Liebe Halal

Mit LIEBE HALAL erscheint dieser Tage eine deutsch-libanesische RomCom in den hiesigen Kinos, die trotz aller guten Ansätze nicht verschleiern kann, dass derartiger Stoff auch von Rosamunde Pilcher stammen könnte – und was das bedeutet, dürfte jedem klar sein. Mehr dazu in meiner Kritik.Liebe Halal

Der Plot

Im libanesischen Beirut vibriert das Leben. Hier leben junge Frauen und Männer, die die Regeln des Islams respektieren und trotzdem Spaß an der Liebe haben wollen. – Doch was ist erlaubt? Wie geht Liebe halal? Die schöne Loubna (Darine Hamze) hat sich gerade von ihrem Mann getrennt und hofft auf einen Neuanfang mit ihrer Jugendliebe Abou Ahmad (Rodrigue Sleiman), der sich jedoch nur eine Ehe auf Zeit und zum Vergnügen wünscht. Awatef (Mirna Moukarzel) hat das Hausfrauenleben gründlich satt. Die Scherereien mit ihren Töchtern sind jedoch nichts gegen die allnächtliche Bürde, mit ihrem liebeshungrigen Mann schlafen zu müssen. Kurzerhand beschließt sie, eine Zweitfrau zu engagieren, doch damit gehen die Probleme erst richtig los. Direkt nebenan wohnt der eifersüchtige Mokhtar (Hussein Mokadem) mit seiner hübschen Frau Batoul (Zeinab Hind Khadra). Leider hat sich Mokthar im Eifer des Gefechts schon drei Mal von Batoul getrennt. Um sie zurückzugewinnen, muss er nach islamischem Gesetz zuerst einen anderen Mann für sie finden.

Kritik

Die Anzahl muslimischer Einwohner hierzulande hat in den letzten Jahren so sehr zugenommen, dass sich in der deutschen Kinokultur ein großer Markt für Filme etabliert hat, der sich gezielt an Zuschauer dieses Glaubens richtet. Vor allem türkische Produktionen können auf beachtliche Zahlen blicken und ziehen bisweilen mehrere hunderttausend Besucher in die Lichtspielhäuser. Im vergangenen Jahr zeigte sich gar der deutsche Starregisseur und -Producer Til Schweiger an einem solchen Filmprojekt beteiligt, indem sich seine Produktionsfirma Barefoot Films als Hauptgeldgeber des Dramas „8 Sekunden – Ein Augenblick Unendlichkeit“ präsentierte. Bei aller Trendkonformität – auch der hier besprochene Film richtet sich vornehmlich an ein Publikum muslimischen Glaubens – ist die deutsch-libanesische Tragikomödie „Liebe Halal“ nach wie vor ein Außenseiter in der nationalen Kinolandschaft. Doch schon die Vermarktung über den aktuell einen Höhenflug nach dem anderen erlebenden Filmverleih Neue Visionen (verhalf zuletzt Filmen wie „Monsieur Claude und seine Töchter“ oder „Birnenkuchen mit Lavendel“ zu ungeahntem Ruhm) deutet an: Auch auf „Liebe Halal“ hält man sicher nicht nur aufgrund der anvisierten Zielgruppe große Stücke. Abseits von für unsere Kultur möglicherweise leicht befremdlich wirkenden Eigenheiten in manchen Liebesdingen sind die amourös-emotionalen Verwicklungen innerhalb dieses Episodenfilms doch recht allgemeingültig. Liebe geht uns schließlich alle etwas an. Das Problem: Es ist selbstredend vollkommen irrelevant, aus welchem Land ein Film kommt, um anhand dessen auf die Qualität zu schließen. Kurzum: Auch die Herkunft aus dem Libanon schützt „Liebe Halal“ nicht davor, dass wir es hier mit einem ebenso seichten wie bisweilen zotigen Vergnügen zu tun haben, das aus diesem Grund nie wirklich eines wird.

