Pixels

Regisseur Chris Columbus hat mit „Kevin allein zuhaus“, „Mrs. Doubtfire“ und „Harry Potter“ echte Klassiker des Unterhaltungskinos geschaffen. Nun bringt er mit dem CGI-Spektakel PIXELS die kuriose Sci-Fi-Odyssee einiger Gamer in die Kinos, die es gegen Arcade-Aliens aufnehmen müssen. Das funktioniert gerade in den Actionszenen ganz gut, insgesamt kommt Columbus jedoch nicht ansatzweise an seine Arbeit von vor Jahren heran. Mehr zum Film in meiner Kritik.

Pixels

Der Plot

Als intergalaktische Außerirdische die Video-Übertragung klassischer, alter Arcade Spiele als Kriegserklärung gegen sie missverstehen, greifen sie die Erde an. Dabei benutzen sie die Spiele als Vorlage für ihre unterschiedlichen Attacken. Präsident Will Cooper (Kevin James) ist auf seinen alten Freund aus Kindertagen, den 80er Jahre Video Game Champion Sam Brenner (Adam Sandler) angewiesen, der nun als Installateur von Heimkinoanlagen arbeitet, um ein Team von Old School Arcaders (Peter Dinklage und Josh Gad) anzuführen. Sie sollen die Aliens besiegen und den Planeten retten. Lieutenant-Colonel Violet Van Patten (Michelle Monaghan) steht den Arcaders dabei als Expertin zur Seite und stattet sie mit besonderen Waffen aus, die ihnen dabei helfen sollen, die Außerirdischen zu bekämpfen.

Kritik

In Filmen geht alles, was zum einen Segen, zum anderen aber auch Fluch für den Zuschauer bedeuten kann. Eine Story, die davon handelt, dass Außerirdische in Form klassischer Arcade-Spiele die Erde in Schutt und Asche zu legen versuchen, bedarf da von Seiten des Publikums schon eines gewissen Gutwillens, um im Rahmen einer eigentlich recht bodenständigen Inszenierung nicht als völliger Humbug abgetan zu werden. Denn während sich die Alien-Prämisse noch recht gut als Aufhänger eines klassischen Science-Fiction-Plots eignet, versucht der von „Harry Potter“-Regisseur Chris Columbus inszenierte 3D-Spaß „Pixels“ die verrückte Gamer-Odyssee obendrein mit einer herkömmlichen Adam-Sandler-Komödie zu verbinden. Leider tut diese sich seit jeher schwer damit, eine glaubwürdige Balance zwischen Blödelhumor und geerdeter Tragik – zumeist verpackt als auf gängigste Allgemeinplätze der Marke „Familie ist das Größte!“ oder „Am Ende findet jeder Topf seinen Deckel!“ herunter gebrochene Kalenderspruchparade – zu finden. Das ist in „Pixels“ leider nicht anders, denn obgleich der Streifen gerade im Rahmen der Effekte seine Pluspunkte zu holen weiß und die Actionsequenzen mit sichtbarer Kreativität und Passion inszeniert sind, findet der Film schlussendlich nie zu einer runden Form.

Pixels

Adam Sandler („#Zeitgeist“), dessen Produktionsfirma Happy Madison maßgeblich am Entstehungsprozess des Films beteiligt war, beeinflusst das Gesamtergebnis „Pixels“ maßgeblich. Nicht nur, dass er mit Kevin James („Der Kaufhaus-Cop“), Josh Gad („Die Trauzeugen AG“) und Peter Dinklage („Love and Other Drugs“) Darsteller an seiner Seite hat, die sich immer wieder bevorzugt auf mit wenig Tiefgang gesegnete Comedy-Performances beschränken, auch die Story ist durchzogen von dem kaum vorhandenen Anspruch, einen für die Geschichte einigermaßen nachvollziehbaren Plotverlauf zu kreieren. Sandler respektive Regisseur Columbus verlässt sich voll und ganz darauf, dass die Prämisse von „Pixels“ allein schon so hanebüchen ist, dass er in Gänze darauf verzichtet, so etwas wie eine Filmlogik aufzubauen. Die Art, wie die Story ihren Weg findet, ist durchzogen von unglaubwürdigen Konstruktionen, Zufällen und zunächst aufgebauter, später allerdings wieder fallen gelassener Grundregeln, sodass auch der Verweis darauf, dass „Pixels“ lediglich als High-Concept-Film funktionieren kann, nicht darüber hinwegtäuschent, dass das Skript von Tom Herlihy („Kindsköpfe 2“) und Timothy Dowling („Das gibt Ärger“) vor Lücken und Ungereimtheiten nur so übersät ist. Selbst die obligatorische Lovestory – in diesem Fall zwischen einer mal engagiert, mal allerdings vielmehr gelangweilt agierenden Michelle Monaghan („The Best of Me – Mein Weg zu Dir“) und Adam Sandler – funktioniert so statisch nach Schema F, dass ihr nicht nur die Überraschung abgeht, sondern sie die Unglaubwürdigkeit der „Pixels“-Ereignisse zusätzlich unterstreicht.

