Tag Archives: Tragikomödie

Das startet am 21. Dezember 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 21. Dezember. Während „Star Wars“ noch in den Kinos verweilt, gehen mit „Dieses bescheuerte Herz“, „Jumanji“ und „Pitch Perfect 3“ die nächsten drei großen Starts an den Start. Über letzteren darf die deutsche Presse noch nichts sagen, während die anderen beiden ordentliche Chancen auf ein gutes Endergebnis haben dürfen. Elyas M’Barek zieht immer und „Jumanji“ erweist sich als toller Spaß für die ganze Familie.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIESES BESCHEUERTE HERZ  | Regie: Marc Rothemund | DE 2017

Jede Nacht feiern, einen Audi R8 aus Versehen zuhause im Pool versenken, das findet Lenny ziemlich unterhaltsam. Er wohnt in der Villa seines Vaters, verschwendet dessen Geld und hält nicht viel davon, zu arbeiten. In einer Hochhaussiedlung in München liegt der 15-jährige David im Bett und versucht zu atmen. Er ist seit seiner Geburt herzkrank, und ob er seinen 16. Geburtstag feiern wird, kann ihm niemand sagen. Diese zwei Welten prallen aufeinander, als der Vater von Lenny, ein Herzspezialist, seinen Sohn dazu verpflichtet, sich um seinen Patienten David zu kümmern: David kennt hauptsächlich Operationssäle, Lenny kennt jeden Club in der Stadt. Um bequem davonzukommen, hilft er David vorerst bei den simplen Dingen, die der Junge noch erleben möchte: coole Klamotten kaufen, einen Sportwagen klauen, solche Sachen. Dabei merkt er schnell, dass Davids Leben an einem seidenen Faden hängt… 

Mit der Romanverfilmung „Dieses bescheuerte Herz“ ist Regisseur Marc Rothemund ein wahrhaftiger Film über eine unkonventionelle Freundschaft gelungen, der so ziemlich alle Kitsch- und Klischeefallen umgeht, in die seine Kollegen sonst so gern reintreten.


JUMANJI: WILLKOMMEN IM DSCHUNGEL  | Regie: Jake Kasdan | USA 2017

Beim gemeinsamen Nachsitzen im Schulkeller entdecken die vier Teenager Bethany (Madison Iseman), Spencer (Alex Wolff), Fridge (Ser’Darius Blain) und Martha (Morgan Turner) unter all dem Gerümpel eine alte Spielkonsole. Auch ein Videospiel ist mit dabei, doch von „Jumanji“ hat keiner von ihnen je etwas gehört. Als Spencer sich an dem Game probiert, ertönen aus der Ferne plötzlich Trommelschläge und schon im nächsten Moment werden die Teens in das Spiel hineingesaugt. Hier müssen sie in den Körpern von Avataren (Jack Black, Dwayne Johnson, Kevin Hart und Karen Gillan) ein aufregendes Abenteuer bestehen, um ein einsames Dschungelparadies von einem alten Fluch zu befreien. Dabei bekommt es die Gruppe mit allerlei zwei- und vierbeinigen Widersachern zu tun, wächst aber auch zu echten Freunden zusammen…

Allen Befürchtungen zum Trotz ist „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ eine absolut kurzweilige Abenteuerkomödie geworden, in der überdurchschnittlich viele Gags zünden. Daran trägt auch die sympathische Besetzung Mitschuld, genauso wie das nahezu ballastfreie Skript. Erzählerisch muss man allerdings auf Raffinessen verzichten, während die Qualität der Effekte von „richtig stark“ bis „furchtbar“ reicht.


