Schlagwort-Archiv: Garth Davis

Das startet am 15. März 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 15. März, an dem der von der breiten Masse wohl am ehesten wahrgenommene Start „Tomb Raider“ sein dürfte, der der deutschen Presse bislang allerdings nicht gezeigt wurde. Am Dienstag erfahrt ihr an dieser Stelle mehr zum Film. Mit „Der Hauptmann“ meldet sich „R.I.P.D.“-Regisseur Robert Schwentke zurück im deutschen Kino und setzt dort eine Benchmark für das Jahr 2018. Besonders spannend dürfte es sein, wie sich die Fortsetzung des Dokumentarfilmhits „Unsere Erde“ schlägt. Zieht solches Kino heutzutage immer noch Massen in die Kinos, was von dem neuen „Fünf Freunde“-Film wiederum durchaus zu erarten ist?

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DER HAUPTMANN  | Regie:  Robert Schwentke | DE/POL/PRT/FR 2017

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs findet der junge, für einen Fahnenflüchtigen gehaltene Gefreite Willi Herold (Max Hubacher) auf der Flucht vor den Nazis eine Hauptmannsuniform. Ohne zu überlegen – und auf gut Glück – streift er die ranghohe Verkleidung und die damit verbundene Rolle über. Schnell sammeln sich versprengte Soldaten um ihn, die nicht weiter nach seinem Status fragen. Darunter auch der zurückhaltende Gefreite Freytag (Milan Peschel), der ebenfalls froh ist, endlich wieder einen Befehlsgeber gefunden zu haben. Aus Angst enttarnt zu werden, steigert sich Herold nach und nach in die Rolle des skrupellosen Hauptmanns hinein und verfällt dem Rausch der Macht. Ein Spiel mit Leben und Tod, das nicht lange gut gehen kann… 

Robert Schwentke gelingt mit „Der Hauptmann“ das Kunststück, das vielen anderen seiner Kollegen verwehrt bleibt: Er inszeniert einen in seiner ungewöhnlichen Machart herausragenden Film über den Zweiten Weltkrieg, der über alle Maßen unangenehm ist. Punkt.


UNSERE ERDE 2 | Regie: Richard Dale, Lixin Fan, Peter Webber | UK/CN 2017

„Unsere Erde 2“ nimmt uns mit auf eine unvergessliche Reise um die Welt und enthüllt unglaubliche Wunder der Natur und Tierwelt. Im Laufe eines einzigen magischen Tages folgen wir der Sonne von den höchsten Bergen bis hinunter zu den entlegensten Inseln, von exotischen Regenwäldern bis hinein in den Großstadtdschungel. „Unsere Erde 2“ lässt uns tief in die unterschiedlichsten Lebensformen auf unserem Planeten eintauchen und ihren Alltag hautnah und intensiver als jemals zuvor miterleben. In den Hauptrollen: Ein Zebrafohlen, das gemeinsam mit seiner Mutter einen reißenden Fluss überquert. Ein Pinguin, der jeden Tag heldenhaft einen lebensgefährlichen Weg zurücklegt, um seine Familie mit Nahrung zu versorgen. Eine Familie von Pottwalen, die es liebt, vertikal treibend zu dösen und ein Faultier, das der Liebe hinterherjagt… 

„Unsere Erde 2“ steht ihrem Vorgänger visuell in Nichts nach und biete erneut spannende Einblicke in die Welt der Tiere und Pflanzen unsere Planeten. Lediglich der Informationsgehalt ist hier weniger ausgeprägt. Gleichzeitig lädt die Dokumentation dadurch erst recht zum Staunen ein.

