Es ist kompliziert..!

Das Problem bei dem Genuss einer romantischen Komödie ist, dass das Seherlebnis stark von der eigenen Gefühlslage abhängig ist. Regisseur Ben Palmer gelingt mit der charmanten Blind-Date-Story ES IST KOMPLIZIERT..! nun endlich wieder ein Film, der dem Zuschauer die aufkeimenden Gefühle seiner Protagonisten nicht einprügelt, sondern vielmehr an den emotionalen Entwicklungen seiner Charaktere interessiert ist – in all ihren (durchaus auch unangenehmen) Formen und Facetten. Mehr zum Film in meiner Kritik.

Es ist kompliziert

Der Plot

Nancy (Lake Bell) ist Mitte 30, Single (noch immer), frustriert (mal wieder) und zieht es vor, im Schlabber-Pyjama und Katzenpuschen im Hotelzimmer die Minibar leerzuräumen statt mit ihren Freunden deren Verlobung zu feiern. Die „Liebe-dich-selbst-Tipps“ ihrer Schwester Elaine sind ein Fiasko und zu allem Überfluss steht der 40. Hochzeitstag ihrer Eltern an. Verkatert und wenig motiviert steigt sie am nächsten Tag in den Zug nach London und trifft an der Waterloo Station zufällig auf Jack (Simon Pegg), der sie mit seinem Blind Date verwechselt. Noch bevor sie das Ganze aufklären kann, zieht es Jack und Nancy in eine turbulente Nacht, die perfekter nicht sein könnte..!

Kritik

Das Problem bei der Sichtung einer Romantic Comedy liegt im Grunde klar auf der Hand: Befindet man sich selbst gerade auf einem emotionalen Höhenflug, sieht man als Zuschauer gern über die vollkommen realitätsfernen Eskapaden der Protagonisten hinweg; Hauptsache, im Finale gibt es ein Happy End und die, die ohnehin die ganze Zeit zusammengehört haben, kommen endlich zu ihrem Kuss, ihrer Hochzeit oder erreichen ihr von Anfang an anvisierten Ziel. Das Leben ist schön, solange das eigene gerade nicht völlig dagegen abstinkt. Beide Augen zudrücken kommt allerdings nur so lange infrage, bis man selbst in Liebeskummer ertrinkt oder sich ganz und gar abgeklärt eingesteht, dass das Leben nun mal kein Märchen ist und die Liebeleien auf der Leinwand mit den Schwierigkeiten im Real Life so gar nichts zu tun haben. Kurzum: Ob ein Film dieses Genres funktioniert, hängt wie bei kaum einem anderen von der eigenen, emotionalen Verfassung ab und befindet man sich gerade weder in der einen, noch in der anderen Gefühlslage, so gehen einem die Verwicklungen der stets vollkommen entgegen jedweder Logik agierenden Hauptfiguren ohnehin nicht nahe.

Es ist kompliziert..!

Um als Ausnahme die Regel zu bestätigen, bedarf es also eines besonders genau beobachtenden Fingerspitzengefühls, das in letzter Zeit solche Regisseure wie Marc Webb („(500) Days of Summer“), Glen Ficarra und John Requa („Crazy, Stupid, Love“), Dan Mazer („Das hält kein Jahr..!“) oder Lee Toland Krieger („Celeste & Jesse“) an den Tag legten. All diese Filmemacher betrachten die Liebe nicht zwei-, sondern so mehrdimensional, dass derartige Produktionen auch dann funktionieren, wenn man den Genuss einer klassischen Lovestory ebenso wenig missen möchte, wie eine abgeklärte Auseinandersetzung mit dem Hier und Jetzt. In jene bedeutsame (und im RomCom-Kino viel zu wenig aufgegriffene) Kerbe schlägt mit „Es ist kompliziert..!“ nun auch Ben Palmer („Sex on the Beach“), der die logischen Umstände seines auserkorenen Liebespärchens zwar immer wieder bis zum Anschlag ausreizt, die Gefühlslagen der beiden Dauersingles jedoch so liebevoll skizziert, dass sich das typisch beschönigte RomCom-Gefühl nie einstellt.

