The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years

Blockbuster-Regisseur Ron Howard blickt für seine Musikdokumentation THE BEATLES: EIGHT DAYS A WEEK – THE TOURING YEARS auf ein Stück Musikgeschichte zurück, über das eigentlich alles erzählt schien. Doch mithilfe neuen Archivmaterials und diversen Zeitzeugen-Interviews macht er aus seiner Beatles-Reportage etwas ganz Besonderes. Mehr dazu in meiner Kritik.The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Days

Darum geht’s:

Bis heute sind sie die Könige des Pop: Die vier Pilzköpfe Paul, John, George und Ringo eroberten in den Sechzigern von Liverpool aus die Welt. Der Dokumentarfilm begleitet die Band während ihrer Tour-Jahre, und damit von ihren Anfängen im Hamburger Star Club Anfang der Sechziger bis zu ihrem letzten Konzert im Candlestick Park in San Francisco 1966. Wie wurde aus den vier jungen Männern aus Liverpool, John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, die erfolgreichste Band der Popgeschichte?

Kritik

Eigentlich ist „Rush“-Regisseur Ron Howard für spektakuläres Bombastkino zuständig. Die Formel-eins-Fehde zwischen James Hunt und Niki Lauda setzte er ebenso popcorntauglich in Szene, wie die Dan-Brown-Romanverfilmungen „The Da Vinci Code“, „Illuminati“ und demnächst „Inferno“. Vergangenes Jahr versuchte er sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit an einer Neuinterpretation der Moby-Dick-Saga; ohne Erfolg. „Im Herzen der See“ ging gnadenlos unter und musste obendrein viel Schelte der Kritiker einstecken. Bevor Howard in wenigen Wochen ein weiteres Mal Tom Hanks alias Robert Langdon über die Leinwand jagt, nimmt er sich mit seiner ersten Dokumentation eines Herzensprojektes an. Der bekennende Beatles-Verehrer nahm sich für seine Musikreportage „The Beatles: Eight Days a Week“ den Tourjahren der Band an und griff für seinen Streifzug durch dieses einprägsame Stück Musikgeschichte auf Interviews mit über 40 verschiedenen Partnern, 150 Musikstücke und Stunden von Archivmaterial zurück, das für „Eight Days a Week“ optisch und akustisch remastert wurde. Das Ergebnis ist ein im besten Sinne prägnanter Ron-Howard-Film. Denn zu den ganz großen Kunstfertigkeiten des 62-jährigen US-Amerikaners zählt es, ein spezielles Thema auch für all jene ansprechend zu inszenieren, die damit sonst eigentlich gar nichts zu tun haben.

The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years

Über eine Band, die seit Jahrzehnten nicht bloß Kultstatus hat, sondern zu den wenigen Musikgruppen gehört, deren Können und Erfolg schlicht und ergreifend unbestreitbar ist, Neues zu erzählen, ist schwierig. Gibt man bei der Internet Movie Database „The Beatles“ ein, erhält man nicht bloß eine unglaubliche Zahl von 233 Einträgen in Bezug auf Soundtrack-Verwendungen, sondern auch 120 verschiedene Arten von Archivmaterial, das in Filmen aller Art bereits verwendet wurde. Nicht nur die Gruppe selbst wurde schon zigfach im Rahmen von Dokumentationen beleuchtet, sogar die Beatles-Member einzeln haben schon alle eine Handvoll Reportagen spendiert bekommen. Wie also sollte sich „Eight Days a Week“ davon abheben? Zunächst einmal setzt sich Ron Howard für sein Beatles-Porträt einen schon im Titel festgelegten Rahmen. Sein Film handelt nicht etwa von den Beatles an sich, sondern von den Tourjahren der Band. Den Mythos ihres Erfolges ergründet der Regisseur also nur am Rande. Mehr noch: Subtile Aussagen und die Eindrücke, die das Filmmaterial auf den Zuschauer ausübt, müssen ausreichen, um auch fachunkundigem Publikum näherzubringen, wie es den vier Briten in den Sechzigern gelingen könnte, Begeisterungsstürme und Ohnmachtsanfälle auszulösen. Dazu nutzt Howard politische Einschübe über Vietnamkrieg und Atomtests (selbst in Zeiten, in denen die Welt verrückt spielte, zeigten sich die Beatles als unerschütterlicher Fels in der Brandung und gaben vielen Menschen Halt) ebenso, wie Behind-the-Scenes-Material, das ohne viele Worte die selbstverständliche Natürlichkeit und Sympathie der Bandmitglieder zeigt, die man bei vielen Musikcombos von heute vergeblich sucht.

Weshalb die Beatles seinerzeit zu einem solchen Phänomen aufstiegen, ergibt sich entsprechend schon in den ersten Minuten. Und so ist es schwer, sich nicht alsbald von „The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years“ mitreißen zu lassen. Selbst als fachunkundiger Zuschauer ist es äußerst interessant, den Live-Werdegang der Band mit zu verfolgen. Anekdoten über den Zusammenhalt hinter den Kulissen, Blödeleien zwischen den Mitgliedern, aber auch die nach und nach anklingenden Zweifel darüber, ob ein derartiger Hype dem Verständnis für einfaches Musikmachen nicht doch im Wege steht, formen das Bild einer Band, die zum damaligen Zeitpunkt vielleicht nicht die größte Vielfalt in ihre Musiknummern legte (die Songs des im Film zum Schwerpunkt auserkorenen Zeitraums waren schlicht zu ähnlich, um der Dokumentation obendrein auch noch einen musikalischen Mehrwert zu verleihen; so ist es auch vom eigenen Fan-Dasein abhängig, ob man den an den Film angehängten, halbstündigen Konzertmitschnitt aus dem Shea Stadium in New York noch unbedingt braucht, oder nicht), wohl aber nicht bloß das Musikgeschehen, sondern die Pop- und Weltkultur maßgeblich prägte.

The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years

Die Auswahl der Interviewpartner reicht von den Beatles selbst – einiges davon ist Archivmaterial, mit Paul McCartney und Ringo Starr hatte Ron Howard extra für den Film stundenlange Interviews geführt – über langjährige Wegbegleiter und Familienmitglieder bis hin zu Hollywoodikone Whoopi Goldberg, die den Film obendrein in einen Rassismuskontext einbettet (die Beatles traten nicht in Musikstätten auf, in denen die Rassentrennung vollzogen wurde), oder Schauspielerin Sigourney Weaver, die ebenfalls ihre ganz persönlichen Beatles-Erfahrungen mit dem Publikum teilt. So gelingt es den Machern, „The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years“ zu einem sehr familiären Film zu machen; ein Ziel, das sich Ron Howard selbst vor dem Beginn der Dreharbeiten setzte. Seine Musikdokumentation ist kein bloßer Abriss einer bestimmten Dekade, sondern schafft es nachträglich, das Gefühl eines Road-Trip-Abenteuers zu kreieren. Ganz so, als hätte die Band damals Jemand bei ihren Tourneen begleitet. Erinnerungen an Anton Corbijns James-Dean-Biopic „Life“ werden wach.

Fazit: Neue musikalische Erkenntnisse liefert „The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years“ nicht unbedingt. Dafür ist Ron Howard mit seiner Beatles-Dokumentation ein mitreißender Blick hinter die Kulissen der Tourjahre der Kultband geraten, der den Beatles-Mythos auch all jenen ein Stückweit näher bringt, die mit der Musik nicht viel anfangen können.

„The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years“ ist ab dem 15. September in ausgewählten Kinos Deutschlands zu sehen – nur für kurze Zeit!

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