Videoabend: Imperium

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der US-amerikanischen Thrillerproduktion „Imperium“, die seit dem 9. Dezember auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Imperium

Der ehrgeizige Nate Foster (Daniel Radcliffe) ist trotz seines jungen Alters ein gerissener FBI-Agent. Einer der besten, wie seine noch viel ehrgeizigere, für neue Ermittlungswege empfängliche Chefin Angela (Toni Collette) behauptet. Doch sein neuer Auftrag entpuppt sich als höllisch gefährlicher Drahtseilakt. Kahlrasiert, mit gefährlichen Informationen ausgestattet und mit irrem Funkeln in den Augen taucht der Jungspund in die Gefilde einer ultrarechten Neonazi-Organisation ab, um einen drohenden Anschlag mit einer schmutzigen Bombe zu verhindern. Allein unter tollwütigen Wölfen, bleibt Nate nichts anderes übrig, als mit dem Rudel zu heulen. Dabei gerät er bald in einen mörderischen Sog aus Gewalt und Verbrechen. Nur Angela kennt seine wahre Identität und versucht verzweifelt, ihren Schützling am Leben zu halten, bis sein Auftrag erfüllt ist. Doch von einer Sekunde auf die andere überschlagen sich die Ereignisse und Nate gerät in tödliche Gefahr, aus der er alleine nicht mehr herauskommt…

Kritik

Seit die „Harry Potter“-Saga beendet wurde, ist Hauptdarsteller Daniel Radcliffe aktiv dabei, zu spielen, wonach ihm gerade der Sinn steht. Dabei macht er vor Genre-Produktionen („Horns“, „Victor Frankenstein“) ebenso wenig Halt, wie vor leichter Kost („The F-Word“) oder experimentellem Arthouse-Kino („Swiss Army Man“). Der Mann kann einfach alles und deshalb ist es auch überhaupt kein Wunder, dass es ihm mit dem hierzulande lediglich auf dem Fantasy Filmfest zu sehenden Thrillerdrama „Imperium“ erneut gelingt, eine Produktion vollständig auf seinen Schultern zu tragen. Weshalb Daniel Ragussis‘ auf wahren Ereignissen beruhender Film hierzulande nicht regulär in den Kinos zu sehen war, obwohl es eigentlich kein besseres Jahr für die Veröffentlichung einer Geschichte gegeben hätte, in welcher der Wahn, Irrsinn und die Gefahr der Nazi-Szene im Fokus stehen, weiß wohl keiner so richtig. Darüber hinaus ist „Imperium“ trotz einiger inszenatorischer Schwächen ein handwerklich absolut hochwertiger Film, der Leinwandausmaße besitzt und dessen Inhalt die Spannungsschraube über 108 Minuten konsequent anzieht, bis dem Film lediglich im Finale ein wenig zu unspektakulär die Puste ausgeht.

Daniel Ragussis ist sichtbar darauf aus, die Ereignisse in „Imperium“ möglichst bodenständig und lebensnah zu zeichnen. Auf inszenatorische Überhöhungen verzichtet er dabei. Lediglich vereinzelte Bildmontagen, in denen anhand von Einzelszenen die schockierende Vielfalt des Nazi-Kultes veranschaulicht wird, setzen gezielte Akzente in einem ansonsten recht traditionell aufgezogenen Crime-Thriller. Der Regisseur und Autor begibt sich dabei so nah an seinen Protagonisten, dass die seelischen Veränderungen des Ermittlers Nate Foster als klarer Mittelpunkt der Geschichte erkennbar sind. Radcliffe geht dabei derart subtil und nuanciert vor, dass die Tarnung seiner Figur innerhalb der Nazi-Szene mehr als einmal den Gedanken aufkommen lässt, ob der charismatische Cop nicht doch irgendwann Gefallen an dem Kult finden könnte. Die immer wieder eingestreuten Lagebesprechungen mit Polizeichefin Angela bremsen den Drive der Geschichte zwar hier und da aus, rücken das sukzessive bröckelnde Bild seiner tadellosen Figur jedoch in den richtigen Momenten immer wieder gerade. Die Undercover-Ermittlungen Nates gestalten sich indes besonders spannend. Ohne auf karikatureske Zuspitzung zurückgreifen zu müssen, lässt Ragussis die irren Ideologien seiner Antagonisten für sich sprechen – und schafft es in ausgewählten Szenen, so etwas wie eine unterschwellige Menschlichkeit hervorzukitzeln. So ist „Imperium“ keine bloße Abrechnung, sondern dringt viel tiefer in diesen gefährlichen Kosmos ein, indem die Macher es schaffen, hinter die Masken aus Hass und Fremdenfeindlichkeit zu blicken, was die Manie dahinter in letzter Instanz nur noch viel schlimmer macht.

IMPERIUM stammt von Daniel Ragussis, der auch das Drehbuch zum Film schrieb. Der Cast besteht unter anderem aus Daniel Radcliffe, Toni Collette, Tracy Letts, Sam Trammell, Nestor Carbonell, Chris Sullivan, Seth Numrich und Pawel Szajda. Bei dem Film handelt es sich um ein Thrillerdrama, produziert in den USA aus dem Jahr 2016. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 109 Minuten.

Fazit

Es macht einfach Spaß, dabei zuzusehen, wie sich der ehemalige „Harry Potter“-Darsteller Daniel Radcliffe in immer neuen Rollen probiert, ohne dabei den Anspruch zu haben, bewusst gegen sein Kinderstar-Image anzuspielen. „Imperium“ steht und fällt mit seiner grandiosen Leistung und gibt trotz dramaturgischer Holprigkeiten einen Einblick in eine Szene, den wir uns gerade in heutiger Zeit alle einmal zu Gemüte führen sollten.

Mein Tipp: kann man kaufen!

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