Security-Mann zum „Strammstehen“ an die blonde Korrespondenten-Granate Tanya abgibt, sollte man seine eigenen Grundbedürfnisse befriedigen.
4 von 5

Die Regisseure, die uns schon Meisterwerke wie „Crazy, Stupid, Love“ und „I Love You, Philipp Morris“ bescherten, wagen sich in „Whiskey Tango Foxtrot“ auf ganz neues Terrain und kombinieren derbe Späße mit einer einfühlsamen Kriegsdramathematik. Wer sich darauf einstellt, dass „WTF“ ernster ist, als in den Trailern dargestellt, wird hieran viel Freude haben.

Das startet am 6. Oktober 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 6. Oktober 2016, der massiv darunter zu leiden haben wird, dass vergangene Woche „Findet Dorie“ gestartet ist. Der stärkste Vertreter „Blair Witch“, ein äußerst intensives Sequel zum Found-Footage-Klassiker aus den Neunzigern, dürfte immerhin eine ganz andere Zielgruppe ansprechen. Welche Zielgruppe überhaupt angesprochen werden soll, erschließt sich bei der Presse bislang nicht gezeigten Komödie „Unsere Zeit ist jetzt“, rund um den Rapper CRO. Eher für die Älteren gedacht, ist vermutlich die Romanverfilmung „Die Insel der besonderen Kinder“, gleichzeitig auch der Film, dem ich kommende Woche die meisten Zuschauer zutraue. Die Trailer sind auf eine verspielte Weise unheimlich und dürften ein breites Publikumsfeld abholen. Leider habe ich den Film bislang nicht gesehen. Überhaupt nicht einschätzen, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt den Buzz für „Sausage Party“. Das Konzept ist so kreativ und absurd, dass ich der Animationskomödie ein Ergebnis auf der Höhe des ersten „Ted“-Films zutraue, aber bislang wird nur sehr spärlich Werbung gemacht.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BLAIR WITCH | Regie: Adam Wingard | USA 2016

Blair Witch

20 Jahre nachdem Heather Donahue und ihre beiden Freunde bei den Dreharbeiten zu ihrem „Blair Witch Project“ in den Black Hills Wäldern verschwanden, macht sich Heathers Bruder James (James Allen McCune) zusammen mit seinen Freunden Peter (Brandon Scott) und Ashley (Corbin Reid) und der Filmstudentin Lisa (Callie Hernandez) auf, die Umstände des Verschwindens zu erforschen. Dass sich der Gruppe zwei Einheimische anschließen, um sie durch die Wälder zu führen, stimmt sie zunächst zuversichtlich. Doch schon bald wird ihnen klar, dass die Legende rund um die Hexe von Blair furchterregender ist, als sie es sich je hätten vorstellen können…
5 von 5

Adam Wingard gelingt mit „Blair Witch“ der Geniestreich, einen Film für die nachwachsende Generation horrorfanatischer Filmfreunde zu inszenieren, indem er neuere Technik verwendet und das Tempo anzieht. Gleichzeitig kreiert er ohne den Bonus der vermeintlichen Videomaterial-Authentizität ein Horrorfest, das genau jene Emotionen provoziert, wie das Original.


UNSERE ZEIT IST JETZT | Regie: Martin Schreier | DE 2016
Unsere Zeit ist jetzt

Der erfolgreiche deutsche Rapper CRO fordert Fans und Profis auf, in einem offenen Wettbewerb Ideen zum geplanten CRO-Kinofilm vorzustellen. Drei völlig gegensätzliche Konzepte überzeugen das Filmteam, und bei den Vorbereitungen lernen die drei jungen Nachwuchsfilmer nicht nur handfeste Lektionen in der Kinopraxis, sondern kommen auch einander näher: Plötzlich wird die scheue Asperger-Patientin Vanessa (Peri Baumeister) von Männern umschwärmt: CRO selbst lernt ihre kreative Professionalität schätzen, während sich der in den Tag hineinlebende Drehbuchautor Dawid (David Schütter) und der in seinem Brotjob frustrierte Comic-Zeichner Ludwig (Marc Benjamin) Hals über Kopf in die unnahbare Vanessa verlieben. So werden die schicksalhaften Begegnungen bei der Arbeit am CRO-Film selbst zum Film. 4 von 5

„Unsere Zeit ist jetzt“ wirkt bisweilen konfus, macht nicht immer Sinn und widerspricht sich tonal so oft selber, dass man es gar nicht recht glauben kann, dass Regisseur Martin Schreier und sein top aufgelegtes Ensemble das Kuddelmuddel letztlich doch noch zu einem absolut stimmig-amüsanten Endergebnis bringen.


AUF EINMAL | Regie: Asli Özge | DE 2016

Auf einmal

Nach der Party in Karstens Wohnung sind alle gegangen, außer Anna. Fasziniert nähert sich Karsten (Sebastian Hülk) dieser geheimnisvollen Frau, als plötzlich ein Unglück passiert. Im Zuge geistiger Umnachtung verlässt der junge Mann die Wohnung und sucht im nahegelegenen Krankenhaus nach Hilfe. Als er wenig später in seine Wohnung zurückkehrt, ist die Frau tot und Karsten muss sich die Frage gefallen lassen, weshalb er nicht einfach den Notarzt gerufen hat. Nach und nach beginnt sein Umfeld, ihn zu meiden. Erst recht, als sich wenig später herausstellt, dass irgendwie keiner so recht weiß, wo diese Anna eigentlich herkam. Es kommt zum Prozess. Doch der ist für Karsten no4 von 5ch das geringste Problem, als sich die Ereignisse verselbstständigen…

Asli Özge gelingt mit ihrem schwer zu fassenden Drama „Auf einmal“ ein packender Blick in die Weiten der menschlichen Seele – mit all ihren guten und schlechten Seiten.


DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER |  Regie: Tim Burton | USA 2016
Die Insel der besonderen Kinder

Von dem visionären Regisseur Tim Burton („Dark Shadows“), basierend auf dem Bestseller Roman, kommt ein unvergessliches und bildgewaltiges Kinoerlebnis auf uns zu. Als Jake (Asa Butterfield) verschiedene Hinweise findet, die Realität und Zeit auf rätselhafte Weise auf den Kopf zu stellen scheinen, entdeckt er einen geheimen Zufluchtsort,  „Die Insel der besonderen Kinder“, auf der die gutherzige Miss Penegrine (Eva Greene) junge Menschen mit ganz besonderen Fähigkeiten beherbergt. Je mehr Jake über die Bewohner der Insel erfährt, desto mehr wird ihm bewusst, dass Sicherheit nur eine Illusion ist und dass Gefahr in Gestalt von übermächtigen, unsichtbaren  Feinden überall lauert. Jake muss unbedingt herausfinden, was wahr ist, wem er trauen kann und wer er selbst wirklich ist. Kann er die Insel retten? 3 von 5

„Die Insel der besonderen Kinder“ besticht mit visuellem Einfallsreichtum und verspieltem Flair, dem sich die ambitionierte Geschichte ganz klar unterordnet. Erzählerisch kommt Tim Burtons neuester Film ohne nennenswerte Höhen und Tiefen aus, sodass sich die 127 Minuten bis zuletzt immer wieder ziehen.