DREI ZINNEN  | Regie: Jan Zabeil | DE/IT 2017

Aaron möchte, dass er, seine Freundin Lea und deren achtjähriger Sohn Tristan eine Familie werden. Zu diesem Zweck macht die Patchwork-Familie Urlaub in den italienischen Dolomiten. Zunächst scheint es so, als würden sich Aaron und Tristan endlich annähern. Er bringt ihm Schwimmen bei, die beiden spielen gemeinsam Klavier und als Tristan seinen Stiefvater aus heiterem Himmel „Papa“ nennt, scheint die gemeinsame Zeit endlich Früchte zu tragen. Doch Lea betont immer wieder, dass Tristan nur einen Vater hat und nicht verwirrt werden soll. Das ist allerdings nicht das einzig Ungewöhnliche an der Dreierbeziehung: Ist Tristan in dem einen Moment noch zugänglich und freundlich, straft er Aaron im nächsten mit Ablehnung und Ignoranz. Es entwickelt sich ein gefährliches Machtspiel auf Leben und Tod, an dessen Ende es nur Verlierer geben kann…

Die deutsch-italienische Koproduktion „Drei Zinnen“ besticht nicht bloß durch herausragende Darsteller, sondern entwickelt sich über seine insgesamt kurzweiligen 94 Minuten zu einem perfiden Psychospiel auf Leben und Tod.


EINE BRETONISCHE LIEBE  | Regie: Carine Tardieu | FR 2016

In der wunderschönen Landschaft der Bretagne geht Erwan (François Damien) dem ungewöhnlichen Beruf des Minenentschärfers nach. Mit der dafür benötigten Ruhe ist es vorbei, als er erfährt, dass seine Tochter Juliette (Alice de Lencquesaing) schwanger ist und ihm nicht verraten will, wer der Vater der Kindes ist. Durch Zufall erfährt er auch noch, dass sein Vater Bastien ihn nur adoptiert hat. Auf der Suche nach seinem leiblichen Vater trifft Erwan auf den spitzbübischen 70-jährigen Joseph, der Erwans Liebe zu der ungestümen Anna (Cécile de France) gehörig durcheinanderbringt. „Eine bretonische Liebe“ ist eine außergewöhnliche Liebes- und Familienkomödie, die mit explosiver Komik die unterschiedlichsten Liebeskonstellationen ergründet. Mit François Damiens und Cécile de France brillieren zwei der größten Stars des französischsprachigen Kinos. 

„Eine bretonische Liebe“ ist eine charmante Komödie mit einem hübschen Storydreh, bei der auch die facettenreichen Figuren nicht zu kurz kommen. Leider geht der Geschichte zum Ende hin spürbar die Puste aus und verliert sich zwischendurch immer wieder in Banalitäten.


PITCH PERFECT 3  | Regie: Trish Sie | USA 2017

Frisch vom College müssen die Bellas feststellen, dass es schwieriger ist, in der erbarmungslosen Arbeitswelt den richtigen Ton zu treffen als auf einer A-cappella-Bühne. Die Euphorie nach dem Sieg bei der Weltmeisterschaft ist schnell verpufft, als jede von ihnen bei der Suche nach einem richtigen Job auf sich allein gestellt ist. Umso attraktiver scheint ihnen die Möglichkeit, sich für einen internationalen Wettbewerb ein letztes Mal zusammen zu tun.

Anna Kendrick und Rebel Wilson kommen mit dem bewährten Erfolgs-Ensemble in „Pitch Perfect 3“ wieder zusammen. Es ist ein neues musikalisches Highlight entstanden, welches die Massen erneut begeistern wird. Die Filme begeistern Fans aller Musikgenres. Die Darbietungen reichen von Old School Mash-Ups über Charthits, bis hin zu Klassikern der Musikgeschichte.  Nach Elizabeth Banks übernimmt erneut eine Frau die Regie: Trish Sie (Step Up: All In).


LA MÉLODIE – DER KLANG VON PARIS | Regie: Rachid Hami | FR 2017

In einem Pariser Vorort finden sich Kinder unterschiedlichster Herkunft in der Orchesterklasse ihrer Schule zusammen, um unter der Anleitung ihres Musiklehrers Simon Daoud (Kad Merad) das Geigenspiel zu erlernen und gemeinsam auf ein großes Ziel hinzuarbeiten: Ein Auftritt im Konzertsaal der Pariser Philharmonie!

