Solo: A Star Wars Story

Nach einer nervenaufreibenden Produktionsgeschichte kommt der neueste „Star Wars“-Ableger SOLO: A STAR WARS STORY nun endlich in die weltweiten Kinos und bestätigt den vorab erwarteten, zwiegespaltenen Eindruck nicht. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Nachdem er gewaltsam von seiner Liebsten Qi’ra (Emilia Clarke) getrennt wurde, heuert der junge Schmuggler Han Solo (Alden Ehrenreich) bei der Imperialen Armee an. Nach einer gescheiterten Pilotenausbildung liefert er sich eine Reihe waghalsiger Abenteuer, bis er in der düsteren und gefährlichen kriminellen Unterwelt seinen späteren Co-Piloten und besten Freund Chewbacca (Joonas Suotamo) kennen lernt. Gemeinsam erobert das Duo Planeten des gesamten Universums, bis es nicht bloß auf den berühmt berüchtigten Glücksspieler Lando Calrissian (Donald Glover) trifft, sondern auch auf den Gauner Beckett (Woody Harrelson), mit denen er einen waghalsigen Raubüberfall vorbereitet…

Kritik

Keine große Studioproduktion der letzten Jahre stand während ihrer Entstehung unter derartiger Beobachtung, wie das von Pannen durchzogene „Star Wars“-Spin-Off „Solo“. Angefangen bei einem Austausch der Regisseure – ursprünglich sollte das „22 Jump Street“-Duo aus Phil Lord und Chris Miller den Film inszenieren, das nach nahezu abgeschlossenen Dreharbeiten aber plötzlich von Ron Howard („Im Herzen der See“) ersetzt wurde – über Gerüchte, Hauptdarsteller Alden Ehrenreich („Hail, Caesar!“) müsse noch vor Ort Schauspielunterricht nehmen, um die Rolle des jungen Han Solo glaubhaft auszufüllen, bis hin zu ersten studiointernen Äußerungen, der erfolgsverwöhnte Disneykonzern glaube mittlerweile selbst nicht mehr an den Erfolg seines Films, rissen die missmutig stimmenden Nachrichten rund um „Solo: A Star Wars Story“ einfach nicht ab. Die Premiere ins prestigeträchtige Cannes zu verlegen, schien da nur wie ein konsequenter „Jetzt erst recht!“-Schritt, denn Aufmerksamkeit und ein qualitätsverwöhntes Publikum kann man sich an der Côte d’Azur sicher sein. Während der „Star Wars“-Hype aktuell ein wenig abgeebbt scheint, blieben die radikalen Verrisse, die von vielen erwartet wurden, nach der Uraufführung aus. Und das völlig zu Recht! Wenngleich man trotz der ausführlichen Nachdrehs durch Ron Howard merkt, dass hier noch zwei andere Filmemacher ihre Hände im Spiel hatten und sich Aiden Ehrenreich sehr deutlich am großen Vorbild Harrison Ford und seiner Verkörperung des Han Solo orientiert, ist „Solo“ alles andere als eine Katastrophe. Das Science-Fiction-Heist-Movie ist ein sympathisches Abenteuer im bekannten „Star Wars“-Kosmos – genau richtig für ein Spin-Off und auch absolut nicht mehr als das. Am Ende verlässt man das Kino mit einem zufriedenen Lächeln.

Wer schon immer wissen wollte, wie sich Han (Alden Ehrenreich) und Chewie (Joonas Suotamo) kennengelernt haben, findet in „Solo“ die Antwort.

