Der Duellist

Das russische Historiendrama DER DUELLIST wird hierzulande vermutlich kaum einer sehen. Dabei beweist Regisseur Alexei Mizguirev mit seinem Film vor allem eines: Für ein authentisches Flair braucht man kein üppiges Budget. Mehr dazu in meiner Kritik.

Der Plot

Sankt Petersburg, 1860. Der im Ruhestand lebende Offizier Yakovlev (Pyotr Fyodorov) ist ein mysteriöser und unbesiegbarer Berufsduellist, der gegen eine Gebühr für all jene kämpft, welche zu schwach, untrainiert oder verängstigt sind um ihre Duelle selbst auszutragen. Aber er hat ein dunkles Geheimnis: Der mächtige Graf Beklemishev beschuldigte ihn eines Verbrechens, welches er nicht begangen hatte, nahm ihm seinen Titel und schickte ihn zum Sterben ins Exil. Aber Yakovlev überlebte. Unter neuer Identität kehrt er nach St Petersburg zurück um Rache zu nehmen. Dabei verliebt er sich in die junge Fürstin Martha (Yuliya Khlynina). Um diese Liebe zu retten und seine Rache zu bekommen, muss Yakovlev seine Identität enthüllen und Graf Beklemishev (Vladimir Mashkov) gegenübertreten.

Kritik

Alexei Mizguirev gehört in Russland zum großen, vielversprechenden Regienachwuchs, der schon mit seinem Debüt „Hard-Hearted“ nationale Filmpreise für sich verbuchen konnte. Auch seine zwei Folgewerke „Tambourine, drum“ und „The Convoy“ ernteten auf internationaler Ebene Kritikerlob und wurden auf Festivals wie jenen von Locarno und Berlin aufgeführt. Doch erst Produzent Alexander Rodnyansky machte Mizguirev das Budget zugänglich, um mit „Der Duellist“ so etwas wie einen High-End-Genrefilm zu drehen. In Russland gehört die im Original „Duelyant“ betitelte Produktion zweifellos in eine Größenordnung wie hierzulande eine solide laufende Schweighofer-Komödie; nur dass man in Deutschland niemals derart viel Geld in eine Genreproduktion aus dem Segment des blutigen Historienthrillers stecken würde. „Der Duellist“ ist also in jeder Hinsicht einen Blick wert. Nicht nur, weil er einen Einblick in die hierzulande viel zu selten berücksichtigte, russische Filmkultur liefert. Sondern auch, weil sich selbst große Hollywood-Studios (und deutsche sowieso) Einiges an der Art und Weise der dortigen Filminszenierung abschauen können.

Zu den großen Vorzügen von „Der Duellist“ gehört die authentische, üppige Ausstattung.

Produzent Alexander Rodnyansky ist zwar auch international tätig (unter Anderem finanzierte er „Cloud Atlas“, „Sin City: A Dame to Kill For“ und „Machete Kills“), doch auf dem Gebiet des russischen Genrefilms gehört er zweifelsohne zu den namhafte Big Playern. Dort hält er bis heute einen ungebrochenen Rekord an Kassenschlagern, zu denen mit „Stalingrad“ nicht nur der erste russische Film im IMAX-Format gehört, sondern auch der mit dem höchsten Einspielergebnis seines Jahrzehnts (selbst international spielte der Film noch einmal rund 70 Millionen Dollar ein). Seinen Einfluss auf die russische Filmgeschichte lässt Rodnyansky bis heute auch in das dort ansässige Autorenkino einfließen; Regisseur Alexei Mizguirev ist einer von vielen jungen Regisseuren, die von der Erfahrung des Blockbusterspezialisten profitieren dürfen. So fällt an „Der Duellist“ auch direkt die Professionalität auf, mit der hier die geschichtsträchtigen Settings in Szene gesetzt werden. Kein noch so kleines Detail bleibt dem Zufall überlassen. Daran, dass all das hier ein künstlich erschaffenes Filmset ist, erinnert nichts; selbst der Regen fällt hier nicht derart geordnet wie in manch großen Blockbusterproduktionen vom Himmel, sondern ergießt sich strömend über die Darsteller, als hätte man tatsächlich in einem Regenschauer gedreht. „Der Duellist“ ist dreckig, echt und besitzt aufgrund der hochwertig-klaren Kameraeinstellungen doch etwas absolut Elegantes. So ist die hier auf die Leinwand gebrachte Welt von Anfang an so authentisch, dass man sich als Zuschauer direkt der Geschichte selbst widmen kann, die sich einem auch nur dann vollständig erschließt, wenn man bereit ist, in das wirre Geflecht aus Liebe, Intrigen und Hass einzutauchen.

