Hail, Caesar!

Die Coen-Brüder sind wieder da und widmen sich in HAIL, CAESAR! den schillernden Welt Hollywoods in den Fünfzigerjahren. Mit an Bord: ein Aufgebot der derzeit angesagtesten Schauspieler aus der Traumfabrik. Kein Wunder also, dass die Produktion bei der diesjährigen Berlinale als Eröffnungsfilm fungierte. Mehr dazu, wie die Satire schlussendlich geworden ist, verrate ich in meiner Kritik.Hail, Caesar!

Der Plot

Anfang der Fünfzigerjahre sind die Capitol Pictures Filmstudios das Non plus Ultra in Hollywood. Die Produktionsfirma beherbergt die ganz Großen der Traumfabrik. Angefangen vom immens von sich selbst überzeugten Qualitätsregisseur Laurence Laurentz (Ralph Fiennes) über den auf seinem Fachgebiet absolut herausragenden Westernfilmstar Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) bis hin zu Baird Whitlock (George Clooney), dem derzeit wohl angesagtesten Monumentalfilmhelden, hat Studioboss Eddie Mannix (Josh Brolin) das Who-is-Who der schillernden Filmwelt unter sich versammelt. Mitten in den Dreharbeiten zum imposanten Sandalenfilmblockbuster „Hail, Caesar!“ verschwindet Hauptdarsteller Whitlock unter mysteriösen Umständen. Während die Crew zunächst von den Folgen eines seiner typischen Saufgelage ausgeht, hält Mannix schon bald ein Erpresserschreiben in den Händen, das ihn dazu auffordert, 100.000 Dollar an die Entführer zu bezahlen. Während der Chef der Capitol Studios alles versucht, um das Geld aufzutreiben, muss er sich nebenher nicht bloß mit den anstrengenden Klatschreporterinnen Thora und Thessely Thacker (Tilda Swinton) herumschlagen, er muss auch den Produktionsprozess diverser kommender Kassenschlager am Laufen halten. Und das entpuppt sich als schwieriger als gedacht.

Kritik

In jüngster Zeit hat sich in Hollywood offenbar ein neuer Trend der Selbstdemaskierung ergeben. Mit David Cronenbergs bitterböser Romanverfilmung „Maps to the Stars“, Terrence Malicks melancholischer Sinnsuche „Knight of Cups“ sowie dem Oscar-Abräumer „Birdman“ fand man allerdings vornehmlich Gefallen an der zynischen Auseinandersetzung mit Leinwand und Broadway, in welcher die Traumfabrik vorzugsweise als zerstörerischer Sog dargestellt wird, an dem Menschen zugrunde gehen und Karrieren zwangsweise irgendwann zerschellen. Ein wenig optimistischer sah man es da schon in der Filmadaption des Serienhits „Entourage“, der aufgrund seiner Zielgruppe allerdings nicht annähernd soviel Aufmerksamkeit auf sich zog, wie es dieser augenzwinkernden Hommage an die Entertainmentbranche gebührt hätte. Auch Peter Bogdanovichs bittersüßes Ensemblestück „Broadway Therapy“ mengte dem cineastischen Blick hinter die Kulissen der Film- und Theaterwelt eine feine Prise Humor bei, doch den Vogel derartiger selbstreferenzieller Satiren schießen nun einmal mehr die Coen-Brüder ab. Parallel zur dieser Tage ebenfalls in den Kinos anlaufenden Modewelt-Persiflage „Zoolander No. 2“ ist ihr absurder Kamikaze-Rundumschlag gen Traumfabrik zwar noch verhältnismäßig geerdet, doch die Parallelen sind nicht zu leugnen. Nicht nur das Staraufgebot ist in beiden Filmen ähnlich hoch, auch die Attitüde dieser eigentlich in Gänze unterschiedlichen Produktionen ist durchaus vergleichbar. So ist „Hail, Caesar!“ im Grund eine pfiffige Intellektuellenversion von Ben Stillers Hochglanzklamauk, übertragen von der oberflächlichen Fashionwelt auf die höchstens ansatzweise ein bisschen tiefgründer ausfallende Schauspielbranche der frühen Fünfzigerjahre.

Hail, Caesar!

