Angry Birds – Der Film

Kann man aus einer Spiele-App einen abendfüllenden Animationsfilm kreieren? Man kann schon – ob das inhaltlich dann auch funktioniert, ist eine andere Frage, die ich im Falle von ANGRY BIRDS – DER FILM an dieser Stelle beantworten möchte.Angry Birds - Der Film

Der Plot

Auf einer Insel, irgendwo in einer fremden Welt, leben hunderte von glücklichen, flugunfähigen Vögeln, die hier tagein, tagaus ihr Dasein fristen – oder zumindest fast. Denn glücklich sind hier nicht alle. In diesem Paradies gehörten Red (Christoph Maria Herbst), ein Vogel mit der Neigung zu cholerischen Wutausbrüchen, der blitzschnelle Chuck (Axel Stein) und der unberechenbare Bombe (Axel Prahl) schon immer zu den Außenseitern. Kein Wunder also, dass sie sich in einer Selbsthilfegruppe für straffällig gewordene Vögel kennenlernen und schon bald zu so etwas wie Freunden werden. Als die Insel eines Tages von mysteriösen grünen Schweinchen besucht wird, liegt es ausgerechnet an diesen drei, vollkommen unterschiedlichen Ausgestoßenen, herauszufinden, was die Schweine im Schilde führen.

Kritik

2009 brachte das finnische Entwicklerstudio Rovio Entertainment eine der erfolgreichsten Spiele-Apps der Welt auf den Markt. Zunächst war es lediglich Apple-Nutzern möglich, eine Reihe flugunfähiger Vögel mittels Steinschleuder auf verschiedene Bauten zu schießen, um mit dieser Methode giftgrüne Schweine dem Erdboden gleichzumachen. Mittlerweile ist „Angry Birds“ für nahezu jedes Betriebssystem erhältlich, hat sich gar als TV-Serie durchgesetzt und das Merchandising hat der Popularität entsprechend längst jede Form von Übersicht verloren. Anlässlich diverser popkultureller Ereignisse, gibt es darüber hinaus Special Editions, etwa „Angry Birds“ im „Star Wars“-Look, oder eine „Rio 2“-Variante. Wer ohne Werbung zocken will, zahlt 99 Cent. Wem das zu viel ist, der muss sich mit regelmäßigen Werbeclips arrangieren. So oder so: „Angry Birds“ ist ein weltweites Phänomen, dessen Verfilmung, vom geschäftlichen Standpunkt aus betrachtet, längst überfällig ist. An einer Stelle darf man allerdings stutzig werden, inwiefern die App eine Leinwandadaption überhaupt rechtfertigt. Wenn man das Spiel startet, erklärt einem ein Comicstrip in wenigen Einblendungen, dass es eine Gruppe grüner Schweine auf die Eier friedliebender Vögel abgesehen hat. Der Diebstahl fördert die tief im Federvieh schlummernden Aggressionen zutage, die diese sich schließlich zunutze machen, um die Feinde mittels Zwille zu bezwingen. Und das war’s. Aus diesem nur allzu simplen Konzept einen abendfüllenden Spielfilm zu kreieren, funktioniert nur dann, wenn man sich einen völlig neuen, 90 Minuten rechtfertigenden Kontext ausdenkt. Und so gelungen die 3D-Konvertierung des zweidimensionalen Game-Looks auch geraten ist, so gescheitert ist das Regie-Duo aus Clay Kaytis und Fergal Reilly doch genau an dieser Aufgabe.

Angry Birds - Der Film

Für die beiden Animationsfilmexperten ist „Angry Birds – Der Film“ die erste eigenständige Regiearbeit. Zuvor waren sie in unterschiedlichen Positionen für die Animation verschiedener Trickfilmprojekte zuständig. Zu Clay Kaytis‘ letzten Projekten etwa gehörte das Mitwirken in Disneys „Die Eiskönigin“, während Fergal Reilly vorab hauptsächlich als Storyboard Artist in Produktionen wie „Hotel Transsilvanien“, „Die Schlümpfe“ oder „Wolkig mit Aussucht auf Fleischbällchen“ zugegen war. In „Angry Birds“ sind sie nun erstmals in der Position der Inszenatoren gefordert und greifen dafür auf das Skript von Jon Vitti zurück, der auf eine Vita zurückblicken kann, die qualitativ sehr breit gefächert ist. Zu Vittis Arbeit gehören Episoden der „Stromberg“-Vorlage „Das Büro“ und „Die Simpsons“, aber auch die Drehbücher zu mehreren „Chipmunks“-Filmen. Blickt man auf sein neuestes Projekt, so lässt sich dieses weder der einen, noch der anderen Speerspitze zuordnen. „Angry Birds – Der Film“ hat Gagspitzen, die trotz eines uneinheitlichen Tonfalls zum Brüllen komisch sind, etwa wenn popkulturelle (menschliche) Phänomene auf die Lebensweise der Schweine und Vögel umgedichtet werden (Stichwort: „Calvin Swine“). Betrachtet man allerdings den Aufbau der Geschichte, käme man nie auf die Idee, das mangelnde Gefühl für Dramaturgie und Rhythmus stammt vom selben Schöpfer wie der kultige „Simpsons“-Film.

