Schlagwort-Archiv: Lone Scherfig

Das startet am 12. Dezember 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 12., dessen zwei größte Starts „Jumanji: The Next Level“ und „Black Christmas“ wir vorab leider nicht sehen konnten. Trotzdem gehen wir davon aus, dass es sich hierbei auch um die relevantesten Starts handeln wird. Inwiefern das gerechtfertigt, erfahrt ihr im Laufe der Woche an dieser Stelle. Die restlichen Kandidaten laufen dann vermutlich eher unter „ferner liefen“ in den Kinos. Auch wenn das gerade im Falle von „Motherless Brooklyn“ besonders schade ist. Trotz vieler Schwächen macht es Spaß, mal wieder einen klassischen Film Noir auf der großen Leinwand zu erleben.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!


jUMANJI: THE NEXT LEVEL | Regie: Jake Kasdan  | USA 2019

Nach den turbulenten Ereignissen aus „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ hat sich das Leben von Spencer, Bethany, Fridge und Martha enorm geändert – und der schüchterne Spencer kommt damit überhaupt nicht klar. Und so kommt es, dass er eines Nachts versucht, das verfluchte Jumanji-Spiel zu reaktivieren, das ihn und seine Freunde in Lebensgefahr, aber auch erst zusammengebracht hat. Es gelingt: Spencer wird vom Spiel wieder in seine Abenteuerwelt gesogen. Daraufhin machen sich Spencers Freunde auf, ihn aus dieser Lage zu befreien. Doch sie stellen fest, dass in Jumanji nichts mehr so ist wie erwartet. Die Spieler müssen in unbekannten und unerforschten Gegenden völlig neue Herausforderungen meistern. Um dem gefährlichsten Spiel der Welt wieder zu entkommen, müssen sie staubtrockene Wüsten und schneebedeckte Berge durchqueren…

Jake Kasdans Starauflauf ist flotter, verrückter und zudem eine mit Herz erzählte Geschichte über die Entwicklung einer innigen Freundschaft: „Jumanji: The Next Level“ ist wildes, packendes Abenteuerkino für die ganze Familie – und damit definitiv einen Kinobesuch wert.


DER KLEINE RABE SOCKE 3 | Regie: Verena Fels, Sandor Jesse  | DE 2019

Der kleine Rabe Socke und seine tierischen Freunde bekommen von Frau Dachs die Aufgabe, im Wald mal wieder so richtig aufzuräumen. Erst wenn alle mit anpacken, dürfen sie am Ende gemeinsam ein großes Fest feiern. Die Aufgaben verteilt der Fuchs, der Socke mit dem kleinen Dachs in ein Team zusammenpackt. Doch die beiden sind bei ihren Arbeiten noch nicht zur Genüge aufeinander abgestimmt. Es kommt was kommen muss und Socke stiftet mal wieder mächtig Chaos, woraufhin ihn Frau Dachs dazu verdonnert, den Dachboden ihres Hauses aufzuräumen. Dabei entdeckt Socke eine alte Schatzkarte, die vor vielen, vielen Jahren bereits Opa Dachs auf eine abenteuerliche Mission geschickt hat. Kurzerhand begeben sich Socke, kleiner Dachs und Eddi-Bär auf eine abenteuerliche Reise und versuchen, den geheimnisumwitterten Schatz zu finden.

„Der kleine Rabe Socke – Auf der Suche nach dem verlorenen Schatz“ ist ein bezauberndes Zeichentrickabenteuer für alle Altersklassen, in dem eine abenteuerliche, aber nie zu aufregende Geschichte und ein malerischer Animationsstil zueinander finden.


WILD ROSE | Regie: Tom Harper | UK 2018

Rose-Lynne Harlan ist soeben aus einer einjährigen Haftstrafe entlassen worden, als sie ihr erster Weg in eine verranzte Countrykneipe führt. Hier hat sie vor ihrem Gefängnisaufenthalt gemeinsam mit ihrer Band gesungen. Mittlerweile will man sie hier allerdings nicht mehr sehen. So besucht sie ihre Mutter Marion, die während dieser Zeit auf Rose-Lynnes Kinder aufgepasst hat. Zu diesen pflegt die junge Mutter ein gespaltenes Verhältnis, da diese sie nie im Knast besucht haben. Die unkonventionelle Familie – Mutter, Mutter und die beiden Kinder – müssen sich erst vorsichtig wieder annähern, was die begnadete Sängerin allerdings nicht davon abhält, es ihnen so schwer wie möglich zu machen. Dem Traum, eine erfolgreiche Künstlerin zu werden, hinterherjagend, stößt sie ihre Kinder immer wieder vor den Kopf, indem sie nur auf ihre eigenen Bedürfnisse hört.

