The Beach House

Body-Horror made by Shudder: Pünktlich zu Halloween kommt mit THE BEACH HOUSE ein auf engstem Raum stattfindender Albtraum in die Kinos, der im Anbetracht der aktuellen Pandemie-Lage doppelt beklemmend wirkt. Ob der Film dadurch automatisch gut ist, das verraten wir in unserer Kritik.

OT: The Beach House (USA 2019)

Der Plot

Teeniepaar Emily (Liana Liberato) und Randall (Noah Le Gros) wollen einen romantischen Urlaub im Strandhaus von Randalls Vater verbringen. Der idyllische, abgelegene Ort scheint dafür perfekt geeignet. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft merken die beiden, dass sie in dem Haus nicht alleine sind. Die Turners, ein befreundets Paar von Randalls Vater, haben sich bereits in dem Ferienhaus einquartiert. Trotz des Altersunterschieds verstehen sich die vier blendend und verbringen einen feucht-fröhlichen Abend zusammen. Am nächsten Tag leiden alle unter den Auswirkungen des Vorabends – Oder ist es mehr als das? Irgendetwas ist in dem Wasser, die Turners verhalten sich absolut seltsam und am Strand tauchen schleimige Kokons auf. Kann es sein, dass alles mit dem leuchtenden Nebel zu tun hat, der sich am Abend über die Landschaft gelegt hatte? Was Emily und Randall vorerst für ein Naturphänomen hielten, scheint weit darüber hinaus zu gehen…

Kritik

Nachdem das Corona-Geschehen die internationale Kinolandschaft ordentlich durcheinandergewirbelt hatte, versuchten einige Filmverleiher, der Krise ein Schnippchen zu schlagen. Wahlweise mit Filmstart-Verschiebungen in den VOD-Sektor, nach 2021 oder etwa mit einem spontanen Kinostart des im asiatischen Raum bereits im Jahr 2013 veröffentlichen Katastrophen-Thrillers „Pandemie“, in dem es darum geht, dass eine todbringende Seuche um sich greift. Denn wenn schon auf den Streamingplattformen Filme wie „Contagion“ Hochkonjunktur haben, dann kann dieses Konzept ja auch im Kino funktionieren. Das wäre zumindest eine nachvollziehbare Begründung dafür, weshalb man sich seitens des Independentverleihs Koch Films nun kurzfristig dazu entschloss, den eigentlich für den Genre-Streamingdienst „Shudder“ konzipierten Bodyhorrorfilm „The Beach House“ in die deutschen Kinos zu bringen. Auch in „The Beach House“ geht es nämlich um eine unsichtbare Bedrohung, die den Menschen erst ganz schön krank macht und anschließend umbringt. Nur geht es hier – aller Sandstrandidylle zum Trotz – ein wenig monströser zur Sache.

Emily (Liana Liberato) und Randall (Noah Le Gros) bekommen es mit einer unsichtbaren Bedrohung zu tun.

Regisseur und Drehbuchautor Jeffrey A. Brown legt mit „The Beach House“ sein Langfilmdebüt nach der Inszenierung von zwei Short Movies vor. Zuvor war der Filmemacher viele Jahre als Location Scout unterwegs und verhalf so unterschiedlichen Produktionen wie „The Wolf of Wall Street“, „Non-Stop“ oder „The Dead Don’t Die“ zu ihren Setpieces. Ein genaues Auge für eine ansprechende Drehumgebung hat Brown auch im Falle von „The Beach House“ bewiesen. Wenn man einmal ehrlich ist, dann sticht der Film auch nur deshalb halbwegs aus der Masse an Seuchen- und Bodyhorrorfilmen heraus, weil er mit dem menschenleeren, perlweißen Sandstrand als Kulisse ein visuelles Alleinstellungsmerkmal vorweisen kann. Vor dem Panorama dieser wunderschönen Urlaubskulisse kann sich das aus Schleim und Spucke bestehende Grauen so richtig entfalten. Es wirkt fast wie ein Culture Clash, wenn sich die beiden eigentlich nur ein paar ruhige Urlaubstage genießen wollenden Pärchen plötzlich mit einer Bedrohung konfrontiert sehen, die für sie, genauso wie für den Zuschauer, zunächst nur schwer greifbar ist. Alles beginnt mit Störungen in der Wahrnehmung. Schließlich überfluten zahlreiche quallenähnliche Tiere den ansonsten menschenleeren Strand. Und spätestens, wenn die zunächst noch so satten Farben mit der Zeit immer blasser werden, wird deutlich, dass hier irgendetwas so gar nicht stimmt.

