Rogue One: A Star Wars Story

Diesmal mussten sie nur ein Jahr warten: Die „Star Wars“-Fans haben zwölf Monate nach „Das Erwachen der Macht“ schon wieder Grund, zu frohlocken. Mit ROGUE ONE: A STAR WARS STORY präsentiert die Sternen-Saga ihr erstes Spin-Off. Wie das geworden ist, verrate ich in meiner spoilerfreien Kritik.Rogue One: A Star Wars Story

Der Plot

Die junge Jyn Erso (Felicity Jones) wächst schon in frühen Jahren als Waise auf. Mittlerweile schlägt sie sich mit größeren und kleinen Schandtaten durchs Leben, bis sie eines Tages von einer Gruppe von Rebellen angeheuert wird, um gemeinsam mit ihr dem Imperium entgegen zu treten. Unter der Führung von Widerstandskämpferin Mon Mothma (Genevieve O’Reilly) soll sie die Pläne des Todessterns in ihre Gewalt bringen – der gefährlichsten Waffe, des Universums. Da auch Jyns Vater Erso (Mads Mikkelsen) einst an dem Bau des Zerstörers beteiligt war, erhoffen sich die Rebellen Insiderwissen von der toughen Lady und tatsächlich erklärt diese sich bereit, Teil dieses Teams aus ganz unterschiedlichen Widerständlern zu werden, um an der Seite von Captain Cassian Andor (Diego Luna) und dem ehemaligen Imperiumsdroiden K-2SO (Alan Tudyk) die Welt vor dem Todesstern zu beschützen. Dabei haben die drei die Rechnung ohne den imperialen Militärdirektor Krennic (Ben Mendelsohn) gemacht, der sich seiner Sache sehr sicher ist…

Kritik

Schon lange bevor „Star Wars“-Mastermind George Lucas seinen millionenschweren Medienkonzern Lucasfilm an das Disney-Unternehmen verkaufte, plante er die Inszenierung mehrerer Spin-Offs zu seiner populären Jedi-Saga. Seit bekannt wurde, dass der zeitlich zwischen „Star Wars: Episode III“ und „Episode IV“ einzuordnende „Rogue One“ schon ein Jahr nach „Das Erwachen der Macht“ in die Kinos kommen solle, wurde Kiri Hart, die Story-Chefin von Lucasfilm, immer wieder dazu genötigt, diese Entscheidung von Seiten George Lucas‘ selbst zu bekräftigen. Nicht der bahnbrechende Erfolg von „Episode VII“ sei dafür verantwortlich, dass man ab sofort (wieder) regelmäßig Geschichten aus dem „Star Wars“-Universum inszenieren wolle, sondern die Bandbreite an Geschichten, die sich erzählen lässt. Trotzdem war eine gewisse Skepsis von Fanseiten angebracht: Würde „Rogue One: A Star Wars Story“ mit der Qualität des von Kritikern wie Liebhabern geachteten „Das Erwachen der Macht“ mithalten können? Die Antwort darauf lautet: eigentlich schon, denn gerade für Anhänger des Franchises ist so ein Spin-Off ideal, um sich mit spannenden Storylines abseits der Skywalker-Saga zu befassen und damit noch tiefer in das bekannte Universum einzutauchen. Die Geschichte ist komplex und erzählenswert genug, um eine filmische Aufbereitung zu rechtfertigen. Doch in mancherlei Hinsicht liefert „Rogue One“ nicht das allumfassende Blockbuster-Spektakel, das man sich vielleicht auch als etwas weiter außen stehender gewünscht hat. Dazu nimmt Regisseur Gareth Edward („Godzilla“) dann doch zu sehr die Fans als Zielgruppe ins Visier.

Director Krennic (Ben Mendelsohn)

Director Krennic (Ben Mendelsohn) hält trotz Widerstand an seinen Plänen fest…

Das als negative Kritik am Film zu begreifen, ist natürlich zunächst einmal Unfug. Als Spin-Off zu einer mittlerweile siebenteiligen Saga, die obendrein auch noch zur Zeit jener Ereignisse spielt, die längst verfilmt wurden, richtet sich „Rogue One: A Star Wars Story“ per se eher an die Zuschauer, die ohnehin mit dem Franchise vertraut sind. Diese dürften sich trotz des Verzichts auf manch eine filmische Tradition auch direkt zuhause fühlen. Schwierig wird es indes für diejenigen, die mithilfe dieses Films erst in die Reihe einsteigen wollen. Im Kern funktioniert „Rogue One“ zwar auch ohne noch so rudimentäres „Star Wars“-Grundwissen, doch nicht nur diverse Cameo-Auftritte und Querverweise in Richtung Jedi-Saga erschließen sich wohl ausschließlich für Kenner des Stoffes, auch die Tragweite der Bedrohung wird erst so richtig ersichtlich, wenn man ebenjene bereits kennt. Ausschließlich an den Ereignissen in „Rogue One“ gemessen, besitzt das Imperium nämlich bei Weitem nicht die Bedrohlichkeit eines Über-Schurken, wie es das bereits hatte. Trotz der zerstörerischen Ausmaße des Todessterns bleibt das Imperium hier stets ein kalkulierbarer Widersacher. Eine inszenatorische Entscheidung, die an der Tragweite des Kampfes zwischen Gut und Böse zwar nichts ändern, dem Film aber in letzter Instanz viel seiner Spannung rauben und das actionreiche Kräftemessen hier und da sogar recht beliebig erscheinen lassen. Eingebettet in die komplette Filmreihe verläuft sich dieser Gedanke je doch. Wirkt der in „Rogue One“ dargebotene Handlungsabschnitt im Kontext nämlich wie genau das – ein Abschnitt von vielen.