Die Geschichte rund um eine aufstrebende Musikerin, die alles unternimmt, um endlich Erfolg zu haben, ist nicht neu. Doch Tom Harper versieht seine Hauptfigur mit genug Ecken und Kanten, sodass man eine solche Story in „Wild Rose“ noch einmal von einer völlig neuen Seite zu erleben scheint. Und Jessie Buckley alleine ist bereits das Kinoticket wert.


MOTHERLESS BROOKLYN | Regie: Edward Norton | USA 2019

Lionel Essrog (Edward Norton) ist ein einsamer Privatdetektiv mit Tourette-Syndrom. Er folgt einem riskanten Vorhaben als er den Mord an seinem Mentor und einzigen Freund Frank Minna (Bruce Willis) aufzuklären versucht. Mit nichts weiter als einigen Hinweisen, aber befeuert von seinem drängenden, obsessiven Verstand deckt Lionel streng gehütete Geheimnisse auf, die entscheidend für das Schicksal und das Gleichgewicht von New York sind. Der rätselhafte Mord spült ihn in Gin-geschwängerte Jazzklubs in Harlem, in die unnachgiebigen Slums von Brooklyn und schließlich in die vergoldeten Säle der Mächtigen von New York. Um seinen Freund zu ehren, nimmt Lionel den Kampf gegen Gangster, Korruption und den gefährlichsten Mann der Stadt auf – und um die Frau zu schützen, die seine eigene Rettung sein könnte.

Edward Norton vermischt die geläufigen Zutaten eines Film Noir und kreiert daraus seinen eigenen. Dass er das Genre versteht und liebt sieht man „Motherless Brooklyn“ an. Die erzählerische und inszenatorische Finesse großer Film-Noir-Beiträge kann sein erst zweiter Spielfilm jedoch noch nicht aufweisen. Dafür ist das zweieinhalbstündige Detektivdrama zu gleichen Teilen zu lang und zu kurz.


BLACK CHRISTMAS | Regie: Sophia Takai | USA/NZL 2018

Während sich Riley Shane (Imogen Poots) und ihre Freundinnen aus der Mu-Kappa-Epsilon-Verbindung des Hawthorne College – Athletin Marty, Rebellin Kris und Feinschmecker Jesse – auf die Feiertage vorbereiten, beginnt ein schwarz maskierter Killer, Studentinnen abzuschlachten. Können Riley und ihre Freundinnen überhaupt noch einem Mann vertrauen? Was ist mit Martys Lover Nate, Rileys neuem Liebhaber Landon oder auch dem angesehenen Dozenten Professor Gelson (Cary Elwes)?

Passend zum Weihnachtfest kommt mit „Black Christmas“ die zeitgemäße Neuinterpretation des Kulthorrorfilms in die Kinos, in dem eine Gruppe junger Studentinnen auf ihrem Campus kurz vor den Weihnachtsferien mit einem eiskalten Killer konfrontiert wird. Doch der hat nicht damit gerechnet, dass sie keineswegs bereit sind, willige Opfer zu werden, sondern gnadenlos zurückschlagen können.


THE KINDNESS OF STRANGERS | Regie: Lone Scherfig | DK/CAN/SWE/FR/DE/UK/USA 2019

Mitten im Winter flieht die von ihrem Ehemann misshandelte Mutter Clara mitsamt ihrer zwei Söhne in den Schmelztiegel New York und hofft hier auf eine Bleibe. Doch die Zeichen stehen schlecht: Nachdem ihr Auto beschlagnahmt wird, müssen Clara und ihre Kinder sich auf der Straße durchschlagen. Um sie herum geht das Leben vieler andere New Yorker seinen Gang. Da ist zum Beispiel Marc, ein ehemaliger Gefängnisinsasse, der nach seiner Entlassung plötzlich wieder neu lernen muss, wie es ist, frei zu sein. Die Krankenschwester Alice dagegen findet ihre Bestimmung in einer bestimmten Art von Therapie, die sie mit ihren Patienten auf ganz neue Art und Weise zusammenbringt. Der Arbeitslose Jeff verzweifelt dagegen am New Yorker Arbeitsmarkt. Etwas, worüber sich der erfolgreiche Rechtsanwalt John Peter zwar nicht beschweren kann, dafür verfolgen ihn solche Selbstzweifel, dass er schon bald wie Jeff enden könnte…


