Meine teuflisch gute Freundin

Lilith ist die Tochter des Teufels und bekommt ihren ersten Auftrag: Um sich für den Außendienst zu qualifizieren, muss sie aus der liebevollen Außenseiterin Greta ein richtig böses Mädchen machen. Eine freche Idee, die Regisseur Marco Petry in der Romanverfilmung MEINE TEUFLISCH GUTE FREUNDIN kongenial umsetzt. Mehr dazu in meiner Kritik.

Der Plot

Lilith (Emma Bading) ist 14 Jahre alt und macht ihren Mitmenschen gern das Leben schwer. Ihrem Vater (Samuel Finzi) kommt das nur gelegen – ist er doch niemand Geringeres als der leibhaftige Teufel. Als Bewerbung für den Außendienst, erhält die Teenagerin den Auftrag, eine von ihrem Vater ausgewählte Zielperson zum Bösen zu bekehren. Dafür hat sie eine Woche Zeit. Doch diese Aufgabe ist schwerer als gedacht! Mit der Außenseiterin Greta Birnstein (Janina Fautz) und ihren Eltern (Alwara Höfels, Oliver Korittke) hat Liliths Vater nämlich die wohl netteste Familie auf diesem Planeten ausgesucht. Lilith muss sich ganz schön anstrengen, um ihr Ziel zu erreichen, das in noch weitere Ferne rückt, als sie den Schulrowdy kennenlernt, in den sich Lilith Hals über Kopf verliebt. Doch Lilith weiß: Verliebte Teufel sind zu nichts mehr zu gebrauchen…

Kritik

Die durch die „Freche Mädchen, freche Bücher“-Reihe bekannt gewordene Kinder- und Jugendbuchautorin Hortense Ullrich nimmt in ihren Romanen kein Blatt vor den Mund. Das hat den mädchenaffinen Büchern, in denen diverse Pubertätsprobleme auf äußerst markige Weise abgehandelt werden, zu einer Art Kultstatus mit insgesamt über 100 Bänden verholfen, denen die beiden Verfilmungen aus den Jahren 2008 und 2010 (die Vorlagen dazu stammten allerdings nicht von Ullrich, sondern von ihrer Kollegin Bianka Minte-König) so gar nicht gerecht wurden. Das Attribut frech suchte man hier nämlich weit und breit vergebens; ganz im Gegensatz zu Marco Petrys Verfilmung von Ullrichs neuestem Streich „Meine teuflisch gute Freundin“, der erst in diesem Jahr fertiggestellt wurde. In dem überraschend bösen Jugendbuch vereinen sich nicht bloß verschiedene Genres von der Romanze über Fantasy bis hin zum klassischen Coming-of-Age, der wohl größte Vorzug von Buch und Film ist die Tatsache, dass hier endlich einmal so gesprochen wird, wie es Heranwachsende im Jahr 2018 nun einmal tun. Anders als in diversen anderen Teeniefilmen verzichten die Autoren hier ganz bewusst auf einen pseudocoolen Slang; im Gegenteil: In einer Szene wird sich sogar gezielt über eine derart bemühte Attitüde lustig gemacht. Nein, „Meine teuflisch gute Freundin“ spricht die Sprache der Jugend und macht damit schon einmal ziemlich viel richtig.

Samuel (Ludwig Simon) und Lilith (Emma Bading) genießen die Zeit am Meer.

Doch nicht nur die authentischen Dialoge überzeugen, auch die Gags zünden. „Meine teuflisch gute Freundin“ steckt voller gelungener Pointen, die zu Beginn direkt Erinnerungen an die „Neo Magazin Royale“-Schmiede bildundtonfabrik wach werden lässt, als der erste, sich wohl vorwiegend einem älteren Publikum erschließende Gag darauf hinaus läuft, dass das Saarland irgendwie anders tickt, als der Rest Deutschlands – Jan Böhmermann würde es vermutlich lieben! Charmanter Wortwitz und die absurd-überhöhte Prämisse gehen hier Hand in Hand und ergeben einen locker-fluffigen Mix, der das bisweilen angestaubte deutsche Jugendkino von seinem Mief befreit. Und das lässt die Macher in durchaus schwarzhumorige Gefilde abgleiten. Wann immer es geht, spielen sie mit der Idee, wie es wäre, wenn der Teufel höchstpersönlich (und in Gestalt einer rothaarigen Teenagerin) auf der Erde wandeln würde, ohne dass davon Jemand etwas weiß. Darüber im Unklaren lässt Lilith ihr Umfeld tatsächlich bis ganz zum Schluss – und es ist schon äußerst amüsant, wie sich die tolle Newcomerin Emma Bading („1000 Arten den Regen zu beschreiben“) von einer skurrilen Szenerie in die nächste begibt. Vor allem die Kabbeleien mit den Schulbullys sind in ihrem unvorhersehbaren Ausgang äußerst amüsant; und wie Janina Fautz („Das weiße Band“) als völlig ahnungslose Greta daneben steht, ist ebenso charmant, wie ihr langsamer Wandel hin zu einer jungen, selbstbewussten Frau, die sich endlich aus den klammernden Armen ihrer sie umsorgenden Eltern befreien kann.

