Verrückt nach Fixi

Eine fleischgewordene Gummipuppe wird zum Mittelpunkt der pubertären Klamotte VERRÜCKT NACH FIXI, die in etwa so viel Charme, Intelligenz und Inhalt besitzt, wie die titelgebende Sexbombe Gehirn. Mehr dazu in meiner Kritik.Verrückt nach Fixi

Der Plot

Tom (Jascha Rust) ist ein richtig netter Kerl, und genau das ist sein Problem: Echte Frauen stehen nicht auf nette Kerle. Kein Wunder also, dass Tom bis jetzt noch bei keinem Mädel landen konnte, und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, wird ihm auf der Abi-Party vor dem Gelächter aller FIXI, eine lebensgroße aufblasbare Puppe, überreicht. Peinlicher geht‘s nicht. Tom ertränkt seinen Frust und will das Ding einfach nur loswerden. Doch am nächsten Morgen liegt plötzlich eine echte Traumfrau in seinem Bett: Die Puppe ist zum Leben erwacht! Mit der bildhübschen FIXI (Lisa Tomaschewsky) als Freundin wird Tom quasi über Nacht vom Normalo zum Hipster: Das erste Mal, coole Partys, neue Freunde – doch dabei bleibt nicht nur sein BFF Dodie (Roland Schreglmann) auf der Strecke. Schließlich muss Tom lernen, worauf es im Leben wirklich ankommt…

Kritik

Es bedarf schon einer ganz besonderen Gewandtheit, eine Filmhandlung auf die Schultern einer strunzdämlichen Figur zu übertragen. Ihren fehlenden Intellekt muss diese nämlich zwangsläufig mit anderen Fähigkeiten ausgleichen. Schließlich würde sich für eine derart hohle Figur wie Homer Simpson keiner interessieren, wenn dieser Zeitgenosse nicht auf seine ganz eigene spleenige Art am Leben und an seiner Familie teilnehmen würde. Im wahrsten Sinne des Wortes dumm wird es nur, wenn besagte Figur einzig und allein über ihre Blödheit definiert wird und eben kein ausgleichender Faktor zur Stelle ist, um den Charakter anderswo zu formen. Die titelgebende Hauptfigur Fixi in Mike Marzuks Teenie-Klamotte „Verrückt nach Fixi“ hat dieses Schicksal nun allerdings getroffen. Die von Lisa Tomaschewsky („Heute bin ich blond“) zum Leben erweckte Männerfantasie und Projektionsfläche sämtlicher pubertärer Gelüste der heranwachsenden Teenie-Jungs ist im besten Wortsinne hohl bis zum Gehtnichtmehr. Dass ihr die Typen dennoch hinterherjagen, liegt lediglich an ihrer Maße, die sie brav in hautengen Overalls oder Hotpants und Cropped Top zur Geltung kommen lässt; etwas anderes muss Fixi (abgeleitet übrigens vom vulgären Ausruf „Fick sie!“) im Laufe dieser eineinhalbstündigen Qual von Film dann auch gar nicht tun. So wirklich interessieren soll man sich nämlich für ihre männlichen Begleiter. Blöd nur, dass die nicht minder unausstehlich sind als die brünette Schönheit.

Verrückt nach Fixi

„Verrückt nach Fixi“ hat an so ziemlich allen Ecken und Enden seine Probleme. Doch selbst wenn man solche eklatanten Dreistigkeiten wie das rückständische Geschlechterbild von Männern und Frauen oder die absolut standardisierte Dramaturgie einmal außen vor lässt, fehlt es der Komödie selbst für ihre Zielgruppen- und Genreverhältnisse an Charisma und Sympathie. Schließlich waren auch die Figuren in „American Pie“ oder „Fack ju Göhte“ nicht die aller hellsten und doch haben wir sie alle irgendwie in unser Herz geschlossen. Das Skript von Mike Marzuk („Sommer“) und Thomas Sieben (Regie bei „Staudamm“) versäumt es indes völlig, seinen Charakteren auch nur irgendeine liebevolle Facette abzugewinnen. Abgesehen von Fixi selbst, die trotz ihrer optischen 90-60-90-Vorzüge natürlich gar keine interessanten Eigenheiten aufweist, ist auch Protagonist Tom ein Typ von der Sorte, die man gar nicht unbedingt um sich haben möchte. Schafft es zwar das Opening noch halbwegs ordentlich, die Freundschaft zwischen den beiden Außenseitern Tom und Dodie im Stile der parodistisch märchenhaften Prologe aus „Ted“ nachzuzeichnen und auch ein Standbein dafür zu bieten, weshalb Tom auf dem Abschlussball vom Klassenanführer Jannis (Lucas Reiber) gedemütigt wird, ist alles, was er ab dem Auftauchen von Fixi tut, an Ignoranz und Dämlichkeit kaum zu überbieten. Als Tom aufgrund seiner schönen Begleitung plötzlich auch von den coolen Jungs akzeptiert wird, ist die Faszination für diesen Menschentyp zwar irgendwo nachvollziehbar (welcher Außenseiter wollte nicht schon immer mal Teil der „coolen Clique“ werden?), doch gleichzeitig kippt dieser emotionale Wandel so rasant und wird in Bezug auf Dodie so extrem, dass man fast hofft, Tom möge jetzt für immer mit diesen oberflächlichen Schnöseln abhängen und sein Kumpel einen neuen, einen besseren Freund finden.

