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Das startet am 30. November 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 30. November; dem Tag, mit den vermutlich meisten Kinostarts in diesem Jahr. Kein Wunder: nur noch zwei Wochen bis „Star Wars“ – bis dahin wollen kleinere Verleiher ihre Starts noch schnell hinter sich gebracht haben. Der wichtigste kommt diese Woche aus dem Hause Pixar, denn mit „Coco“ startet der diesjährige Weihnachts-Animationsfilm aus der berühmten Filmschmiede. Aufgrund seines Erfolges auch als breiter Start angelegt, ist die Komödie „Girls Trip“, auch wenn diese kaum überzeugen kann und wird. Das Remake des Thrillers „Flatliners“ wurde der deutschen Presse bislang nicht gezeigt, wird allerdings ebenfalls mit vielen Kopien starten. Der stärkste Film dieser Woche ist dagegen einer, der nur in wenigen Kinos laufen wird, dort allerdings von möglichst vielen Leuten besucht werden sollte: Die Rede ist von dem harten Westerndrama „Brimstone“ mit einem überragenden Guy Pearce.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BRIMSTONE  | Regie: Martin Koolhoven | NED/DE 2017

Ende des 19. Jahrhunderts im amerikanischen Westen: Die junge Liz (Dakota Fanning) ist auf der Flucht vor ihrer düsteren Vergangenheit, als sie sich zum Schutz hinter den Mauern eines gottesfürchtigen Dorfes niederlässt. Hier arbeitet sie als Hebamme und lebt an der Seite ihres Ehemannes Eli (William Houston) und gemeinsam mit ihren zwei Kindern, nichtsahnend, das sich ein diabolischer Priester (Guy Pierce) auf den Weg in genau dieses Dorf begibt. Liz ist überzeugt davon, dass er es auf sie abgesehen hat. Fortan lebt sie in noch größerem Unbehagen und schottet sich immer mehr von der Außenwelt ab. Als sie eines Tages eine Entscheidung fällt, die die ganze Dorfgemeinschaft gegen sie aufbringt, zieht sie genau die Aufmerksamkeit auf sich, vor der sie bislang geflohen ist und muss sich schließlich endgültig ihrer Vergangenheit stellen.

Das in seiner Düsternis und Kompromisslosigkeit kaum zu ertragene Rachedrama „Brimstone“ ist nicht bloß meisterhaft erzählt und bravourös inszeniert. Es fährt mit einem spektakulär-widerwärtigen Guy Pearce auch den abartigsten Bösewicht des diesjährigen Kinojahres auf – und eine bärenstarke Dakota Fanning!


COCO  | Regie: Lee UnkrichAdrian Molina | USA 2017

Am mexikanischen “Día de los Muertos“ gedenken Freunde und Verwandte ihrer geliebten Ahnen, bedenken sie mit Zucker-Totenköpfen und Blumen, um so deren spirituelle Reise im Land der Toten zu unterstützen. Ausgerechnet an diesem so wichtigen, traditionellen Feiertag landet der kleine Miguel mit seinem schrägen Hund Dante durch einen unglaublichen Zufall in dieser anderen Welt. In dem lauten, bunten Kosmos voller schräger und liebenswerter Charaktere trifft er nicht nur auf seine Ur-Ahnen, sondern auch auf den liebenswerten Hector, der ihm helfen will, den Weg zurück nach Hause zu finden. Doch das ist leichter gesagt als getan! Je mehr Miguel versucht, in die Welt der Lebenden zurück zu kehren, desto tiefer wird er in ein altes Familiengeheimnis gezogen. Doch die äußerst toten und gleichzeitig lebendigen Typen sind so gar keine Hilfe… 

In atemberaubenden Farben und mit viel Gefühl erzählt Pixars neuester Streich „Coco“ eine musikalische Geschichte über die Macht der Erinnerung und darüber, dass es sich lohnt, das Vergessen zu vergessen. Ein zauberhafter FIlm!