LOVELESS  | Regie: Andrey Zvyagintsev | RU/FR/DE/BEL 2017

Zhenya (Maryana Spyvak) und Boris (Alexey Rozin), ein Paar aus der gehobenen russischen Mittelschicht, stehen vor den Trümmern ihrer Ehe. Längst ist die frühere Zuneigung bitteren Anschuldigungen gewichen, die gemeinsame Wohnung steht zum Verkauf, beide sind bereits in neuen Beziehungen. Im Zentrum des Debakels und gleichzeitig völlig abseits steht ihr 12jähriger Sohn Alyosha (Matvey Novikov), dessen Schmerz und Einsamkeit niemand wahrnimmt. Keiner der Eltern will ihn in ein neues Leben mitnehmen, ein Internat steht zur Debatte. Als die Vorwürfe zwischen Zhenya und Boris erneut eskalieren, verschwindet Alyosha plötzlich, was die Polizei tatenlos hinnimmt. Im Rahmen einer groß angelegten Suchaktion von Freiwilligen müssen sich die Ex-Partner wider Willen zusammentun, um das letzte, was sie noch verbindet, aufzuspüren….

„Loveless“ ist eine spannende Mischung aus Krimi und Drama, das als wenig subtile Politallegorie auf den aktuellen Status Quo innerhalb der russischen Gesellschaft weniger gut funktioniert denn als moralisch forderndes Porträt über zwei Menschen, bei denen man sich fragt, wie dringend sie ihren verschwundenen Sohn wirklich wiederhaben wollen – und ob man das Kind tatsächlich in deren Obhut zurückwünscht.


THE FLORIDA PROJECT | Regie: Sean Baker | USA 2017

Orlando, Florida, in der Nähe des Freizeitparks Disney World: Moonee (Brooklynn Prince) ist erst sechs Jahre alt und hat bereits ein höllisches Temperament. Nur wenige Meilen entfernt vom Eingang zu Disneyworld wächst sie in „The Magic Castle Motel“ an einem vielbefahrenen Highway auf. Ihre frühreifen Streiche scheinen Halley (Bria Vinaite), ihre sehr junge Mutter, kaum zu beunruhigen. Da, wie bei allen Bewohnern des Motels “Magic Castle“, ihre finanzielle Lage nicht gerade rosig ist, ist sie gezwungen, auf mehr oder weniger anständige Weise ihre wilde Tochter und sich selbst durchs Leben zu hieven. Moonee und ihre gleichaltrigen Freunde erklären derweil unter den wachsamen Augen des Motelmanagers Bobby (Willem Dafoe) die Welt um sich herum zu einem großen Abenteuerspielplatz… 

„The Florida Project“ ist nach „Tangerine LA“ die zweite authentische Milieustudie von Sean Baker über eine vergessene Community am Rande der Gesellschaft, die vor allem durch die eingenommene Erzählperspektive der jungen Hauptdarstellerin an Brisanz und Emotionalität gewinnt.


WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN | Regie: Michael Spierig, Peter Spierig | AUS/USA 2018

In einer verlassenen Gegend lebt die Witwe Sarah Winchester in ihrer monströsen Villa. Die Erbin des Waffen-Imperiums von William Winchester lässt in jahrzehntelanger, ununterbrochener Bautätigkeit ein gigantisches und unübersichtliches Anwesen mit über 500 Zimmern errichten – voller Irrwege, falscher Türen und im Nirgendwo endender Treppen. Auf die Außenwelt wirkt das Gebäude wie das exzentrische Denkmal einer wahnsinnigen Frau. Psychologe Dr. Eric Price wird damit beauftragt, den Geisteszustand der Millionenerbin zu untersuchen. Denn Sarah Winchester ist davon überzeugt, ein Gefängnis für Hunderte rachsüchtige Geister und gequälte Seelen zu errichten, die durch Winchester-Waffen zu Tode kamen und nun Vergeltung suchen. Der Arzt stellt bald fest, dass es in der Villa nicht mit rechten Dingen zugeht… 

Mit „Winchester – Das Haus der verdammten“ gelingt den Spierig-Brüdern eine altmodische Gruselstory vor interessanter Kulisse, der spannenden Hintergrundgeschichte, die auf gleichermaßen wahren wie schockierenden Ereignissen beruht, werden sie allerdings zu keinem Zeitpunkt gerecht.


