Rettet den Zoo

Die südkoreanische Familienkomödie RETTET DEN ZOO fühlt sich zwar insgesamt sehr „westlich“ an, an Herzenswärme und Humor büßt er dadurch jedoch keineswegs ein. Weshalb es sich lohnt, einen Blick auf einen der ersten neu angekündigten Kinostarts nach der Corona-Krise zu riskieren, das verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Tae-soo (Ahn Jae-hong) träumt von einer Karriere in der Anwaltskanzlei, in der er seit Monaten als Assistent auf Probe nur Botengänge erledigen darf. Sein Wunsch scheint zum Greifen nah, als ihm sein Chef eines Tages eine gut bezahlte Festanstellung unter folgender Voraussetzung verspricht: Tae-soo soll innerhalb von nur drei Monaten einen kurz vor der Pleite stehenden Zoo wieder zum Laufen bringen, damit sich ein potenzieller Käufer finden lässt. Da der Zoo mittlerweile fast alle Tiere hat verkaufen müssen und so natürlich keine Besucher anlocken kann, kommt Tae-soo eine verrückte, aber geniale Idee: Die verbliebenen Angestellten sollen in lebensechten Kostümen selbst in die Rollen der Tiere schlüpfen! Der Plan könnte aufgehen, denn wer würde schon unechte Tiere in einem Zoo vermuten?

Kritik

Spätestens seit dem fulminanten Oscar-Durchmarsch von „Parasite“ Anfang dieses Jahres steht das südkoreanische Kino nicht bloß bei Cinephilen hoch im Kurs. Bei diesem neu aufgeflammten Trend für Filmkost aus dem Land, das Perlen wie „Oldboy“, „Memories of Murder“ und „I Saw the Devil“ hervorgebracht hat, blieb ein Genre bislang recht unbeachtet: das des Kinder- und Familienfilms. Das soll sich mit Jae-gon Sons „Rettet den Zoo“ nun ändern. Und die Wahrscheinlichkeit dafür, dass schon die Kleinsten in Zukunft gern Filme aus Südkorea schauen wollen, steht gar nicht so schlecht. Denn auch wenn sich die sympathische Komödie rund um eine extravagante Tierparkrettungsaktion gar nicht so sehr von westlichen Familiencomedies unterscheidet, der Gewöhnungsfaktor folglich moderat ausfällt, so liefern die Macher hiermit doch ein äußerst charmantes Stück Kinounterhaltung ab – und wir hoffen ganz stark, dass wir nicht noch eines Besseren belehrt werden. Denn bei „Rettet den Zoo“ handelt es sich hierzulande um die erste Post-Corona-Neuankündigung für die Lichtspielhäuser. Bereits am 4. Juni soll es so weit sein.

Ein Gorilla und ein Faultier – oder eher: zwei Menschen in Tierkostümen.

Zugegeben: Die Grundidee von „Rettet den Zoo“ kommt einem extrem bekannt vor. Ein kalkulierender Geschäftsmann (oder irgendein anderer autoritär auftretender Zeitgenosse) nimmt sich einer auf seine eigenen Bedürfnisse abzielenden Aufgabe an; in diesem Fall der Rettung eines Zoos zwecks Weiterverkauf. Im Laufe der Zeit beginnt dieser Zeitgenosse allerdings, sich so sehr mit seiner neuen Aufgabe vertraut zu machen und die Menschen dahinter kennenzulernen, dass der ehrgeizige Geschäftsmann schließlich doch noch sein Herz entdeckt und sich plötzlich weniger für seine Karriere denn vielmehr für das Projekt an sich interessiert. So gesehen etwa in „Sister Act“, „Peter Hase“, „Ich – Einfach und verbesserlich“ oder „Highway to Hellas“ – also quasi der ganzen Bandbreite an Komödien. Da sich auch „Rettet den Zoo“ nahtlos in diese Aufzählung einreiht, ist der Überraschungseffekt innerhalb des Films gering. Und doch gestaltet Regisseur Jae-gon Son („Yicheungui akdang“) den Weg zum vorhersehbaren Ziel äußerst unterhaltsam. Denn anstatt wie in Filmen wie „Wir kaufen einen Zoo“ oder anderen Vertretern der „Wir müssen auf Biegen und Brechen ein Etablissement wieder zum Laufen bringen“-Gattung lassen die Macher von „Rettet den Zoo“ den dabei grundsätzlich durchklingenden dramatischen (oder eher: nostalgischen) Unterton außen vor. Ihr Film ist eine durch und durch absurde Komödie; und anstatt hier dabei zuzusehen, wie sich im Laufe der Geschichte sukzessive der Zustand des Zoos verbessert, setzen die Zooretter hier auf Menschen in Tierkostümen. Es geht also nicht darum, jeden Tag gebannt darauf zu warten, ob sich endlich ein Zuschauer in den Tierpark verirrt (sobald dieser wieder geöffnet ist, kommen die Besucher von ganz allein), sondern vielmehr darauf, ob der Schwindel auffliegt.