Am Ende kann Alexander Rodnyansky noch so oft die fantastischen Arbeiten von Szenenbildner Andrey Pankratov („Leviathan“) und Kameramann Maxim Osadchiy („Stalingrad“) hervorheben – nicht minder wichtig für das Gelingen von „Der Duellist“ ist die Geschichte. Auch wenn die noblen Bildgewalten vor dem Sankt Petersburg des 19. Jahrhunderts, einschließlich die prunkvollen Kostümen und den üppig ausgestatteten Innenansichten der Schlösser und Gemächer, definitiv dazu beitragen, das Gesehene inhaltlich einzuordnen sowie den inszenatorischen Aufwand dahinter zu übermitteln, ist es doch die Story an sich, die dem ungeübten Zuschauer Kopfzerbrechen bereiten wird. Mit ihren vielen Rückblenden und der alles andere als chronologischen Erzählung, einhergehend mit den diversen verschiedenen Figuren (die zum Teil auch noch aus Doppelidentitäten bestehen, durch die man sich ebenfalls erst einmal durchkämpfen muss), wirkt „Der Duellist“ wesentlich komplexer, als er es schlussendlich ist. Denn eigentlich erzählt Regisseur und Drehbuchautor Alexei Mizguirev eine klassische Rachegeschichte mit diversen Abenteuerelementen, feinen Kampfsequenzen und einem Hauch Romantik.

Offizier Yakovlev (Pyotr Fyodorov) hat Rachepläne geschmiedet…

Gerade durch die eingeschobenen Actionelemente hebt sich der Film sichtbar von dem konventionellen Genrekino anderer Länder ab, das bei einem Hauch von Blutvergießen bereits im Segment „Hardcore“ verortet wird. Ohne sich an der auf der Leinwand stattfindenden Gewalt zu ergötzen, gehen die Macher bei „Der Duellist“ schlicht in die Vollen, denn bei so einem Schusswaffen-Duell machte man zu damaliger Zeit nun mal keine Gefangenen. Die allesamt sehr unterschiedlich und höchst kreativ inszenierten Duelle (es ist schon erstaunlich, auf wie viele Weisen man die Szene zwei aufeinander schießender Männer inszenieren kann, ohne in Redundanz abzudriften) bilden das Herzstück des treffend betitelten Films, die bewusst viel Blut spritzen lassen und das Ganze definitiv nicht verharmlosen. Doch obwohl Hauptdarsteller Pyotr Fyodorov („Stalingrad“) mit viel Charme aufspielt, seine nacherzählte Lebensgeschichte die Gesinnung seiner Person gut auf den Punkt bringt und die ihn antreibenden Rachegedanken nachvollziehbar sind, konzentriert sich „Der Duellist“ am Ende zu wenig auf ihn als Menschen, als dass sich eine solch emotionale Fallhöhe entwickeln könnte wie etwa bei ähnlichen One-Man-Shootern der Marke „John Wick“. Aber für sowas ist dann ja sowieso wieder Hollywood zuständig.

Fazit: Alexei Mizguirev gelingt mit „Der Duellist“ ein brutales, dabei jedoch nicht minder elegantes Historienepos, das mit seiner verschachtelten Erzählweise bisweilen anstrengt, dafür mit großen Schauwerten und einer angemessenen Konsequenz punktet. Durch das komplexe Geflecht an Intrigen und Figuren muss man allerdings erst einmal durchsteigen.

„Der Duellist“ ist ab dem 6. Juli in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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