120 BPM  | Regie: Robin Campillo | FR 2017

Paris, Anfang der 90er. Seit fast zehn Jahren wütet Aids in Frankreich, doch noch immer wird über die Epidemie in weiten Teilen der Gesellschaft geschwiegen. Mitterrands Regierung kümmert sich nicht um sexuelle Aufklärung und die Pharma-Lobby verschleppt die Entwicklung neuer Medikamente. ACT UP, eine Aktivistengruppe von Betroffenen, will auf die Missstände aufmerksam machen. Sie schmeißt Kunstblut-gefüllte Wasserbomben auf die Wände von Forschungseinrichtungen und kapert bewaffnet mit Informationsbroschüren die Klassenräume der Stadt. Wie weit die Aktionen gehen dürfen, wird bei den wöchentlichen Treffen kontrovers diskutiert. Als der 26-jährige Nathan, der selbst HIV-negativ ist, zu ACT UP stößt, zieht ihn die Entschlossenheit der Gemeinschaft sofort in ihren Bann. Und er verliebt sich in Sean, den Mutigsten und Radikalsten der Gruppe. 

„120 BPM“ erzählt zunächst differenziert und detailreich von der Aktivistengruppe ACT UP, die sich Anfang der Neunzigerjahre für eine großflächige Aufklärung über AIDS einsetzte und wird in der zweiten Hälfte schließlich zum herben Sterbedrama, das von seinen herausragenden Darstellern getragen wird und in seiner Radikalität schockiert.


WHATEVER HAPPENS  | Regie: Niels Laupert | DE 2017

Die Trennung ist beschlossen: Hannah und Julian treffen sich noch ein letztes Mal zur Wohnungsübergabe, die kurz und schmerzlos über die Bühne gehen soll. Das ist zumindest der Plan. Doch nichts verläuft wie gedacht: Die Übergabe platzt und die beiden sitzen, ausgerechnet am Silvesterabend, nach wochenlanger Funkstille, gemeinsam in ihrer ehemaligen Wohnung fest. Dabei müssten sie schon längst auf der Party ihrer besten Freunde sein, um einen letzten gemeinsamen Auftritt hinzulegen. Vor sieben Jahren haben sich Hannah und Julian bei einer Wohnungsbesichtigung kennengelernt und wurden zu Mitbewohnern wider Willen. Sie, die zielstrebige Jurastudentin, er, der in den Tag hineinlebende Fotograf. Plan versus Planlosigkeit. Aus den Mitbewohnern wird ein ungleiches, aber sich liebendes Paar. Während Julian beruflich zurücksteckt, startet Hannah durch. Die beiden entfernen sich immer mehr voneinander… 

Niels Laupert seziert in „Whatever Happens“ eine ganz normale Beziehung und macht daraus ein clever geschriebenes Zeitdokument über den Zwiespalt zwischen Kind und Karriere. Die anklagenden Momente gehen einher mit einem liebevollen Blick fürs Alltägliche, was Fahri Yardim und Sylvia Hoeks in ihren Hauptrollen brillieren lässt.


DIE VIERHÄNDIGE  | Regie: Oliver Kienle | DE 2017

Die beiden Schwestern Sophie (Frida-Lovisa Hamann) und Jessica (Friederike Becht) werden als Kinder Zeuge eines brutalen Verbrechens – sie müssen mitansehen, wie ihre Eltern von zwei fremden Eindringlingen grausam abgeschlachtet werden. Jessica verspricht daraufhin der jüngeren Sophie, immer auf sie aufzupassen. Doch 20 Jahre später ist aus dem Versprechen eine Besessenheit geworden. Während Sophie versucht, Pianistin zu werden und sich ein Leben frei von Ängsten aufzubauen, leidet Jessica unter Wahnvorstellungen, fürchtet überall eine Bedrohung. Als die Täter von damals auf freien Fuß kommen, ist Jessica entschlossen, sie zu finden. Ein Unfall aber verändert alles und verwandelt Jessicas Versprechen in einen existentiellen Alptraum. 

Oliver Kienle gelingt mit „Die Vierhändige“ ein Mysterythrillerdrama, das mit starken Darstellern besticht und eine Erkenntnis offenbart, die in ihrer Tragik sämtliche übernatürlichen Momente des Films in den Schatten stellt.