Heimkinotipp: A TOY STORY – ALLES HÖRT AUF KEIN KOMMANDO | Regie: Josh Cooley | USA 2019

Woody (deutscher Sprecher: Michael „Bully“ Herbig/Originalsprecher: Tom Hanks) wusste immer um seinen Platz im (Spielzeug-)Universum, seine Priorität war es, sich um „sein“ Kind zu kümmern, sei es sein alter Kindheits-Freund Andy oder die süße Bonnie. Aber als Bonnie ein äußerst widerspenstiges neues Spielzeug in ihre Sammlung aufnimmt, hat Woodys ruhiger gewordenes Kinderzimmerleben ein Ende. Denn Forky hat eine schwere Identitätskrise und ist davon überzeugt, kein Spielzeug zu sein. Doch was ist er dann? Müll? Forky ist sich jedenfalls sicher für etwas anderes bestimmt zu sein. Und das versucht er auf abenteuerliche Art zu beweisen. Zusammen mit alten und neuen Freunden erleben Forky und Woody den Roadtrip ihres Lebens und lernen dabei, dass die Welt für ein Spielzeug viel größer ist als jemals gedacht.

Das hier ist ein neues, buntes, aber auch nachdenkliches Abenteuer aus der „Toy Story“-Welt, das dem dritten Teil trotzdem nicht den Status als großes Finale nimmt – und da „A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“ ganz nebenbei mal wieder tricktechnische Standards setzt, waren all die Zweifel, ob man wirklich einen vierten „Toy Story“-Film braucht, unbegründet.

Das startet am 6. Juli 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 6. Juli, der mit einigen starken Neustarts aufwarten kann, die gleichermaßen in kleineren wie größeren Kopienanzahlen auf den Markt kommen. „Die Erfindung der Wahrheit“ und „Ihre beste Stunde“ erzählen fein inszenierte, anspruchsvolle Geschichten mit starken Frauenfiguren in der Hauptrolle. Die Massen werden indes in den dritten Teil der Animationsreihe „Ich – Einfach unverbesserlich“ sowie die Buchverfilmung „Das Pubertier“ rennen. Letzterem traue ich sogar eine Art Überraschungserfolg zu, denn das Buch war ein deutschlandweiter Erfolg, das Thema deckt sämtliche Zielgruppen ab und der Cast ist geschickt gewählt, da auch hier für jeden Geschmack etwas dabei ist. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit dürften indes „Ein Chanson für Dich“ und „Der Duellist“ laufen, während „Small Town Killers“ am besten gar keiner guckt. Und weshalb „Casino Undercover“ vom Verleih komplett PR-los ins Rennen geschickt wird – er wurde nicht einmal der Presse gezeigt – erschließt sich mir so gar nicht. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT  | Regie: John Madden | FR/USA 2016

Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) der Star der Branche. Die brillante, selbstsichere, völlig skrupellose Lobbyistin der alteingesessenen Kanzlei George Dupont ist berüchtigt für ihr einzigartiges Talent, ihre Rücksichtslosigkeit und ihre zahllosen Erfolge. Um ans Ziel zu kommen, tut sie alles. Für die mächtige Waffenlobby ist sie die Frau der Stunde, um ein neues unliebsames Waffengesetz zu verhindern. Doch Sloane verfolgt ihre eigenen Ziele und wechselt nach einem Streit mit Dupont überraschend die Seiten. Die Waffenlobby sieht sich plötzlich einer unberechenbaren Gegnerin gegenüber. Sloane nimmt den härtesten Kampf ihrer Karriere in Angriff und beginnt zu ahnen, dass der Preis für ihren Erfolg etwas zu hoch sein könnte.

„Die Erfindung der Wahrheit“ ermöglicht dem Zuschauer einen hochbrisanten Blick hinter die Kulissen des US-amerikanischen Lobbyismus, den nicht bloß die wendungsreich inszenierte, absolut kurzweilige Story so sehenswert macht, sondern allen voran die kraftvolle Performance von Jessica Chastain.


