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Videoabend Serienspecial: A Young Doctor’s Notebook

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der britischen Miniserie „A Young Doctor’s Notebook“, die in zwei Staffeln auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

A Young Doctor's NotebookRussland im Jahr 1917, kurz vor der russischen Revolution: Der junge, engagierte Arzt Dr. Vladimir Bomgard (Daniel Radcliffe) kommt direkt aus seinem Studium an ein Krankenhaus in die Provinz, um seine erste Stelle als Allgemeinmediziner anzutreten. Die Medizin kannte der frische Universitätsabsolvent aus Moskau bislang nur von seiner theoretischen Seite, doch nun muss er sich der harten Realität stellen. Obwohl er der einzige Arzt im Umkreis von vielen Kilometern ist, bleibt Dr. Bomgard jedoch nicht ganz allein. Denn Rat erhält er von seinem Alter Ego aus der Zukunft (Jon Hamm), der sich allerdings nicht mit sarkastischen Bemerkungen über seine Unsicherheiten und Neurosen zurückhält. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Machtspiel, denn wann immer Vladimir in Aussicht gestellt bekommt, was Entscheidungen für Konsequenzen haben, wirken diese auf ihn umso attraktiver…

Kritik

Daniel Radcliffe wurde als jugendlicher Zauberlehrling weltberühmt. Nach seiner Performance im Gruselthriller „Die Frau in Schwarz“, die gleichzeitig auch die erste Rolle nach seiner Harry-Potter-Ära darstellte, begab sich der 24-jährige Schauspieler vermehrt in die Hände kleinerer Filmproduktionen. So verkörpert er demnächst unter anderem den Dichter Allen Ginsberg in John Krokidas‘ „Kill Your Darlings – Junge Wilde“, versucht sich in „Horns“ allerdings auch in kantigem Genrekino, in welchem er 2015 ebenfalls Igor Frankenstein in einer gleichnamigen Neuauflage des Schauerroman-Klassikers spielen wird. Direkt zwischen diesen beiden Extremen lässt sich wohl die britische, auf einem Roman von Michail Bulgakov basierende Mini-Serie „A Young Doctor’s Notebook“ einordnen, die mit ihrem tiefschwarzen Humor und der stellenweisen sehr ernsten Prämisse von recht ambivalentem Tonfall ist, diese beiden jedoch hervorragend kombiniert, sodass die Serie den Zuschauer mit ihrem bittersüßen Charme schnell um den Finger wickelt.

Mit einer Mischung aus unbedarfter Neugier, Aufbegehren gegen die altertümliche Einstellung sämtlicher Patienten und zurückhaltender Nervosität wird seine Interpretation des Vladimir Bomgard zu einer unterhaltsamen Menschenstudie. Teils analytisch, teils probierend packt er die Situation beim Schopf und kommt nicht umher, sie immer wieder sarkastisch zu hinterfragen. Stellvertretend für das Wesen seines Charakters wird eine Szenerie in Folge zwei, in welcher sich Bomgard mit der Beinamputation eines kleinen Mdchens auseinandersetzen muss. Mit dem Wissen, der Patientin vielleicht das Leben zu retten, schickt er sich an, das Bein abzunehmen, vergewissert sich jedoch immer wieder, ob diese nicht bereits tot sei, um diese Operation doch noch umgehen zu können. Diese Szene ist es auch, an welcher der Humor in „A Young Doctor’s Notebook“ am besten zum Tragen kommt. So ist die Serie durch und durch britisch, damit vor allem von bitterbösem, reichlich trockenem Humor geprägt. Das Timing der Darsteller ist auf den Punkt, die Schlagzahl bissiger Kommentare hoch. Vor allem John Hamm, welcher das ältere Alter-Ego Vladimir Bomgards verkörpert, sorgt mit seinem beißenden Sarkasmus immer wieder für grobschlächtige Comedy-Momente. Ihm zur Seite steht ein großartig aufgelegter Cast, der die allesamt verschrobenen Figuren perfekt verkörpert. Adam Godley mimt den sympathischen Fachidioten, den man heutzutage wohl als „Nerd“ bezeichnen würde. Rosie Cavaliero gibt die resolute aber liebenswürdige Hebamme Pelageya ab und Vicki Pepperdine spielt sich als Krankenschwester Anna in die Herzen der Zuschauer. Dabei gelingt „A Young Doctor’s Notebook“ das Kunststück, keiner seiner Rollen besonders in den Vordergrund zu drängen. Auch wenn Daniel Radcliffe den prominentesten Namen innerhalb des Ensembles trägt, kommt ihm nicht gänzlich die Hauptrolle zu. Stattdessen ergänzen sich die einzelnen Castmembers vortrefflich und spielen sich gegenseitig die Bälle zu.