Als ein solcher funktioniert „Rogue One: A Star Wars Story“ dann auch tatsächlich tadellos, denn trotz des ohnehin immer sehr hohen, technischen Standards innerhalb der Reihe gelingt es Gareth Edwards und seinem Team hier einmal mehr, neue Maßstäbe für die Effekttechnik zu setzen. Erneut ergänzt sich Computertrick wie selbstverständlich mit den handgemachten Effekten, die sich beide wiederum hervorragend in das teils haptische, teils künstlich erschaffene Setting fügen. Selbst in einem Jahr, das seine Zuschauer mit solchen Effektspektakeln wie „The First Avenger: Civil War“, „Doctor Strange“ oder „Deepwater Horizon“ verwöhnte, sticht „Rogue One: A Star Wars Story“ mit seinen nahe an der Perfektion befindlichen Filmwelten hervor – in der 3D-Fassung gilt das sogar im wortwörtlichen Sinne. Selbst in der dreidimensionalen Variante eröffnen sich dem Zuschauer gestochen scharfe Bilder, die nur von dem sich nahe am John Williams‘ Originalmusiken orientierenden Orchester-Score von Michael Giacchino („Jurassic World“) zu noch mehr Grandezza und Entfaltung finden. „Rogue One: A Star Wars Story“ atmet die Luft des „Star Wars“-Universums und kreiert dadurch die perfekte Symbiose aus nostalgischem Flair und den größtmöglichen Standards des modernen Blockbuster-Kinos. Zumindest auf dieser Ebene wird das Endergebnis nicht bloß das Fan-Herz, sondern auch das eines jeden Filmliebhabers höher schlagen lassen.

In

In „Rogue One: A Star Wars Story“ werden am Computer entwickelte und handgemachte Effekte zu einem großen Ganzen.

Das „Star Wars“-Universum war noch nie als ein solches bekannt, das mit besonders ausgefeilten Charakteren punkten konnte. Insofern ordnet sich „Rogue One“ fast schon ein wenig zu sehr nach der Tradition schielend in das Franchise ein. Felicity Jones („Inferno“) legt in der Hauptrolle der Jyn Erso zwar eine ungemeine Präsenz an den Tag, deren toughe Attitüde im direkten Kontrast zu ihrem zarten Äußeren steht. Besonders im Hinblick auf die Plotentwicklungen wird man jedoch das Gefühl nicht los, das Potenzial der aufgrund ihrer schwierigen Vergangenheit so interessanten Figur nicht vollends ausgeschöpft zu haben. Dasselbe gilt für nahezu jeden anderen Charakter auch; sie alle haben innerhalb der Geschichte ihren genauen Platz, an dem sie als Triebfeder für die Ereignisse fungieren, sich aber nie weiter darüber hinaus gehend in die Story einfügen können. Trotzdem (oder gerade deshalb?) überzeugt in „Rogue One“ jedoch vor allem die Ensembleleistung. Hervorheben lässt sich darüber hinaus Mads Mikkelsen („Doctor Strange“) in einer ambivalenten, aber gerade im Hinblick auf den Rest des Casts besonders interessanten und ihn als Schauspieler fordernden Rolle. Zu guter Letzt sorgt der im Original von Alan Tudyk („Trumbo“) gesprochene, vorab umprogrammierte Imperiumsdroide K-250 für eine Prise Wortwitz und Situationskomik, ohne ernsten Momenten dabei ihre Tragweite zu nehmen. Platz für konstruiert wirkende One-Liner ist in dem insgesamt sehr ernsten Film ohnehin nicht. Dafür wirkt die in jenen Szenen an den Tag gelegte Menschlichkeit umso authentischer und „Rogue One“ gewinnt zusätzlich an emotionaler Bandbreite, die für die ein oder andere, bereits vorab erläuterte Schwäche entschädigen können.

Fazit: Das betont düstere „Star Wars“-Spin-Off „Rogue One: A Star Wars Story“ ist eine Bereicherung für das Sternenkrieger-Universum und punktet zu gleichen Teilen mit virtuosen Effekten und einer spannenden Grundgeschichte. Weniger überzeugend geraten hingegen die eher oberflächlichen, wenn auch charismatischen Figuren sowie eine recht einfältige Dramaturgie, bei der ein gewisser Nervenkitzel im Anbetracht der schwachen Bedrohung leider auf der Strecke bleibt.

„Rogue One: A Star Wars Story“ ist ab dem 15. Dezember bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in spektakulärem 3D!

2 Kommentare

  • Ich frag mich die ganze Zeit, ob ich mir den Unfug antun soll. Immerhin ist das Ende ja wohlbekannt… man schaue einfach den Anfang von Teil 4 😉

    Genauso ST VII… nichts anderes als ein modernisierter Aufguss vom Teil 4. Wird dann Teil VIII eine neue Interpretation von der Hoth – Schlacht???

    Gefällt mir

  • Pingback: Kritik: Rogue One – filmexe

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