IHRE BESTE STUNDE  | Regie: Lone Scherfig | UK/SWE 2016

London 1940. Catrin Cole braucht einen Job, um sich und ihren Mann, der Künstler Ellis Cole, über Wasser zu halten. Sie heuert beim Informationsministerium an. Dessen Filme sollen der Nation in Kriegszeiten wieder Mut und Hoffnung geben. Catrins Aufgabe als Drehbuchautorin ist es, einem der Skripte eine ‚weiblichere Note‘ zu verleihen. Dabei trifft sie auf den ebenso brillanten wie zynischen Drehbuchautor Tom Buckley. Und während in London die Bomben fallen, machen sich Catrin und ihr wild zusammengewürfeltes Team rund um die inzwischen ein wenig in die Jahre gekommene Schauspielerlegende Ambrose Hilliard daran, einen herzerwärmenden und zugleich ermutigenden Film zu drehen. Allerdings wird sie bald herausfinden, dass sich hinter der Kamera mindestens genauso viel an Komödie, Drama und Leidenschaft abspielt wie davor…

Lone Scherfig legt mit „Ihre beste Stunde“  den nächsten herausragenden Film ihrer bislang astreinen Vita vor, in dem sie ein ruhiges Kriegsdrama mit jeder Menge Romantik und erstaunlich viel Witz kombiniert. Dem Charme dieses toll ausgestatteten Films sind nicht nur die feinen Darsteller erlegen, sondern auch die Zuschauer. Von solchen Filmen dürfte es gern mehr geben!


DAS PUBERTIER  | Regie: Leander Haußmann | DE 2017

Gerade war sie doch noch so lieb, so niedlich. Doch kurz vor ihrem 14. Geburtstag mutiert Papas kleine Prinzessin plötzlich zum bockigen Pubertier. Der Journalist Hannes Wenger nimmt sich eine Auszeit, um seine Tochter Carla in dieser schwierigen Lebensphase zu erziehen und von Alkohol, Jungs und anderen Verlockungen fernzuhalten. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn seine Frau Sara geht wieder arbeiten und Hannes ist als Vater maßlos überfordert. Ob Party, Zeltlager oder Carlas erstes Mal: Hannes tritt zielsicher in jedes Fettnäpfchen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auch andere Jugendliche peinliche Väter haben: Hannes’ bester Freund, der taffe Kriegsreporter Holger, lässt sich lieber im Nahen Osten beschießen als sich daheim von seinem grunzenden Pubertier in den Wahnsinn treiben zu lassen.

Leander Haußmanns „Das Pubertier“ gewinnt den Zuschauer erst über den Respekt für Eltern und Teenager und lässt dann ganz unverblümt Wahnsinn auf der Leinwand walten. Liebevoll, absurd und wirklich hinreißend – von diesem Film haben alle was.


ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 3  | Regie: Kyle Balda, Pierre Coffin, Eric Guillon | USA 2017

Mittlerweile führt Gru (deutsche Stimme: Oliver Rohrbeck) ein beschauliches Leben mit seiner Freundin Lucy (deutsche Stimme: Martina Hill), den drei Adoptivtöchtern Margo, Edith und Agnes und nicht zu vergessen, den berühmt-berüchtigten Minions. Eines Tages bekommt es Gru mit seinem bisher unbekannten Zwillingsbruder Dru (ebenfalls Oliver Rohrbeck) zu tun. Blöd nur, dass der nicht nur besser aussieht und mehr Haare hat, sondern auch erfolgreicher ist als Gru. Die beiden Zwillingsbrüder könnten unterschiedlicher nicht sein, doch als Superschurke Balthazar Bratt (deutsche Stimme: Joko Winterscheidt) mit Vokuhila, großen Schulterpolstern und einem teuflischen Plan auftaucht, müssen Gru und Dru sich zusammen raufen…  

„Ich – Einfach unverbesserlich 3“ hat neben einer gewohnt starken Optik wieder einmal alles, was ein kurzweilig-amüsantes Kinoerlebnis ausmacht. Kultige Minions, einen exzentrischen Bösewicht, eine liebevolle Familiengeschichte und die drei süßesten Adoptivkinder der Animationsfilmgeschichte. Da sind kleine Längen schnell vergessen.