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Partner wider Willen…

Einen ernsteren Unterton gewinnt die Serie vor allem aufgrund der Thematik der Morphium-Sucht, mit welcher Bomgard schon von Beginn der Serie zu kämpfen beginnt. Leider bekommt man an dieser Stelle den einzigen, jedoch gravierenden Kritikpunkt des Formats zu spüren: Mit ihren 23 bis 25 Minuten andauernden Episoden – vier pro Staffel – ist die Spielzeit nahezu lachhaft kurz ausgefallen. Die sich zu Beginn noch als überaus angenehm entpuppende Kurzweil stellt der Serie schnell ein Bein. Der Stoff böte genug Themen, um auch über eine 45-minütige Laufzeit zu tragen. So würde auch Jon Hamm weitaus mehr Aufmerksamkeit erhalten. Immerhin muss er sich mit den Konsequenzen seines Tuns lediglich innerhalb der letzten zwei Minuten jeder Episode auseinandersetzen. So liegt der Kern auf der Comedy, doch aus „A Young Doctor’s Notebook“ ließe sich viel, viel mehr rausholen. Von der technischen Ausstattung muss man sich an die etwas andere Ausrichtung der Serie erst gewöhnen. Die russisch anmutenden Instrumentalklänge von Mark Bousie verleihen „A Young Doctor’s Notebook“ gleichzeitig Authentizität und Leichtigkeit. Über die immer wieder schlecht ausgeleuchtete und teilweise viel zu dunkle Kulisse sieht man, dem Realismus zuliebe, gern hinweg.

A YOUNG DOCTOR’S NOTEBOOK stammt von Alex Hardcastle und Robert McKillop, das Drehbuch schrieben Mikhail A. Bulgakov, Mark Chappell, Alan Connor und Shaun Pye. Der Cast besteht unter anderem aus Daniel Radcliffe, Jon Jamm, Rosie Cavaliero, Adam Godley, Vicki Pepperdine und Tim Steed. Bei der Serie handelt es sich um eine Tragikomödie, produziert in den Großbritannien aus den Jahren 2012 und 2013. Die Serie ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray erhältlich und ab 16 Jahren freigegebenn. Die Länge beträgt pro Folge 23 Minuten, eine Serie umfasst vier Folgen.

Fazit

Wir warten sehnlichst auf neue Folgen! „A Young Doctor’s Notebook“ ist eine Serienperle, die bitterbösen Humor, skurriles Drama und Charakterstudie zu einem feinen Genremix verpackt, der so bislang ziemlich einmalig ist.

Mein Tipp: kann man kaufen!

Videoabend: Imperium

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der US-amerikanischen Thrillerproduktion „Imperium“, die seit dem 9. Dezember auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Imperium

Der ehrgeizige Nate Foster (Daniel Radcliffe) ist trotz seines jungen Alters ein gerissener FBI-Agent. Einer der besten, wie seine noch viel ehrgeizigere, für neue Ermittlungswege empfängliche Chefin Angela (Toni Collette) behauptet. Doch sein neuer Auftrag entpuppt sich als höllisch gefährlicher Drahtseilakt. Kahlrasiert, mit gefährlichen Informationen ausgestattet und mit irrem Funkeln in den Augen taucht der Jungspund in die Gefilde einer ultrarechten Neonazi-Organisation ab, um einen drohenden Anschlag mit einer schmutzigen Bombe zu verhindern. Allein unter tollwütigen Wölfen, bleibt Nate nichts anderes übrig, als mit dem Rudel zu heulen. Dabei gerät er bald in einen mörderischen Sog aus Gewalt und Verbrechen. Nur Angela kennt seine wahre Identität und versucht verzweifelt, ihren Schützling am Leben zu halten, bis sein Auftrag erfüllt ist. Doch von einer Sekunde auf die andere überschlagen sich die Ereignisse und Nate gerät in tödliche Gefahr, aus der er alleine nicht mehr herauskommt…