Was nun wiederum wie eine ziemlich alberne Idee klingt, besitzt in der hier dargebotenen Aufmachung allerdings eine ungeahnte Aufrichtigkeit. Wenngleich „Rettet den Zoo“ mit dieser Rettungsaktion der etwas anderen Art direkt in die Vollen geht (bereits nach rund 25 Filmminuten – von für dieses Genre durchaus üppigen 115 – hat sich der Anwalt und Neu-Zoowärter auf die Strategie festgelegt und beginnt gemeinsam mit seinem Team, das Konzept auf die Beine zu stellen und Kostüme zu ordern), kommt bereits in dieser kurzen Zeit auch die Aufopferungsbereitschaft des Teams zur Geltung. Insbesondere die schon sehr lange mit dem Zoo verbundene Tierpflegerin Han So Won (So-ra Kang) besitzt eine ganz besondere Verbindung zum Eisbär Black Nose – dem einzigen echten Tier des Tierparks, der aufgrund seiner Einzelhaltung jedoch längst depressiv geworden und damit alles andere als vorzeigbar ist. So fällt auch ein kleines Spotlight auf das ansonsten eher im Hintergrund verbleibende Thema Tierschutz, von dem man erst sehr spät realisiert, dass die Filmemacher es gar als Happy End anstreben. Immerhin: Mit einem echten Eisbär wurde hier nur für einige wenige Aufnahmen gedreht. Ansonsten ist Black Nose das Ergebnis einer leider mehr schlechten als rechten Computeranimation.

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen!

Was für ein Glück, dass es bei den restlichen Zootieren ja gerade zum komischen Konzept gehört, dass man sie zwar auf den aller ersten Blick (und aus der Ferne) durchaus für echte Löwen, Faultiere, Eisbären und Giraffen halten könnte, jedoch ein zweiter Blick bereits genügt, um sich als in den Schwindel eingeweihter Zuschauer zu fragen, wie diese ganze Fake-Aktion bloß so lange gut gehen kann. Die Begründung dafür liefert Tae-soo sehr früh im Film: Weil einfach kein Zoobesucher damit rechnen würde, keine echten Tiere zu sehen. Diverse herausragend-lustige Momente sind die Folge: Etwa, wenn ein kleines Besuchermädchen ihrer desinteressierten Mutter mitteilt, dass es sich bei den Tieren um Fakes handelt, diese der Äußerung ihres Kindes jedoch keinerlei Aufmerksamkeit schenkt. Oder sämtliche Szenen, in denen sich die kostümierten Menschen unbeobachtet fühlen (insbesondere das permanent auf dem Smartphone herumtippende Faultier zieht die Absurditätsschraube ordentlich an). Auch einige Actioneinlagen leben hier vom im wahrsten Sinne des Wortes tierischen Slapstick; für die ganz jungen Zuschauer könnte allerdings insbesondere ein Eisbärenkampf gen Ende des Films einen Tick zu aufregend sein. Den von der Hauptfigur Tae-soo vollzogenen Charakterwandel vom kaltherzigen Anwalt hin zum tierparkliebenden Zoodirektor verkörpert der in seiner Heimat vor allem für Serien bekannte Ahn Jae-hong („Fight for my Way“) grundsolide. Insbesondere die Interaktion mit dem Rest des hochengagierten Ensembles überzeugt. Selbst durch die Kostüme durch meint man zu erahnen, was die Darsteller hier für einen Spaß hatten. Kein Wunder, dass dieser alsbald auch auf das Publikum überspringen muss.

Fazit: Die südkoreanische Familienkomödie „Rettet den Zoo“ gleich ihr nach Schema F aufgezogenes Erzählkonzept mit einer gehörigen Portion Absurdität, viel Herzblut und treffend sitzenden Pointen wieder aus. Ein guter Einstieg in das Post-Corona-Kinojahr 2020!

„Rettet den Zoo“ ist ab dem 4. Juni in den deutschen Kinos zu sehen.

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