JONATHAN | Regie: Piotr J. Lewandowski | DE 2016

Jonathan

Jonathan pflegt seit Jahren seinen schwerkranken Vater Burghardt und bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Tante Martha den Bauernhof der Familie. Die Pflege des Vaters, die Organisation des Hofes und die schwere Arbeit auf dem Feld bestimmen seinen Alltag. Das Verhältnis zwischen Martha und Burghardt ist angespannt, jahrelang haben sie kein Wort miteinander gewechselt.  Dass Burghardt keine Nähe zulassen kann und Jonathans Fragen zum frühen Tod seiner Mutter stets unbeantwortet lässt, macht die Situation nicht einfacher. Jonathan spürt, dass etwas zwischen ihnen steht, kann die Mauer zu seinem Vater aber nicht durchdringen. Da sich Burghardts Zustand zusehends verschlechtert, stellt Martha die Pflegerin Anka ein, die Jonathan mit ihrer Offenheit verzaubert.
3 von 5

„Jonathan“ besticht in erster Linie durch seine starken Hauptdarsteller, von denen sich Jannis Niewöhner einmal mehr als einer der stärksten deutschen Nachwuchsmimen seiner Generation beweist. Doch dem unvorhersehbaren, freizügigen und mutigen Drama fehlt es gen Ende an Wiedererkennungswert, durch den sich die Leiden der Figuren noch intensiver an den Zuschauer herantragen ließen.


SAUSAGE PARTY |  Regie: Greg Tiernan, Conrad Vernon | USA 2016

Sausage Party

Würstchen Frank und seine Kumpels leben ein zufriedenes Leben in einem ganz gewöhnlichen Supermarkt. All die hier wohnenden Lebensmittel haben nur ein Ziel: von einem Menschen gekauft und im Jenseits mit Glück und Freude überhäuft zu werden. Gemeinsam mit seiner Angebeteten Brenda, einem prallen Hot-Dog-Brötchen, teilt er diesen Traum. Erstmal raus aus der Verpackung, will das Pärchen es im Paradies so richtig sinnlich angehen lassen. Doch als eines Tages der süße Senf davon berichtet, wie es bei den „Göttern“ zuhause tatsächlich zugeht, wollen Frank und seine Kumpanen den ganzen Supermarkt davon in Kenntnis setzen. Von wegen Liebe, Lust und Heiterkeit. Doch um die Lebensmittel aller Regale davon zu überzeugen, dass sie nur überleben können, wenn sie den Kampf mit den Menschen aufnehmen, muss Frank seinen Mann stehen.

2 von 5

Man kann den Machern von „Sausage Party“ nicht vorwerfen, mit ihrem Animationsfilm für Erwachsene kein Wagnis einzugehen. Leider sieht jenes Wagnis so aus, dass eine handelsübliche CGI-Komödie mit möglichst vielen Frivolitäten versehen wird. Am Ende stehen sich das austauschbare Abenteuer und die kreative Ausgangsidee im Weg und es fällt schwer, über all das so richtig zu lachen.


 MEINE ZEIT MIT CÉZANNE | Regie: Danièle Thompson | FR 2016
Meine Zeit mit Cézanne

Sie haben alles geteilt: ihr Aufbegehren, die Neugierde, die Hoffnungen, Zweifel, Mädchen, Ruhmesträume. Paul ist reich, Émile arm. Irgendwann ziehen sie fort aus Aix-en-Provence, hoch nach Paris, freunden sich an mit jenen, die am Montmartre und in Batignolles leben. Man verkehrt an denselben Orten, schläft mit denselben Frauen, verachtet die Spießbürger, geht nackt baden, stirbt vor Hunger, stopft sich den Bauch voll, trinkt Absinth, malt tagsüber jene Modelle, die man nachts streichelt, nimmt 30 Stunden Zugfahrt in Kauf, nur um einen Sonnenuntergang in der Provence zu sehen… Paul Cézanne und Émile Zola – aus dem einen wird ein Maler, aus dem anderen ein Schriftsteller. Der Ruhm geht achtlos an Paul vorbei. Émile hingegen besitzt alles: Ansehen, Geld, eine perfekte Frau, die Paul zuerst geliebt hat.


EINE UNERHÖRTE FRAU | Regie: Hans Steinbichler | DE 2016
Eine unerhörte Frau

Was, wenn einem niemand glauben will. Schon als Kind keiner so richtig glauben wollte. Hanni, Bäuerin und dreifache Mutter, macht sich Sorgen um ihre jüngste Tochter Magdalena. Das Mädchen ist kleiner als die anderen, empfindlicher, bricht oft, sieht immer schlechter. Bestimmt die Psyche, sagen die Ärzte, die Lehrerin und auch die Familie. Eine Brille mit Fensterglas wird sicher helfen. Aber Hanni ist Magdalenas Mutter und sie spürt, dass eine Brille nichts ändern wird, dass es um mehr geht. Selbst geplagt von einer unerhörten Jugenderinnerung beginnt sie, unbeirrt und unaufhaltsam, um das Leben ihrer Tochter zu kämpfen und setzt dabei nicht nur das Familienglück und ihre Existenz aufs Spiel, sondern schreckt am Ende, zum Wohle ihres Kindes, auch vor der bayerischen Justiz nicht zurück.


ANTBOY – SUPERHELDEN HOCH 3 | Regie: Ask Hasselbalch | DK 2016
Antboy - Superhelden hoch 3

Dreikäsehoch und Teilzeit-Weltenretter Pelle (Oscar Dietz), der langsam erwachsen wird, genießt seinen ruhigen Sommer in Middellund und soll bald sogar mit einer großen Statue von sich geehrt werden. Doch das Superhelden-Dasein langweilt ihn mittlerweile und er beschließt, Antboy hinter sich zu lassen und nach den Ferien zusammen mit seiner Freundin Ida auf ein Internat in einer anderen Stadt zu gehen – was seinem besten Freund Wilhelm gar nicht passt. Als dieser sich dann vollkommen zurückzieht, ein neuer, verdächtig wirkender Superheld auftaucht und zu allem Übel auch noch der Floh aus dem Gefängnis entlassen wird, ist klar, dass das mit dem ruhigen Sommer nichts wird und sich Antboy, vielleicht zum letzten Mal, dem Bösen stellen muss. An seiner Seite hat er wieder einmal die mutigste Superheldencrew der Welt versammelt…