„Vor dem Panorama dieser wunderschönen Urlaubskulisse kann sich das aus Schleim und Spucke bestehende Grauen so richtig entfalten.“

Dass dem so ist, bringen insbesondere die beiden Hauptdarsteller Liana Liberato („Wenn ich bleibe“) und Noah Le Gros („A Score to settle“) zum Ausdruck. Ihre Interaktion schwankt von zunächst noch liebevoll-ausgelassen hin zu panisch-hysterisch. Doch je mehr sich die Situation zuspitzt, desto oberflächlicher agieren die Figuren, was auch auf die reißerische Inszenierung zurückzuführen ist. Kameramann Owen Levelle („Camp-Off“) setzt zu Beginn noch auf betont lange, ruhige Kamerafahrten, vor deren Hintergrund sich die Darsteller mimisch entfalten können. Der zurückhaltende Schnitt (Aaron Crozier, „Girl on the third Floor“) und der subversiv-bedrohliche Score (Roly Porter, „In Fear“) sorgen außerdem dafür, dass die Spannung in der ersten Filmhälfte kontinuierlich ansteigt. Ab der Hälfte der ohnehin übersichtlichen 88 Minuten (inklusive Abspann) wächst aus dieser Anspannung plötzlich eine unübersichtliche Hektik heraus; Der von jetzt auf gleich deutlich zackigere Schnitt in Kombination mit kreischend dissonanten Score-Fragmenten (Roly Porter ist ein für seine Dubstep-Kompositionen bekannter Electro-Musiker) geben die panische Stimmung vor. Das ist effektiv, aber auch plakativ – und auf jeden Fall weitaus weniger unterschwellig bedrohlich als noch die halbe Stunde zuvor.

Emily sieht dem Tod ins Auge…

Zu dieser reißerischen Inszenierung passen immerhin die schleimigen Spezialeffekte. Regisseur Jeffrey A. Brown nennt Genreklassiker wie „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, „Parasiten-Mörder“ und „Die Körperfresser kommen“ als Inspirationsquellen für das Design seiner fiesen Wurmmonster. Doch es ist weniger das parasitäre Äußere der Angreifer, das in „The Beach House“ überzeugt, als mehr die Art, wie diese präsentiert werden. Besonders in Erinnerung bleibt etwa eine Szene, in der Emily durch ein Loch in ihrem Fuß mitansehen kann, wie sich der Wurm durch ihren Körper bewegt. Und auch ihr anschließender Versuch, das Kriechtier irgendwie wieder loszuwerden, tut beim Zugucken richtig weh. Lediglich an einigen wenigen Stellen wurde sichtbar mit Tricktechnik aus dem Computer nachgeholfen. Ansonsten wirken die Effekte in ihrer Haptik wie aus der Zeit gefallen. „The Beach House“ könnte genauso gut aus den späten Siebziger- oder frühen Achtzigerjahren stammen. Selbst thematisch befände sich Browns Werk dort in guter Gesellschaft. Wenngleich es am Ende doch wieder nur um den nackten Überlebenskampf geht und darum, die vier Figuren möglichst spektakulär sterben zu lassen, so schwebt über allem doch die Botschaft von der sich gegen den Menschen richtenden Natur. Das hätten die Figuren zwar nicht auch noch deutlich ausformulieren müssen, aber so besitzt „The Beach House“ immerhin ein klein wenig Substanz.

„Regisseur Jeffrey A. Brown nennt Genreklassiker wie „Alien“, „Parasiten-Mörder“ und „Die Körperfresser kommen“ als Inspirationsquellen für das Design seiner fiesen Wurmmonster.“

Fazit: Mit seinem vor prachtvoller Kulisse gefilmten „The Beach House“ legt Jeffrey A. Brown einen soliden Bodyschocker vor, der inszenatorisch jedoch in zwei Hälften fällt. Überzeugt die erste mit ihrer subtilen Andeutung von Grauen und Unheil, wird der Film in der zweiten arg reißerisch und hektisch.

„The Beach House“ ist ab dem 22. Oktober in den deutschen Kinos zu sehen.

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