EIN CHANSON FÜR DICH  | Regie: Bavo Dafurne | BEL/LUX/FR 2016

Liliane (Isabelle Huppert) arbeitet in einer Pasteten-Fabrik und führt ein eintöniges Leben zwischen Arbeit und dem allabendlichen Fernsehprogram aus Quizshows und Verkaufssendungen. Die Zeiten, in denen sie als Chanson-Sängerin „Laura“ noch große Erfolge feierte, sind längst vergessen und vorbei. Nur noch wenige Menschen erkennen die einstige Beinahe-Siegerin des Eurovison Song Contest, die sich einst von der Kultband ABBA geschlagen geben musste. Doch als sie Jean (Kévin Azaïs), einen 22-jährigen Boxer, kennenlernt, ändert sich alles. Er verliebt sich in Liliane und überzeugt sie, dass es an der Zeit ist, ins Rampenlicht zurückzukehren. Es ist der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, aus der, aller Skepsis zum Trotz, sogar Liebe wird. 

„Ein Chanson für Dich“ ist eine betont unkonventionelle Erzählung über eine alternde Gesangsdiva, die sich im besten Alter ein Comeback erhofft. Dafurne balanciert zwischen treffsicher beobachtetem Drama und willkürlichem Surrealismus – am Ende weiß man nicht, was das Ganze eigentlich sollte, obwohl es doch überraschend amüsant war.


DER DUELLIST  | Regie: Alexei Mizguirev | RUS 2017

Sankt Petersburg, 1860. Der im Ruhestand lebende Offizier Yakovlev (Pyotr Fyodorov) ist ein mysteriöser und unbesiegbarer Berufsduellist, der gegen eine Gebühr für all jene kämpft, welche zu schwach, untrainiert oder verängstigt sind um ihre Duelle selbst auszutragen. Aber er hat ein dunkles Geheimnis: Der mächtige Graf Beklemishev beschuldigte ihn eines Verbrechens, welches er nicht begangen hatte, nahm ihm seinen Titel und schickte ihn zum Sterben ins Exil. Aber Yakovlev überlebte. Unter neuer Identität kehrt er nach St Petersburg zurück um Rache zu nehmen. Dabei verliebt er sich in die junge Fürstin Martha (Yuliya Khlynina). Um diese Liebe zu retten und seine Rache zu bekommen, muss Yakovlev seine Identität enthüllen und Graf Beklemishev (Vladimir Mashkov) gegenübertreten. 

Alexei Mizguirev gelingt mit „Der Duellist“ ein brutales, dabei jedoch nicht minder elegantes Geschichtsepos, das mit seiner verschachtelten Erzählweise bisweilen anstrengt, dafür mit großen Schauwerten und einer angemessenen Konsequenz punktet. Durch das komplexe Geflecht an Intrigen und Figuren muss man allerdings erst einmal durchsteigen.


IMMIGRATION GAME  | Regie: Krystof Zlatnik | DE 2017

Wir befinden uns in einem alternativen Jahr 2016. Deutschland nimmt keine Flüchtlinge mehr auf. Die einzige Möglichkeit, um an eine Staatsbürgerschaft zu gelangen, ist die Teilnahme an der populären Fernsehshow „Immigration Game“, die seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht. Wer als „Runner“ mitmacht, wird am Berliner Stadtrand ausgesetzt und muss sich seinen lebensgefährlichen Weg bis zum Fernsehturm bahnen. Dabei kann jeder deutsche Bürger für ein Preisgeld Jagd auf die Flüchtlinge machen und sie vollkommen straffrei töten. Der sympathische Geschäftsmann Joe (Mathis Landwehr) wird eines Nachts durch Zufall ins Spiel miteinbezogen, als er einem Flüchtling auf offener Straße Hilfe vor Verfolgern anbietet – und muss fortan selbst am Spiel teilnehmen. Eine tödliche Hetzjagd durch Berlin beginnt…

Das schmale Budget sieht man „Immigration Game“ zwar an, gleichzeitig entsteht dadurch aber auch ein unmittelbares Gefühl für die allgegenwärtige Anspannung. Die apokalyptische Menschenjagd hätte gern mehr Background vertragen. So gelingt Krystof Zlatnik und seinem Team eine zeitlose Vorführung dessen, wie blinder Hass aussieht – nämlich ganz schön brutal!