Heimkinotipp: MIKRO & SPRIT | Regie: Michael Gondry | FR 2015

Mikro & Sprit

Mitten im laufenden Schuljahr kommt ein Neuer in die Klasse – Théo. Wie Daniel ist auch er schnell ein Außenseiter in der Klasse: Daniel, introvertiert und immer vertieft in seine Zeichnungen, und Théo, der auf alles eine Antwort weiß und leidenschaftlich gerne tüftelt. Doch eins haben beide gemeinsam: Als die Sommerferien beginnen, will keiner die Zeit mit seiner Familie verbringen und zusammen schmieden sie einen Plan. Mit Hilfe eines Rasenmäher-Motors und einigen Brettern zimmern sie sich ein ebenso skurriles wie liebevoll gestaltetes und vor allem fahrbares Haus. Ein abenteuerlicher Roadtrip – mit maximal 20 km/h – über die französischen Landstraßen beginnt. Sie lernen neue Freunde kennen, liefern sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und machen das, was sie schon immer tun wollten: die Freiheit genießen, einen wundervollen Sommer lang!5 von 5

„Mikro & Sprit“ versinnbildlicht auf melancholisch-optimistische Weise den „Das Leben geht weiter“-Gedanken, ohne dabei zu verschweigen, dass man ja ohnehin keine andere Wahl hat. Dabei nimmt er seine jugendlichen Hauptdarsteller trotz frecher Attitüde genau so ernst, wie es sein muss, sodass trotz der absurden Prämisse außer Frage steht, dass die Geschehnisse im Film so tatsächlich möglich wären.

Das startet am 29. September 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 29. September, und seien wir ehrlich: Diese Woche steht nun mal im Zeichen des Pixar-Sequels „Findet Dorie“, weshalb die restlichen Starts ohne Zweifel verhältnismäßig untergehen werden. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

FINDET DORIE | Regie: Andrew Stanton, Angus MacLane | USA 2016

Findet Dorie

Die blaue Paletten-Doktorfisch-Dame Dorie lebt inzwischen glücklich und zufrieden mit Nemo und Marlin im Korallenriff, als sie einen Geistesblitz hat: Irgendwo da draußen müsste doch ihre Familie sein, die vielleicht längst nach ihr sucht. Und so startet Dorie mit Marlin und Nemo in das größte Abenteuer ihres Lebens, das sie durch den Ozean bis zum berühmten Meeresbiologischen Institut in Kalifornien mit seinem Aquarium und seiner Rettungsstation für Meerestiere führt. Bei der Suche nach ihren Eltern bekommt Dorie Unterstützung von den schillerndsten Persönlichkeiten des Instituts: Da ist der mürrische Oktopus Hank, der nur noch sieben Tentakel hat, den Wärtern aber dennoch regelmäßig durchs Netz geht. Beluga Bailey glaubt, dass sein Echolot kaputt ist und Walhai Destiny ist extrem kurzsichtig. 4 von 5

„Findet Dorie“ ist eine starke, eigenständige Fortsetzung des Pixar-Klassikers von 2003, der mit hohen technischen Standards und einer erstaunlich komplexen Geschichte erzählt. Lediglich der innovative Eindruck des Vorgängers greift hier nicht mehr; dafür war „Findet Nemo“ damals einfach zu außergewöhnlich.


NEBEL IM AUGUST | Regie: Kai Wessel | DE 2016

Nebel im August

Nach einer wahren Begebenheit – Süddeutschland, Anfang der 1940er-Jahre. Der 13- jährige Ernst Lossa (Ivo Pietzcker), Sohn fahrender Händler und Halbwaise, ist ein aufgeweckter aber unangepasster Junge. Die Kinder- und Erziehungsheime, in denen er bisher lebte, haben ihn als „nicht erziehbar“ eingestuft und schieben ihn schließlich wegen seiner rebellischen Art in eine Nervenheilanstalt ab. Nach kurzer Zeit bemerkt er, dass unter der Klinikleitung von Dr. Veithausen (Sebastian Koch) Insassen getötet werden. Er setzt sich zur Wehr und versucht, den behinderten Patienten und Mitgefangenen zu helfen. Schließlich plant er die Flucht, gemeinsam mit Nandl, seiner ersten Liebe. Doch Ernst befindet sich in großer Gefahr, denn Klinikleitung und Personal entscheiden über Leben und Tod der Kinder…
4 von 5

„Nebel im August“ schlägt zwar erzählerisch keine allzu mutigen Wellen. Gleichwohl ist es das Wissen darum, dass sich die Geschehnisse im Film nicht bloß an dieser Einrichtung, sondern auch an vielen weiteren so zutrugen, die Kai Wessels Drama zu einem emotional fordernden Filmerlebnis machen. Technisch auf internationalem Niveau angesiedelt und mit herausragenden Darstellern versehen, ist „Nebel im August“ einer der stärksten deutschen Filme des Jahres.


WAR DOGS | Regie: Todd Phillips | USA 2016

War Dogs

David Packouz verdingt sich im sonnigen Miami Beach als Masseur der Reichen und Schönen. Auf der Beerdigung eines Freundes trifft er nach Jahren auf seinen ehemaligen Schulkumpel Efraim Diveroli, der, anders als David, mittlerweile richtig viel Geld verdient hat. Zunächst wollen die beiden ihre verlorene gemeinsame Zeit aufholen, indem sie kiffen, saufen und über Früher schwadronieren. Doch dann kommt ihnen eine Idee: Dank Efraims kruder Kontakte zur Waffenlobby wollen die Freunde eine wenig bekannte staatliche Regelung ausnutzen, nach der sich auch kleine Firmen um amerikanische Rüstungsaufträge bewerben dürfen. Nach bescheidenen Anfängen sprudelt plötzlich das Geld und erlaubt den beiden ein Leben in Saus und Braus. Doch dann verheben sie sich kräftig, als sie einen 300 Millionen schweren Auftrag erhalten…
3 von 5

Als Zuschauer weiß man nicht so recht, nach welchem Konzept Todd Phillips die Nacherzählung der absurden Waffenschieber-Ereignisse nun aufziehen wollte. „War Dogs“ fehlt es für eine reine Komödie an Biss und Tempo, als satirische Kriegsdramödie bleibt der Film zu oberflächlich. Dafür kann der Film darstellerisch sowie technisch punkten und darüber hinaus ist die Geschichte selbst skurril genug, um den Kauf eines Kinotickets zu rechtfertigen.


THE INFILTRATOR |  Regie: Brad Furman | USA 2016

The Infiltrator

In den Achtzigern arbeitet Robert Mazur für die US-amerikanische Drogenvollzugsbehörde. Undercover soll er sich in die internationale Geldwäscherszene einschleusen, um im Idealfall bis zum gefürchteten Drogenbaron Pablo Escobar vorzudringen. Gemeinsam mit seiner Kollegin Kathy Ertz und dem draufgängerischen Emir Ebreu gelingt es ihm, sich das Vertrauen der höheren Verbrecherkreise zu erschleichen, die ihn auf exklusive Partys und an die Tische von Schwerverbrechern führen. Das belastet allerdings nicht bloß seine Ehe, sondern auch die Gefühlswelt des rechtsschaffenden Agenten, denn die kriminellen Banker, Geschäftsleute und Drogendealer werden im Laufe der Zeit immer skeptischer im Anbetracht des „Neulings“. Gleichwohl weiß Robert: Wenn einer die Chance hat, die weltweiten Drogenkartelle zu stürzen, dann er… 3 von 5

„The Infiltrator“ ist ein solider Thriller aus dem Drogenmilieu, dem sein authentisches Achtzigerjahre-Flair gut zu Gesicht steht. Auch die Darsteller zeigen sich weitestgehend von ihrer engagierten Seite, doch erzählerisch bleibt der Film zu einfallslos, um wirklich zu bestechen.