Obwohl inszenatorisch nicht halb so albern wie „Zoolander No. 2“ machen sich auch die Drehbuchautoren und Regisseure Joel und Ethan Coen („Inside Llewyn Davis“) hier einen Spaß daraus, ihre Figuren in eigentlich recht oberflächliche Stereotypen zu pressen. Während George Clooney („Monuments Men“) den aufopferungsvollen Hollywoodstar mimt, Nachwuchsschauspieler Alden Ehrenreich („Stoker“) in die Rolle des einfältigen Westernakteurs schlüpft, Scarlett Johansson („Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron“) als unerträgliche Diva brilliert, Channing Tatum („Magic Mike XXL“) als bubihafter Strahlemann zu bestechen weiß und Josh Brolin („Inherent Vice – Natürliche Mängel“) als nimmermüder Strippenzieher gefällt, eint sie alle doch das perfekte Fingerspitzengefühl für das Darstellen glaubhafter Karikaturen. Sämtliche Figuren in „Hail, Caear!“ funktionieren über ihr Dasein als comichaftes Abbild reell existierender Menschentypen. In einem Film wie „Hail, Caesar!“ vereint, ist dieser Overkill personifizierter Albernheiten erträglich, wenngleich die Coens diesen Gedankengang nicht immer konsequent zu Ende führen. Während die Story zunächst als abwechslungsreicher Blick hinter die Kulissen eines Filmstudios besticht und gerade die schnellen Szenenwechsel und schier unendlich vielen Figuren Spaß bereiten, inszenieren die Regisseure ihren Film ab der Entführung von Baird Whitlock auf zwei Ebenen.

Wenngleich George Clooney in seiner Hauptrolle mit einem beeindruckenden Gefühl für humoristisches Timing beeindruckt, erweist sich seine Figur schon nach einer kurzen Weile als verhältnismäßig austauschbar. Anders als etwa Tilda Swintons („Dating Queen“) exzentrische Darstellung eines noch exzentrischeren Zwillingspaares oder Ralph Fiennes („James Bond 007: Spectre“) als perfektionistischer Meisterregisseur besitzt George Clooneys Charakter des Baird Whitlock den geringsten Wiederkennungswert. Das Entführungsszenario selbst kommt nach einem trägen Beginn, doch mit Erkenntnis um die Hintergedanken der Erpresser mehr und mehr in Gang, doch im Vergleich zu den weitaus dynamischeren Szenen innerhalb der Studios erweisen sich die Szenen mit Clooney und seinen Kidnappern als Bremse. Da sich „Hail, Caesar!“ ohnehin nicht über die Story selbst, sondern über die absurden Einfälle der Macher wie fehlgeschlagene Filmproben oder leidenschaftliche Tanzeinlagen Channing Tatums definiert, enttäuscht der äußerst konventionelle Rahmenplot doch immens. Dafür entschädigt allerdings die an findiger Cleverness und Verrücktheit kaum zu übertreffende Auflösung, die an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird.

Hail, Caesar!

Abseits der sichtlichen Spielfreude sämtlicher Darsteller und der hemmungslosen Freiheit, möglichst viele Besonderheiten des Fünfzigerjahre-Hollywoodkinos (Stichwort: Wasserballett) in ihrem Film unterzubringen, betört das neueste Werk der Coens auch über sein Dasein als Ausstattungskino. Neben Kameramann Roger Deakins („Sicario“), der hier einmal mehr ein exzellentes Gespür für die Prioritäten eines solchen Genrefilms an den Tag legt, indem er die Formen, Farben, Kleidung und Kulissen aufs Detailreichste einfängt, berauschen sowohl das farbenprächtige Kostümdesign als auch das authentische Szenenbild. Mit vereinzelten Spielereien mit dem Bildformat lässt Deakins bisweilen den Eindruck entstehen, Ausschnitte aus „Hail, Caesar!“ würden tatsächlich aus dieser Dekade stammen. Es ist spannend zu sehen, wie abwechslungsreich die Coens ihren Film gestalten, obwohl sie sich mit ihrer Wahl der Fünfzigerjahre eigentlich recht enge Grenzen setzen. Komponist Carter Burwell („Anomalisa“) tobt sich mit seinem Fokus auf Blechbläser innerhalb des Scores aus und weiß das Geschehen immer wieder im genau richtigen Moment zu unterstreichen.

Fazit: Den Coen-Brüdern gelingt mit „Hail, Caesar!“ ein authentischer, liebevoll-komischer, inhaltlich jedoch bisweilen recht holpriger Ausflug hinter die Kulissen Hollywoods. Das hohe Staraufgebot und eine Handvoll schräger Ideen können über die Schwächen jedoch zu weiten Teilen hinwegtrösten.

„Hail, Caesar!“ ist ab dem 18. Februar in den deutschen Kinos zu sehen.

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