2017 – Die Plätze 30 bis 21

Herzlich willkommen, Du – lieber Leser – der vielleicht erst jetzt zu meinem kleinen Jahresrückblick vorbeischaut. Oder aber Du, der sich nach den Plätzen 40 bis 31 fragt, wie es in den ganz subjektiven Charts meiner Lieblingsfilme 2017 weitergeht. Zur kurzen Erinnerung: Wie auch schon in den letzten beiden Jahren habe ich mich aufgrund der schieren Masse an starken Kinofilmen erneut für 40 anstatt für nur 30 Tops entschieden. Wer gerne wissen möchte, was die Frau mit dem skurrilen Filmgeschmack in den vergangenen zwölf Monaten so gar nicht mochte, den verweise ich indes auf meine Filmflops.

Um noch ein paar weitere Filme positiv zu erwähnen, die es aber letztlich doch nicht ganz in meine Jahrescharts geschafft haben, kommt hier eine Handvoll ehrenwerter Nennungen. Der Übersicht halber konzentriere ich mich zunächst auf das deutsche Kino, das auch 2017 wirklich feine Geschichten und Inszenierungen zu bieten hatte. Da wäre das überraschend reif inszenierte Jugenddrama ROCK MY HEART (Platz 43), die stark gespielte Tragikomödie SIMPEL (Platz 47), das Coming-of-Age-Abenteuer AMELIE RENNT (Platz 51), ebenso wie die Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers TIMM THALER ODER DAS VERKAUFTE LACHEN (Platz 61). Positiv überrascht wurde ich zudem von der Zeitreisekomödie AUF DER ANDEREN SEITE IST DAS GRAS VIEL GRÜNER (Platz 72) sowie der modernen Romanadaption JUGEND OHNE GOTT (Platz 75). 

30

Obwohl sich die Neuauflage von Agathe Christies MORD IM ORIENT EXPRESS gut an den deutschen Kinokassen präsentiert, ist die Fanbase übersichtlich. Offenbar konnten nur weniger Zuschauer etwas mit der nostalgisch inszenierten 70mm-Zugfahrt anfangen; erst recht dann, wenn der Ausgang der Geschichte bereits bekannt ist. Doch hier kommt mir wieder einmal meine mangelnde Zeit dafür zugute, möglichst viele popkulturell wichtige Werke aufzuholen, noch bevor Jemand auf die Idee kommt, sie neu zu adaptieren. Im Klartext: Ich kannte den Ausgang des Detektivkrimis vorher nicht, was natürlich perfekt ist, um einen Film, dessen größter Kniff die Auflösung ist, zu genießen. Davon einmal abgesehen, hatte ich große Freude an den schillernden Figuren, den spannenden Ermittlungen und konnte mich an den üppig ausgestatteten Sets nicht satt sehen, sodass ich ihm auch den einen oder anderen nicht notwendigen Trickeffekt verzeihe. Für mich ist „Mord im Orient Express“ ein perfektes Beispiel für die Verschmelzung zeitgenössischen Filmemachens und klassischer Literatur.

 29

Sie ist so etwas wie die Amelie des Jahres 2017 – und auch sie hat eine fabelhafte Welt, die sie nur zu gern mit dem Publikum geteilt hat. Die Rede ist von der Hauptfigur in DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN, einer britisch-us-amerikanischen Koproduktion, die im vergangenen Frühsommer unter dem Radar der allermeisten Zuschauer lief. Dabei ist die Geschichte um einen „sonderbaren Sonderling“, der die Geheimnisse der Flora und Fauna in seinem Garten entdeckt und ganz nebenbei auch noch die große Liebe findet, eine bezaubernd-verspielte Ode an das Leben. Im Mittelpunkt: Die charmante Jessica Brown Findlay, die sich an der Seite von „Sherlock“-Bösewicht Andrew Scott mit dem Grantelgreis Alfie, gespielt von Tom Wilkinson, herumschlagen muss. Das Ergebnis ist zuckersüßes Wohlfühlkino der Extraklasse, das sich unter der Regiehand von Simon Aboud dem Zuschauer nicht unangenehm aufdrängt. Bleiben wir doch einfach bei soviel Harmonie und springen direkt zum Platz 28 meiner Jahrescharts 2017 und einem gelungenen Threequel…