Der französische Regisseur Rachid Hami erzählt in seinem Langspielfilmdebüt die Geschichte des Violinisten Simon Daoud (Kad Merad), der beinahe an der Herausforderung zerbricht, einer Schulklasse in einem Pariser Banlieue das Geigenspiel nahezubringen. In diesem rauen Umfeld trifft Simon auf unerwartete Talente wie den jungen Arnold und es gelingt ihm, seine Schüler durch Disziplin, Fleiß und Leidenschaft zu Höchstleistungen zu animieren und ihnen den Zauber der
Musik beizubringen.


KAFFEE MIT MILCH UND STRESS | Regie: Dome Karukoski  | FI/ISL 2014

Früher war die Welt für den Alten in Ordnung. Damals, als der Mann ein Haus baute, seine Frau sich um die Kinder kümmerte, als Banker ehrlich waren und Autos für die Ewigkeit gebaut wurden. Man arbeitete hart, kam gemeinsam in die Jahre und war am Ende seines Lebens füreinander da. Gute alte Zeit. Nun aber besucht der Alte seine Frau jeden Tag im Krankenhaus und sein roter Ford Escort ist alles was ihm geblieben ist. Als er eines Tages stürzt und kaum noch gehen kann, wird er zu seinem Sohn und dessen Frau Liisa in die Stadt verfrachtet. Und dort treffen Welten aufeinander. Dass er nicht mit Mikrowelle und Smartphone klarkommt: geschenkt. Dass sein Sohn aber so ein Weichei ist und total unter der Fuchtel seiner Frau steht, die das Geld nach Hause bringt und noch dazu im Auto am Steuer sitzt, macht dem Alten so richtig schlechte Laune. Es ist höchste Zeit, dass sich daran etwas ändert…


 Heimkinotipp: TULPENFIEBER  | Regie: Justin Chadwick | UK/USA 2017

Das Amsterdam des Goldenen Zeitalters ist besessen von einer botanischen Sensation: der Tulpe. An den Grachten floriert der Handel mit den kostbaren Zwiebeln, die schon bald mehr wert sind als Diamanten. Die Spekulanten an der Börse bieten horrende Summen für Exemplare, die sie noch nie zu Gesicht bekommen haben. Allerorten lässt eine fiebrige Goldgräberstimmung die Gefühle hochkochen. In diesen hitzigen Zeiten verliebt sich der Maler Jan van Loos in Sophia, die bildschöne Frau seines reichen Auftraggebers Cornelis Sandvoort. Schon bei ihrer ersten Begegnung ist es um Jan und Sophie geschehen, die sich immer mehr in eine leidenschaftliche Affäre verstricken. Um gemeinsam in ein neues Leben aufzubrechen, schmieden sie mit Hilfe von Sophias Magd Maria einen überaus riskanten Plan. 

Vor zwanzig Jahren hätte ein Film wie „Tulpenfieber“ sämtliche Filmpreise gewonnen, doch auch heute noch begeistert ein solch berauschend-üppig ausgestatteter Kostümfilm, der nicht nur optisch fasziniert, sondern auch eine Geschichte erzählt, die dank hervorragender Darsteller und schöner Drehbuchideen weit über das Standardrepertoire gängiger Hollywoodschmonzetten hinaus geht.