DER MANN AUS DEM EIS | Regie: Felix Randau | DE/IT/AT 2017

Vor 5.300 Jahren in der Jungsteinzeit. Eine Großfamilie lebt friedlich an einem Bach in den Ötztaler Alpen. Ihrem Anführer Kelab obliegt es, den heiligen Schrein zu verwahren. Während Kelab auf der Jagd ist, wird seine Siedlung überfallen und die gesamte Sippe ermordet, darunter Kelabs Frau und sein Sohn. Auch das Heiligtum der Gemeinschaft wird geraubt. Getrieben von Schmerz und Wut hat Kelab nur noch ein Ziel – Vergeltung! Er folgt den Spuren der Täter. Auf seiner Odyssee durch das Gebirge ist er den Gefahren der Natur ausgesetzt. Ein tragischer Irrtum macht ihn selbst zum Gejagten. Schließlich steht Kelab nicht nur den Mördern seiner Familie, sondern auch sich selbst gegenüber. Wird er seinem Drang nach Rache nachgeben und selbst vom Opfer zum Täter? Oder gelingt es ihm, den ewigen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen? 

„Der Mann aus dem Eis“ überzeugt weniger durch seine ausgeklügelte Geschichte oder den Umgang mit seinen Figuren. Dafür gelingt Regisseur Felix Randau ein technisch brillanter und bis zuletzt konsequenter Einblick in das Leben vor über 5000 Jahren, dem man den hohen Produktionsaufwand jederzeit anmerkt.


MADAME | Regie: Amanda Sthers | FR 2017

Die Dinnerparty der angesehenen Societylady Anne (Toni Collette) steht unter keinem guten Stern: Aufgrund des unangekündigten Besuch ihres Stiefsohns (Tom Hughes) gibt es plötzlich dreizehn anstatt zwöllf Tischgedecke. Eine Katastrophe für die perfektionistische Hausherrin und abergläubische Anne sowie für ihren geschäftstüchtigen Ehemann Paul (Harvey Keitel). Kurzerhand muss die langjährige Angestellte Maria (Rossy de Palma) als 14. Gast einspringen – und prompt verliebt sich ihr wohlhabender Tischherr, der zuvorkommende Kuntsthändler David (Michael Smiley), in sie. Die um ihren Ruf besorgte Anne setzt nun alles daran, das entstandene Chaos ins Gleichgewicht zu bringen – während Maria an ihrer neuen Rolle immer mehr Gefallen findet… 

„Madame“ beginnt als schwarzhumorige Kammerspiel-Komödie über die oberen Zehntausend und mündet anschließend in ein Gesellschaftsdrama, das trotz seiner fortwährend leichtfüßigen Inszenierung nicht die Augen vor der Realität verschließt und sogar auf ein Happy End verzichtet.


HAPPINESS | Regie: SABU | JP 2016

Ein unscheinbarer Mann namens Kanzaki (Masatoshi Nagase) kommt mit einer großen Box in eine Kleinstadt,. In einem heruntergekommenen Laden holt er einen seltsamen Helm heraus und setzt ihn einer alten teilnahmslos wirkenden Frau auf, mit der er zuvor ein wenig inspirierendes Gespräch geführt hat. Nach einem kurzen Moment kehrt plötzlich unermessliche Freude in ihr Gesicht zurück. Glückliche Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Kanzakis einzigartige Erfindung macht die Runde, auch der Bürgermeister ist von der mysteriösen Kraft des Helms begeistert und bittet Kanzaki für eine Weile in der Stadt zu bleiben, um hoffnungslose Einwohner zu ermutigen. Kanzaki nimmt die Einladung an, aber niemand ahnt etwas von der geheimen Absicht, weshalb der Seelentröster diese Stadt gewählt hat.

„Happiness“ kommt schwer in die Gänge und macht es dem Zuschauer in seiner betont behäbigen Inszenierung nicht leicht, den Ereignissen zu folgen. Für die zweite Hälfte dringt Regisseur SABU in deutlich dynamischere Gefilde vor, doch sowohl der verschlossene Protagonist, als auch die unnatürlich aufspielenden Nebendarsteller halten das Publikum trotz der interessanten Grundidee konsequent auf emotionalem Abstand.


