My First Lady

In MY FIRST LADY erzählt Regisseur und Drehbuchautor Richard Tamme vom ersten Date zwischen Barack Obama und seiner späteren Ehefrau Michelle. Obwohl er den politischen Hintergrund des amtierenden US-Präsidenten dabei außen vor lässt, sagt seine Romanze zwischen den Zeilen viel über Obamas spätere Wertigkeit als mächtigster Mann der Welt aus. Mehr dazu in meiner Kritik.My First Lady

Der Plot

Es ist ein sonniger Sonntagmorgen in Chicago im Jahr 1989, als sich der junge, selbstbewusste  Jurist Barack Obama (Parker Sawyers) auf den Weg zu der attraktiven Anwältin,  seiner ehrgeizigen Vorgesetzten, Michelle Robinson (Tika Sumpter) macht – für ihr erstes Date, wenn es nach ihm geht!  Für Michelle ist es ein Treffen unter Kollegen und so lässt sie sich anfangs widerstrebend aber auch ein wenig amüsiert darauf ein, begleitet Barack nicht nur zu der verabredeten Gemeindeversammlung, sondern auch in eine Ausstellung. Und in den Park. Und zum Mittagessen… Aus einem Termin wird ein ganzer, wunderbarer Sommertag. Michelle ist mehr als auf der Hut und kann doch nicht umhin, sich von dem unwiderstehlich frechen Charme des geistreichen Barack beeindrucken zu lassen.  Als es Abend wird, haben sich die beiden – die noch nicht ahnen, welcher Weg vor ihnen liegt – als Kämpfer für dieselbe Sache erkannt. Und ineinander verliebt.

Kritik

Der erste Spielfilm über den noch amtierenden Präsidenten Barack Obama ist kein Biopic, kein Drama, kein Porträt. Es ist eine Lovestory. Und irgendwie ist es tatsächlich völlig egal, ob man Richard Tammes „My First Lady“ nun als Kennenlern-Film der Obamas tituliert, oder ob der Hintergrund dieser 84-minütigen Romanze auf fiktiven Ereignissen beruht. Mit seinem Langfilmdebüt erzählt der Autor diverser „Cinema Cool“-Episoden das erste Aufeinandertreffen von Barack und Michelle Obama als zurückhaltenden Wohlfühlfilm nach, der bei aller Subtilität viel über die politische Wertigkeit Barack Obamas aussagt, durch die er in den vergangenen Jahren das Lebensgefühl der US-Amerikaner ein Stück weit prägte. Inszenatorisch an Richard Linklaters „Before“-Reihe erinnernd, in der es ebenfalls ausschließlich darum ging, einem Pärchen (wenn auch über mehrere Jahre hinweg) für einen Tag lang beim liebevollen Philosophieren zuzusehen, besteht „My First Lady“ nicht etwa aus dem eineinhalbstündigen Anschmachten von Mann und Frau. Es geht um Politik, die Herkunft der Eltern, um das Land und um die Pläne, die nach und nach von individuellen zu gemeinsamen werden. Das ist in seiner entschleunigenden Attitüde wunderbar zeitlos und lebensecht, gleichzeitig aber auch überraschend mitreißend, obwohl die meiste Zeit über kaum mehr passiert, als dass die beiden Darsteller Tika Sumpter („Ride Along: Next Level Miami“) und Parker Sawyers („Zero Dark Thirty“) einfach nur miteinander reden.

My First Lady

Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren sicher das eine oder andere Porträt über die Präsidentenjahre Barack Obamas ins Haus steht. Das „Yes We Can!“-Feeling und eine Reihe einflussreicher Entscheidungen aus der Obama-Ära hat die US-amerikanische Bevölkerung stark geprägt und das zumeist positiv. Kaum ein politisches Ehepaar hatte in den vergangenen Jahren derart viele Fans wie die Obamas. Daher wirkt es auch von Anfang an überhaupt nicht befremdlich, dass wir es bei „My First Lady“ mit einer Lovestory zu tun haben. Trotzdem hoffen wir schon in gewisser Weise, dass sich die Regisseure daran kein Vorbild nehmen; so möchte wohl keiner sehen, wie es damals beim ersten Date zwischen Angela Merkel und Joachim Sauer zugegangen ist. Doch die ganz großen romantischen Eskapaden gibt es auch in „My First Lady“ nicht zu sehen. Zwar wird das Publikum Zeuge, wie sich der sichtbar interessierte Barack mit allen Mitteln darum bemüht, bei seiner Angebeteten einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen, im Kern der Geschichte geht es jedoch um das, worüber sich er und Michelle während ihres ersten Dates unterhalten. Ihre Erzählungen über die Kindheit und Jugend, das Verhältnis zu ihren Eltern und besonders die Schwierigkeiten Michelles, sich als schwarze Frau in einer Männerdomäne durchzusetzen, lassen bereits erahnen, mit welchen Themen sich Barack Obama in seiner politischen Laufbahn später noch genauer befassen wird.

