Ich – Einfach unverbesserlich 3

Mit ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 3 kommt ein neuer Teil der beliebten Animationsfilmreihe ins Kino, der mit weniger Minions, dafür mit mehr Abenteuer und überraschend viel Familiengefühl aufwartet. Mehr dazu in meiner Kritik.

Der Plot

Mittlerweile führt Gru (deutsche Stimme: Oliver Rohrbeck) ein beschauliches Leben mit seiner Freundin Lucy (deutsche Stimme: Martina Hill), den drei Adoptivtöchtern Margo, Edith und Agnes und nicht zu vergessen, den berühmt-berüchtigten Minions. Eines Tages bekommt es Gru mit seinem bisher unbekannten Zwillingsbruder Dru (ebenfalls Oliver Rohrbeck) zu tun. Blöd nur, dass der nicht nur besser aussieht und mehr Haare hat, sondern auch erfolgreicher ist als Gru. Die beiden Zwillingsbrüder könnten unterschiedlicher nicht sein, doch als Superschurke Balthazar Bratt (deutsche Stimme: Joko Winterscheidt) mit Vokuhila, großen Schulterpolstern und einem teuflischen Plan auftaucht, müssen Gru und Dru sich zusammen raufen…

Kritik

Der Qualitätsverfall von den beiden „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filmen hin zum ersten Spin-Off „Minions“ hat bewiesen: Manche Sidekicks sollten besser Sidekicks bleiben. Der blau-gelbe Overkill aus dem Jahr 2015 hatte zwar eine weitaus höhere Anzahl der beliebten Minions zu bieten, doch nicht nur die Story blieb meilenweit hinter jenen der Ausgangsfilme zurück. Wo die Abenteuer um Gru, seine Freundin Lucy und seine drei Adoptivtöchter mit Witz und Kreativität punkten konnten, präsentierte sich der Ableger als öde Aneinanderreihung von Slapstick und Gags, während man die Geschichte guten Gewissens hätte vernachlässigen können, ohne dabei Entscheidendes aus dem Minion-Kosmos zu verpassen. Was für ein Glück, dass sich die Macher von „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ diesen Kritikpunkt offenbar zu Herzen genommen haben. Kyle Balda und Pierre Coffin setzen in ihrer zweiten Fortsetzung endlich wieder mehr auf den Wert einer guten Erzählung und legen dafür nicht bloß beim „Schurke gegen Schurke“-Muster noch eine Schippe drauf, indem sich Gru nunmehr nicht bloß mit einem Widersacher von außen, sondern auch mit seinen inneren Dämonen befassen muss, sondern verpassen der Geschichte obendrein auch enorm viel Familiengefühl, wenn Lucy ganz nebenbei versucht, in die noch fremde Mutterrolle reinzuwachsen.

In „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ legt sich Gru gegen Balthazar Bratt an, der einen wertvollen Diamanten stehlen will.

Das klingt alles überraschend komplex, doch Zuschauern, die sich im Vergleich zu den ersten zwei Filmen nun eine vollkommene Neuausrichtung des Franchise erhoffen, sei an dieser Stelle schon mal der Zahn gezogen: „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ ist nach wie vor ein knallbuntes, mit Spektakel und Rasanz vollgepacktes 3D-Abenteuer, das inhaltlich recht wenig Substanz hat. In erster Linie geht es hier nun mal um das amüsante Duell zwischen zwei Superschurken, die sich mithilfe hanebüchener, futuristischer Gadgets das Leben zur Hölle machen. In „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ besitzt Grus Widersacher ein Faible für die Achtziger, der seine Beutezüge zu mieser 80s-Pop-Musik begeht und dafür auch schon mal eine Discokugel auf dem Dach des Museums anbringt, aus dem er gleich einen wertvollen Diamanten stehlen wird. Die Zeichnung des ursprünglich als Kinderstar in Hollywood beschäftigten Balthazar Bratt bildet in diesem Film das Highlight, das die Schurken aus den vergangenen Filmen mühelos aussticht. Und wer die Befürchtung hatte, in der deutschen Fassung könnte dieser Eindruck durch die Synchronarbeit von Joko Winterscheidt („Der Nanny“) getrübt werden, der hat die Rechnung ohne das ehemalige „Circus HalliGalli“-Gesicht gemacht: Die bessere Hälfte von Klaas Heufer-Umlauf mag zwar nicht der Geübteste im Synchrongeschäft sein, doch sein exzentrisches Auftreten passt hervorragend zu seiner Figur; kleine hörbare Holprigkeiten kann Winterscheidt damit mühelos an anderer Stelle ausbügeln.