FLATLINERS  | Regie: Niels Arden Oplev | USA/CAN 2017

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen, starten die fünf Medizinstudenten Courtney (Ellen Page), Ray (Diego Luna), Jamie (James Norton), Sophia (Kiersey Clemons) und Marlo (Nina Dobrev) ein wagemutiges und überaus gefährliches Experiment an sich selbst. Indem sie gegenseitig ihren Herzschlag für kurze Zeit stoppen – teilweise bis zu vier Minuten lang -, lösen sie bei sich eine Nahtoderfahrung aus, von der sich sich berichten können. Als die Kommilitonen sich mit ihren lebensbedrohlichen Trips ins Unbekannte gegenseitig überbieten möchten, sind die Fünf plötzlich gezwungen, sich ihrer eigenen dunklen Vergangenheit zu stellen. Denn an den Grenzen des Jenseits lauern erschreckende Abgründe… 

Als kurzweiliger Grusel-Schabernack geht „Flatliners“ in Ordnung, doch die philosophischen Ansätze, die das Original zumindest versucht hat, anzureißen, lässt Niels Arden Oplev völlig links liegen. Auf dieser Basis können sich auch die Darsteller nur wenig profilieren.


GIRLS TRIP  | Regie: Malcom D. Lee | USA 2017

Zwischen beruflichen Ambitionen, Familienplanung und Beziehungskrisen haben sich die vier besten Freundinnen Ryan (Regina Hall), Sasha (Queen Latifah), Lisa (Jada Pinkett Smith) und Dina (Tiffany Haddish) mit der Zeit einfach aus den Augen verloren. Mittlerweile sind sie sich nicht einmal mehr sicher, ob sie überhaupt noch Freunde sind, denn die Zeit ist an ihnen allen nicht spurlos vorbei gezogen. Fünf lange Jahre ist es also her, dass die „Flossy Posse“ das letzte Mal zusammen feiern war – viel zu lang für die Partyqueens, die sie eigentlich sind und die sie zu gern wieder sein würden. Ein längst überfälliger Girls Trip zum Essence Festival in flirrende New Orleans soll die Mädelsclique nach Jahren endlich wiedervereinen, doch ganz so einfach ist das nicht… 

„Girls Trip“ ist eine Partycomedy von der Stange, in der sich die vier Hauptdarstellerinnen alle Mühe geben, gegen die oberflächliche Geschichte anzuspielen, doch die Freundschaft der Mädels bleibt nur Behauptung. Dafür überzeugen das Setting sowie ein gutes Dutzend Cameoauftritte namhafter Musiker.


GENAUSO ANDERS WIE ICH  | Regie: Michael Carney | USA 2017

Nach außen hin scheint alles perfekt, doch in der Ehe zwischen Debbie (Renée Zellweger) und Ron Hall (Greg Kinnear) kriselt es gewaltig. Um nach seiner außerehelichen Liaison die Beziehung mit seiner Frau zu retten, lässt sich Ron darauf ein, mit ihr zusammen die Obdachlosen der Nachbarschaft zu bewirten. Eines Tages kommt es zu einem Zwischenfall und der schwer zugängliche, von allen nur Suicide genannte Denver Moore (Djimon Hounsou) droht, die gesamte Einrichtung kurz und klein zu hauen. Debbie bittet ihren Mann darum, Kontakt mit dem Fremden zu knüpfen, denn schon mehrere Male begegnete die Frau Denver in ihren Träumen. Weder er noch das Ehepaar Hall ahnt, wie sehr die aufkeimende Freundschaft zwischen ihnen das Leben aller Beteiligten verändern wird. 

Die Buchverfilmung „Genauso anders wie ich“ scheitert radikal an ihrem ambitionierten Vorhaben, sich so ziemlich jedes Problem der westlichen Welt aufzuladen und sie der Reihe nach abzuarbeiten. Das Ergebnis ist eine Geschichte, die – auch aufgrund teilweise blamabler Schauspielleistungen – absolut nichts aussagt.


