Small Town Killers

Der durch seinen hochspannenden Horrorthriller „Nightwatch – Nachtwache“ bekannt gewordene Regisseur Ole Bornedal meldet sich SMALL TOWN KILLERS zurück im Genre der Krimikomödie und scheint auf einmal vergessen zu haben, was zu einem guten Film gehört. Mehr dazu in meiner Kritik.

Der Plot

Die Ehen der beiden Handwerker Ib (Nicolas Bro) und Edward (Ulrich Thomsen) haben schon bessere Zeiten gesehen. Ihre Frauen Ingrid (Lene Maria Christensen) und Gritt (Mia Lyhne) halten ihre Männer nur für Witzfiguren, flirten ständig mit dem Tanzlehrer und schlafen lieber auf dem Sofa als mit dem Gatten. Ein Neuanfang muss her, doch die Männer sitzen auf so viel Schwarzgeld, dass eine Scheidung sie bettelarm machen könnte. Ein Auftragskiller (Marcin Dorocinski) soll die ungeliebten Ehefrauen loswerden. Doch die Damen haben längst Wind von dem Plan der Männer bekommen und sich eine eigene britische Profikillerin (Gwen Taylor) besorgt.  Mit der Idylle im dänischen Hinterland ist es vorbei.

Kritik

Eigentlich ist der Däne Ole Bornedal ein richtig guter Filmemacher. Der Kultfaktor um sein bekanntestes Werk „Nightwatch – Nachtwache“ ist unbestritten. Aktuell arbeitet der Regisseur sogar an einer Fortsetzung des frühen Neunzigerjahreklassikers. Selbst aus dem US-Remake „Freeze“ hat Bornedal irgendwie noch das Beste gemacht und der Exorzismus-Horrorfilm „Possession – Das Dunkle in Dir“ geht sicherlich nicht in die Annalen der Genregeschichte ein, wusste aber vor allem durch jene Ruhe in der Inszenierung zu überzeugen, für die Bornedal so bekannt ist. Seine Filme finden immer mindestens zu einem soliden Mittelmaß. Umso erstaunlicher ist es da, was der Autorenfilmer mit „Small Town Killers“ für einen Bock geschossen hat. Man würde gern der Geschichte selbst, und nicht dem Inszenator derselben die Schuld an dieser Misere geben, denn handwerklich ist die Krimikomödie absolut in Ordnung. Doch was sich Bornedal bei der Story gedacht hat, kann unsereins kaum verstehen. „Small Town Killers“ baut zunächst auf einer absolut hanebüchen-sexistischen Grundidee (zwei Männer wollen ihre Frauen umlegen, weil diese ihnen den ehelichen Beischlaf verweigern, was angesichts deren unangenehmen Macho-Gebarens aber auch irgendwie kein Wunder ist) und reitet sich immer weiter ins Unglück, als später auch noch alles andere als subversiv-ironische Witze über Behinderte, Homosexuelle und Frauen sowieso hinzu kommen. Wer will so etwas denn sehen?

Ib (Nicolas Bro) und Edward (Ulrich Thomsen) besprechen mit dem Auftragskiller Igor (Marcin Dorocinski) ihren Schlachtplan.

Witze über Randgruppen vollständig abzulehnen, ist zunächst einmal falsch. Nur, wer Randgruppen genauso behandelt, wie jede andere Gesellschaftsgruppierung auch, trägt dazu bei, dass sich die Unterteilung in verschiedene Communitys irgendwann in Luft auflöst. Doch das, was Ole Bornedal in „Small Town Killers“ betreibt, ist nicht augenzwinkernd, besitzt keinen doppelten Boden oder fungiert in irgendeiner Form als liebevoller Metakommentar mit einer anschließenden Botschaft. Die Gags und Beleidigungen gegenüber Schwulen oder Menschen im Rollstuhl sind einfach nur platt und niveaulos. Wenn sich Ib und Edward permanent über einen körperlich behinderten Mann lustig machen, einzig und allein um zu betonen, dass sie selbst froh sind, dass sie nicht dasselbe Schicksal ereilt hat, dann werden diese unangenehmen Momente auch nicht dadurch ausgehebelt, dass sich Bornedal auf der Zielgeraden mehr schlecht als recht bei sämtlichen menschlichen Zielscheiben zu entschuldigen versucht, indem er die beiden Hauptfiguren sich fragen lässt, weshalb sie sich eigentlich dauernd über all die Randgruppen lustig machen. Auch die angewiderten Laute im Anbetracht Homosexueller finden in keinerlei kommentierendem Kontext statt. Bis zuletzt bleibt einfach nur eine Frage im Raum stehen: Was zum Teufel soll das alles?