Schon bei der Wahl seiner Hauptakteure greift Palmer auf zwei Darsteller zurück, die vom (optischen) Typ her kaum in die üblichen Muster einer kinematografischen Romanze passen wollen. Weder die in ihrer Natürlichkeit unperfekte – und dadurch wiederum zauberhafte – Lake Bell („Million Dollar Arm“), noch der immer ein wenig unbeholfen wirkende Simon Pegg („Mission: Impossible – Rogue Nation“) erfüllen das Stereotypendasein eines typischen RomCom-Pärchens und doch macht gerade dieser Umstand die Eskapaden des vermeintlichen Blind Dates so glaubwürdig und lebensecht. Lake Bell braucht keine Modelmaße und Simon Pegg keinen fiktiven Traumjob, um das Gegenüber von sich zu überzeugen. Die Funken sprühen trotzdem sichtbar und sorgen für einen wesentlich intensiveren Nachhall, als jede noch so umständlich inszenierte „Hübscher Teenie liebt noch hübscheren Teenie, dann aber irgendwie doch nicht“-Szenerie. Was das Publikum in „Es ist kompliziert..!“ zu sehen bekommt, ist das Kennenlernen zweier Durchschnittspersönlichkeiten, das sich aufgrund des raffinierten Skripts von Tess Morris („Wie in alten Zeiten“) dennoch nie langweilig gestaltet. Wenn die Autorin ihre Protagonistin mithilfe eines ausgewählten „Das Schweigen der Lämmer“-Zitats als ebenso verzweifelte wie durch und durch humorvolle Figur einführt, dann reicht ein einziger Satz, um dem Zuschauer das Seelenleben der Sympathieträgerin zu offenbaren. Selbiges gilt für Simon Peggs Jack, der sich lange Zeit durch seine Durchschnittlichkeit definiert, mit der Zeit jedoch immer mehr Facetten offenbart, der er zuvor wohlweislich und zum Selbstschutz versteckte.

Es ist kompliziert..!

In „Es ist kompliziert..!“ greift weder das „Gleich und gleich gesellt sich gern“-, noch das „Gegensätze ziehen sich an“-Prinzip. Das Handeln des Leinwandpärchens kommt dem eines Paares in der Realität genau deshalb so nah, weil sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede bestehen, die sich mal ergänzen und mal aufeinanderprallen. Durch diese sehr geerdete Charakterzeichnung passt auch das Involvieren einiger überzeichneter Nebenfiguren. Insbesondere der von Rory Kinnear („The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“) großartig widerlich verkörperte Jugendschwarm von Nancy kann sich durch die insgesamt sehr unaufgeregte Inszenierung gut in das Ensemble integrieren, obwohl das abgehobene Auftreten seiner Figur nicht ganz in den ruhigen Filmkontext passt. Leider wird nicht jeder Nebenfigur eine solche Aufmerksamkeit geschenkt. Gerade das familiäre Umfeld von Nancy bleibt schemenhaft, obwohl sich in manchen Momenten abzeichnet, dass sich ihr Eigenhumor auch auf ihre Verwandtschaft überträgt und herzliche Interaktionen hier ein Selbstläufer sein sollte. So wird aus „Es ist kompliziert..!“ zwischenzeitlich fast eine Dreiecksgeschichte, was schade ist. Schließlich sind die Momente der Zweisamkeit nicht nur in der Realität, sondern auch in diesem Film die, in denen man sich am wohlsten fühlt.

Fazit: „Es ist kompliziert..!“ gelingt ein feiner Blick auf das Kennenlernen eines Durchschnittspaares und verzichtet dabei auf Kitsch in jedweder Form, was sich herzlich auf das Gefühlsleben des Publikums auswirkt. Regisseur Ben Palmer erfreut sich an den Verwicklungen seiner Protagonisten, die nicht weniger Spaß an ihrem Stelldichein haben. Ihre unkonventionelle Besetzung verpasst dem Film genau jene zwanglose Erscheinung, um sich aus dem unglaubwürdigen Schatten einer typischen RomCom heraus zu bewegen und vielmehr als herzliche Beobachtung unterschiedlicher Gewohnheiten zu funktionieren. Schließlich wird sich wohl jeder Zuschauer in Teilen in der einen, aber auch in der anderen Figur wiedererkennen.

„Es ist kompliziert..!“ ist ab dem 30. Juli in den deutschen Kinos zu sehen.

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