TOKIO HOTEL – HINTER DER WELT  | Regie: Oliver Schwabe | DE 2017

Mit gerade einmal neun Jahren beschließen die unzertrennlichen Zwillingsbrüder Bill und Tom Kaulitz aus Magdeburg berühmt zu werden. Mit zwölf Jahren gründen sie gemeinsam mit Gustav Schäfer und Georg Listing eine Band, die ab 2005 unter dem Namen Tokio Hotel die Welt erobert. Sie werden bestaunt, belächelt, gehasst und verehrt…. Der Erfolg ist gigantisch: Platin in 68 Ländern, ausverkaufte Konzerte und der androgyne Bill wird zur Stilikone. Mit Anfang Zwanzig fliehen die Zwillinge – reich und berühmt – im Privatjet nach Los Angeles und lassen Tausende von begeisterten Fans und ein Leben hinter Schutzmauern hinter sich. Sie möchten ihre Freiheit zurück … und wissen nicht, wie und ob es mit ihnen weitergeht. Der Film „Tokio Hotel – Hinter der Welt“ taucht ein in das Leben der Band, begleitet Bill und Tom durch einsame Wüsten Kaliforniens und Gustav und Georg an die Ufer der Elbe.


 Heimkinotipp: THE PARTY  | Regie: Sally Potter | UK 2017

Um ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett zu feiern, lädt die ehrgeizige Politikerin Janet (Kristin Scott Thomas) enge Freunde und Mitstreiter in ihr Londoner Stadthaus. Als ihr Ehemann Bill (Timothy Spall) mit einem brisanten Geständnis herausplatzt, nimmt die Party eine überraschende Wendung. Plötzlich offenbaren auch die anderen Gäste lang gehütete Geheimnisse, woraufhin Beziehungen, Freundschaften, politische Überzeugungen und Lebensentwürfe in Frage gestellt werden. Innerhalb kürzester Zeit kippt die kultivierte Atmosphäre in ein emotionales Chaos aus gegenseitigen Anschuldigungen. Während im Ofen die Häppchen verbrennen, fliegen im Wohnzimmer die Fetzen wie die Whiskeygläser und die Party steuert unaufhaltsam auf den großen Knall zu. 

„The Party“ ist zugleich bitterböses wie hochgradig unterhaltsames Schauspielkino vom Feinsten, das die im Kern so unmenschlichen Machenschaften der (britischen) Politbühne mit den finsteren Abgründen der menschlichen Psyche verbindet. Was für ein Spektakel!

Das startet am 11. August 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 11. August, dessen größter Start ein Teil der deutschen Presse (und damit unter anderem mir) noch nicht gezeigt wurde: „Jason Bourne“. Der insgesamt fünfte Teil der Spy-Reihe trumpft damit auf, dass nach dem Gastspiel von Jeremy Renner nun Matt Damon wieder mit an Bord des von Paul Greengrass inszenierten Franchises ist. Erste Kritiken sind weitestgehend wohlwollend, die Trailer können bislang nur wenig Aufschluss darüber geben, was uns hier erwartet. Man darf gespannt sein. Des Weiteren startet der zweite Teil der auf Kids und Teens mit ADHS zugeschnittenen „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Reihe, eine sympathisches aber doch weitestgehend seichtes Schriftsteller-Biopic, der dritte Eberhofer-Krimi und ein weiterer Teilnehmer am inoffiziellen Kinokampf um die Krone für den „besten französischen Film des Jahres“. Der hier wird es wohl eher nicht werden… 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

GENIUS | Regie: Michael Grandage | UK/USA 2016

Genius

Für Lektor Maxwell Perkins ist klar, was einen grandiosen Roman ausmacht: Im New York der 1920er Jahre nimmt er gegen alle Widerstände seines Verlagshauses „Scribner’s Sons“ noch unbekannte aber höchst talentierte Autoren wie Ernest Hemingway oder F. Scott Fitzgerald erstmals unter Vertrag. Als der junge Thomas Wolfe mit einer losen, tausendseitigen Blättersammlung in Perkins‘ Büro auftaucht, sagt ihm sein Instinkt sofort: Hinter diesem Chaos verbirgt sich ein literarisches Genie! Perkins versucht, die überschäumenden Texte des exzentrischen Künstlers zu bändigen, Lektor und Autor kämpfen um jede Formulierung. Es entsteht eine Freundschaft, die sowohl Wolfes Geliebte, als auch Perkins‘ Ehefrau eifersüchtig macht und ihre Geduld strapaziert. 3 von 5

„Genius“ entwickelt sich von einem spritzigen Gefecht zwischen Autor und Lektor zu einem weitestgehend standardisierten Künstlerporträt, das technisch gefällt, mit guten Darstellern überzeugen kann, dem aber das Besondere fehlt.


TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES 2 | Regie: Dave Green | USA/HKG/CHN/CAN 2016

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows

Die coole Heldentruppe um Leonardo und seine Brüder Raphael , Michelangelo und Donatello muss sich erneut dem Kampf gegen das Böse stellen: Erzfeind Shredder (Brian Tee) hetzt den Kult-Schildkröten seine Kampfmutanten Bebop (Gary Anthony Williams) und Rocksteady (Stephen Farrelly) auf den Panzer. Während sich die Turtles in Topform bringen, um es mit Shredder und seiner neuen Gang aufnehmen zu können, stehen sie plötzlich und ohne Vorwarnung einem viel bösartigeren Gegner gegenüber: dem berühmt-berüchtigten Krang. Doch die vier grünen Helden bekommen Unterstützung von Casey Jones (Stephen Amell), den nur ein Lächeln von April O’Neil (Megan Fox) in die Knie zwingen kann. Mit vereinter Turtles-Power schicken sich die sechs an, ihre Gegner mächtig aufzumischen. 2 von 5

Regisseur Dave Green hat gut daran getan, die Kritik zum Vorgänger aufzugreifen und „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ selbstironischer zu gestalten. Trotzdem ist seine neueste Regiearbeit ein weitestgehend liebloser Popcorn-Blockbuster von der Stange, bei dem die Effekte überzeugen, alles andere dagegen nicht.


WILLKOMMEN IM HOTEL MAMA | Regie: Eric Lavaine | FR 2016

Willkommen+im+Hotel+Mama

Die temperamentvolle Jacqueline Mazerin genießt ihr komfortables Leben als Witwe im Ruhestand. Seit Jahren führt die dreifache Mutter eine glückliche Liebesbeziehung mit ihrem Nachbarn Jean, die sie bisher jedoch vor ihren Kindern geheim gehalten hat. Als ihre 40-jährige Tochter Stéphanie von heute auf morgen Job und Wohnung verliert, nimmt sie Stéphanie wieder bei sich auf. Allerdings wirbelt das liebe Töchterlein nicht nur gehörig ihren sonst so ruhigen Alltag durcheinander, sondern sie macht es Jacqueline auch noch extrem schwierig, sich weiterhin unbemerkt mit ihrem Liebhaber zu treffen. Da ist reichlich Einfallsreichtum gefragt, um den unangenehmen Fragen ihrer Tochter aus dem Weg zu gehen, aber dennoch kann sie nicht verhindern, dass es durch ihre nächtlichen Eskapaden für wilde Spekulationen sorgen. 2 von 5

„Willkommen im Hotel Mama“ ist eine Aneinanderreihung von albernen Einzelszenen, die im Kontext – eine anstrengende Familie ist zu blöd, sich an einen Tisch zu setzen und einfach mal miteinander zu reden – nicht etwa amüsant, sondern anstrengend wirken.


JASON BOURNE |  Regie: Paul Greengrass |  USA 2016

Jason Bourne

Jason Bourne lebt verborgen im Untergrund. Als seine alte Verbündete Nicky Parsons (Julia Stiles) ins Visier der CIA gerät, taucht Bourne wieder auf, um ihr zu helfen. Mit neuen Informationen zu seiner Vergangenheit konfrontiert, wird dem ehemaligen Top-Spion der CIA bald klar, dass er sich in akuter Lebensgefahr befindet. Denn die CIA hat nicht nur ihre beste Cyber-Spezialistin Heather Lee (Alicia Vikander) auf ihn angesetzt, sondern auch einen Spezialagenten (Vincent Cassel), der vor nichts zurückzuschrecken scheint. Die halsbrecherische Flucht vor seinen Gegnern und die Suche nach Vergeltung verschlagen ihn durch ganz Europa und die halbe Welt. Meist mit nicht mehr als seinen bloßen Händen bewaffnet, sieht er einer globalen Verschwörung entgegen. Wem kann Bourne trauen – außer sich selbst? 2 von 5

„Jason Bourne“ hat handwerklich toll in Szene gesetzte Actionszenen zu bieten, die von Kamera und Schnitt jedoch ruiniert werden. Erzählerisch hat dieser fünfte Teil der „Bourne“-Reihe nicht bloß keinerlei Auswirkungen auf die titelgebende Hauptfigur, am Ende ist auch der Zuschauer genau so schlau wie vorher. Und die einzigen interessanten Charaktere werden verheizt.


