Die Insel der besonderen Kinder

Mit der Buchverfilmung DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER kehrt Leinwandzauberer Tim Burton zurück zu seienn Fantasy-Wurzeln und erzählt etwas träge von ganz einzigartigen jungen Menschen, die nur zusammen gegen den Feind vorgehen können. Mehr dazu in meiner Kritik.Die Insel der besonderen Kinder

Der Plot

Als Jake (Asa Butterfield) verschiedene Hinweise findet, die Realität und Zeit auf rätselhafte Weise auf den Kopf zu stellen scheinen, entdeckt er einen geheimen Zufluchtsort,  die Insel der besonderen Kinder. Je mehr Jake über die Bewohner der Insel und über ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten erfährt, die von der gutmütigen Miss Peregrine (Eva Green) vor Unwissenden geschützt werden, desto mehr wird ihm bewusst, dass Sicherheit nur eine Illusion ist und dass Gefahr in Gestalt von übermächtigen, unsichtbaren  Feinden überall lauert. Jake muss unbedingt herausfinden, was wahr ist, wem er trauen kann und wer er selbst wirklich ist.

Kritik

Zuletzt musste man mehr und mehr daran zweifeln, dass Leinwandegozentriker Tim Burton noch einmal zu jener Stärke zurückfinden würde, mit der er das moderne Fantasykino um solche Beiträge wie „Edward mit den Scherenhänden“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“ oder „Sweeney Todd“ ergänzte. Während die Leinwandadaption der TV-Serie „Dark Shadows“ einfach nur über alle Maße langweilig war, definierte sich die Realverfilmung von „Alice im Wunderland“ einzig und allein über die exzentrischen CGI-Orgien. Und das biographische Drama „Big Eyes“ machte zwar erzählerisch und auf Darstellerebene einen insgesamt recht passablen Eindruck, die Handschrift Burtons fehlte hier allerdings vollends. Nun findet er mit der Romanverfilmung „Die Insel der besonderen Kinder“ zumindest visuell zu alter Stärke zurück. Die im Original „Miss Peregrine’s Home for Particular Children“ betitelte Geschichte über eine Handvoll Heranwachsender, die alle mit ganz individuellen, fantastischen, übernatürlichen Fähigkeiten gesegnet sind und mithilfe einer Zeitschleife vor der bitteren Realität geschützt werden, bietet die beste Grundlage für den vielfältigen Ideenreichtum Burtons, den er hier optisch auf jeden Fall hervorragend zur Geltung kommen lässt. Gleichzeitig ist die Geschichte recht frei von Überraschungen und kommt nie so recht über das Prädikat „nett“ hinaus.

Eva Green

Vergleicht man „Die Insel der besonderen Kinder“ mit dem Gros an Jugendfilmen der vergangenen Jahre, dann fällt positiv auf, dass die meisten Protagonisten in dieser Geschichte das Jugendalter noch gar nicht erreicht haben. In Tim Burtons Romanadaption sind es tatsächlich noch Kinder, die für den Zuschauer zu Identifikationsfiguren werden und im Laufe der Ereignisse über sich hinaus wachsen; damit erhält „Die Insel der besonderen Kinder“ eine unschuldige, verspielte Attitüde, die gerade den Jugenddystopien aus dem Post-„Panem“-Trend abging. Gleichzeitig hat dieser Film hier aber auch gerade dadurch ein Problem, denn der in den Fokus gerückte Jake präsentiert sich aufgrund der wenig hervorstechenden Performance von Asa Butterfield („Ender’s Game“) weitestgehend ecken- und kantenlos. Er fungiert somit zwar als Projektionsfläche für die eigenen Ängste und Probleme, gleichzeitig scheint Butterfield wie mit angezogener Handbremse zu fahren. Selbst in den actiongeladenen Sequenzen kennt der Nachwuchsmime nur einen Gesichtsausdruck, sodass der Zuschauer kaum ein Gespür dafür bekommt, wenn eine Situation doch mal richtig brenzlig wird. Davon profitieren tut indes der Cast um ihn herum. Die ohnehin herausragende Eva Green („Penny Dreadful“) präsentiert sich als ihre Schützlinge mit viel Einfühlungsvermögen behütende Mutterfigur und schafft es gleichzeitig, ihren Feinden so tough entgegen zu treten, dass das Wohl der Kinder in ihrer Anwesenheit nie in Gefahr scheint. Dadurch wird ihre Miss Peregrine durch und durch zu einer Sympathieträgerin, in deren Obhut man sich gern begibt. Ella Purnell („Legend of Tarzan“) als fliegende Emma Bloom verleiht ihrer Figur stets etwas Zerbrechliches, während Samuel L. Jackson („Kingsman: The Secret Service“) als Widersacher Barron nicht den richtigen Ton trifft, um das Publikum trotz seiner Antagonisten-Rolle zu faszinieren. Sein Barron ist einfach nur ein furchtbar nerviger Zeitgenosse, der durch das Overacting Jacksons ein ums andere Mal gar der Lächerlichkeit preis gegeben wird.

