Da muss Mann durch

Teil eins lockte knapp 800.000 Zuschauer in die deutschen Kinos. Nun kommt mit DA MUSS MANN DURCH die Fortsetzung der Romantic Comedy „Mann tut was Mann kann“ in die Kinos und ist dabei zwar deutlich gelungener als sein Vorgänger, krankt aber insbesondere an einem über alle Maße klischeehaften Finale. Mehr zum Film in meiner Kritik.

Da muss Mann durch

Der Plot

Auch wenn es beim letzten Mal nicht ganz geklappt hat, ist sich Paul (Wotan Wilke Möhring) sicher, dass ihm die große Liebe noch begegnen wird. Dann trifft er Lena (Julia Jentsch), die Erbin des Verlagshauses, dem er als Personalchef angehört, und es ist um ihn geschehen. Jetzt muss er nur noch ihre Eltern davon überzeugen, dass er genau der Richtige für sie ist – und fliegt mit ihr nach Mallorca, zum spektakulären Anwesen ihrer Familie. Na, dann viel Glück, Paul! Denn die standesbewusste Familien- und Firmenpatriarchin Elisabeth von Beuthen (Daniela Ziegler) lässt ihn aufs Allerfreundlichste spüren, dass sie sich eigentlich einen anderen wünscht: Patrick Arterberry (Stephan Luca), Hedgefonds-Manager und Mitglied des englischen Adels. Lena hatte ihn für Paul verlassen, muss ihn nun aber bitten auf die Insel zu kommen – denn sie ist schwanger, und Paul ist nicht der Vater. So wittert Patrick seine Chance und fordert seinen Widersacher hinter Lenas Rücken zum Duell. Und das mündet für Paul in einem Waterloo: Im Eifer des Gefechts – in dem nicht nur die Familienyacht dran glauben muss und er im Bett von Lenas Schwester Audrey (Sophia Thomalla) landet – tritt Paul in so viele Fettnäpfchen, dass Lenas Liebe zu ihm mehr als strapaziert wird. Und zu Patrick scheinbar neu entflammt. Da heißt es auf den Rat der besten Freunde vertrauen. Denn natürlich sind Guido (Jan Josef Liefers), Bronko (Fahri Yardim) und Günther (Oliver Korittke) auch auf Mallorca an seiner Seite. Gemeinsam sitzen sie unter der Sonne des Südens, philosophieren wieder über Frauen, das Leben und die Liebe – und entwickeln einen Plan, wie Paul vielleicht doch noch einen Weg zurück in Lenas Herz findet…

Kritik

Alle Zeichen stehen auf Flop: Nicht nur, dass der Regisseur der Komödien-Fortsetzung „Da muss Mann durch“ namentlich nicht genannt werden will und stattdessen auf das in solchen Fällen übliche Pseudonym Thomas Lee zurückgreift, auch in Sachen Startterminverschiebung stellt das Sequel zu „Mann tut was Mann kann“ einen neuen Rekord auf: Ganz viermal wurde der Film nach hinten korrigiert und der Presse erst drei Tage vor dem offiziellen Starttermin gezeigt. Entsprechend niedrige Ansprüche sollte man sich wohl setzen, wenn man sich dieser miserablen Erfolgsaussichten besinnt, doch – man mag es kaum glauben – „Da muss Mann durch“ stellt seinen nur übersichtlich gelungenen Vorgänger zu weiten Teilen sogar in den Schatten. Das muss zwar erst einmal gar nichts heißen, denn auch so bewegt man sich im Falle dieses deutschen Reißbrettfilmes allenfalls auf dem Niveau „guter Durchschnitt“, aber ein solcher Veröffentlichungs-Hickhack, geschweige denn die Leugnung an der Beteiligung ist schlicht immens übertrieben. Wenngleich Cineasten ob der recht einfach gestrickten Story und wenig Anspruch in Aussage und Inszenierung wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen werden, richtet sich „Da muss Mann durch“ an die Liebhaber klassisch deutscher Romantic Comedies, die entgegen der üblichen Schweigerhöfer-Kost auch mal ohne Deutschlands beliebteste Filmemacher daherkommen dürfen. Denn wie schon im ersten Teil findet sich auch in „Da muss Mann durch“ der größte Pluspunkt in der ansprechenden Besetzung wieder.

Da muss Mann durch

Wenn man nicht wüsste, dass „Da muss Mann durch“ für die Leinwand inszeniert ist, könnte man sich glatt in der Kinoaufführung einer „Rosamunde Pilcher“-Schmonzette wähnen, denn das Mallorca-Panorama ist nicht nur ebenso kitschgetränkt wie wunderschön, sondern auch ziemlich abgegriffen. Hauptschauplätze des Geschehens sind erwartungsgemäß die berauschendsten Kulissen der spanischen Ferieninsel und entsprechend ecken- und kantenlos präsentiert sich auch alsbald die Story. Mit tiefgehenden Charakterzügen der Hauptfiguren darf man hier ebenso wenig rechnen, wie mit überbordenden Storytwists. Dennoch hat insbesondere die erste Stunde von „Da muss Mann durch“ Stärken zu bieten, mit denen sein Vorgänger „Mann tut was Mann kann“ nicht auftrumpfen konnte. In Sachen Humorlosigkeit stehen sich zwar beide Produktionen in Nichts nach, doch in diesem Fall gestehen die Macher ihren Protagonisten wesentlich natürlichere und reifere Reaktionen sowie Entscheidungen zu, als noch im ersten Teil. Damals hangelte sich das untereinander ordentlich harmonierende Männer-Quartett von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen, ohne aus Konsequenzen zu lernen oder das eigene Verhalten zu überdenken. In „Da muss Mann durch“ vermag man die Gedankengänge der Freunde wesentlich besser nachzuvollziehen. Und das, obwohl beileibe nicht jeder Handlungsstrang eine zufriedenstellende Auflösung erfährt. Wenn sich Oliver Korittkes („Doktorspiele“) Günther vor seiner Freundin versteckt, da sich diese auf Biegen und Brechen ein Kind wünscht, endet dieser Konflikt in einer solchen Alibi-Auflösung, dass das vorab aufgebaute Potenzial mit Anlauf gegen die Wand gefahren wird.