Zehn Filme, die mir das 4. Quartal 2017 versüßt haben

Zum Ende eines jeden Monats veröffentliche ich in den sozialen Netzwerken meine fünf ganz persönlichen Lieblingsfilme sowie meine Flops der vergangenen Wochen. Um diese Filme in Zukunft ein wenig mehr zu würdigen, oder zu erklären, weshalb mir Film XY eben so gar nicht gefallen hat, präsentiere ich in meiner ZEHN FILME-Rubrik nun nochmal meine zehn Lieblings- und Hassfilme des vergangenen Quartals inklusive Trailer, in der Hoffnung, Ahnungslosen einen kleine Orientierung zu geben, was man im Kino auf keinen Fall verpassen sollte und was man getrost links liegen lassen darf. Gern seid Ihr unterhalb des Postings dazu aufgefordert, Eure Lieblings- und Hassfilme der vergangenen drei Monaten zu veröffentlichen. Viel Spaß!

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Das startet am 30. November 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 30. November; dem Tag, mit den vermutlich meisten Kinostarts in diesem Jahr. Kein Wunder: nur noch zwei Wochen bis „Star Wars“ – bis dahin wollen kleinere Verleiher ihre Starts noch schnell hinter sich gebracht haben. Der wichtigste kommt diese Woche aus dem Hause Pixar, denn mit „Coco“ startet der diesjährige Weihnachts-Animationsfilm aus der berühmten Filmschmiede. Aufgrund seines Erfolges auch als breiter Start angelegt, ist die Komödie „Girls Trip“, auch wenn diese kaum überzeugen kann und wird. Das Remake des Thrillers „Flatliners“ wurde der deutschen Presse bislang nicht gezeigt, wird allerdings ebenfalls mit vielen Kopien starten. Der stärkste Film dieser Woche ist dagegen einer, der nur in wenigen Kinos laufen wird, dort allerdings von möglichst vielen Leuten besucht werden sollte: Die Rede ist von dem harten Westerndrama „Brimstone“ mit einem überragenden Guy Pearce.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BRIMSTONE  | Regie: Martin Koolhoven | NED/DE 2017

Ende des 19. Jahrhunderts im amerikanischen Westen: Die junge Liz (Dakota Fanning) ist auf der Flucht vor ihrer düsteren Vergangenheit, als sie sich zum Schutz hinter den Mauern eines gottesfürchtigen Dorfes niederlässt. Hier arbeitet sie als Hebamme und lebt an der Seite ihres Ehemannes Eli (William Houston) und gemeinsam mit ihren zwei Kindern, nichtsahnend, das sich ein diabolischer Priester (Guy Pierce) auf den Weg in genau dieses Dorf begibt. Liz ist überzeugt davon, dass er es auf sie abgesehen hat. Fortan lebt sie in noch größerem Unbehagen und schottet sich immer mehr von der Außenwelt ab. Als sie eines Tages eine Entscheidung fällt, die die ganze Dorfgemeinschaft gegen sie aufbringt, zieht sie genau die Aufmerksamkeit auf sich, vor der sie bislang geflohen ist und muss sich schließlich endgültig ihrer Vergangenheit stellen.

Das in seiner Düsternis und Kompromisslosigkeit kaum zu ertragene Rachedrama „Brimstone“ ist nicht bloß meisterhaft erzählt und bravourös inszeniert. Es fährt mit einem spektakulär-widerwärtigen Guy Pearce auch den abartigsten Bösewicht des diesjährigen Kinojahres auf – und eine bärenstarke Dakota Fanning!


COCO  | Regie: Lee UnkrichAdrian Molina | USA 2017

Am mexikanischen “Día de los Muertos“ gedenken Freunde und Verwandte ihrer geliebten Ahnen, bedenken sie mit Zucker-Totenköpfen und Blumen, um so deren spirituelle Reise im Land der Toten zu unterstützen. Ausgerechnet an diesem so wichtigen, traditionellen Feiertag landet der kleine Miguel mit seinem schrägen Hund Dante durch einen unglaublichen Zufall in dieser anderen Welt. In dem lauten, bunten Kosmos voller schräger und liebenswerter Charaktere trifft er nicht nur auf seine Ur-Ahnen, sondern auch auf den liebenswerten Hector, der ihm helfen will, den Weg zurück nach Hause zu finden. Doch das ist leichter gesagt als getan! Je mehr Miguel versucht, in die Welt der Lebenden zurück zu kehren, desto tiefer wird er in ein altes Familiengeheimnis gezogen. Doch die äußerst toten und gleichzeitig lebendigen Typen sind so gar keine Hilfe… 

In atemberaubenden Farben und mit viel Gefühl erzählt Pixars neuester Streich „Coco“ eine musikalische Geschichte über die Macht der Erinnerung und darüber, dass es sich lohnt, das Vergessen zu vergessen. Ein zauberhafter FIlm!