Der offizielle Stand zu den abgeschlossenen „Solo“-Dreharbeiten lautet: Ron Howard habe satte 70 Prozent des Films neu gedreht, woraufhin sich Phil Lord und Chris Miller nicht einmal mehr um eine Nennung als Co-Regisseure bemühten und im Abspann nun lediglich als Executive Producer geführt werden. Entsprechend wenig habe das Endergebnis mit der ursprünglichen Vision der „LEGO Movie“-Visionäre zu tun. Dass die beiden den Grundstein für das zweite „Star Wars“-Spin-Off nach „Rogue One“ gelegt haben, ist „Solo“ trotzdem jederzeit anzumerken. Anders als etwa im Falle von „Justice League“, wo sich jede Szene ziemlich deutlich entweder Zack Snyder oder aber dem später für ihn eingesprungenen Joss Whedon zuordnen ließ, fühlt sich „Solo“ zwar deutlich runder an, doch die spielerisch-leichtfüßigen Akzente von Lord und Miller scheinen noch zur Genüge durch, um „Solo“ nicht ausschließlich als ein Ron-Howard-Projekt zu betrachten. Vor allem innerhalb der Buddy-Interaktion zwischen Han und Chewie – das Herzstück des erzählerisch sehr klein gehaltenen Films – kommt das humoristische Fingerspitzengefühl der Regisseure durch. Ron Howard stemmt dagegen spürbar das große Ganze und sorgt – so wie es Berichte von den Dreharbeiten vorab bereits ankündigten – für Ordnung in einem ansonsten für Anarchie prädestinierten Film. Das Ergebnis dieser Kooperation sorgt gleichermaßen für Spannung wie Spaß; und wenn Emilia Clarkes Qi’ra einmal mitten im Film verrät, dass sie bei den Gedanken an die Abenteuer an der Seite von Han immer ein Lächeln im Gesicht trägt, dann ist das eins zu eins auf das Publikum übertragbar.

Das Sympathischste an „Solo: A Star Wars Story“ ist die im Vergleich zu „Rogue One“, „Die letzten Jedi“ und auch „Das Erwachen der Macht“ sehr übersichtliche Geschichte. Diesmal steht nicht der große Kampf um die Sicherheit der Galaxie im Mittelpunkt. Vereinzelte Fights und Verfolgungsjagden entbehren jedweden kriegerischen Ausmaßen und erwecken stattdessen eher den Eindruck kleinerer Episoden, um den Heist-Plot mit genügend Action anzureichern. Wer jetzt jedoch vor einem weichgespülten Family-Abenteuer bangt, der irrt – die Freundschaft zwischen Chewie und Han immer im Mittelpunkt betrachtend, sind die in den Actionszenen zutage geförderten Konsequenzen für viele Figuren trotzdem angenehm weitreichend und mitunter überraschend radikal. Ein Gespür für die darin innewohnende Tragik kommt trotzdem nicht immer auf – dafür fehlt es „Solo“ gerade zu Beginn an erzählerischer Substanz. Die Macher müssen sich dem Groove ihres rebellischen Helden offenbar erst einmal anpassen und scheinen mit der Charakterisierung des ja uns allen eigentlich so altbekannten Protagonisten zunächst gar nicht richtig hinterherzukommen. Stattdessen lassen sie die Szenen für sich sprechen und finden für das erste Aufeinandertreffen zwischen Han und Chewbacca, für die Einführung des von Donald Glover („Community“) gespielten Szenendiebs Lando Calrissian sowie für einen später wieder aufgegriffenen Subplot rund um Emilia Clarke („Ein ganzes halbes Jahr“) stimmige Bilder, aus denen sich später nach und nach vereinzelte Figurenentwicklungen herauskristallisieren. „Solo“ verfolgt den interessanten Ansatz, erst den Spaß in den Vordergrund zu rücken und die erzählerische Substanz hinterherzuliefern. Am Ende hat man runde Charaktere, eine zum Großteil stimmige Handlung und krachende Action.

Donald Glover schlüpft in „Solo“ in die Rolle des Zockers Lando Calrissian.