SCHWEINSKOPF AL DENTE  |  Regie: Ed Herzog | DE 2016

Schweinskopf al dente

Dorfpolizist Franz Eberhofer kommt nicht zur Ruhe. Irgendwas ist ja immer los, selbst in der tiefsten bayerischen Provinz Niederkaltenkirchens, wo Eberhofer seinen Beruf als Gesetzeshüter mit der ihm eigenen bajuwarischen Entspanntheit ausübt. Damit ist es aber schlagartig vorbei: Franz’ On-Off-Freundin Susi hat ihn kurzerhand verlassen, um mit ihrem italienischen Verehrer in seiner Pizzeria am Gardasee neu durchzustarten. Denn der Franz ist ja nicht bereit zu einem Bekenntnis. Zudem ist da noch die unangenehme Sache mit dem Küstner, einem entflohenen Psychopathen, der auf Rache sinnt. Ganz oben auf seiner Liste: Franz’ Vorgesetzter Moratschek, der die Panik kriegt, als er nachts einen blutigen Schweinskopf in seinem Bett vorfindet. Schon befindet sich Franz mittendrin in neuen Ermittlungen… 2 von 5

„Schweinskopf al dente“ liefert wie gewohnt bayerischen Lokalkolorit im Krimi-Gewand, der außer einem schillernden Schurken nichts Neues bietet und obendrein darunter leidet, dass die Hauptplot von zu vielen Nebenhandlungssträngen ausgebremst wird. Die Eskapaden aus Niederkaltenkirchen wären in einer halbstündigen Vorabendserie besser aufgehoben.


BARBERSHOP: THE NEXT CUT | Regie: Malcolm D. Lee | USA 2016
Barbershop: The Next Cut

Über zehn Jahre sind vergangen seit unserem letzten Besuch in Calvin’s Barbershop. Calvin (Ice Cube) gibt es immer noch – ebenso wie Eddie (Cedric the Entertainer) und die übrigen langjährigen Mitarbeiter. Doch im Frisörsalon verändert sich einiges. Vor allem hat sich in der einstigen Männerdomäne die Frauenquote durchgesetzt: Die Damen bringen ihre eigene Duftnote mit – von ihrem Hang zu Klatsch und Dramatik ganz zu schweigen. Jedenfalls werden die Jungs immer wieder kräftig aufgemischt. Die Stimmung und die Kameradschaft im Barbershop sind zwar vorbildlich, aber draußen vor der Tür geht es mit dem Viertel rapide bergab. Calvin und sein Team können bald gar nicht mehr anders: Sie müssen alle an einem Strang ziehen, um nicht nur den Salon, sondern den gesamten Stadtteil zu retten.


 Heimkinotipp: 10 CLOVERFIELD LANE | Regie: Dan Trachtenberg | USA 2016

10 Cloverfield Lane

Die junge Frau Michelle (Mary Elizabeth Winstead) erwacht nach einem schweren Unfall in einem unterirdischen Bunker. Alles deutet darauf hin, dass sie entführt wurde. Doch Howard, der Mann, der sie hier unten festhält (John Goodman), behauptet, die Frau vor etwas „da draußen“ beschützen zu wollen. Auch Michelles Mitgefangener Emmett (John Gallagher Jr.) erzählt ihr von so etwas wie einem Blackout, doch nach und nach entwickeln die beiden Zweifel daran, dass an Howards Geschichte tatsächlich etwas dran ist. Schon bald befinden sie sich vor der entscheidenden Frage, auf welcher Seite der Tür sich das wahre Monster befindet. Gelingt es ihnen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden? 4 von 5

„10 Cloverfield Lane“ hat nichts mit seinem Vorgänger zu tun und ist doch so viel besser. Regisseur Dan Trachtenberg gelingt ein mit pfiffigen Wendungen und interessanten Figuren gespickter Thriller, der über die leisen Töne funktioniert und aufgrund der unberechenbaren Ausgangslage nie langweilig wird. Am Finale werden sich die Geister scheiden.

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