Roland Schreglmann („Rockabilly Requiem“) spielt diesen Dodie nämlich mit weitaus mehr Elan, als es die nicht vorhandene Liebe für die Filmfiguren überhaupt verdient gehabt hätte. Entsprechend ist es auch sein Charakter, mit dem sich in „Verrückt nach Fixi“ noch am ehesten mitleiden ließe. Erst recht, wenn er im Laufe der zähen 94 Minuten mehr als einmal (und zu guter Letzt auch im wörtlichen Sinne) ordentlich auf die Fresse bekommt, weil er im Gegensatz zu seinem vernebelten Kumpel halbwegs erwachsen mit der Situation umgeht. Das Geschehen so sehr prägen, dass sich über den Rest dieses katastrophalen Films hinweg sehen ließe, vermag allerdings auch Schreglmann nicht zu gelingen. Dasselbe gilt natürlich auch für Lisa Tomaschewsky, die im Krebsdrama „Heute bin ich blond“ ihr Talent unter Beweis gestellt hat und hier schlichtweg gar nichts zu schauspielern hat. Ihre einzige Funktion ist es, emotionslos durch die Gegend zu hüpfen, ab und an Laute von sich zu geben und Sprachfetzen ihrer Umgebung nachzuplappern. Wenn sie dann aber plötzlich einen Zauberwürfel löst, fragt man sich doch, ob das Skript ihr sehr wohl eine Intelligenz zugestanden haben will, es aber vollständig verpasst hat, da in den 60 Minuten zuvor einfach mal darauf einzugehen. Immerhin muss man sich in diesem Moment des Grübelns nicht mit der obskuren Message auseinander setzen, die vor allem eines ist: nicht zeitgemäß.

Verrückt nach Fixi

Wie in so ziemlich jedem Teeniefilm steht auch in „Verrückt nach Fixi“ das Finden der eigenen Identität und der Wert echter Freundschaft im Mittelpunkt. Immerhin gelingt es dem Regisseur, diese Botschaft im Schlussakt dann auch mit dem Holzhammer noch irgendwo im Film unterzubringen, gleichzeitig hält er es davor nicht für nötig, auch nur im Ansatz zu kommentieren, dass die Art und Weise, wie die Jungs hier mit Fixi agieren, nicht unbedingt dem heutigen Bild von Mann und Frau angemessen ist. Während Fixi wie selbstverständlich auf das dauergeile Sexobjekt reduziert wird (das sie ja nun mal auch ist!), gefallen sich die Jungen scheinbar hervorragend in ihrer Position als Nutznießer der Nymphomanin. Immer bereite Frauen haben entsprechend den besten Schlag bei Männern, während die Herren der Schöpfung beim Anblick dieser Frau ja gar nichts dafür können, von jetzt auf gleich nicht mehr mit dem Kopf, sondern mit der Hose zu denken. Das ist billig, plakativ und vorsintflutlich – was all das in einer Teeniekomödie aus dem Jahr 2016 zu suchen hat, kann einem wohl keiner beantworten. Müßig, zu erwähnen, dass das technische Erscheinungsbild den Anschein des Billigen genüsslich unterstreicht.

Fazit: „Verrückt nach Fixi“ hantiert mit grauenvollen Geschlechterklischees, setzt auf unausstehliche Charaktere und zu allem Überfluss ist das, was auf der Leinwand passiert dann auch noch nicht mal im Ansatz interessant oder gar komisch. Am besten lässt man hier ganz schnell die Luft raus!

„Verrückt nach Fixi“ ist ab dem 13. Oktober in den deutschen Kinos zu sehen.

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