FÜNF FREUNDE UND DAS TAL DER DINOSAURIER  | Regie: Mike Marzuk | DE 2018

Diesmal scheinen George (Allegra Tinnefeld), Julian (Marinus Hohmann), Dick (Ron Antony Renzenbrink), Anne (Amelie Lammers) und Timmy, der Hund, in den Ferien keine Abenteuer zu erwarten: Sie müssen mit Tante Fanny (Bernadette Heerwagen) zu einer Familienfeier! Doch eine Autopanne zwingt sie zum Zwischenstopp in einer Kleinstadt. Im örtlichen Naturkundemuseum wird tags drauf eine echte Sensation enthüllt: Der Knochen einer bis dato unbekannten Dinosaurierart! Im Museum lernen die Freunde Marty Bach (Jacob Matschenz) kennen, einen kauzig wirkenden jungen Mann, der behauptet, sein verstorbener Vater habe ein vollständig erhaltenes Dinosaurierskelett entdeckt. Dann wird Marty ein Foto mit einem versteckten Zahlencode gestohlen. Führt dieser zum legendären „Tal der Dinosaurier“?

Der fünfte Teil der „Fünf Freunde“-Filmreihe besticht durch einen zielgruppengerechten Kriminalfall und eine angenehm spannende Atmosphäre. Leider können die neuen Hauptdarsteller noch nicht so richtig überzeugen und auch auf Albernheiten wie anstrengende Pups-Witze sollte Mike Marzuk endlich verzichten.


MARIA MAGDALENA | Regie: Garth Davis | UK/AUS 2018

Als erste, einzige weibliche Jüngerin in der Gefolgschaft von Jesus (Joaquin Phoenix) und als Zeugin seiner brutalen Kreuzigung, Grablegung und anschließender Auferstehung ist Maria Magdalena (Rooney Mara) eine der zentralen Figuren der Bibelgeschichte.  Doch schon zum damaligen Zeitpunkt ist sie auch eine moderne, junge Frau, die selbstbewusst und mutig gegen die Geschlechterrollen und Hierarchien ihrer Zeit rebelliert und damit für Unmut in ihrer Familie sorgt. Auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Lebensweg sagt sie sich von ihrer Familie los, um sich dem charismatischen Jesus von Nazareth und seinen Jüngern anzuschließen. Gemeinsam machen sie sich auf eine spirituelle Reise nach Jerusalem. 

„Maria Magdalena“ beginnt als unkonventionell erzählte, assoziative Bindungen zur Gegenwart schlagende Erzählung über eine interessante Frau, verliert sich dann allerdings in einer weitestgehend spannungsarmen Inszenierung, die zu viel Bekanntes zeigt, um neues zu erzählen.


TOMB RAIDER | Regie: Roar Uthaug | UK/USA 2018

Lara Croft ist die leidenschaftlich emanzipierte Tochter eines exzentrischen Abenteurers, der spurlos verschwand, als sie noch ein kleines Mädchen war. Inzwischen ist Lara erwachsen, aber ihr fehlt ein klares Lebensziel. Eher unmotiviert brettert sie als Fahrradkurierin durch die Straßen der Trendviertel von East London. Sie will sich ihren eigenen Weg suchen und lehnt daher auch die Leitung des globalen Konzerns ihres Vaters ebenso strikt ab, wie sie sich weigert, an seinen Tod zu glauben. Mittlerweile sind allerdings sieben Jahre vergangen, und man legt Lara nahe, sich allmählich mit der Realität abzufinden. Doch irgendetwas treibt sie dazu, endlich herauszufinden, was ihrem Vater eigentlich passiert ist. Als Lara alle Brücken hinter sich abbricht, handelt sie bewusst auch gegen den letzten Willen ihres Vaters. Ihre Suche beginnt dort, wo er zuletzt gesehen wurde: in dem legendären Grabmal auf einer mythischen Insel…


