Superintelligence

Eine allmächtige Superintelligenz, die wie James Corden klingt und eine ganz gewöhnliche, amerikanische Frau, die in ihr Visier gerät und dadurch plötzlich die Existenz der gesamten Menschheit zu verantworten hat – das ist die Prämisse der Actionkomödie SUPERINTELLIGENCE, in der Regisseur Ben Falcone einmal mehr seine Ehefrau Melissa McCarthy inszeniert. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

OT: Superintelligence (USA 2020)

Der Plot

Carol Peters (McCarthy) ist noch nie in ihrem Leben etwas Außergewöhnliches passiert. Als eines Tages ihr Fernseher, Telefon und die Mikrowelle anfangen, schnippische Antworten zu geben, nimmt sie logischerweise an, dass jemand sie veräppelt. Oder sie den Verstand verloren hat. Tatsächlich jedoch hat die erste Superintelligenz der Welt (gesprochen von James Corden) sie als Forschungsobjekt auserwählt und die Kontrolle über ihr Leben übernommen – mit dem viel größeren, bedrohlichen Ziel, die Kontrolle über alles zu erlangen. Auf einmal ist Carol die letzte Hoffnung der Menschheit, um zu verhindern, dass die zickige künstliche Intelligenz sich entscheidet, den Stecker zu ziehen.

Kritik

Vetternwirtschaft ist auch in Hollywood ein weit verbreitetes Phänomen. Viele Filmemacher:innen drehen nur zu gern mit ihren Liebsten. Paul W. S. Anderson etwa setzte wieder seine Ehefrau Milla Jovovich in Szene („Resident Evil“, „Monster Hunter“), Peter Hedges („Ben is back“) und Til Schweiger („Die Hochzeit“) drehen besonders gern mit ihren Sprösslingen, Francis Ford Coppola („Der Pate“) holte für seine Filme regelmäßig die halbe Familie mit ins Boot und Ben Falcone führte bislang bei vier verschiedenen Filmen Regie (ein fünfter befindet sich derzeit in der Postproduktion), in denen immer seine Gattin Melissa McCarthy die Hauptrolle spielte. Nachdem „Tammy – Voll abgefahren“, „The Boss“ und „How to Party with Mum“ eine leichte Lernkurve nach oben andeuteten, ist das Falcone-McCarthy-Gespann in ihrer vierten Zusammenarbeit „Superintelligence“ nun beim Prädikat „grundsolide“ angelangt. Vor allem, da man zum ersten Mal das Gefühl hat, Falcone habe seine Ehefrau nicht bloß deshalb erneut in führender Position besetzt, weil sie irgendwann zu Hollywoods Slapstick-Göttin wurde, sondern auch, da die sich in Filmen wie „St. Vincent“ und „Can you ever forgive me?“ als Charakterdarstellerin bewiesene Mimin nach wie vor großes Schauspieltalent besitzt. Nun ist ein Actioncomedystoff wie „Superintelligence“ nur bedingt dafür geeignet, sich darstellerisch so richtig auszutoben. Doch ohne die hier einmal mehr hoch engagierte McCarthy wäre der Film längst nicht so sympathisch wie er es dank ihr ist.

Carol (Melissa McCarthy) weiß nicht so recht, was sie mit den Kreationen des exzentrischen Designers anfangen soll.

Die Filme des Falcone/McCarthy-Duos waren bis vor Kurzem eher den Liebhaber:innen grobmotorischen Humors vorbehalten. Die Schauspielerin durfte für ihren Gatten mit Anlauf von einem Fettnäpfchen ins nächste springen – und da der zumeist auch für die Drehbücher verantwortliche Ben Falcone die Sache mit dem Timing nie so recht raushatte, zogen sich allzu platte Gags mitunter peinlich in die Länge, was insbesondere McCarthy weit unter ihren Möglichkeiten verkaufte. Vielleicht liegt es daran, dass zu „Superintelligence“ nicht Falcone, sondern der bereits für das Skript zum soliden „The Boss“ verantwortliche Steve Mallory das Drehbuch beisteuerte – jedenfalls ist Melissa McCarthy hier nicht mehr bloß die „lustige Dicke“; ein sowohl von den Medien als auch bisweilen von ihr selbst befeuertes Image. Dabei gibt es auch in „Superintelligence“ Szenen, in denen die Aktrice furchtlos und mit vollem Körpereinsatz zu Werke geht: Für eine Szene während eines Bewerbungsgespräches etwa gelingt es McCarthys Figur partout nicht, sich halbwegs galant auf einen überdimensionalen Sitzsack zu setzen, woraufhin sie wenig vorteilhaft zu Boden rutscht. In einer weiteren wird sie von einem überambitionierten Designer dazu genötigt, absurde Kleiderkreationen anzuprobieren, in denen sie im wahrsten Sinne des Wortes versinkt. Von diesen nicht zwingend notwendigen aber immerhin auch nicht zu Tode gerittenen Momenten abgesehen hält sich „Superintelligence“ in Sachen Körperhumor zurück – stattdessen setzen die Macher:innen auf die Grundsympathie ihrer Protagonistin und ihr Zusammenspiel mit Bobby Cannavale („Motherless Brooklyn“).