Neben Winterscheidt als Neuling in der Reihe gibt es mit Oliver Rohrbeck (die deutsche Stimme von u.A. Ben Stiller) und Martina Hill („Pets“) auch alte Bekannte zu hören. Ersteren sogar in einer Doppelrolle, denn Rohrbeck spricht nicht bloß Gru, sondern in „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ auch Dru, Grus wesentlich aufgedrehteren, akzentfrei sprechenden Zwillingsbruder. Das Hin- und Herswitchen zwischen den beiden Rollen gelingt Rohrbeck mühelos; wie auch im englischen Original, in dem Steve Carrell die Synchronisation der männlichen Hauptrolle übernimmt, hat sich der „Die drei Fragezeichen“-Sprecher die Figur komplett zueigen gemacht. Ähnliches gilt für Martina Hill, die sich gerade im direkten Vergleich zu Kristen Wiig extrem nah am Original orientiert. All diesen Sprechern gelingt es, in „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ den Fokus auf die Menschenfiguren zu legen, denn die Minions spielen hier lediglich eine untergeordnete Rolle. Nachdem man in den letzten Jahren mit Minion-Merchandise überschüttet wurde, die Filme ausschließlich über die kleinen gelben Männchen vermarktet wurden und sie auch im besagten Spin-Off alleine funktionierten – zumindest was das Boxoffice betrifft – nehmen sie hier nun wieder ihre Rolle der kleinen Helferlein ein, die zum Handlungsverlauf dann auch direkt kaum etwas beizutragen haben. Trotzdem ist der Subplot um ihr Soloabenteuer randvoll mit perfektem Timing und jeder Menge Witz – auf was für Abwege es die Männchen führt, als sie sich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von ihrem Meister Gru verabschieden, sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Lucy feilt noch an ihrer Mutterrolle.

Die Abenteuer der Minions sind in „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ also nicht direkt mit der Haupthandlung verflochten, sondern würden für sich allein stehend betrachtet auch als Kurzfilm hervorragend funktionieren. Dadurch kann die eigentliche Handlung aber auch viel mehr an Fahrt aufnehmen, denn nicht nur das Zusammenraufen der beiden Brüder gestaltet sich mit dem Aufgreifen der Frage, ob man sich zwangsläufig mögen muss, bloß weil man derselben Familie angehört, überraschend komplex. Auch Lucys Selbstzweifel in Bezug auf ihre Mutterrolle erreichen zwar mitnichten die emotionale Tiefe eines Dramas, gestalten sich jedoch gerade im Anbetracht der Reihe im Gesamten angenehm geerdet und lassen den Humorfaktor auch mal für ein paar Minuten außen vor. Dadurch schleichen sich gleichsam immer wieder kleine Längen in den Film, doch im nächsten Moment sind dann nicht bloß die Minions zur Stelle, sondern auch der Schurke Balthazar Bratt, der spätestens im kurzen, aber aussagekräftigen Finale die Gefühlsduselei hinter sich, und Anarchie auf der Leinwand walten lässt. Pharrell Williams hat für dieses Spektakel dann auch wieder einmal den perfekten Soundtrack bereit gestellt. „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ ist nicht zuletzt dadurch einfach der ideale Sommerblockbuster für die ganze Familie, da er tatsächlich all das vereint, was zu einem gelungenen Kinoabend gehört.

Fazit: „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ hat neben einer gewohnt starken Optik wieder einmal alles, was ein kurzweilig-amüsantes Kinoerlebnis ausmacht. Kultige Minions, einen exzentrischen Bösewicht, eine liebevolle Familiengeschichte und die drei süßesten Adoptivkinder der Animationsfilmgeschichte. Da sind kleine Längen schnell vergessen.

„Ich – Einfach unverbesserlich 3“ ist ab dem 6. Juli bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in solidem 3D!

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