Heimkinotipp: DIE BESTE ALLER WELTEN  | Regie: Adrian Goiginger | DE/AT 2017

Lagerfeuer, Feuerwerkskracher, Abenteuergeschichten: Der siebenjährige Adrian (Jeremy Miliker) erlebt eine auf den ersten Blick harmonische Kindheit im außergewöhnlichen Milieu einer Drogenszene am Rand einer österreichischen Stadt, und mit seiner liebenswerten Mutter Helga (Verena Altenberger) zwischen Fürsorglichkeit und Drogenrausch. Wenn er groß ist, möchte er unbedingt Abenteurer werden. Trotz aller Schwierigkeiten ist es für ihn eine behütete Kindheit, die beste aller Welten. Er ist kein unglückliches Kind, Helga ist eine liebevolle Mutter, spielt mit ihm Fußball, erzählt ihm Zaubermärchen, bestärkt ihn. Bis sich die Außenwelt nicht mehr länger aussperren lässt. Helga weiß, sie muss clean werden, um ihren Sohn nicht für immer zu verlieren. Doch dazu muss sie ihre eigenen Dämonen besiegen…

An dem autobiographischen Filmdrama „Die beste aller Welten“ hat man schwer zu knabbern. So authentisch und lebensecht inszeniert Regie-Newcomer Adrian Goiginer seine eigene Kindheit, die dem Zuschauer einen emotionalen, fast traumatisch-intensiven Einblick hinter die Kulissen der österrichischen Drogenszene liefert. Jungdarsteller Jeremy Miliker spielt Weltklasse – genauso wie der Rest.

Maria Magdalena

Nach seinem nach Oscars schielenden Drama „Lion“ wagt sich Regisseur Garth Davis nun an die Verfilmung eines Bibelabschnittes. Dafür rückt er mit MARIA MAGDALENA eine Figur in den Fokus, der er endlich ebenjenen Wert zugesteht, den auch die Kirche ihr erst vor knapp zwei Jahren zusprach. Doch von diesem ehrenwerten Vorhaben abgesehen, ist sein Film unentschlossen. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik. Weiterlesen

Das startet am 23. Februar 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 23. Februars, an dem wieder jede Menge Neues in den Kinos startet. Obwohl eher im Genre anzusiedeln, dürfte Gore Verbinskis Psychothriller „A Cure for Wellness“ im Anbetracht der üppigen Werbemaßnahmen ziemlich weit oben in den Kinocharts mitmischen, auch wenn der stärkste Start mit Sicherheit auf den vierten und letzten Teil der „Bibi & Tina“-Reihe fällt. Ebenfalls eher für ein jüngeres Publikum eignet sich „Bailey“, während in den Programmkinos der Oscar-Kandidat „Lion“ den Ton angeben dürfte. Trotz Starbesetzung ist es um das Thrillerdrama „Boston“ derzeit noch überraschend ruhig. Was von „Fist Fight“ erwartet werden darf, können wir in Ermangelung eines Pressescreenings leider (noch) nicht sagen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

A CURE FOR WELLNESS | Regie: Gore Verbinski | DE/USA 2017

A Cure for Wellness

Der junge, ehrgeizige Manager Mister Lockhart (Dane DeHaan) wird beauftragt, den Vorstandsvorsitzenden seiner im Aufwind befindlichen Firma (Harry Groener) von einem idyllischen aber mysteriösen ‚Wellness-Center‘ zurückzuholen, das sich an einem abgelegenen Ort in den Schweizer Alpen befindet. Wenn er das nicht tut, wird er gefeuert. Also macht er sich auf den Weg, doch schon bald vermutet er, dass die wundersamen Anwendungen des Spas nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Als Lockhart beginnt, die erschreckenden Geheimnisse aufzudecken, wird sein Verstand auf eine harte Probe gestellt: bei ihm wird die gleiche seltsame Krankheit diagnostiziert, die alle anderen nach Heilung verlangenden Gäste dort festhält…5 von 5