„‚Superintelligence‘ hält sich in Sachen Körperhumor zurück – stattdessen setzen die Macher:innen auf die Grundsympathie ihrer Protagonistin und ihr Zusammenspiel mit Bobby Cannavale.“

Selbst in jenen Melissa-McCarthy-Filmen, für die Ben Falcone nicht selbst verantwortlich zeichnete, ist der Komiker und Schauspieler regelmäßig in Nebenrollen zu sehen – und ist dabei, wie etwa in Paul Feigs „Brautalarm“, nicht selten das Objekt von McCarthys Begierde. In „Superintelligence“ hat sich Falcone die Figur eines CIA-Agents auf den Leib geschrieben, das amouröse Interesse seiner Ehefrau gilt derweil seinem Schauspielkollegen Bobby Cannavale, für den Steve Mallory einen gleichermaßen harmlosen wie durch und durch charmanten Lovestory-Plot kreiert hat. Dem zarten Anbandeln zwischen seinem selbstsicheren, aber nie unnahbaren George und der durch die Ratschläge der KI im Ohr sukzessive immer extrovertierteren Carol zuzusehen, macht aufgrund der stimmigen Chemie der beiden einfach Laune. Das Skript hält für die beiden genug Missgeschicke bereit, um „Superintelligence“ klar im Comedysektor zu verorten, wird dabei jedoch nie zu brachial unglaubwürdig oder albern. Doch auch wenn die hier dargestellte, aufkeimende Liebe arm an Lowlights ist, mangelt es ihr auf der anderen Seite an emotionalen Highlights. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Film keine reine RomCom ist, sondern die Superintelligenz sowie deren Pläne, die Menschheit auszulöschen, über allem schwebt.

Carol bandelt mit dem charmanten George (Bobby Cannavale) an…

Die Momente der Interaktion zwischen der von der Situation heillos überforderten Carol und der wie James Corden („The Prom“) klingenden KI („Meine Analyse zeigt, dass es dich beruhigen würde, wenn du James Cordens Stimme hörst!“) sind klar die stärksten des gesamten Films. Wenn die künstliche Intelligenz zu Beginn jedes einzelne elektronische Gerät in Carols Wohnung in Beschlag nimmt und im weiteren Verlauf immer wieder beweist, dass sie wirklich jedes (!) technische Utensil beeinflussen kann, kommen dabei einige herrlich skurrile Situationen zustande, die es durch James Cordens starkes Voice-Acting zudem jederzeit plausibel erscheinen lassen, dass sich Carol und die KI nach und nach anfreunden. Weshalb sich die Superintelligenz ausgerechnet Carol als Zielobjekt ausgesucht hat, erklärt der Film auch – und diese Begründung ist für einen High-Concept-Film wie diesem hier sogar weitestgehend plausibel. Schade ist nur, dass das Zusammenspiel zwischen der KI und Carol mit der Zeit immer weniger wird, ab dem Auftauchen von Bobby Cannavale sogar ganz in den Hintergrund rückt. Ab diesem Moment mutiert „Superintelligence“ langsam aber stetig zur gewöhnlichen Romantic Comedy – das nervt zwar nicht, aber der Film hätte bei konsequent durchgezogener Prämisse um einiges mehr Potenzial.

„Die Momente der Interaktion zwischen Carol und der wie James Corden klingenden KI sind klar die stärksten des Films. Wenn die künstliche Intelligenz zu Beginn jedes einzelne elektronische Gerät in Carols Wohnung in Beschlag nimmt und im weiteren Verlauf immer wieder beweist, dass sie wirklich jedes technische Utensil beeinflussen kann, kommen einige herrlich skurrile Situationen zustande.“

Inszenatorisch mangelt es Ben Falcone bislang an einer eigenen Handschrift – was im Falle von „Superintelligence“ jedoch nichts Schlechtes bedeuten muss. Kameramann Barry Peterson („Game Night“) setzt das Geschehen routiniert in Szene, behält bei den rasanteren Momenten immer den Überblick (wenngleich die ganz große Zerstörung trotz des vielversprechenden Plakatmotivs ausbleibt) und sorgt ansonsten für gefälliges Hollywood-Hochglanzkino. Für das Herz und die Seele dieses Films sind also weniger die Inszenierung, sondern vielmehr die engagierten Darsteller:innen zuständig.

Fazit: Regisseur Ben Falcone gelingt mit der Actionkomödie „Superintelligence“ seine bisher angenehmste Zusammenarbeit mit Schauspielerin Melissa McCarthy, die hier deutlich mehr schauspielern als sich zum Affen machen darf. Zusammen mit Sympathieträger Bobby Cannavale und einem akustisch stets präsenten James Corden gelingt es ihr, den trotz der Prämisse bisweilen beliebigen Plot mit dem notwendigen Herzblut zu versorgen.

„Superintelligence“ ist voraussichtlich ab dem 24. Juni in den deutschen Kinos zu sehen.

Ein Kommentar

  • Michael Füting

    Muss man denn wirklich eine solche Praemisse akzeptieren? Jetzt, in diesen Zeiten. Wann kümmert sich auch das Genrekino mal um die wirklichen Probleme einer Welt, die ziemlich im A…. ist?

Und was sagst Du dazu?