Nach einem überraschend ausführlichen Einstieg, der uns die Lebensumstände Jakes und das liebevolle Verhältnis zu seinem Großvater näher bringt, lässt Tim Burton das Treiben innerhalb des Waisenhauses lange Zeit für sich sprechen. Die Figurenkonstellationen innerhalb der Bewohner und ihr tägliches Treiben nimmt viel Raum ein, eh mit Barron irgendwann so etwas wie eine Bedrohung aufs Parkett geht. Dieser Wechsel geht so schnell vonstatten, dass auf die Erkenntnis der Gefahr sogleich die Flucht respektive die Pläne für die finale Schlacht folgen und sich eine schleichende Spannung gar nicht einstellen kann. Auf die Bedrohung folgt der Gegenschlag; und dieser fällt dann leider so lieblos aus, dass der zuvor an den Tag gelegte Ideenreichtum wie au einem anderen Film zu stammen scheint. Wenn der finale Endkampf darauf besteht, dass ein paar CGI-Skelette gegen Alien ähnliche Wesen – sogenannte Hollows – kämpfen, dann bringen nur die vereinzelt in diese Szenerie eingebrachten, besonderen Fähigkeiten der Kinder ein wenig Pepp in das Ganze. Dramaturgisch verhält es sich schließlich auch nicht anders, als in jedem anderen modernen Blockbuster. Wer überlebt und wer nicht und wer wem in letzter Sekunde zu Hilfe eilt, weiß der kundige Zuschauer schon, bevor die Schlacht überhaupt begonnen hat.

Die Insel der besonderen Kinder

Abseits der recht schematisch verlaufenden Handlung und der überraschungsarmen Schlussidee gefällt „Die Insel der besonderen Kinder“ aber vor allem in jenen Bereichen, die mit dem Erzählen der Geschichte selbst gar nichts zu tun haben. Die Art, wie die Besonderheiten der Kinder hervorgehoben werden, das spektakuläre Anwesen von Miss Penegrine und die Idee, die Entstehung einer Zeitschleife auf die Leinwand zu bringen, sorgen sowohl in 2D als auch in 3D für spektakuläre Schauwerte, deren Höhepunkt ein Ausflug in eine Unterwasserwelt mit anschließender Wrack-Bergung darstellt. Die Verschmelzung aus Computertrick und reellen, handgemachten Effekten bildet im Anbetracht des CGI-überladenden Blockbusterkinos 2016 eine echte Rarität, durch die der Film in gewisser Weise tatsächlich etwas Magisches erthält. Wenn sich Tim Burton hier auf seine Stärken besinnt, wird „Die Insel der besonderen Kinder“ märchenhaft, nostalgisch, aber auch im richtigen Maße melancholisch, was einen hervorragenden Kontrast zur langweiligen Realität bildet, die auch auf der Leinwand als genau das dargestellt wird. Zusammen mit der Botschaft, dass wir alle stolz auf das sein sollten, was uns besonders macht und dass es nicht Schlimmeres gibt, als gewöhnlich zu sein, ergibt das ein alles in allem doch sehenswertes Filmvergnügen, dem erzählerische Höhen und Tiefen gut getan hätten.

Fazit: „Die Insel der besonderen Kinder“ besticht mit visuellem Einfallsreichtum und verspieltem Flair, dem sich die ambitionierte Geschichte ganz klar unterordnet. Erzählerisch kommt Tim Burtons neuester Film ohne nennenswerte Höhen und Tiefen aus, sodass sich die 127 Minuten bis zuletzt immer wieder ziehen.

„Die Insel der besonderen Kinder“ ist ab dem 6. Oktober bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in 3D!

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