Gore Verbinskis Rückkehr ins Genrekino ist ein Horrorgemälde von morbider Schönheit, das einen so lange in seinen Bann zieht, bis man selbst nicht mehr weiß, ob das Gezeigte echt, oder nur Einbildung ist. Für Horrorfans ist „A Cure for Wellness“ das erste große Must-See 2017!


BIBI & TINA – TOHUWABOHU TOTAL |  Regie: Detlev Buck | DE 2017

Bibi & Tina - Tohuwabohu total

Das Tohuwabohu ist perfekt: Bibi (Lina-Larissa Strahl) und Tina (Lisa-Marie Koroll) begegnen einem ruppigen Ausreißer (Lea van Acken), der sich als Mädchen entpuppt und von seiner Familie verfolgt wird. Das Familienoberhaupt ist weltfremd, engstirnig und stur, den kann man nicht überzeugen und selbst Bibi kommt mit Hexerei nicht weiter. Außerdem ist Schloss Falkenstein „under contruction“ und der Graf (Michael Maertens) völlig überfordert, während Alex (Louis Held) ein Musik-Festival auf Falkenstein plant und sich seinem Vater widersetzt. Und als wäre das nicht genug, wird Tina schließlich auch noch entführt. Bei all dem Chaos wird am Ende eines ganz klar: Wirkliche Veränderungen entstehen durch gemeinsame Aktionen und Anstrengungen, nicht durch Hexerei.
4 von 5

Wer nach „Bibi & Tina – Tohuwabohu total“ immer noch die Meinung vertritt, das ursprünglich mal als Familienfilmreihe angefangene Franchise sei doch nur etwas für kleine Mädchen, der glaubt auch, dass Donald Trumps Idee mit der Mauer eine gute ist. Bibi und Tina machen es vor: Die beiden weltoffenen Mädels bekommen mit diesem weltoffenen, komplexen und ungemein kreativen Film genau den Abschlussfilm, den sie verdienen.


BOSTON |  Regie: Peter Berg | USA 2016
Boston

Boston, 15. April 2013 – Wie jedes Jahr zieht es tausende Läufer und Zuschauer aus aller Welt an die Strecke des beliebten Bostoner Marathons. Doch die Feierlichkeiten verstummen schlagartig, als zwei Sprengsätze an der Zielgeraden detonieren. Noch ist unklar, ob den Explosionen weitere folgen werden. Aber Police Sergeant Tommy Saunders (Mark Wahlberg) versucht einen klaren Kopf zu bewahren und die ersten Rettungseinsätze zu koordinieren – obwohl seine Frau Carol (Michelle Monaghan) beinahe selbst den Detonationen zum Opfer gefallen wäre. Für die Ermittler beginnt ein packender Wettlauf gegen die Zeit und eine der nervenaufreibendsten Großfahndungen in der Geschichte Amerikas nimmt seinen Lauf…
4 von 5

„Boston“ ist vor allem deshalb der bislang beste Film von Peter Berg, weil er sich echt anfühlt. Über weite Teile seiner sich äußerst kurzweilig anfühlenden 133 Minuten ist der Crime-Thriller ein hochspannendes Puzzle-Spiel, das viele verschiedene Sichtweisen auf die Ereignisse des Bostoner Terrorakts berücksichtigt. Erst in der letzten halben Stunde verfällt Berg leider in alte „Amerika ist geil!“-Muster.