FRANTZ |  Regie: François Ozon | DE/FR 2016
Frantz

Wir schreiben das Jahr 1919. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg in einer deutschen Kleinstadt geht Anna (Paula Beer) jeden Tag zum Grab ihres Verlobten Frantz (Anton von Lucke), der in Frankreich gefallen ist. Sie wohnt bei den Eltern des Verstorbenen (Ernst Stötzner, Marie Gruber), die ihr weiterhin Halt geben und ihre Schwiegertochter durch diese schwere Zeit begleiten. Eines Tages legt Adrien (Pierre Niney), ein junger Franzose, ebenfalls Blumen auf das Grab von Frantz. Er stellt sich selbst als Freund des Verstorbenen vor und Anna ist schnell von ihm fasziniert. Doch das Geheimnis um Adriens Anwesenheit entfacht nach der deutschen Niederlage im Ort unvorhersehbare Reaktionen. Was für ein Geheimnis umgibt Adrien und wie stark belastet es die Beziehung zwischen ihm und Anna, die sich mittlerweile ineinander verliebt haben?


MIT DEM HERZ DURCH DIE WAND | Regie: Clovis Cornillac | FR 2015
Mit dem Herz durch die Wand

Mauerblümchen trifft Einsiedler. Eine junge Pianistin hat die perfekten vier Wände gefunden, um für die Aufnahmeprüfung am Konservatorium zu üben. Das glaubt sie jedenfalls. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Denn plötzlich beginnt es, in der Wohnung zu spuken, der reinste horreur! Schnell stellt sich raus, dass hinter dem einfallsreichen Spuk ein ruheliebender Nachbar steckt, der sich nur zu gern seinen erfinderischen Tüfteleien widmet und dessen Toleranzvorrat für die Welt da draußen schon lange aufgebraucht ist. So sehr er seine Wohnung liebt, so sehr hasst er ihre hellhörigen Wände und die stets wechselnden Bewohner dahinter. Doch mit solch einer hartnäckigen Nachbarin hat er nicht gerechnet und die beiden finden bald Gefallen daran, sich das Leben gegenseitig zur Hölle zu machen.


DIE LETZTE SAU | Regie: Aron Lehmann | DE 2016
Die letzte Sau

Es sind schwarze Tage für den Schweinebauern Huber. Sein Hof ist pleite. Die kleine Landwirtschaft ist nicht länger gegenüber den Agrarfabriken konkurrenzfähig. Und als schließlich vom Himmel ein Meteorit fällt und Hubers Hof in Schutt und Asche legt, hat Huber nichts mehr – außer einer letzten Sau. Zusammen mit diesem Schwein verlässt Huber die Ruine, welche einmal sein Hof war, und beginnt ein Leben als Heimatloser, als Vagabund und Indianer. Huber findet Gefallen an diesem Leben. Er ist jetzt ein Rebell und begegnet auf seiner Reise Menschen, denen es ähnlich erging wie ihm. Kleine, die von den Großen kaputt gemacht wurden. Für diese Kleinen erhebt sich Huber zum Widerstand und wird zum Symbol für Unruhe und Freiheit. Ein Streifzug durch die Welt beginnt, die ihn mit offenen Armen empfängt.


EUROPE, SHE LOVES | Regie: Jan Gassmann | CH/DE 2016
Europe, She Loves

Man könnte denken, dass in Zeiten, in denen die EU politisch auseinanderdriftet, auch die Menschen unterschiedliche Sorgen haben. „Europe, She Loves“ verwebt die Geschichten von vier Paaren an den Rändern Europas: Siobhan und Terry in Dublin wollen ohne Drogen leben; in Tallinn hofft Veronika, dass sich Harri besser mit ihrem Sohn Artur versteht; Penny will Thessaloniki und den älteren Niko verlassen, um in Italien zu arbeiten; und Juan und Caro in Sevilla, frisch verliebt, denken kaum an die Zukunft. Der Alltag bringt allen ähnliche Probleme und die Beziehungen sind eine Flucht in die Privatheit vor den sozialen und wirtschaftlichen Problemen Heimatänder. Exzessive Partys und Drogenkonsum sind für alle selbstverständlich, und sie lassen die Kamera an intimen Momenten bis zum Sex teilhaben.


MALI BLUES | Regie: Lutz Gregor | DE/MLI 2016
Mali Blues

Das westafrikanische Land Mali gilt als Wiege des Blues, den verschleppte Sklaven auf die Baumwollfelder Amerikas mitbrachten. Traditionelle Musik hält schon seit Jahrhunderten die Gesellschaft Malis zusammen. Doch Malis Musik ist in Gefahr. Radikale Islamisten führen im Norden des Landes die Scharia ein, verbieten Tanz und weltliche Musik, zerstören Instrumente und bedrohen die Musiker. Viele Musiker fürchten um ihr Leben und fliehen aus der Region um Timbuktu und Kidal. Doch der Islamistische Terror hat sich mittlerweile auch auf andere Teile Malis ausgeweitet. Die UNO-Kriegseinsätze werden weiter verstärkt, auch die deutsche Bundeswehr ist seit drei Jahren im Einsatz. „Mali Blues“ erzählt von vier Musikern, die Hass, Misstrauen und Gewalt in ihrem Land und eine radikale Auslegung des Islam nicht akzeptieren wollen.


Heimkinotipp: THE WITCH | Regie: Robert Eggers | USA/UK/CAN/BRA 2015

The Witch

Neuengland, 1630. Farmer William (Ralph Ineson) findet, gemeinsam mit Frau Katherine (Kate Dickie) und den fünf Kindern, ein neues Zuhause auf einem abgelegenen Stück Land, nahe eines düsteren Waldes.  Bald kommt es zu beunruhigenden Vorfällen: Tiere verhalten sich aggressiv, eines der Kinder verschwindet, während ein anderes von einer dunklen Macht besessen zu sein scheint. Misstrauen und Paranoia wachsen und die älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) wird der Hexerei beschuldigt. Als sich die Lage immer weiter zuspitzt, werden Glaube, Loyalität und Liebe jedes einzelnen Familienmitgliedes auf eine schreckliche Probe gestellt… 2 von 5

„The Witch“ beginnt atmosphärisch, doch als Regisseur Robert Eggers merkt, dass die Stimmung allein seinen Film nicht besonders macht, verliert sich seine Produktion in handelsüblichem Genre-Gewäsch, dem Figuren zum Opfer fallen, die ohne jedes Profil auskommen. Potenzial verschenkt!