Hier werden Erinnerungen an die unsägliche Hollywood-Komödie „Dirty Grandpa“ wach, die sich ebenfalls kontinuierlich schwulen- und frauenfeindlich präsentierte, jedoch durch einen einzigen, vermeintlich emotionalen Appell versuchte, all das Unangenehme der letzten eineinhalb Stunden vergessend zu machen. Doch leider funktioniert das so nicht. Doch wer nun denkt, Ole Bornedal macht in „Small Town Killers“ ausschließlich alte weiße Männer zu unangenehmen Nachwuchs-Trumps, der irrt gewaltig. Immerhin in Sachen Gleichberechtigung kann man sich an dem dänischen Filmemacher ein Beispiel nehmen. Die Frauen im Film sind nicht etwa genauso sehr auf Vorurteile und Klischees fixiert, wie ihre dauergeilen Ehegatten. Sie verhalten sich auch genauso dumm. Das Prinzip von den zwei parallel zueinander ausgeführten Auftragsmorden ist ja auch per se kein unkreatives. Doch sowohl erzählerisch, als auch inszenatorisch lässt „Small Town Killers“ einfach all das vermissen, was seine Filme bisher ausgemacht haben. Abgesehen von der visuell hochwertigen Aufmachung seines Films manövriert sich Bornedal durch einen holprig-hektischen Plot (inklusive unangenehm konstruiertem Happy End), der zu keinem Zeitpunkt an seinen Charakteren interessiert ist.

Die Auftragskillerin Miss Nippleworthy (Gwen Taylor) erklärt ihren beiden Kundinnen ihre Arbeit.

Der Däne macht sämtliche Haupt- und Nebendarsteller zu Witzfiguren; nicht nur die Protagonisten haben darunter zu leiden, sondern erstrecht die Nebencharaktere. Natürlich muss der anvisierte Mörder der beiden Frauen ein ständig betrunkener Russe sein und die schrullige Miss Nippleworthy ist als Art böser Agatha-Christie-Verschnitt noch die interessanteste, gleichzeitig aber auch die überdreht-anstrengendste Figur im Cast, die genauso wenig Ahnung von ihrem Job zu haben scheint, wie ihre Auftraggeberinnen vom Leben. Darstellerisch kann man den Akteuren und Aktricen indes wenig vorwerfen. Immerhin füllen Nicolas Bro („Nymph()maniac, Vol. I“), Ulrich Thomsen („Die Kommune“), Lene Maria Christensen („Eine Familie“) und Mia Lyhne („All Inclusive“) ihre unausstehlichen Rollen so perfekt aus, dass man es tatsächlich nicht länger als ein paar Minuten mit ihnen aushält. Auch inszenatorisch erfüllt „Small Town Killers“ die Vorstellung von schwarzhumorigem, skandinavischen Kino, denn wie die dänische Einöde die innere Leere sämtlicher Hauptfiguren widerspiegelt, ist zwar ein alter Hut, funktioniert hier aber auch wieder vortrefflich. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Paradebeispiel von fehlgeleitetem Humor ein einmaliger Ausrutscher des eigentlich so fähigen Regisseurs Ole Bornedal bleibt. Denn hier bekleckert sich gewiss keiner mit Ruhm – weder vor, noch hinter der Kamera.

Fazit: Was der Regisseur des Kultthrillers „Nightwatch“ hier geschaffen hat, geht auf keine Kuhhaut. Die bemüht skurril-schrullige, dänische Komödie „Small Town Killers“ ist weder lustig, noch sind der an den Tag gelegte Sexismus oder die offensive Schwulen- und Behindertenfeindlichkeit irgendwie subversiv auszulegen.

„Small Town Killers“ ist ab dem 6. Juli in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

Ein Kommentar

  • Also ich habe mich gut amüsiert. Vielleicht liegt’s auch daran, dass ich meine halbe Kindheit in der dänischen Provinz verbracht habe, aber ich musste oft herzhaft lachen. Derlei Dörfer mit genau solchen Typen gibt es dort wirklich. Und zwar nicht zu knapp.

    P.S.: DIRTY GRANDPA fand ich furchtbar.

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