BAILEY – EIN FREUND FÜRS LEBEN | Regie: Lasse Hallström | USA 2017

Bailey - Ein Freund fürs Leben

Ethan (Bryce Gheisar) ist acht Jahre alt, als der verspielte Golden Retriever Bailey (deutsche Stimme: Florian David Fitz) sein bester Freund wird. Er und seine Mutter retten den jungen Welpen aus der Hitze eines abgeschlossenen Autos und nehme sich der kleinen Seele an, die einen schweren Start ins Leben hatte. Hund und Herrchen sind unzertrennlich und überstehen sogar Ethans (als Teenie: K.J. Apa) ersten Liebeskummer zusammen. Auch als ihre gemeinsame Zeit zu Ende ist, verlässt Bailey seinen „Seelenmenschen“ niemals: Im Lauf der Jahrzehnte kehrt der treue Hund in verschiedenen Reinkarnationen zurück – sogar als Polizeihündin – und lernt mit jedem neuen Leben etwas dazu, bis er den längst erwachsenen Ethan (Dennis Quaid) endlich wiederfindet…
3 von 5

„Bailey – Ein Freund fürs Leben“ ist kein Kritiker-, sondern ein Publikumsfilm. Oberflächlichkeit und gefällige Gefühlsduselei lassen sich nicht leugnen, doch irgendwie schafft es Lasse Hallström, dass man ihm trotzdem nie böse sein kann. Als Hundeliebhaber und ohne die aller größten Ansprüche an einen charmant-harmlose Filmabend kann dieser Tierfilm dann sogar ohne schlechtes Gewissen zu Herzen gehen.


LION – DER LANGE WEG NACH HAUSE | Regie: Garth Davis | AUS/USA/UK 2016
Lion - Der lange Weg nach Hause

Ein Tag wie jeder andere im Leben des fünfjährigen Saroo: Auf dem Bahnhof der indischen Kleinstadt, in der sein Bruder ihn für einige Stunden zurückgelassen hat, sucht er nach Münzen und Essensresten. Vor Erschöpfung schläft er schließlich in einem haltenden Zug ein und findet sich nach einer traumatischen Zugfahrt am anderen Ende des Kontinents in Kalkutta wieder. Auf sich allein gestellt irrt er wochenlang durch die gefährlichen Straßen der Stadt, bis er in einem Waisenhaus landet, wo er von Sue und John Brierley adoptiert wird, die ihm ein liebevolles Zuhause in Australien schenken. Viele Jahre später lebt Saroo in Melbourne, ist beruflich erfolgreich und wohnt mit seiner Freundin Lucy zusammen. Er könnte rundum glücklich sein, doch die Frage nach seiner Herkunft lässt ihn nicht los.
3 von 5

Der visuell bestechend aufregende „Lion – Der lange Weg nach Hause“ ist standardisiertes Dramakino, dem es durch die allseits bekannte Grundgeschichte an Spannung und Faszination mangelt. Inszenatorisch generiert Garth Davis tatsächlich Emotionen, doch auch, wenn das im Moment des Zuschauens wirken mag, verpufft die Rührung spätestens dann, wenn die dramatischen Streicher verstummt sind.


FIST FIGHT | Regie: Richie Keen | USA 2017

Fist Fight

Am letzten Schultag hält der liebenswürdige Englischlehrer Andy Campbell den Kopf nur mit Mühe über Wasser, denn nicht nur die enthemmten Schulabgänger schlagen über die Stränge – auch die Verwaltung bekommt nichts gebacken, und aufgrund von Budget-Kürzungen droht ihm die Entlassung gerade in dem Moment, als seine Frau ihr zweites Kind erwartet. Richtig ans Eingemachte geht es aber erst, als Campbell aus Versehen seinem knallharten Kollegen Ron Strickland in die Quere kommt, was zu Stricklands Entlassung führt. Für den schockierten Campbell beginnt ein Albtraum, denn Strickland fordert ihn zu einem altmodischen Entscheidungskampf heraus. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer, während Campbell verzweifelt nach einem Ausweg sucht, bevor er windelweich geprügelt wird. 3 von 5

„Fist Fight“ ist Keinesfalls ein Kino-Muss, für Fans aufgekratzter Komödien wie „21 Jump Street“, „Nicht noch ein Teeniefilm“ oder eben „Fack ju Göhte“ aber sehr wohl einen Blick wert.