Das startet am 22. September 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 22. September, dessen stärkster Neustart in nur wenigen Kinos laufen wird. Das Schwangerschafts-Drama „24 Wochen“ gehört zum Intensivsten, was das deutsche Kino 2016 hervorgebracht hat, während Florian Gaag mit „LenaLove“ nachlegt und ein starkes, authentisches Jugend-Drama auf die Leinwand bringt. In den Multiplexen dürfte „Die glorreichen Sieben“ ordentlich abgehen. Der Actionwestern ist stargespickt und hat im Genre aktuell keine starke Konkurrenz zu fürchten. Thematisch dürften sich viele zudem für „Snowden“ interessieren, doch qualitativ hängt dieser Film den anderen hinterher. Zu guter Letzt traue ich der Komödie „Bad Moms“ trotz durchschnittlicher Qualität einen starken Start zu.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

24 WOCHEN | Regie: Anne Zohra Berrached | DE 2016

24 Wochen

Astrid (Julia Jentsch) und Markus (Bjarne Mädel) stehen mit beiden Beinen fest im Leben. Astrid lebt und liebt ihren Beruf als Kabarettistin, ihr Mann und Manager Markus unterstützt sie besonnen und liebevoll. Doch als die beiden ihr zweites Kind erwarten, wird ihr Leben aus der Bahn geworfen: Bei einer Routineuntersuchung erfahren sie, dass das Baby schwer krank ist. Die Diagnose trifft sie wie das blinde Schicksal, das sie auf sich nehmen müssen. Gemeinsam wollen sie lernen, damit umzugehen. Doch während Heilungspläne, Ratschläge und Prognosen auf sie niederprasseln, stößt ihre Beziehung an ihre Grenzen. Die Suche nach der richtigen Antwort stellt alles in Frage. Je mehr Zeit vergeht, desto klarer erkennen sie, dass nichts und niemand ihnen die Entscheidung abnehmen kann, die eine Entscheidung über Tod und Leben ist.
5 von 5

Anne Zohra Berrached gelingt mit ihrem Drama „24 Wochen“ ein mitfühlender, ehrlicher und hochklassig gespielter Appell an uns alle, Konflikte nicht auf ihre Schwarz-Weiß-Zeichnung zu reduzieren, sondern individuelle Einflüsse selbiger zu tolerieren. So ist ihr Film mitunter kaum zu ertragen und bedarf einer anschließenden Auseinandersetzung, doch mutiger könnte man das Tabu Schwangerschaftsabbruch nicht angehen.


DIE GLORREICHEN SIEBEN | Regie: Antoine Fuqua | USA 2016

Die glorreichen Sieben

Das kleine Städtchen Rose Creek steht unter der tödlichen Kontrolle des Geschäftsmanns Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard), der die dortigen Anwohner unterjocht und erpresst. Die verzweifelten Einwohner engagieren daher zu ihrem Schutz sieben Outlaws, Kopfgeldjäger, Spieler und Revolverhelden – Sam Chisolm (Denzel Washington), Josh Farraday (Chris Pratt), Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke), Jack Horne (Vincent D’Onofrio), Billy Rocks (Byung-Hun Lee), Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo) und Red Harvest (Martin Sensmeier). Während sie die Stadt mit viel Elan und Hoffnung auf den gewalttätigen Showdown vorbereiten, der unausweichlich bevorsteht, finden diese sieben Söldner heraus, dass es bei ihrem Kampf um mehr als nur um Geld geht.
4 von 5

Die glorreichen Sieben“ punktet mit Tempo, Style und tollen Darstellern. In Sachen Brutalität schaltet Antoine Fuqua überraschend auf Sparflamme. Dadurch büßt die Neuauflage des Klassikers jedoch nur bedingt an Sehvergnügen ein. Der energiegeladene Action-Western bietet einen äußerst unterhaltsamen Spagat zwischen traditionellem Genrekino und modernem Blockbuster-Entertainment.


LENALOVE | Regie: Florian Gaag | DE 2016

LenaLove

Die zurückhaltende aber alles andere als unbeliebte Lena (Emilia Schüle), 16, kreativ und hochsensibel, fühlt sich in der Vorortsiedlung, in der sie lebt, zunehmend ausgegrenzt und unverstanden. Im begabten Künstler Tim (Jannik Schümann) findet sie einen Seelenverwandten. Ein erster Flirt bahnt sich an, der aber jäh endet, als sich Lenas ehemals beste Freundin Nicole (Kyra Sophia Kahre) an Tim heranmacht. Tief enttäuscht schüttet Lena ihrem neuen Chat-Freund Noah ihr Herz aus. Noch ahnt die Schülerin nicht, wer sich tatsächlich hinter diesem Account verbirgt. Ein hinterhältiges Spiel nimmt seinen Lauf, das die makellose Fassade des Vorstadt-Idylls allmählich zum Einsturz bringt. Bei einem nächtlichen Date mit Noah gerät das „Spiel“ außer Kontrolle. Danach wird für Lena und alle Beteiligten nichts mehr so sein, wie es einmal war.
4 von 5

Florian Gaags Teenie-Drama „LenaLove“ ist kein platter Rundumschlag gegen unsere online-fixierte Jugend, sondern ein mutiges Filmprojekt auf der Höhe der Zeit, das weit darüber hinaus Themen wie soziale Isolation, missverstandene Kommunikation und den Versuch, sich der Gesellschaft bestmöglich anzupassen, anspricht.


BAD MOMS |  Regie: Jon Lucas, Scott Moore | USA 2016

Bad Moms

Amy Mitchell (Mila Kunis) steckt mittendrin im Alltagswahnsinn. Die attraktive 32-Jährige strampelt sich ganz schön ab, um Kids und Karriere unter einen Hut zu bringen. Als sie herausfindet, dass sie von ihrem Mann Mike (David Walton) auch noch betrogen wird, ist Schluss mit Nettigkeit und Perfektion. Ab sofort pfeift Amy auf alle Regeln, setzt den untreuen Gatten kurzerhand vor die Tür und lässt es mit ihren neuen Freundinnen, der braven Kiki (Kristen Bell) und der frivolen Carla (Kathryn Hahn), so richtig krachen: Supermom war gestern – jetzt regieren die Bad Moms! So viel unverschämte Freizügigkeit ruft umgehend Gwendolyn James (Christina Applegate) auf den Plan. Die spießige Übermutter der Schule hält nämlich gar nichts von Spaßkultur und setzt ein böses Intrigenspiel in Gang, was Amy nur noch mehr in Fahrt bringt.3 von 5

„Bad Moms“ verläuft zwar in üblichen Genre-Bahnen, doch das enthusiastisch aufspielende Ensemble und die lobenswerte Botschaft machen aus der Komödie ein ebenso kurzweiliges wie durchaus berührendes Vergnügen.