Während die ganz großen Schenkelklopfer ausbleiben („Solo“ setzt auf eine konsequent ausbleibende, erzählerische Schwere, weniger auf große Gags), präsentiert sich die zweite „Star Wars Story“ auf der handwerklichen Seite gewohnt solide. Mit überraschend wenig Screentime für ausgedehnte Weltraumschlachten, finden bewaffnete Auseinandersetzungen vorwiegend auf erdähnlichen Planeten statt. Vor allem der Eisenbahnraub an einem verschneiten Berghang ist visuell bombastisch geraten. Doch je länger „Solo“ geht, desto mehr wiederholen sich die verschiedenen Abläufe; tricktechnisch kann der ausgewogene Mix aus handwerklichen Effekten und Computertrick trotzdem überzeugen. Die starke Fokussierung auf die Figuren spiegelt sich auch in der Kameraarbeit von Bradford Young („Arrival“) wider: Anstatt das große Spektakel einzufangen, bleibt er auch in den Nahkampfsequenzen immer ganz nah an den Figuren. So gelingt es ihm, das von den Drehbuchautoren Jonathan („Californication“) und Lawrence Kasdan („Star Wars: Das Erwachen der Macht“) immer wieder in kleinen Nebensätzen betonte Zusammenwachsen der Figuren auch im unübersichtlichsten Getümmel zu betonen. Das ist charmant und bremst außerdem das trotz seiner 132 Minuten sehr flotte Geschehen nicht unnötig aus. Akustisch orientiert sich John Powell („Jason Bourne“) erwartungsgemäß an der Vorarbeit durch John Williams, indem er bekannte Themen variiert und einmal auch direkt verwendet. Gleichzeitig setzt er genügend eigene Akzente, um „Solo“ zu einer Tonspur mit Wiedererkennungswert zu verhelfen – etwas, was in „Rogue One“ komplett ausblieb.

Dass es Disney-Insidern zufolge angeblich die Aufgabe Alden Ehrenreichs gewesen sein soll, die Attitüde des jungen Harrison Ford 1:1 zu kopieren (was auch dazu führte, dass der Akteur – wieder angeblich – zu Schauspiel-Nachhilfestunden am Set genötigt worden sei), ist der Performance des 28-jährigen Kaliforniers nicht anzumerken. Der einstige Teenie-Star („Beautiful Creatures“) orientiert sich zwar sichtbar an der Gestik, Mimik und Sprechweise Harrison Fords, gleichzeitig macht er aus der ihm anvertrauten Figur etwas Eigenes. Als Zuschauer kann man sich sehr gut vorstellen, hier tatsächlich den jungen Han Solo vor sich zu haben, gleichzeitig gibt schon die Story immer wieder genügend Anlass, um Hans charakteristische Entwicklung nachvollziehen zu können. Der Han Solo in „Solo“ ist nicht exakt die Figur, die „Star Wars“-Fans kennen, nur eben diesmal von einem deutlich jüngeren Schauspieler gespielt. Stattdessen bekommen sie einen Han, der später zu dem Charakter wird, den sie lieben – und exakt damit hat „Solo: A Star Wars Story“ den Sinn und Zweck seines Spin-Off- (und Prequel-!)Daseins verinnerlicht. Woody Harrelson („Planet der Affen: Survival“), Emilia Clarke, Paul Bettany („Avengers: Infinity War“), Donald Glover und nicht zuletzt Joonas Suotamo („Star Wars: Die letzten Jedi“) als Chewbacca bereiten Alden Ehrenreich die Bühne, ohne sich in seinen Schatten zu stellen. Sie alle bilden ein stimmiges Figurenkonstrukt, das sich ganz dem optimistischen Tonfall des Films fügt – sie alle scheinen selbst in Antagonistenrollen einen riesigen Spaß daran zu haben, in „Solo“ mitwirken zu dürfen.

Solo schließt sich Val (Thandie Newton) und Beckett (Woody Harrelson) an.

Fazit: „Solo: A Star Wars Story“ bleibt erzählerisch unspektakulär und konzentriert sich voll und ganz darauf, seinem Publikum den Werdegang des Titelhelden sowie die Freundschaft zwischen Han und Chewbacca näherzubringen. Die sehr klein gehaltene Story ist durchgehend sympathisch, die Action solide und Alden Ehrenreich in der Rolle des jungen Han Solo kann schauspielerisch genug eigene Akzente setzen, um sich nicht vorwerfen lassen zu müssen, lediglich Harrison Ford zu kopieren. So viel Spaß hat „Star Wars“ seit „Das Erwachen der Macht“ nicht mehr gemacht.

„Solo: A Star Wars Story“ ist ab dem 24. Mai bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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