Kritik

Seit die „Harry Potter“-Saga beendet wurde, ist Hauptdarsteller Daniel Radcliffe aktiv dabei, zu spielen, wonach ihm gerade der Sinn steht. Dabei macht er vor Genre-Produktionen („Horns“, „Victor Frankenstein“) ebenso wenig Halt, wie vor leichter Kost („The F-Word“) oder experimentellem Arthouse-Kino („Swiss Army Man“). Der Mann kann einfach alles und deshalb ist es auch überhaupt kein Wunder, dass es ihm mit dem hierzulande lediglich auf dem Fantasy Filmfest zu sehenden Thrillerdrama „Imperium“ erneut gelingt, eine Produktion vollständig auf seinen Schultern zu tragen. Weshalb Daniel Ragussis‘ auf wahren Ereignissen beruhender Film hierzulande nicht regulär in den Kinos zu sehen war, obwohl es eigentlich kein besseres Jahr für die Veröffentlichung einer Geschichte gegeben hätte, in welcher der Wahn, Irrsinn und die Gefahr der Nazi-Szene im Fokus stehen, weiß wohl keiner so richtig. Darüber hinaus ist „Imperium“ trotz einiger inszenatorischer Schwächen ein handwerklich absolut hochwertiger Film, der Leinwandausmaße besitzt und dessen Inhalt die Spannungsschraube über 108 Minuten konsequent anzieht, bis dem Film lediglich im Finale ein wenig zu unspektakulär die Puste ausgeht.

Daniel Ragussis ist sichtbar darauf aus, die Ereignisse in „Imperium“ möglichst bodenständig und lebensnah zu zeichnen. Auf inszenatorische Überhöhungen verzichtet er dabei. Lediglich vereinzelte Bildmontagen, in denen anhand von Einzelszenen die schockierende Vielfalt des Nazi-Kultes veranschaulicht wird, setzen gezielte Akzente in einem ansonsten recht traditionell aufgezogenen Crime-Thriller. Der Regisseur und Autor begibt sich dabei so nah an seinen Protagonisten, dass die seelischen Veränderungen des Ermittlers Nate Foster als klarer Mittelpunkt der Geschichte erkennbar sind. Radcliffe geht dabei derart subtil und nuanciert vor, dass die Tarnung seiner Figur innerhalb der Nazi-Szene mehr als einmal den Gedanken aufkommen lässt, ob der charismatische Cop nicht doch irgendwann Gefallen an dem Kult finden könnte. Die immer wieder eingestreuten Lagebesprechungen mit Polizeichefin Angela bremsen den Drive der Geschichte zwar hier und da aus, rücken das sukzessive bröckelnde Bild seiner tadellosen Figur jedoch in den richtigen Momenten immer wieder gerade. Die Undercover-Ermittlungen Nates gestalten sich indes besonders spannend. Ohne auf karikatureske Zuspitzung zurückgreifen zu müssen, lässt Ragussis die irren Ideologien seiner Antagonisten für sich sprechen – und schafft es in ausgewählten Szenen, so etwas wie eine unterschwellige Menschlichkeit hervorzukitzeln. So ist „Imperium“ keine bloße Abrechnung, sondern dringt viel tiefer in diesen gefährlichen Kosmos ein, indem die Macher es schaffen, hinter die Masken aus Hass und Fremdenfeindlichkeit zu blicken, was die Manie dahinter in letzter Instanz nur noch viel schlimmer macht.

IMPERIUM stammt von Daniel Ragussis, der auch das Drehbuch zum Film schrieb. Der Cast besteht unter anderem aus Daniel Radcliffe, Toni Collette, Tracy Letts, Sam Trammell, Nestor Carbonell, Chris Sullivan, Seth Numrich und Pawel Szajda. Bei dem Film handelt es sich um ein Thrillerdrama, produziert in den USA aus dem Jahr 2016. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 109 Minuten.

Fazit

Es macht einfach Spaß, dabei zuzusehen, wie sich der ehemalige „Harry Potter“-Darsteller Daniel Radcliffe in immer neuen Rollen probiert, ohne dabei den Anspruch zu haben, bewusst gegen sein Kinderstar-Image anzuspielen. „Imperium“ steht und fällt mit seiner grandiosen Leistung und gibt trotz dramaturgischer Holprigkeiten einen Einblick in eine Szene, den wir uns gerade in heutiger Zeit alle einmal zu Gemüte führen sollten.

Mein Tipp: kann man kaufen!

Swiss Army Man

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