Die glorreichen Sieben

Nachdem „Ben Hur“ gerade erst kläglich an den Kinokassen gescheitert ist, folgt mit DIE GLORREICHEN SIEBEN die nächste Neuauflage eines eigentlich unantastbaren Klassikers, wird bislang aber mit weitaus milderen Kritiken bedacht, als der 3D-Monumentalfilm. Woran das liegt, verrate ich in meiner Kritik.Die glorreichen Sieben

Der Plot

Die Stadt Rose Creek steht unter der tödlichen Kontrolle des Geschäftsmanns Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard). Die verzweifelten Einwohner engagieren daher zu ihrem Schutz sieben Outlaws, Kopfgeldjäger, Spieler und Revolverhelden – Sam Chisolm (Denzel Washington), Josh Farraday (Chris Pratt), Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke), Jack Horne (Vincent D’Onofrio), Billy Rocks (Byung-Hun Lee), Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo) und Red Harvest (Martin Sensmeier). Während sie die Stadt auf den gewalttätigen Showdown vorbereiten, der unausweichlich bevorsteht, finden diese sieben Söldner heraus, dass es bei ihrem Kampf um mehr als nur um Geld geht.

Kritik

Erst vor wenigen Wochen philosophierten wir zum Einstieg in unsere „Ben Hur“-Besprechung über den Sinn und Unsinn von Neuauflagen, da erscheint mit Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ direkt die nächste Blockbuster-Produktion, die alles andere ist als neu. Im Jahr 1960 inszenierte John Sturges den gleichnamigen Western mit so namhaften Darstellern wie Charles Bronson, Steve McQueen und Horst Buchholz. Ein tatsächliches Original stellte jedoch schon die mittlerweile 56 Jahre alte Neuverfilmung des „Die sieben Samurai“-Stoffes nicht dar. Stattdessen handelte es sich bei „Die glorreichen Sieben“ lediglich um die erste englischsprachige und damit bis heute um die, die man in der Regel meint, wenn man den Titel in den Mund nimmt. Auch für die neueste Interpretation konnte vor der Kamera wieder ein ansehnliches Ensemble versammelt werden. Vor allem Denzel Washington („The Equalizer“) und Chris Pratt („Jurassic World“) sind die Eyecatcher mit der großen Fanbase. Doch mittlerweile hat sich auch der Regisseur Antoine Fuqua selbst mit einer eigenen Handschrift etabliert. Nach seinen harten Denzel-Washington-One-Man-Shows „Training Day“ und  „The Equalizer“ sowie seinem emotional fordernden Boxerdrama „Southpaw“ (die ganz nebenbei auch den miserablen CGI-Actioner „Olympus Has Fallen“ vergessend machten), hat sich Fuqua als Spezialist für markantes und mitunter nicht immer leicht verdauliches Mainstream-Kino etabliert. Auch seiner „glorreichen Sieben“-Neuauflage drückt er nun seinen ganz eigenen Stempel auf.

Die glorreichen Sieben

Den sieben titelgebenden Protagonisten denselben Stellenwert zukommen zu lassen, ist äußerst schwierig. Würde man allen Hauptfiguren die gleiche Screentime vergönnen, bekäme man von jedem Einzelnen entweder viel zu wenig zu sehen, oder müsste die Spielzeit um ein Vielfaches ausdehnen. Entsprechend rückt das Skript von Richard Wenk („The Equalizer“) und Nic Pizzolatto („True Detective“) vorzugsweise die von Denzel Washington, Chris Pratt und in Teilen auch Ethan Hawke („Maggies Plan“) gespielten Figuren Sam Chisolm, Josh Farraday und Goodnight Robicheaux in den Fokus, während der Rest nur in Einzelszenen richtig zur Geltung kommt. Dass man als Zuschauer dennoch den Eindruck bekommt, es bei der siebenköpfigen Rächer-Truppe mit einer nach und nach immer enger zusammenwachsenden Einheit zu tun zu haben, liegt sowohl an den prägnanten Charaktereinführungen, als auch an der pfiffigen Regieführung von Antoine Fuqua. Im Alleingang lässt dieser seine Helden nämlich kaum vor der Kamera agieren. Stattdessen lässt er die Nebenfiguren von den fokussierten Handlungen der Hauptcharaktere profitieren, indem Washington, Pratt und Hawke diese mitziehen. Und erhalten Vincent D’Onofrio („Run All Night“), Byung-Hun Lee („I Saw the Devil“), Manuel Garcia-Rulfo („Cake“) und Martin Sensmeier („Salem“) dann doch mal die Gelegenheit, sich vollkommen auf sich gestellt vor der Kamera zu beweisen, sind diese Szenen oft so prägnant, dass sie den Charakteren genügend Facetten beifügen, um Ecken und Kanten herauszustellen.