Liebe Halal

Das Erfrischende an einem Episodenfilm ist immer die damit einhergehende Kurzweil. Doch auch die dynamischsten Short Stories können noch so geschickt ineinander verwoben sein, wenn der Inhalt nicht stimmt, ist’s vorbei mit dem flotten Amüsement. Genau das ist bei „Liebe Halal“ der Fall. Damit, dass die Geschichten selbst uninteressant wären, hat dieser Umstand nicht zwingend etwas zu tun. Regisseur und Drehbuchautor Assad Fouladkar („Lamma hikyit Maryam“) bedient sich diverser Szenarien ganz alltäglicher Liebeswirren und setzt sie geschickt in einen muslimischen Kontext. Dadurch ergeben sich interessante Fallhöhen. Zuschauer, die mit dem muslimischen Glauben weniger vertraut sind, werden ohne das zwanghafte Aufgreifen gängiger Klischees mit einigen skurrilen Vorgaben des Korans betraut (wussten Sie zum Beispiel, dass es bindend ist, wenn ein muslimischer Mann dreimal die Scheidungsformel ausspricht und dies erst durch eine erneute Heirat rückgängig gemacht werden kann, diese wiederum jedoch nur dann vollzogen werden kann, wenn die Frau zwischen Scheidung und erneuter Heirat einen anderen Mann geehelicht hat?), die für manch einen fachunkundigen Zuschauer durchaus suspekt wirken können. Für wen islamische Sitten und Gebräuche hingegen zum Alltag gehören, hat indes die Möglichkeit, sich im einen oder anderen Szenario wiederzuerkennen. Damit dürfte sich eigentlich keine Zielgruppe ausgegrenzt fühlen. Das Problem: Obwohl das Liebesthema allumfassend aufbereitet wird, klafft die Qualitätsspanne innerhalb der einzelnen Episoden so weit auseinander, dass nicht nur das Gesamtbild von „Liebe Halal“ darunter leidet, sondern manch eine Geschichte in der hier dargebrachten Form schlichtweg nichtig erscheint.

Da wäre zum Beispiel die Geschichte um die tüchtige Hausfrau Awatef, die unter dem permanenten Liebeshunger ihres Ehemanns leidet. Als diese sich zur Eigenentlastung eine Geliebte für den Gatten ins Haus holt, böte diese Prämisse Stoff für ein herbes Beziehungsdrama, oder bissige Comedyeinlagen – im Anbetracht von „Liebe Halal“, der sich überdeutlich als Komödie verkauft, wäre Letzteres vermutlich angebrachter. Doch anstatt sich für eine der beiden Wege zu entscheiden, wählt Regisseur Assad Fouladkar den vermeintlich entspanntesten aus und spinnt ein durchschnittliches Eifersuchtsszenario zusammen, an dessen Ende alle zu der Erkenntnis gelangen, dass man harte Zeiten eben doch am besten gemeinsam durchsteht. Diese simple Erzählweise, bei der Fouladkar augenscheinlich gezielt Niemandem auf den Fuß zu treten versucht, setzt sich in den anderen Episoden fort. Themen wie Selbstverwirklichung, Mut zum Aufbruch in neue Welten oder der Versuch, aller Widerstände zum Trotz eine Liebesbeziehung zu beginnen, müssen allgegenwertigen Schwierigkeiten typischer Mann-Frau-Kommunikation weichen. Zweifelsohne regen diese hier und da tatsächlich zum Schmunzeln an, doch nehmen sie leider auch der Tragkraft des Plots immer wieder den Wind aus den Segeln;  nicht zuletzt, weil Fouladkar mutige Handlungswege zwar anschneidet, sich jedoch bis auf einer Ausnahme (Stichwort: Auswanderung) nie traut, am Ende auch den konsequenten und dadurch vielleicht unbequemen Weg zu gehen.

Liebe Halal

Darstellerisch ist das alles in durchaus ansprechend. Trotzdem verlässt sich das Ensemble auch hier auf das Nötigste. Die jungen Damen geizen nicht mit ihren Reizen, agieren dynamisch und verführerisch vor der Kamera, wohingegen das ältere Semester sich fast ausschließlich auf sein Dasein als eben das verlässt. Als Bewerbungsvideo für zukünftige Rollen sollten die Darstellerinnen und Darsteller „Liebe Halal“ also besser nicht zurate ziehen. Dazu sind die Performances sämtlicher Cast-Member nicht auffällig genug. Für einen Film wie diesen ist das absolut okay; verlangt er doch weder nach besonders großen, noch nach auffallend subtilen Gesten. Das spiegelt sich auch in der technischen Umsetzung wider. Kamera und Musik passen sich den Umständen an und sind entsprechend unauffällig. So bleibt am Ende die Frage, ob es sich lohnt, für einen Film wie „Liebe Halal“ das Kinoticket zu lösen. Die Antwort darauf ist nein: Denn trotz der versuchten Weigerung vor abgestandenen Klischees und Stereotypen ist die Inszenierung so seicht, dass das Potenzial innerhalb der Erzählung vollständig auf der Strecke bleibt.

Fazit: „Liebe Halal“ verschenkt unzählige gute Ansätze zu Gunsten einer nur halbwegs komischen, dafür durch und durch bequemen Erzählung über Liebe und Leben im Libanon.

„Liebe Halal“ ist ab dem 7. Juli in den deutschen Kinos zu sehen.

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