NERUDA | Regie: Pablo Larraín | CHL/ARG/FR/ESP/USA 2016

Neruda

1948. In einer flammenden Rede vor dem Kongress bezichtigt Senator Pablo Neruda, Dichter und Kommunist, die Regierung Präsident Videlas des Verrats – und wird umgehend seines Amtes enthoben. Der Kalte Krieg ist in Chile angekommen. Neruda entzieht sich seiner Verhaftung und taucht ab. Mitten in der Arbeit an seiner epochalen Gedichtsammlung „Canto General“ versucht er, mit seiner Frau Delia del Carril das Land auf geheimen Wegen zu verlassen. Verfolgt vom melancholischen Polizisten Peluchoneau, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, dem Neruda zwischen Poesie und Legendenbildung einen ganz eigenen Reiz abgewinnt. Immer wieder legt er selbst Spuren, um seinem hartnäckigen Verfolger im letzten Moment zu entkommen. Bald dringt die Geschichte vom Dichter auf der Flucht nach Europa, Künstler wie Pablo Picasso setzen sich für seine Freiheit ein.


DIE GABE ZU HEILEN | Regie: Andreas Geiger | DE 2016

Die Gabe zu heilen

„Die Gabe zu heilen“ ist eine Geschichte über Menschen mit der Fähigkeit andere Menschen zu heilen. Sie werden Hellseher, Kräuterhexen und Wunderheiler genannt. Ihre Methoden sind oft skurril. Sie beten Warzen bei abnehmendem Mond weg oder klopfen mit geweihten Kräuterbüscheln den Viehstall aus – archaische Rituale gepaart mit Aberglauben und Volksmedizin. Lernt man sie näher kennen, sind viele dieser „Wunderheiler“ ganz normale Menschen, die eng mit der christlichen Tradition und ihrer regionalen Kultur verbunden sind. Man findet sie in Deutschland in Oberschwaben, in den Alpen, entlang der Küste und sogar in Städten. Sie machen das nicht, um damit das große Geld zu verdienen und auch nicht, um sich zu profilieren. Doch was ist dran, an dem, was die Heiler ihren Patienten versprechen?


 Heimkinotipp: DER UNSICHTBARE GAST |  Regie: Oriol Paulo | ESP 2016

Der unsichtbare Gast

Ein verschlossener Raum, eine Leiche und ein dringend Tatverdächtiger: Der erfolgreiche Geschäftsmann Adrián Doria (Mario Casas), gleichzeitig der Liebhaber der Toten. Frau und Tochter hat er in der Folge bereits verloren, ebenfalls den Kampf um die öffentliche Meinung. Bis die Anwältin Virginia Goodman (Ana Wagener) an seine Tür klopft – mit neuem Zeugen und neuen Fragen im Gepäck. Der Beginn eines nervenaufreibenden Katz- und Mausspiels, in dessen Verlauf die Geschichte von Adrián immer neue Löcher, aber auch immer neue, atemberaubende Wendungen erhält. Denn die Anwältin kann sich nie sicher sein, dass sich das Verbrechen tatsächlich so zugetragen hat, wie es ihr Mandant ihr weismachen will…
4 von 5

Auch wenn sich ein Film wie „Der unsichtbare Gast“ zuhause ebenso entfaltet wie im Kino, ist es doch schade, dass Oriol Paulo der Weg in die deutschen Lichtspielhäuser bisher verwehrt blieb. Sein hochspannender Kammerspiel-Thriller ist ein Twistride aller erster Güte, der aus einem simplen Konzept das Optimum an Suspense, Unterhaltung und Wow-Effekt herausholt.