120 BPM  | Regie: Robin Campillo | FR 2017

Paris, Anfang der 90er. Seit fast zehn Jahren wütet Aids in Frankreich, doch noch immer wird über die Epidemie in weiten Teilen der Gesellschaft geschwiegen. Mitterrands Regierung kümmert sich nicht um sexuelle Aufklärung und die Pharma-Lobby verschleppt die Entwicklung neuer Medikamente. ACT UP, eine Aktivistengruppe von Betroffenen, will auf die Missstände aufmerksam machen. Sie schmeißt Kunstblut-gefüllte Wasserbomben auf die Wände von Forschungseinrichtungen und kapert bewaffnet mit Informationsbroschüren die Klassenräume der Stadt. Wie weit die Aktionen gehen dürfen, wird bei den wöchentlichen Treffen kontrovers diskutiert. Als der 26-jährige Nathan, der selbst HIV-negativ ist, zu ACT UP stößt, zieht ihn die Entschlossenheit der Gemeinschaft sofort in ihren Bann. Und er verliebt sich in Sean, den Mutigsten und Radikalsten der Gruppe. 

„120 BPM“ erzählt zunächst differenziert und detailreich von der Aktivistengruppe ACT UP, die sich Anfang der Neunzigerjahre für eine großflächige Aufklärung über AIDS einsetzte und wird in der zweiten Hälfte schließlich zum herben Sterbedrama, das von seinen herausragenden Darstellern getragen wird und in seiner Radikalität schockiert.


WHATEVER HAPPENS  | Regie: Niels Laupert | DE 2017

Die Trennung ist beschlossen: Hannah und Julian treffen sich noch ein letztes Mal zur Wohnungsübergabe, die kurz und schmerzlos über die Bühne gehen soll. Das ist zumindest der Plan. Doch nichts verläuft wie gedacht: Die Übergabe platzt und die beiden sitzen, ausgerechnet am Silvesterabend, nach wochenlanger Funkstille, gemeinsam in ihrer ehemaligen Wohnung fest. Dabei müssten sie schon längst auf der Party ihrer besten Freunde sein, um einen letzten gemeinsamen Auftritt hinzulegen. Vor sieben Jahren haben sich Hannah und Julian bei einer Wohnungsbesichtigung kennengelernt und wurden zu Mitbewohnern wider Willen. Sie, die zielstrebige Jurastudentin, er, der in den Tag hineinlebende Fotograf. Plan versus Planlosigkeit. Aus den Mitbewohnern wird ein ungleiches, aber sich liebendes Paar. Während Julian beruflich zurücksteckt, startet Hannah durch. Die beiden entfernen sich immer mehr voneinander… 

Niels Laupert seziert in „Whatever Happens“ eine ganz normale Beziehung und macht daraus ein clever geschriebenes Zeitdokument über den Zwiespalt zwischen Kind und Karriere. Die anklagenden Momente gehen einher mit einem liebevollen Blick fürs Alltägliche, was Fahri Yardim und Sylvia Hoeks in ihren Hauptrollen brillieren lässt.