Aller negativen Aspekte zum Trotz kann „Pixels“ in manchen Punkten dennoch einen enormen Unterhaltungswert aufweisen. Konzentriert man sich auf den Hauptkonflikt der Alien-Invasion und blendet aus, dass im Filmuniversum von „Pixels“ ein solch unbeholfener, im „Kaufhaus-Cop“-Modus aufspielender Tollpatsch wie Kevin James‘ Will Cooper das höchste Amt der Vereinigten Staaten bekleidet, so macht Chris Columbus‘ CGI-Parade vor allem dann Laune, wenn sich „Pixels“ von sämtlichen Nebenhandlungssträngen lossagt und sich ausschließlich auf das „Wir fangen Aliens“-Modell konzentriert. Das Stelldichein der Arcade-Nerds funktioniert insbesondere durch die herzliche Chemie innerhalb der Truppe, in deren Beisein sich besonders Michelle Monaghan wesentlich besser zu fühlen scheint, als in ihren Einzelszenen, in denen sie zwar Adam Sandler locker an die Wand spielt, jedoch nie zu ihrer in anderen Filmen so herzlichen Natürlichkeit findet. Vermutlich lässt sich dieser Schwachpunkt auch am Skript ausmachen, denn dieses setzt zwar alles daran, den Gaming-Nostalgikern Anspielung um Anspielung darzubieten, für die detaillierte Ausarbeitung der Charaktere oder der zwischenmenschlichen Interaktion mangelt es dem Drehbuch in jedweder Hinsicht an Substanz.

Pixels

Jene Substanz sucht man auch innerhalb des Filmaufbaus. Während sich die in „Levels“ stattfindenden Attacken der Arcade-Aliens mal im Rahmen eines überdimensionalen Centipede-Spiels, dann wieder als Art Amoklauf von Pac-Man himself abspielen, entdeckt man in „Pixels“ tatsächlich ein sich als sinnig erweisendes Konzept, an dessen Ende zwangsläufig der Endgegner stehen muss. Leider wirft das Drehbuch auch diesen Funken von geregeltem Aufbau rasch über Bord und macht aus dem Finale ein undurchsichtiges Tohuwabohu, in welchem – für die Fans der Spiele sicher wichtig – jeder noch so kleine Gamer-Held seinen Cameo bekommt. Für diejenigen, die „Pixels“ ausschließlich aus diesem Grund ansehen werden, stellt der Schlussakt vermutlich den Höhepunkt dar, doch im Grunde ist er – aller gelungener Effekte und netter Einfälle zum Trotz – das schlussendliche Eingeständnis, dass „Pixels“ nicht mehr ist, als eine Aneinanderreihung mal mehr, mal weniger gelungener Einzelszenen. So etwas wie eine Dramaturgie lässt sich in der hierzulande hauptsächlich auf eine jüngere Zuschauerschaft abzielende Sci-Fi-Komödie kaum erkennen und gerade im Deutschen geht durch die äußerst lau geratene Synchronisation obendrein viel des eingebrachten Wortwitzes kaputt. Lediglich der passionierte Verschwörungstheoretiker Ludlow (zeigt hier die beste Schauspielerleistung in „Pixels“: Josh Gad) hat durch seine zwischen Verschlossenheit und Wahnsinn variierende Attitüde die Möglichkeit, einige treffsichere Pointen abzuliefern (Stichwort: Kennedy-Attentat).

Donkey Kong wartet als Endgegner auf die Helden!

Donkey Kong wartet als Endgegner auf die Helden!

Fazit: „Pixels“ verkauft sich als nostalgischer CGI-Trip für Gamer der Arcade-Generation und liefert jenen auch viel Material, um sich mit Wonne an das (ehemalige) Spielerdasein zu erinnern. Abseits solcher Gastauftritte von Szenendieb Q*Bert, Frogger, Donkey Kong und Co. funktioniert „Pixels“ allerdings kaum. Ohne Rücksicht auf Verluste legen Chris Columbus und seine Autoren den Fokus so sehr auf die Sci-Fi-Prämisse, dass der anderen Hälfte des Films, ein typischer Vertreter des gängigen Sandler-Films, kaum Beachtung geschenkt wird. So ist „Pixels“ lediglich in Einzelszenen ein amüsanter und tricktechnisch ansehnlicher Spaß, der in der Originalfassung noch mehr Freude bereiten dürfte, als in der deutschen Übersetzung.

„Pixels“ ist ab dem 30. Juli bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in 3D!

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