Auch eine Prise Romantik spendiert Marco Petry seinen Hauptfiguren – und in beiden Fällen gehen die Geschichten ganz anders aus, als man es auf den ersten Blick glauben würde. So wenig es sich um Grundsatz im Kinder- und Jugendkino variieren lässt (natürlich ist klar, dass die Geschichte für alle Beteiligten schon irgendwie ganz gut ausgehen wird), so großzügig hantieren die Macher mit Überraschungen und setzen obendrein darauf, dass selbst noch so überzeichnete Charaktere nachvollziehbar und logisch handeln. So erweckt selbst die hanebüchene Idee vom Teenie-Teufel auf Abwegen den Eindruck, dass sie sich genau so ereignen könnte. Gleichermaßen positiv wie negativ wirkt sich da die sehr nüchterne Inszenierung aus. „Meine teuflisch gute Freundin“ macht zwar ordentlich Tempo und lässt dem Zuschauer kaum Gelegenheit, kleine Ungenauigkeiten in der audiovisuellen Aufmachung zu hinterfragen, trotzdem sieht die Komödie nicht wirklich aus, wie ein Film aus dem Jahre 2018 – und das hängt nicht damit zusammen, dass hier dankenswerterweise nicht die In-City Berlin, sondern ein kleines, unscheinbares Dorf zur Kulisse auserkoren wurde. Stattdessen sind es die unspektakulären Kamerafahrten (Stephan Schuh, „Schatz, nimm du sie!“) und die teilweise arg überbelichteten Bilder, die immer mal wieder den Eindruck erwecken, man sähe hier eine TV-Serie auf der großen Leinwand.

Funkt es zwischen der schüchternen Greta (Janina Fautz) und dem coolen Carlo (Emilio Sakraya)?

Umso überzeugender geraten dafür die Leistungen sämtlicher Darsteller – und das, wo doch gerade die Hauptakteurin Emma Bading bislang eher in Nebenrollen und kleineren Filmen zu sehen war. In „Meine teuflisch gute Freundin“ reißt sie die Szenerie mit einer Selbstverständlichkeit an sich, als hätte sie es sich von Samuel Finzi („HERRliche Zeiten“) abgeschaut, der sich in der Rolle des hochnäsigen Teufels sichtbar genießt. Zusammen ergeben beide ein famoses Vater-Tochter-Gespann, das leider viel zu selten in dieser Kombination zu sehen ist. In erster Linie steht neben Bading natürlich Janina Fautz im Mittelpunkt, die mit ihrem zurückhaltenden Spiel einen hervorragenden Kontrast zu ihrer überdrehten Kollegin ergibt. Doch nicht nur in den Hauptrollen überzeugt die Komödie. „Meine teuflisch gute Freundin“ ist bis in die kleinsten Nebenrollen mit hochkarätigen Schauspielerinnen und Schauspielern vollgestopft; von Alwara Höfels („KeinOhrHasen“) und Oliver Korittke („Wie Männer über Frauen reden“) als nah am Rand zur Karikatur agierende Öko-Eltern, über Axel Stein („Männertag“) als angenehm geerdeter Lehrer bis hin zu Johann von Bülow („Rock My Heart“), dem als Schuldirektor alles über das Image seiner Lehranstalt geht – und damit meinen wir wirklich alles! In seiner Mischung aus bekannten und neuen Gesichtern, begeistert das Ensemble in seiner Diversität und punktet gleichermaßen durch einen hohen Sympathiefaktor. Ausnahmsweise würden wir uns hier sogar freuen, wenn es in einem Jahr eine Fortsetzung zum Film, und damit ein Wiedersehen mit all den lieb gewonnenen Charakteren gäbe.

Fazit: Mit „Meine teuflisch gute Freundin“ gelingt Marco Petry ein charmantes Jugendabenteuer voller fieser kleiner Spitzen, tollen Gags und einem zurückhaltenden Schuss Romantik, für das er fantastische Newcomer mit Wiedererkennungswert gewinnen konnte.

„Meine teuflisch gute Freundin“ ist ab dem 28. Juni bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

Ein Kommentar

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