DIE VIERHÄNDIGE  | Regie: Oliver Kienle | DE 2017

Die beiden Schwestern Sophie (Frida-Lovisa Hamann) und Jessica (Friederike Becht) werden als Kinder Zeuge eines brutalen Verbrechens – sie müssen mitansehen, wie ihre Eltern von zwei fremden Eindringlingen grausam abgeschlachtet werden. Jessica verspricht daraufhin der jüngeren Sophie, immer auf sie aufzupassen. Doch 20 Jahre später ist aus dem Versprechen eine Besessenheit geworden. Während Sophie versucht, Pianistin zu werden und sich ein Leben frei von Ängsten aufzubauen, leidet Jessica unter Wahnvorstellungen, fürchtet überall eine Bedrohung. Als die Täter von damals auf freien Fuß kommen, ist Jessica entschlossen, sie zu finden. Ein Unfall aber verändert alles und verwandelt Jessicas Versprechen in einen existentiellen Alptraum. 

Oliver Kienle gelingt mit „Die Vierhändige“ ein Mysterythrillerdrama, das mit starken Darstellern besticht und eine Erkenntnis offenbart, die in ihrer Tragik sämtliche übernatürlichen Momente des Films in den Schatten stellt.


DER MANN AUS DEM EIS | Regie: Felix Randau | DE/IT/AT 2017

Vor 5.300 Jahren in der Jungsteinzeit. Eine Großfamilie lebt friedlich an einem Bach in den Ötztaler Alpen. Ihrem Anführer Kelab obliegt es, den heiligen Schrein zu verwahren. Während Kelab auf der Jagd ist, wird seine Siedlung überfallen und die gesamte Sippe ermordet, darunter Kelabs Frau und sein Sohn. Auch das Heiligtum der Gemeinschaft wird geraubt. Getrieben von Schmerz und Wut hat Kelab nur noch ein Ziel – Vergeltung! Er folgt den Spuren der Täter. Auf seiner Odyssee durch das Gebirge ist er den Gefahren der Natur ausgesetzt. Ein tragischer Irrtum macht ihn selbst zum Gejagten. Schließlich steht Kelab nicht nur den Mördern seiner Familie, sondern auch sich selbst gegenüber. Wird er seinem Drang nach Rache nachgeben und selbst vom Opfer zum Täter? Oder gelingt es ihm, den ewigen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen? 

„Der Mann aus dem Eis“ überzeugt weniger durch seine ausgeklügelte Geschichte oder den Umgang mit seinen Figuren. Dafür gelingt Regisseur Felix Randau ein technisch brillanter und bis zuletzt konsequenter Einblick in das Leben vor über 5000 Jahren, dem man den hohen Produktionsaufwand jederzeit anmerkt.


MADAME | Regie: Amanda Sthers | FR 2017

Die Dinnerparty der angesehenen Societylady Anne (Toni Collette) steht unter keinem guten Stern: Aufgrund des unangekündigten Besuch ihres Stiefsohns (Tom Hughes) gibt es plötzlich dreizehn anstatt zwöllf Tischgedecke. Eine Katastrophe für die perfektionistische Hausherrin und abergläubische Anne sowie für ihren geschäftstüchtigen Ehemann Paul (Harvey Keitel). Kurzerhand muss die langjährige Angestellte Maria (Rossy de Palma) als 14. Gast einspringen – und prompt verliebt sich ihr wohlhabender Tischherr, der zuvorkommende Kuntsthändler David (Michael Smiley), in sie. Die um ihren Ruf besorgte Anne setzt nun alles daran, das entstandene Chaos ins Gleichgewicht zu bringen – während Maria an ihrer neuen Rolle immer mehr Gefallen findet… 

„Madame“ beginnt als schwarzhumorige Kammerspiel-Komödie über die oberen Zehntausend und mündet anschließend in ein Gesellschaftsdrama, das trotz seiner fortwährend leichtfüßigen Inszenierung nicht die Augen vor der Realität verschließt und sogar auf ein Happy End verzichtet.