DER VOLLPOSTEN |  Regie: Gennaro Nunziante | IT 2016
Der Vollposten

Checco Zalone (spielt sich selbst) hat das, wovon andere nur träumen können: Eine unbefristete Festanstellung in der Landesverwaltung für Jagd und Fischerei in seiner italienischen Heimatstadt. Seine alles andere als arbeitsintensive Position sichert ihm nicht nur Geschenke der vorsprechenden Antragsteller, sondern auch die uneingeschränkte Hingabe seiner Dauerfreundin. Und natürlich ist er sich auch der ewigen Liebe seiner lieben Frau Mutter gewiss. Doch dann beschließt die Regierung eine Reform der öffentlichen Verwaltung und Checco wird vor die Wahl gestellt: Kündigung oder Versetzung. Stur klammert er sich an seine ihm heilige Festanstellung. Doch die eiskalte Beamtin Sironi (Sonia Bergamasci) will Checco loswerden und entsendet ihn an immer abgelegenere Orte, sogar weit über die Grenzen Italiens hinaus… 3 von 5

Doof aber lustig! Mit seiner Komödie „Der Vollposten“ zieht Gennaro Nunziante nicht bloß seine Landsleute einmal quer durch den Kakao, sondern alles was ihm gerade vor die Nase läuft. Ob das Beamtentum, die Bewohner anderer Länder oder den zunehmenden Sittenverfall: Hier bekommt jeder sein Fett weg. Und zwar auf erstaunlich unterhaltsame, wenn auch nicht immer ganz kluge Art und Weise.


SNOWDEN | Regie: Oliver Stone | FR/DE/USA 2016
Snowden

Als Edward Snowden im Jahr 2013 seinen Job bei der NSA hinter sich lässt und nach Hongkong fliegt, tut er das stillschweigend, ohne dass NSA-Mitarbeiter oder seine langjährige Freundin Lindsay Mills davon etwas ahnen. In Hongkong will er sich mit den Journalisten Glenn Greenwald und Ewen MacAskill sowie der amerikanischen Dokumentarfilmerin Laura Poitras treffen, um Informationen über weltweite und in tiefste Privatbereiche vordringende Überwachungsprogramme der US-Regierungzu enthüllen. Der herausragende Programmierer und Berater für IT-Sicherheit hatte entdeckt, dass amerikanische Regierungsbehörden eine Unmenge an Daten gesammelt hatten und dafür jede nur erdenkliche Form digitaler Kommunikation überwacht und aufgezeichnet worden war. 2 von 5

„Snowden“ ist zweifelsohne ein wichtiger Film, der abseits der herausragenden Schauspielleistungen Joseph Gordon-Levitts seiner Bedeutung qualitativ nicht gerecht wird. Oliver Stone inszeniert die Geschichte um den Whistleblower als weitestgehend austauschbare Liebesgeschichte, deren Seichtheit der ernsten Überwachungsthematik immer wieder im Wege steht.


ALICE UND DAS MEER | Regie: Lucie Borleteau | FR 2014
Alice und das Meer

Alice (Ariane Labed) fährt zur See. Während ihr Freund, auf dem Festland zurückbleibt, arbeitet sie als Mechanikerin auf einem Frachtschiff. Alice liebt das Meer und seine unendliche Weite, weiß aber auch, dass jede Freiheit zum Gefängnis werden kann. In ihrer Kabine stößt Alice auf ein Tagebuch, das ihrem Vorgänger, einem alten Mechaniker gehört hat. Bei der Lektüre seiner Notizen – zwischen Problemen mit der Maschine, neuen Eroberungen und Liebeskummer – klingt seltsamerweise etwas nach, das auch Alice verspürt, das Glück und die Traurigkeit viele Monate des Jahres in einer Parallelwelt auf dem Meer zu leben. Von Hafen zu Hafen, zwischen dem Leben an Bord inmitten einer rein männlichen Schiffsbesatzung und ihren Gefühlen, die ins Schwanken geraten, versucht Alice ihren Kurs zu halten.


HEDIS HOCHZEIT | Regie: Mohamed Ben Attia | TUN/BE/FR 2016
Hedis Hochzeit

Hedi (Majd Mastoura) ist ein ruhiger, junger Mann, der dem Weg folgt, der ihm vorgezeichnet wurde. Tunesien verändert sich, aber Hedi erwartet nicht viel von der Zukunft und lässt andere die Entscheidungen für ihn treffen. In der Woche, in der seine Mutter seine Hochzeit vorbereitet, schickt ihn sein Boss ans Meer, nach Mahdia, um neue Kunden zu gewinnen. Doch dort vernachlässigt Hedi seine beruflichen Aufgaben und bald trifft er Rim (Rym Ben Messaoud), eine freigeistige Weltreisende, die als Animateurin in einem Club arbeitet. Rims Lebenslust färbt auf Hedi ab und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Liebesaffäre. Während zu Hause in Kairouan die Hochzeitsvorbereitungen in vollem Gange sind, muss Hedi endlich mal eine eigene Entscheidung treffen.


THE VISIT | Regie: Michael Madsen | DK/IE/AT/FIN/NOR 2015
The Visit - Eine außerirdische Begegnung

Der dänische Regisseur Michael Madsen dokumentiert in „The Visit“ ein Ereignis, das bisher nicht stattgefunden hat: Die erste Begegnung des Menschen mit intelligentem Leben aus dem All! Seit der Erfindung der Radiowellen wird der Mensch nicht müde, Signale in den Weltraum zu senden, um Kontakt mit möglichem Leben im All aufzunehmen. Die Frage für Viele ist nicht „Was passiert, wenn wir Kontakt haben?“, sondern viel mehr „Wann werden wir den ersten Kontakt haben?“. Madsen entwirft ein unglaubliches Szenario, fragt bei UNO, NASA, Astrophysikern und dem Militär nach, erlangt beispiellosen Zugang zu Experten wie der Direktorin des UNO Büros für Weltraumfragen, der ISU (International Space University) sowie der SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence). Und spielt Möglichkeiten eines Erstkontakts durch.


Heimkinotipp: X-Men: Apocalypse | Regie: Bryan Singer | USA 2016

X-Men: Apocalypse

1983 wird der unbesiegbare, unsterbliche Apocalypse (Oscar Isaac), seines Zeichens mächtigster Mutant aller Zeiten, nach fünftausendjähriger Gefangenschaft befreit. Wütend, dass er und seine Artgenossen nicht länger als Götter verehrt werden, schart er mächtige Mutanten um sich – unter ihnen der durch den tragischen Tod seiner Tochter entmutigte Magneto (Michael Fassbender) –, um der Welt unter seiner Führung eine neue Ordnung zu geben. Um Apocalypses Pläne weltweiter Zerstörung zu durchkreuzen, führen Raven (Jennifer Lawrence) und Professor X (James McAvoy) ein junges X-Men-Team in eine epische Schlacht, um dem scheinbar unbezwingbaren Feind Einhalt zu gebieten. 3 von 5

„X-Men: Apocalypse“ beginnt auf dem erzählerisch komplexen Niveau von „The First Avenger: Civil War“ und verliert sich schließlich in einer lieblosen Materialschlacht der Marke „Batman v Superman“. Wenngleich der erzählerisch angenehme Teil den Großteil des Films ausmacht, ist es doch ausgerechnet die Schlussphase, die den bleibenden Eindruck des Zuschauers prägt.