SMALL TOWN KILLERS  | Regie: Ole Bornedal | DK 2017

Die Ehen der beiden Handwerker Ib (Nicolas Bro) und Edward (Ulrich Thomsen) haben schon bessere Zeiten gesehen. Ihre Frauen Ingrid (Lene Maria Christensen) und Gritt (Mia Lyhne)  halten ihre Männer nur für Witzfiguren, flirten ständig mit dem Tanzlehrer und schlafen lieber auf dem Sofa als mit dem Gatten. Ein Neuanfang muss her, doch die Männer sitzen auf so viel Schwarzgeld, dass eine Scheidung sie bettelarm machen könnte. Ein Auftragskiller soll die ungeliebten Ehefrauen loswerden. Doch die Damen haben längst Wind von dem Plan der Männer bekommen und sich eine eigene britische Profikillerin besorgt.  Mit der Idylle im dänischen Hinterland ist es vorbei… 

Was der Regisseur des Kultthrillers „Nightwatch“ hier geschaffen hat, geht auf keine Kuhhaut. Die bemüht skurril-schrullige, dänische Komödie „Small Town Killers“ ist weder lustig, noch sind der an den Tag gelegte Sexismus, die offensive Schwulen- und Behindertenfeindlichkeit irgendwie subversiv auszulegen.


CASINO UNDERCOVER  | Regie: Andrew Jay Cohen | USA 2017

Als Scott und Kate Johansens (Will Ferrell und Amy Poehler) Tochter Alex die Zulassung zum College ihrer Wahl bekommt, ist das ein Grund zum Feiern – doch nur so lange, bis sie erfahren, dass Alex nicht mit dem fest eingeplanten Stipendium rechnen kann. Denn die Studiengebühren können sich die Johansens keinesfalls leisten. Deswegen beschließen die Eltern, mithilfe ihres ebenso klammen Nachbarn Frank (Jason Mantzoukas) in ihrem Haus ein illegales Casino einzurichten: Sie setzen alles für eine Cash-Orgie à la Las Vegas aufs Spiel, bei der man seine Hemmungen an der Garderobe abgibt und nichts unmöglich scheint.

In der Komödie „Casino Undercover“ sind Will Ferrell und Amy Poehler erstmals gemeinsam auf der Leinwand zu sehen. Weitere Rollen übernehmen Jason Mantzoukas, Nick Kroll  und Oscar®-Kandidat Jeremy Renner.


Heimkinotipp: THE LEGO BATMAN MOVIE  | Regie: Chris McKay | USA 2017

Als sich der Joker (deutsche Stimme: Gronkh) und sämtliche Superschurken des DC-Universums freiwillig stellen, sind Bewohner und Polizei begeistert, doch Batman wird hellhörig. Er vermutet einen weitreichenden Plan – und soll Recht behalten. Doch wenn er verhindern will, dass sich der Joker die Stadt durch eine feindliche Übernahme einverleibt, muss er vielleicht endlich einmal sein Image vom einsamen Rächer revidieren und die Unterstützung anderer annehmen. Außerdem könnte es ihm auch nicht schaden, wenn er alles etwas lockerer sehen würde. So nimmt er notgedrungen seinen aus Versehen adoptierten Sohn Robin (deutsche Stimme: Luke Mockridge) unter seine Fittiche und rettet, was zu retten ist. Und vielleicht gelingt es ihm mit Robins Hilfe sogar, aus seiner selbst gewählten Einsamkeit auszubrechen.

Der rasant inszenierte „The LEGO Batman Movie“ ist ein tricktechnisch spektakuläres Animationsabenteuer mit viel (Meta-)Humor und vielen kreativen Ideen, das sich nicht scheut, die eigene DC-Historie kritisch zu hinterfragen. Zeitweise ruhen sich die Macher zu sehr auf den unzähligen Anspielungen aus, dafür überzeugen die Sprecherleistungen ebenso wie die überraschend emotionale Komponente.

The Riot Club

Für bequeme Filme ist die dänische Filmemacherin Lone Scherfig nicht gerade bekannt. Munter lässt sie ihre Charaktere über die Klinge springen, Happy Ends scheinen ihr zuwider. Auch in ihrem neusten Streifen THE RIOT CLUB, einer filmgewordenen Rebellion gegen den immerwährenden Trend der Studentenverbindungen, lässt es Scherfig unkonventionell mutig angehen. Lest in meiner Kritik, ob ihr Film dennoch etwas für die breite geworden ist.  Weiterlesen