HAPPINESS | Regie: SABU | JP 2016

Ein unscheinbarer Mann namens Kanzaki (Masatoshi Nagase) kommt mit einer großen Box in eine Kleinstadt,. In einem heruntergekommenen Laden holt er einen seltsamen Helm heraus und setzt ihn einer alten teilnahmslos wirkenden Frau auf, mit der er zuvor ein wenig inspirierendes Gespräch geführt hat. Nach einem kurzen Moment kehrt plötzlich unermessliche Freude in ihr Gesicht zurück. Glückliche Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Kanzakis einzigartige Erfindung macht die Runde, auch der Bürgermeister ist von der mysteriösen Kraft des Helms begeistert und bittet Kanzaki für eine Weile in der Stadt zu bleiben, um hoffnungslose Einwohner zu ermutigen. Kanzaki nimmt die Einladung an, aber niemand ahnt etwas von der geheimen Absicht, weshalb der Seelentröster diese Stadt gewählt hat.

„Happiness“ kommt schwer in die Gänge und macht es dem Zuschauer in seiner betont behäbigen Inszenierung nicht leicht, den Ereignissen zu folgen. Für die zweite Hälfte dringt Regisseur SABU in deutlich dynamischere Gefilde vor, doch sowohl der verschlossene Protagonist, als auch die unnatürlich aufspielenden Nebendarsteller halten das Publikum trotz der interessanten Grundidee konsequent auf emotionalem Abstand.


FLATLINERS  | Regie: Niels Arden Oplev | USA/CAN 2017

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen, starten die fünf Medizinstudenten Courtney (Ellen Page), Ray (Diego Luna), Jamie (James Norton), Sophia (Kiersey Clemons) und Marlo (Nina Dobrev) ein wagemutiges und überaus gefährliches Experiment an sich selbst. Indem sie gegenseitig ihren Herzschlag für kurze Zeit stoppen – teilweise bis zu vier Minuten lang -, lösen sie bei sich eine Nahtoderfahrung aus, von der sich sich berichten können. Als die Kommilitonen sich mit ihren lebensbedrohlichen Trips ins Unbekannte gegenseitig überbieten möchten, sind die Fünf plötzlich gezwungen, sich ihrer eigenen dunklen Vergangenheit zu stellen. Denn an den Grenzen des Jenseits lauern erschreckende Abgründe… 

Als kurzweiliger Grusel-Schabernack geht „Flatliners“ in Ordnung, doch die philosophischen Ansätze, die das Original zumindest versucht hat, anzureißen, lässt Niels Arden Oplev völlig links liegen. Auf dieser Basis können sich auch die Darsteller nur wenig profilieren.


GIRLS TRIP  | Regie: Malcom D. Lee | USA 2017

Zwischen beruflichen Ambitionen, Familienplanung und Beziehungskrisen haben sich die vier besten Freundinnen Ryan (Regina Hall), Sasha (Queen Latifah), Lisa (Jada Pinkett Smith) und Dina (Tiffany Haddish) mit der Zeit einfach aus den Augen verloren. Mittlerweile sind sie sich nicht einmal mehr sicher, ob sie überhaupt noch Freunde sind, denn die Zeit ist an ihnen allen nicht spurlos vorbei gezogen. Fünf lange Jahre ist es also her, dass die „Flossy Posse“ das letzte Mal zusammen feiern war – viel zu lang für die Partyqueens, die sie eigentlich sind und die sie zu gern wieder sein würden. Ein längst überfälliger Girls Trip zum Essence Festival in flirrende New Orleans soll die Mädelsclique nach Jahren endlich wiedervereinen, doch ganz so einfach ist das nicht… 

„Girls Trip“ ist eine Partycomedy von der Stange, in der sich die vier Hauptdarstellerinnen alle Mühe geben, gegen die oberflächliche Geschichte anzuspielen, doch die Freundschaft der Mädels bleibt nur Behauptung. Dafür überzeugen das Setting sowie ein gutes Dutzend Cameoauftritte namhafter Musiker.