Das startet am 15. September 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 15. September, der mit einer der größten Überraschungen des Kinojahres aufwarten kann. Mit „SMS für Dich“ haucht Karoline Herfurth dem RomCom-Genre nicht bloß neues Leben ein, sie küsst es regelrecht aus einem Tiefschlaf. Ein absolutes Must-See, das sicherlich die Chance hat, der meistgesehene, deutsche Film des Jahres zu werden. Dasselbe gilt auch für „Tschick“, den ich zwar schon gesehen habe, bis Dienstag allerdings noch schweigen muss. Kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: Es geht punktemäßig sehr einseitig zu in dieser Startwoche. Der dritte Teil der „Purge“-Reihe ist qualitativ der beste und könnte angesichts der guten Platzierung – auch hierzulande ist die US-Wahl ein großes Thema – die bisher höchsten Zuschauerzahlen holen. Der Rest startet wohl zu klein, um an den Kinokassen nennenswerte Erfolge einzuholen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SMS FÜR DICH | Regie: Karoline Herfurth | DE 2016

SMS für Dich

Clara (Karoline Herfurth) kommt einfach nicht über den Verlust ihrer großen Liebe Ben hinweg, der vor zwei Jahren bei einem Autounfall gestorben ist. Selbst ihrer forschen Mitbewohnerin Katja gelingt es nur mühsam, ihre Freundin zurück ins Leben zu manövrieren. Stattdessen schreibt Clara voller Wehmut SMS an Bens alte Handynummer … ohne zu ahnen, dass die Nummer gerade neu vergeben wurde. So landen ihre liebevollen, romantischen Erinnerungen direkt im Display des Sportjournalisten Mark . Verblüfft und zugleich berührt liest dieser die SMS gewordene Sehnsucht … und schlittert in seiner Verwirrung bei seiner Freundin Fiona von einem Fettnapf in den nächsten. Trotzdem: Er muss die mysteriöse Unbekannte unbedingt finden und spannt auch seinen besten Freund David in die Suche ein…4 von 5

Diesen Film mag man nicht einfach, man hat ihn lieb! Karoline Herfurth gelingt mit ihrem Regiedebüt „SMS für Dich“ ein bezaubernder Spagat zwischen liebevoll-zurückhaltender Romanze und vielseitiger Komödie, der man die kleinen Schwächen in der technischen Ausführung nur zu gern verzeiht.


THE PURGE: ELECTION YEAR | Regie: James DeMonaco | USA 2016

The Purge: Election Year

Zwei Jahre sind vergangen, seitdem Leo Barnes (Frank Grillo) sich während der Purge-Nacht im letzten Moment dagegen entschied, an dem Mann Rache zu üben, der Schuld am Tod seiner Tochter hatte. Es ist Wahljahr und mittlerweile arbeitet er als Sicherheitschef der Senatorin Charlie Roan (Elizabeth Mitchell). Mitten in ihrer Präsidentschaftskampagne steht die alljährliche „Purge-Nacht bevor. Jene Nacht, in der für 12 Stunden alle Verbrechen bis hin zu Mord legal sind. Raons politische Gegner wollen die Chance, ihre Konkurrentin auszumerzen, natürlich nicht ungenutzt lassen wollen. Nach einem hinterhältigen Verrat ist die bedingungslose Jagd auf die Senatorin eröffnet und Leo hat alle Hände voll zu tun, die Senatorin aus der Schusslinie zu bringen und die Nacht zu überleben.
4 von 5

So pervers hatten wir uns das Franchise von Anfang an gewünscht: „The Purge: Election Year“ vereint die, mit jedem steigenden Umfrageprozent von Donald Trump realistischer wirkende Prämisse um die Säuberung mit spektakulären Bildern und absolut wahnwitzigen Charakteren, sodass am Ende nur ein Schlusszug übrig bleibt: Die Menschlichkeit ist am Ende.


MY FIRST LADY | Regie: Richard Tamme | USA 2016

My First Lady

Es ist ein sonniger Sonntagmorgen in Chicago im Jahr 1989, als sich der junge, selbstbewusste  Jurist Barack Obama auf den Weg zu der attraktiven Anwältin,  seiner ehrgeizigen Vorgesetzten, Michelle Robinson macht – für ihr erstes Date, wenn es nach ihm geht!  Für Michelle ist es ein Treffen unter Kollegen und so lässt sie sich anfangs widerstrebend aber auch ein wenig amüsiert darauf ein, begleitet Barack nicht nur zu der verabredeten Gemeindeversammlung, sondern auch in eine Ausstellung. Und in den Park. Und zum Mittagessen… Aus einem Termin wird ein ganzer, wunderbarer Sommertag. Michelle ist mehr als auf der Hut und kann doch nicht umhin, sich von dem unwiderstehlich frechen Charme des geistreichen Barack beeindrucken zu lassen.  Als es Abend wird, haben sich die beiden – die noch nicht ahnen, welcher Weg vor ihnen liegt.
4 von 5

„My First Lady“ zeichnet das erste Kennenlernen der Obamas liebevoll und zurückhaltend nach. Das mag den Einen zu geschwätzig sein, für die Anderen ergibt sich so indes ein unverfälschtes Abbild eines die US-amerikanische Politik später umso mehr prägenden Paares, dem Regisseur Richard Tamme hiermit ein jederzeit den richtigen Ton findendes Filmdenkmal gesetzt hat. Die in den nächsten Jahren sicher folgenden Biopics können dann den schweren Politstoff übernehmen.


THE BEATLES: EIGHT DAYS A WEEK – THE TOURING YEARS |  Regie: Ron Howard | UK/USA 2016

The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years

Bis heute sind sie die Könige des Pop: Die vier Pilzköpfe Paul, John, George und Ringo eroberten in den Sechzigern von Liverpool aus die Welt. Der Dokumentarfilm begleitet die Band während ihrer Tour-Jahre, und damit von ihren Anfängen im Hamburger Star Club Anfang der Sechziger bis zu ihrem letzten Konzert im Candlestick Park in San Francisco 1966. Wie wurde aus den vier jungen Männern aus Liverpool, John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, die erfolgreichste Band der Popgeschichte? Der Film beleuchtet wie diese vier ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen als Band funktionierten, ihre Entscheidungen trafen, Songs schrieben und dabei die außergewöhnliche Karriere der Beatles starteten und die Welt im Sturm eroberten.
4 von 5

Neue musikalische Erkenntnisse liefert „The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years“ nicht unbedingt. Dafür ist Ron Howard mit seiner Beatles-Dokumentation ein mitreißender Blick hinter die Kulissen der Tourjahre der Kultband geraten, der den Beatles-Mythos auch all jenen ein Stückweit näher bringt, die mit der Musik nicht viel anfangen können.