28

Nun ja, was soll ich machen? Ich kann nun mal nicht aus meiner Haut der Pferdeliebhaberin! Doch um mir nicht nachsagen zu lassen, ich hätte hier blind gewählt, noch einmal ein paar kurze Fakten zu meinem Verhältnis zur „Ostwind“-Reihe: Teil eins fand sich in seinem Jahr sogar auf den vordersten Rängen der Jahrescharts wieder, den zweiten hätte es dann fast in die Flops getrieben und nun findet OSTWIND – AUFBRUCH NACH ORA einen absolut versöhnlichen Schlusspunkt, der mich mit spektakulären Aufnahmen von wilden Pferden, hoher spanischer Reitkunst und einem spannenden Abenteuer begeistert hat. Da komme ich auch mit den spirituellen Anflügen innerhalb der Story ganz gut klar. Nur das gen Ende keck in die Kamera zwinkernde Influencer-Starlet Dagi Bee verzeihe ich Regisseurin Katja von Garnier nicht. Da hätte man doch wahrlich Jemanden nehmen können, der wenigstens einen Hauch von Interesse für die eleganten Vierbeiner aufbringt. Springen wir daher schnell weiter zu einem geheimnisvollen Platz 27…

27

Ich sag mal so: Ohne die spanische Direct-to-DVD-Produktion DER UNSICHTBARE GAST wäre mein Blog in diesem Jahr wohl nur halb so erfolgreich gewesen. Doch die Review zu dem Kammerspiel-Thriller von „The Body“-Macher Oriol Paulo ist nicht bloß der absolute Klickhit des vergangenen Jahres, der Film dazu ist auch noch einer seiner stärksten Vertreter des Genres; für Thriller war 2017 nämlich wirklich kein gutes Jahr. In der Geschichte geht es um ein Gespräch zwischen einem des Mordes angeklagten Charmebolzen und seiner Verteidigerin, die mit ihrem Klienten immer und immer wieder die Abläufe der Tatnacht durchgeht, bis sich schließlich ein unheimliches Geheimnis offenbart. Letzteres wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur so viel: „Der unsichtbare Gast“ gäbe auch mit deutlich stärkerer Genrekonkurrenz einen der besten Thriller des Jahres ab, lädt ordentlich zum Mitknobeln ein und das Ende lässt einen schließlich ziemlich perplex zurück. Oriol Paulo gelingt hier mit wenig Aufwand eine große Geschichte. Stark!

26

Nach „Inside Llewyn Davis“ ist SUBURBICON der zweite Film in meiner Bloghistorie, der es mit Coen-Bezug in meine Jahrescharts schafft. Und das, wo er bei den meisten Kritikern doch radikal durchgefallen und als billige Kopie der erfolgreichen Werke der Brüder abgestempelt worden ist. Ich gebe es ja auch direkt zu: Die schwarzhumorige Krimiposse von George Clooney, die lediglich auf einem Drehbuch der Coen-Brothers basiert, fühlt sich eher so an wie eine Fast-Food-Version typischer Coen-Werke. Joel und Ethan lassen sich in ihren Arbeiten einfach deutlich mehr Zeit für die Figuren, in „Suburbicon“ dagegen geht alles hopplahopp. Dafür bereitet Clooneys starbesetzte Arbeit aber trotzdem jede Menge Spaß, sofern man nicht die ganz große Innovation erwartet. Und die spektakuläre Doppelrollenperformance einer manischen Julienne Moore sollte jeder mindestens einmal gesehen haben. So geht mein Platz 26 guten Gewissens an einen Film, den keiner so richtig mag, ich dafür umso mehr. Dasselbe gilt übrigens auch für die nächste Platzierung…

25

Ach, was soll ich nur machen? Ich kann diese Platzierung doch nicht einfach so wegfallen lassen, nur damit ich keine Angst davor haben brauche, die ganzen „‚Fack ju Göhte‘ ist der Untergang des deutschen Kinos“-Befürworter könnten mich fortan weniger ernst nehmen!? Gleichermaßen kann ich auch nicht so tun, als sei mir FACK JU GÖHTE 3 egal, obwohl ich die Reihe seit ihrem Start im Jahr 2013 nun mal richtig lieb gewonnen habe – und ich beim dritten Teil leider auch mal wieder erschreckend oft gelacht habe. Also machen wir einen Deal: Wenn Dir ein Kommentar in den Fingern juckt, der mich, meinen Geschmack und meine Fähigkeiten als Kritikerin anzweifeln soll, dann schau Dir doch zunächst erst einmal meine Review zum Film an, in der ich ziemlich genau aufdrösele, was an „Fack ju Göhte 3“ so alles missraten ist. Und wenn Dir das dann erst recht nicht passt, dann komm wieder hierher und ich erkläre Dir im folgenden Satz, weshalb das in gewisser Weise nur halb so schlimm ist: All die Schwächen lasse ich gern über mich ergehen, wenn ich sonst Spaß habe. Und genau das ist hier der Fall!