Überhaupt steht in „Da muss Mann durch“ vorzugsweise einer im Mittelpunkt: Wotan Wilke Möhring. Der zuletzt in „Who am I“ und „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ brillierende Charakterdarsteller, der nicht umsonst zur schauspielerischen A-Riege Deutschlands gehört, wird nicht etwa nur die relevanteste Storyline zuteil. Nahezu der gesamte Streifen steht und fällt mit dem kantigen Schauspieler, was sich jedoch als sinnig erweist. Mit dem Konflikt der Schwangerschaft und dem damit verbundenen Arrangement mit dem Ex-Freund und Vater Patrick begeben sich die Macher auf recht ernstes Terrain, das über lange Zeit nicht auf oberflächliche Konfliktlösung durch Zufälle setzt, sondern sich auf realistische Weise mit dem Thema Patchwork-Familie befasst. Besonders durch die herrlich schmierige Performance von Stephan Luca („KeinOhrHasen“) sowie die zwischen den Stühlen agierende Julia Jentsch („Hannah Arendt“) ist dieser Handlungsstrang von einem ansehnlichen Unterhaltungswert, der mit einer Handvoll humoristischen Einlagen garniert wird, die auch tatsächlich zünden – im wahrsten Sinne des Wortes; Stichwort: Feuerwerk! Doch die so lohnenswerten Ansätze werden nicht zu Ende gedacht. Die letzte halbe Stunde mündet in einer Ansammlung stereotyper Storysprünge, die einzig und allein dazu da sind, auf ein Happy-End-konformes Finale zuzusteuern, dem sich jeder zweitklassige Fernsehfilm bedient.

Da muss Mann durch

Den Fehler der Selbstzerstörung begeht „Da muss Mann durch“ an einigen Stellen und dreht sich damit in ein schlechteres Licht als nötig. Im Detail lässt sich erahnen, wie wenig durchdacht die Komödie ist, denn es bedarf eigentlich nur kleine Kniffe, um den Film im Handumdrehen um einiges besser zu gestalten. Die Drehbuchautoren Hans Rath und Marc Rothemund, die auch schon am ersten Teil beteiligt waren, verzichten fast vollends auf die Interaktion der vier Hauptdarsteller. Viel zu spät kreuzen sich die Wege der ganz unterschiedlichen Männertypen; entsprechend lange dauert es, bis zum ersten Mal die angenehme Interaktion der Freunde zum Tragen kommt. Besonders Jan Josef Liefers („Tatort“) lässt sich zu leicht auf sein Image des nach und nach geläuterten Frauenhelden beschränken und nur Fahrdi Yardims („Irre sind männlich“) herzlichem Spiel ist es zu verdanken, dass sein Charakter des verhuschten Lebenskünstlers nicht ins Karikartureske abdriftet. Dafür haben die Verantwortlichen ein Händchen für das Casting der Nebenfiguren bewiesen: Mit Sophia Thomalla, deren Einführung mittels voyeuristischer Nacktszene mehr als fragwürdig ist, greifen die Macher auf ein neues Schauspielgesicht zurück, das der Hauptdarstellerin Julia Jentsch tatsächlich erstaunlich ähnlich sieht – nicht unwichtig, wenn man den Anschein von Schwestern erwecken will. Peter Prager („Doctor’s Diary“) und Daniela Ziegler („Das Kind“) gefallen darüber hinaus als versnobte Schwiegereltern von Paul.

Fazit: Die positiven Ansätze sind da und in „Da muss Mann durch“ wesentlich häufiger vorhanden als noch in „Mann tut was Mann kann“. Doch nicht nur, dass die Macher die Qualitäten ihrer Besetzung nicht auszuschöpfen wissen und viele Gags ob ihrer Lieblosigkeit verpuffen, insbesondere die Besinnung auf ein Klischee-Finale raubt „Da muss Mann durch“ einiges von seinem anfangs so gelungenen Eindruck. Trotz alledem schätzen alle Verantwortlichen ihren Film realistisch ein und besinnen sich auf den Status als Unterhaltungsfilm. Für Freunde der leichten Komödie mit Hang zur ankekitschten Romanze ist dies durchaus einen Blick wert. Eine gewisse Toleranzgrenze gegenüber Radiopopsongs und geschönter Traumkulissen sollte allerdings vorhanden sein.

 „Da muss Mann durch“ ist ab dem 29. Januar bundesweit in vielen deutschen Kinos zu sehen!

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