TSCHICK |  Regie: Fatih Akin |  DE 2016
Tschick

Während die Mutter in der Entzugsklinik und der Vater mit seiner Assistentin auf „Geschäftsreise“ ist, verbringt der 14-jährige Außenseiter Maik Klingenberg /Tristan Göbel) die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa. Doch dann kreuzt Tschick (Anand Batbileg) auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, stammt aus dem tiefsten Russland, kommt aus einem der Hochhäuser in Berlin-Marzahn – und hat einen geklauten Lada dabei. Damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende ostdeutsche Provinz. Die Geschichte eines Sommers, den wir alle einmal erleben… „Tschick“ erschien am 17. September 2010 und hält sich bis heute in der Spiegel-Bestsellerliste. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Roman zählt zu den größten literarischen Erfolgen der vergangenen Jahre. 4 von 5

Der Sommer ihres Lebens – Fatih Akins Verfilmung des Kultromans „Tschick“ ist eine Ode an das Anderssein und strotzt nur so vor verschrobener Energie. Die beiden Hauptdarsteller stoßen sich mit ihren Performances die Tür zu einer großen Schauspielkarriere auf. Ihnen und ihrem Regisseur gelingt es, ein einzigartiges Lebensgefühl von der Leinwand in den Kinosaal zu transportieren.


AUF AUGENHÖHE | Regie: Evi Goldbrunner, Joachim Dollhopf | DE 2016
Auf Augenhöhe

Heimkind Michi (Luis Vorbach) muss sich in seiner Wohngruppe behaupten und den Respekt der anderen Kids erkämpfen. Am liebsten würde er sofort die Kurve kratzen und endlich zu einer richtigen Familie gehören. Als er die Adresse seines bisher unbekannten Vaters findet, erfüllt sich sein größter Traum  – bis er erfährt, dass sein Vater Tom (Jordan Prentice) kleinwüchsig ist. Damit wird Michis Vorstellung von seiner idealen Vaterfigur total auf den Kopf gestellt. Er hatte sich einen großen, starken Mann an seiner Seite gewünscht. Der Weg der beiden zueinander ist schwierig: Michi schämt sich für Tom, und der wiederum ist enttäuscht über die Ablehnung seines Sohnes. Als sich die beiden schließlich doch annähern, sich auf Augenhöhe begegnen, bringt ein unerwartetes Ereignis noch einmal alles durcheinander. Steht das Verhältnis zwischen Vater und Sohn auf dem Spiel?


ENTERTAINMENT | Regie: Rick Alverson | USA 2015
Entertainment

Ein kaputter, alternder Comedian tourt durch die kalifornische Wüste, verloren in einem Teufelskreis aus heruntergekommenen Spielorten, neuartiger Touristenattraktionen und vergeblicher Versuche, seine von ihm entfremdete Tochter zu erreichen. Tagsüber schleppt er sich durch die karge Landschaft und stößt ungewollt jede Bekanntschaft vor den Kopf. Nachts sucht er Trost in der Verkörperung seiner Bühnenfigur. Angestachelt von der Aussicht auf ein lukratives Hollywood-Engagement quält er sich durch eine Reihe zunehmend unwirklicher und flüchtiger Begegnungen. In Alversons halluzinogener Fuge spielt Gregg Turkington Den Comedian, der zwischen den beiden Extremen gefangen ist, einerseits im Mittelpunkt zu stehen, andererseits aber allen vor den Kopf zu stoßen, und der immer wieder auf überraschende Charaktere trifft.


VIVA | Regie: Paddy Breathnach | IR 2015
Viva

Havanna, Kuba. Jesus arbeitet als Friseur in einer Travestie-Bar, würde aber viel lieber selbst auf die Bühne. Als ihm die resolute Barchefin Mama endlich die Chance dazu gibt, wird Jesus von einem Gast auf offener Bühne attackiert. Erst auf den zweiten Blick erkennt er den Mann: Es ist sein Vater Angel, den er seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat.

Ungefragt nistet sich Angel bei seinem Sohn ein und verbietet ihm, weiter als Sängerin aufzutreten. Jesus ist hin und hergerissen: zwischen dem Wunsch, seinen Vater besser kennenzulernen, dessen aggressiven Trinkerlaunen und seinen eigenen Sehnsüchten, wieder Viva zu sein, die hingebungsvolle Diva. Erst als Jesus erfährt, warum sein Vater wirklich zurückgekehrt ist, findet er zu seiner eigenen Stimme zurück…


MULTIPLE SCHICKSALE | Regie: Jann Kessler | CH 2015
Multiple Schicksale

Seit Jahren leidet Janns Mutter an MS – Multipler Sklerose. Als er mehr über ihre Krankheit wissen will, kann sie bereits nicht mehr sprechen. In der Hoffnung mehr zu erfahren, begibt sich der damals 18-jährige Filmemacher auf eine Reise quer durch die Schweiz und trifft andere Menschen, die mit MS leben: Er begegnet Bernadette, die immer noch lacht, obwohl ihr nicht mehr so oft danach zu Mute ist. Luana, die sich ermutigende Worte auf den Arm tätowieren lässt. Er trifft auf Melanie, die einen wortreichen Schutzwall um sich herum aufbaut. Oliver, der seine Kräfte im Alltag gezielt einteilen muss. Graziella, die versucht, die Normalität aufrechtzuerhalten. Und er begegnet Rainer, der aus eigenem Willen aus dem Leben scheidet. Viele der Protagonisten sprechen offen über ihr Leben, das sie trotz Einschränkungen auch immer wieder genießen können.


Heimkinotipp: BAUERNOPFER – SPIEL DER KÖNIGE | Regie: Edward Zwick | USA/CAN 2016

Bauernopfer - Spiel der Könige

1972 – Amerika verfällt dem Schachfieber als sein jüngster Schach-Großmeister der Geschichte, Bobby Fischer (Tobey Maguire), in einem spektakulären Spiel um die Weltmeisterschaft auf seinen russischen Rivalen Boris Spassky (Liev Schreiber) trifft. Die amerikanisch-russische Konfrontation auf dem Schachbrett mitten in den Wogen des Kalten Krieges löst einen wahren Medienzirkus aus und Fischer findet sich plötzlich als Spielball der Interessen zweier Weltmächte wieder, während er gleichzeitig mit seinen ganz eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Es geht nicht nur darum, wer das alles entscheidende Schachspiel bei der Weltmeisterschaft in Reykjavik gewinnt. Das Schachspiel übernimmt nach und nach die Kontrolle über Bobby, für den der Sport schon lange nicht mehr nur ein Sport ist. Boris Spassky geht es auf der Seite der Russen ganz genau so…5 von 5

„Bauernopfer – Spiel der Könige“ ist ein herausragendes Biopic über eine der streitbarsten Sportlerpersönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte, deren Faszination in der Akribie von Steven Knight und Edward Zwick das perfekte Team gefunden hat, um jene angemessen auf der Leinwand zu würdigen.

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