24

Ja, Denis Villeneuves BLADE RUNNER 2049 kommt jetzt schon, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass der neue Science-Fiction-Meilenstein der Filmgeschichte bei vielen Kollegen und Filmliebhabern wesentlich weiter oben gelandet ist. Und noch nicht einmal diese Platzierung war dem paralysierenden Leinwandgemälde des „Sicario“-Regisseurs gewiss, dann um zu meinen Lieblingen des Jahres zu gehören, muss ein Film viele Voraussetzungen erfüllen. Beim ersten Kinobesuch des „Blade Runner“-Sequels kam ich aus dem Staunen nicht heraus, aber die Story hat mich dann doch nicht so richtig gekriegt; hinzu kommt meine Distanz zu Geschichten, die in der Zukunft spielen. So kann ich mir zwar kaum vorstellen, in Zukunft besonders häufig zur Blu-ray des Films zu greifen, aber rückblickend hat mich das bild- und soundgewaltige Werk dann doch so beeindruckt, dass es sich einfach nicht richtig anfühlt, ihn hier außen vor zu lassen. „Blade Runner 2049“ ist schon ein wahrlich gewaltiger Film, bei dem sich jeder in den Hintern beißen wird, der es später daheim bereut, wenn er ihn im Kino verpasst hat! Und beim zweiten Kinobesuch ging es mir nicht anders!

23

Da es sich hier ja um meine ganz persönlichen Lieblingsfilme des Jahres 2017 handelt, müssen die Leser auch mit der einen oder anderen Anekdote vorlieb nehmen, die nur bedingt etwas mit der Platzierung zu tun hat. Daher an dieser Stelle: Jessica Chastain ist eine Göttin! Das hat sie in den vergangenen zwölf Monaten unter Anderem in „Die Frau des Zoodirektors“ und in DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT bewiesen – einem Thriller über eine Lobbyarbeiterin, die sich von heute auf morgen gegen die gigantische Waffenlobby innerhalb der USA stellt. Diese Thematik erscheint auf den ersten Blick durchaus trocken und spröde, doch Chastain erweckt nur nicht bloß die Hauptfigur Miss Sloane auf nahezu gewaltige Weise zum Leben. Der Film von John Madden überzeugt außerdem mit seiner kurzweiligen Inszenierung, gut vorbereiteten Twists und einer fetten Überraschung gen Ende, der man gleichermaßen Effekthascherei wie auch konsequente Irreführung vorwerfen kann. Ich wähle Letzteres und lasse mich gern noch viele weitere Male von Miss Sloane in die Irre führen…

22

Wie toll es ist, dass M. Night Shyamalan wieder Filme macht! Das habe ich an dieser Stelle bereits gesagt, als er sich vor zwei Jahren mit „The Visit“ zurückmeldete und in diesem Jahr ebnete er mit dem zwiespältig aufgenommenen SPLIT einem neuen Franchise den Weg, das mit „Glass“ schon bald fortgesetzt werden soll. In dem Psychothriller „Split“ geht es aber zunächst einmal um einen jungen Mann, in dessen Psyche sich mehr als ein Dutzend Persönlichkeiten um die Oberhand streiten; dem wird selbst eine Psychologin nicht mehr Herr und so müssen sich drei junge Mädchen in der Gefangenschaft des Irren darum bemühen, nicht zum Opfer „der Bestie“ zu werden, von der ihr Entführer immer wieder spricht, von der aber keiner weiß, was dahinter steckt. „Split“ hat nicht jedem gefallen und das ist auch völlig in Ordnung. Der Film ist strange, verrückt und auf eine filminterne Logik sollte man ebenfalls nicht unbedingt schauen. Gleichzeitig ist „Split“ aber auch eine emotionale Achterbahnfahrt, an deren Ende man schweißnass den Kinosaal verlässt. Ich freue mich auf das Sequel!

 

21

Gefühlt kommen in jedem Jahr Dutzende deutscher Filme in die Kinos, die sich mit dem Thema Krankheit befassen. Und nicht selten geht es darum, wie man auch einem noch so schweren Schicksalsschlag etwas Gutes abgewinnen und das Beste aus seiner Situation machen kann. Das ist per se auch bei DIESES BESCHEUERTE HERZ nicht anders, doch in diesem Fall hat Marc Rothemund etwas geschafft, was wiederum nur ganz wenigen gelingt: Er zeichnet das Umfeld eines Kranken glaubhaft nach, mit allen unbequemen Facetten, all den Ängsten und Sorgen, die vor allem die Mutter des jungen Patienten betreffen und erzählt darüber hinaus von einer sich absolut glaubhaft entwickelnden Freundschaft zwischen einem jungen Draufgänger und einem herzkranken Teenager. Obwohl sich Hauptdarsteller Philip Schwarz zunächst noch ein wenig schwer tut, authentisch vor der Kamera zu agieren, geht er an der Seite von Elyas M’Barek nach und nach immer mehr auf und erobert das Herz des Publikums im Sturm. Daran sollten sich viele deutsche Filmemacher ein Beispiel nehmen.

 

 

In den nächsten Tagen geht es hier weiter mit den Plätzen 20 bis 11…

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