Das führt natürlich dazu, dass „My First Lady“ alles in allem ein äußerst redseliger Film ist. Zwar wechselt das spätere Ehepaar während ihrer Unterhaltung mehrmals den Ort – zunächst verbringt es den Tag in der Ausstellung eines dunkelhäutigen Künstlers, später lockt Barack Michelle zu einer Kirche, in welcher er sich als Referent beweisen will und die beiden beenden ihre gemeinsame Unterhaltung mit einem Kinobesuch von Spike Lees Rassendrama „Do the Right Thing“ – eine zwar plakative, aber ja eben auf wahren Begebenheiten beruhende Szenerie. Mehr als flüchtige Blicke, kurze Berührungen oder gar Küsse gibt es die meiste Zeit über nicht zu sehen. Immer im Mittelpunkt der Erzählung: der Wille zum Austausch über politische Missstände. Dass ein solch dialoglastiger Film dennoch absolut kurzweilig gerät, liegt am Fingerspitzengefühl, das Richard Tamme beim Schreiben seines Skripts aufbrachte. Für jedes Problem findet er feine Sinnbilder; herbe Rassendiskussionen paart er mit Geschichten aus dem Leben der beiden Hauptfiguren. Damit erinnert „My First Lady“ an eine von den besseren Geschichtsstunden, in denen ein Lehrer den Stoff mit Spaß und Energie an den Schüler heranträgt. Wann immer „My First Lady“ derweil in Plattitüden abzudriften droht, findet der Regisseur kurz vorher den Schalter, um die richtige Richtung einzuschlagen. Wenn Barack Obama vor der schwarzen Gemeinde ein flammendes Plädoyer für die Gleichberechtigung aller hält, wirkt das nur so lange konstruiert, bis Michelle ihren Zukünftigen ausgerechnet auf diese effektive Planung anspricht. Denn in Wirklichkeit hatte dieser sich eine positive Regung Michelles gerade durch seine rhetorische Fertigkeit erhofft – konstruiert war dieses ganze Szenario also tatsächlich.

My First Lady

Technisch eher zurückhaltend und sich auf schöne, aber unauffällige Originalschauplätze verlassend, sind es natürlich die beiden Hauptdarsteller Tika Sumpter und Parker Sawyers, die „My First Lady“ tragen und tragen müssen. Ohne eine funktionierende Chemie zwischen den beiden, würde eine Liebesgeschichte schließlich kaum funktionieren. Erst recht nicht, weil der Film keine Momente hat, Schwachpunkte auf dieser Ebene auszugleichen. Das muss er allerdings auch gar nicht. Die zuletzt in den „Ride Along“-Komödien verheizte Tika Sumpter darf in „My First Lady“ ihren ganzen Charme spielen lassen und findet eine hervorragende Balance zwischen frecher Eigenständigkeit und der zarten Anbandelung mit Barack, der man ihr vorab nicht unbedingt vorhandenes Interesse durchaus abnimmt. Gleichzeitig wirkt es absolut glaubhaft, wie es Barack Obama damals gelungen sein muss, Michelle schließlich doch noch für sich zu gewinnen. Parker Sawyers hat sich Gestus und Mimik von Barack Obama gekonnt angeeignet und stattet ihn obendrein mit verführerischem Charme aus, der dem Zuschauer nahelegt, weshalb man ihm zweifelsohne verfallen kann. Auch zwischen Sumpter und Sawyers sprühen die Funken. Am liebsten würde man nicht bloß den ersten, sondern auch die darauf folgenden Tage zwischen dem späteren First Couple hautnah miterleben.

Fazit: „My First Lady“ zeichnet das erste Kennenlernen der Obamas liebevoll und zurückhaltend nach. Das mag den Einen zu geschwätzig sein, für die Anderen ergibt sich so indes ein unverfälschtes Abbild eines die US-amerikanische Politik später umso mehr prägenden Paares, dem Regisseur Richard Tamme hiermit ein jederzeit den richtigen Ton findendes Filmdenkmal gesetzt hat. Die in den nächsten Jahren sicher folgenden Biopics können dann den schweren Politstoff übernehmen.

„My First Lady“ ist ab dem 15. September in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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