GENAUSO ANDERS WIE ICH  | Regie: Michael Carney | USA 2017

Nach außen hin scheint alles perfekt, doch in der Ehe zwischen Debbie (Renée Zellweger) und Ron Hall (Greg Kinnear) kriselt es gewaltig. Um nach seiner außerehelichen Liaison die Beziehung mit seiner Frau zu retten, lässt sich Ron darauf ein, mit ihr zusammen die Obdachlosen der Nachbarschaft zu bewirten. Eines Tages kommt es zu einem Zwischenfall und der schwer zugängliche, von allen nur Suicide genannte Denver Moore (Djimon Hounsou) droht, die gesamte Einrichtung kurz und klein zu hauen. Debbie bittet ihren Mann darum, Kontakt mit dem Fremden zu knüpfen, denn schon mehrere Male begegnete die Frau Denver in ihren Träumen. Weder er noch das Ehepaar Hall ahnt, wie sehr die aufkeimende Freundschaft zwischen ihnen das Leben aller Beteiligten verändern wird. 

Die Buchverfilmung „Genauso anders wie ich“ scheitert radikal an ihrem ambitionierten Vorhaben, sich so ziemlich jedes Problem der westlichen Welt aufzuladen und sie der Reihe nach abzuarbeiten. Das Ergebnis ist eine Geschichte, die – auch aufgrund teilweise blamabler Schauspielleistungen – absolut nichts aussagt.


TOKIO HOTEL – HINTER DER WELT  | Regie: Oliver Schwabe | DE 2017

Mit gerade einmal neun Jahren beschließen die unzertrennlichen Zwillingsbrüder Bill und Tom Kaulitz aus Magdeburg berühmt zu werden. Mit zwölf Jahren gründen sie gemeinsam mit Gustav Schäfer und Georg Listing eine Band, die ab 2005 unter dem Namen Tokio Hotel die Welt erobert. Sie werden bestaunt, belächelt, gehasst und verehrt…. Der Erfolg ist gigantisch: Platin in 68 Ländern, ausverkaufte Konzerte und der androgyne Bill wird zur Stilikone. Mit Anfang Zwanzig fliehen die Zwillinge – reich und berühmt – im Privatjet nach Los Angeles und lassen Tausende von begeisterten Fans und ein Leben hinter Schutzmauern hinter sich. Sie möchten ihre Freiheit zurück … und wissen nicht, wie und ob es mit ihnen weitergeht. Der Film „Tokio Hotel – Hinter der Welt“ taucht ein in das Leben der Band, begleitet Bill und Tom durch einsame Wüsten Kaliforniens und Gustav und Georg an die Ufer der Elbe.


 Heimkinotipp: THE PARTY  | Regie: Sally Potter | UK 2017

Um ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett zu feiern, lädt die ehrgeizige Politikerin Janet (Kristin Scott Thomas) enge Freunde und Mitstreiter in ihr Londoner Stadthaus. Als ihr Ehemann Bill (Timothy Spall) mit einem brisanten Geständnis herausplatzt, nimmt die Party eine überraschende Wendung. Plötzlich offenbaren auch die anderen Gäste lang gehütete Geheimnisse, woraufhin Beziehungen, Freundschaften, politische Überzeugungen und Lebensentwürfe in Frage gestellt werden. Innerhalb kürzester Zeit kippt die kultivierte Atmosphäre in ein emotionales Chaos aus gegenseitigen Anschuldigungen. Während im Ofen die Häppchen verbrennen, fliegen im Wohnzimmer die Fetzen wie die Whiskeygläser und die Party steuert unaufhaltsam auf den großen Knall zu. 

„The Party“ ist zugleich bitterböses wie hochgradig unterhaltsames Schauspielkino vom Feinsten, das die im Kern so unmenschlichen Machenschaften der (britischen) Politbühne mit den finsteren Abgründen der menschlichen Psyche verbindet. Was für ein Spektakel!

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