Zu sagen, bei einer Laufzeit von 97 Minuten, würde in den ersten 75 davon nichts passieren, kommt gerade im Fall eines auf die junge Zielgruppe ausgelegten Films fast einem Todesurteil gleich.Bei „Angry Birds – Der Film“ machte sich das vor allem bemerkbar, als es bei der Spezial-Sondervorführung des Films, die sich ausschließlich an Kinder und Familien richtete, durchgehend erschreckend still blieb, obwohl die Produktion auch mit Slapstick und schrillen Farben nicht geizt. Doch bei dem Versuch, das simple Spielprinzip von „Angry Birds“, das in den letzten zwanzig Filmminuten (endlich) zum Einsatz kommt, in eine schlüssige Story einzubetten, wollen die Macher einen Tick zu viel. Die vollkommen profillos bleibenden Protagonisten Red, Chuck und Bombe bekommen eine Einführungszeit zugestanden, die die Charakterisierung überhaupt nicht rechtfertigt. Schnelle, chronologisch vollkommen durcheinander geratene Rückblendungen in Reds Vergangenheit, etablieren den wütenden Vogel als Außenseiter. An Chuck interessiert lediglich die stets überaus komisch in Szene gesetzte Eigenschaft der Schnelligkeit und der fette Bombe ist allenfalls Stichwortgeber für die eine oder andere Gag-Eskapade. Besser könnte sich nicht herauskristallisieren, dass die charakteristische Beschaffenheit vollkommen irrelevant für die Story ist. Trotzdem nimmt die Einführung in die Geschichte über eine halbe Stunde in Anspruch, eh mit der behäbig inszenierten Ankunft der Schweine und dem Diebstahl der Eier endlich ein wenig Schwung in die Ereignisse kommt.

Die fast schon einer Satire auf einen massenhaften Zustrom „Fremder“ gleichkommende Aufmachung der Schweine-Invasion, die hier und da mit grenzwertigen Bemerkungen der Marke Frauke Petry unterstrichen wird, durchbricht zwar die Behäbigkeit der vorab stattgefundenen Ereignisse. Gleichwohl ist es dem Drehbuch anzumerken, dass das Potenzial für eine ausführliche Geschichte nach wie vor nicht gegeben ist. Selbst unter Anwesenheit der sich – im wahrsten Sinne des Wortes – unter aller Sau benehmenden Schweine, ist die im Trailer noch so vollmundig angekündigte Gagdichte so gering, dass sich der Zuschauer zwangsläufig auf die Handlung konzentrieren muss, um überhaupt einen Mehrwert in „Angry Birds – Der Film“ zu erkennen. Humoristische Ausreißer wie das Zusammentreffen mit dem exzentrischen, allwissenden Adler oder deplatzierte, für sich genommen aber immerhin ganz lustige Popkulturanspielungen (Stichwort „The Shining“) bringen den Zuschauer immer nur vereinzelt zum Schmunzeln. Der Showdown entspricht schließlich dem Prinzip moderner, zerstörungswütiger Blockbuster, hat aber den Vorteil, dass die vorab nahezu nicht existente Dynamik hier endlich voll ausgespielt wird. Als 20-minütiger Werbekurzfilm wären die flott inszenierten, spritzigen und stellenweise sogar richtig raffinierten Eskapaden des Schlussaktes ein Traum. So bleiben sie – neben dem 3D-Effekt und den durchgehend hervorragend aufgelegten Sprechern – das einzige Highlight in einem ansonsten vollkommen nichtigen Film.

Fazit: Eine Handlung, die innerhalb eines Handyspiels etwa drei Sekunden einnimmt, lässt sich eben schwer auf über 60 Minuten strecken. Erst im Finale kommt jener anarchische Humor zum Tragen, der im Trailer angekündigt wurde. Bis dahin bekommt der Zuschauer trotz tollem 3D und hervorragender Sprecher nur wenig geboten.

„Angry Birds – Der Film“ ist ab dem 12. Mai bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in 3D!

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