Während Denzel Washington der physisch-einschüchternden Präsenz seines „Equalizer“-Hünen Robert McCall einfach ein Western-Outfit überstreift (und man es ihm entsprechend jederzeit abnimmt, dass er sich vollkommen frei von Angst und hohem Gerechtigkeitssinn gegen das Böse stellt), sorgt die Performance von Chris Pratt zu Beginn noch für eine Prise Leichtigkeit in der ansonsten so ironiefreien Geschichte. Das ändert sich jedoch, als die Ernsthaftigkeit der Prämisse an Bedeutung gewinnt. Vor allem die Auftritte des von Peter Sarsgaard („Bauernopfer – Spiel der Könige“) äußerst eindringlich verkörperten Bösewichts Bartholomew Bogue verbreiten kompromisslos Angst und Schrecken. Die typisch konträren Zeichnungen der verschiedenen Figuren, wie sie in einem klassischen Hollywood-Thriller gern genutzt werden, um aufheiternde Charakter-Momente zu generieren, lässt das Skript daher außen vor. Es würde nicht wundern, wenn „Die glorreichen Sieben“ all jene Zuschauer vor den Kopf stößt, die sich typische Buddy-Cop-Interaktion innerhalb der Truppe erhofft hatten. Doch spätestens in der zweiten Filmhälfte geht es ohnehin nicht mehr um die Figuren. Dann nämlich wird aus dem zuvor vor allem visuell noch so schwelgerisch inszenierten Western (zuständig ist Antoine Fuquas Stamm-Kameramann Mauro Fiore) ein knallharter Action-Thriller, der anstatt mit Vehikeln und Hubschraubern mit Pferden bestückt ist. Interessanterweise büßen Tempo, Dynamik und die optische Wucht dahinter nicht ein, obwohl die PS-Anzahl zwangsläufig eine niedrigere ist.

Die glorreichen Sieben

Obwohl sich die Handlung trotz eines Budgets von 95 Millionen US-Dollar die meiste Zeit über innerhalb der winzigen (und typisch aufgebauten) Western-Stadt Rose Creek abspielt, holen die Macher alles Erdenkliche aus der beschränkten Szenerie heraus. Ähnlich Fede Alvarez, der erst kürzlich ein abgeschiedenes Wohnhaus in ein mit Fallen gespicktes Terror-Zentrum verwandelte („Don’t Breathe“), geht auch Antoine Fuqua vor. Die glorreichen Sieben versehen Rose Creek mit Sprengfallen, beziehen Stellung auf Dächern und Balkonen, spannen Schnüre über die Wege und verstecken sich in den dunklen Winkeln der Stadt, um die Angreifer im entscheidenden Moment zu überraschen. Getreu dem David-gegen-Goliath-Prinzip – natürlich sind die Kontrahenten der glorreichen Sieben nicht bloß mehr, sondern haben auch das effektivere Waffenarsenal zur Verfügung – entladen sich die akribischen Vorbereitungen (die Ruhe vor dem Sturm!) in ein knapp einstündiges Feuergefecht, das die Handschrift von Drehbuchautor Nic Pizzolatto erkennen lässt, der in der zweiten „True Detective“-Saison auch für die vierte Episode „Down Will Come“ verantwortlich zeichnete – eine der brutalsten Schießereien der jüngeren Film- und Fernsehgeschichte. Auch „Die glorreichen Sieben“ entwickelt sich mit der Zeit zu einem modern inszenierten Actionfilm, der sich aufgrund seiner Western-Thematik vom Thriller-Einheitsbrei um Verfolgungsjagden und Hubschrauber-Explosionen abhebt. Dass trotzdem ausgerechnet ein Projekt von Antoine Fuqua darin überrascht, in letzter Konsequenz nicht immer draufzuhalten, wundert angesichts solch brutaler Produktionen wie „The Equalizer“. Profitieren tun davon lediglich die Studios – anders als in Deutschland (FSK-Freigabe ab 16) wurde „Die glorreichen Sieben“ in den USA lediglich mit einem PG-13-Rating abgespeist.

Fazit: „Die glorreichen Sieben“ punktet mit Tempo, Style und tollen Darstellern. In Sachen Brutalität schaltet Antoine Fuqua überraschend auf Sparflamme. Dadurch büßt die Neuauflage des Klassikers jedoch nur bedingt an Sehvergnügen ein. Der energiegeladene Action-Western bietet einen äußerst unterhaltsamen Spagat zwischen traditionellem Genrekino und modernem Blockbuster-Entertainment.

„Die glorreichen Sieben“ ist ab dem 22. September bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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