Für immer Adaline

Abseits diverser Grimm-Variationen ist das klassische Märchen aus den Kinosälen heutzutage verschwunden. Regisseur Lee Toland Krieger besinnt sich mit seiner Romanze FÜR IMMER ADALINE auf die durchaus kitschigen, aber durch und durch liebenswürdigen Mechanismen einer träumerischen Liebensgeschichte, wie es sie auf der Leinwand kaum mehr zu sehen gibt. Mehr dazu in meiner Kritik.

Für immer Adaline

Der Plot

Die Welt hat sich in den letzten hundert Jahren verändert – nicht aber Adaline Bowman (Blake Lively). Es ist 1935 und Adaline 29 Jahre alt, als ihr Leben eine schicksalhafte Wendung erfährt. In einer stürmischen Nacht gerät Adaline in einen Unfall und fortan gelten für sie die Regeln der Zeit nicht mehr: Adaline hört auf zu altern. Was wie ein Traum klingt, bedeutet für Adaline ein einsames und zurückgezogenes Leben: Fast alle Menschen, denen sie im Laufe der folgenden acht langen Jahrzehnte nahe kommt, muss sie irgendwann schweren Herzens verlassen, um ihr Geheimnis zu wahren – bis auf ihre Tochter Flemming (Ellen Burstyn). Doch eines Tages begegnet sie dem charismatischen Ellis Jones (Michiel Huisman). Hals über Kopf verliebt er sich in die geheimnisvolle Adaline und gibt auch nicht auf, als sie sich von ihm zurückzieht. Ihre strikten Vorsätze geraten ins Wanken: Kann sie diesmal der großen Liebe eine Chance geben und sich Ellis anvertrauen?

Kritik

Kitsch ist böse. Mehr noch: Kitsch ist der Todfeind der Kunst. Denn Kitsch bedient sich simpelster Stil- und Erzählmittel, um eindeutige, emotionale Reaktionen zu provozieren. Genau deshalb ist jener Kitsch auch im Genre der Romanze besonders überrepräsentiert, denn Nicholas Sparks und Co. erhalten mit einfachsten Prinzipien die stille Hoffnung einer jeden Teenagerin aufrecht, die sich wünscht, irgendwann in den Armen des eigenen Traumprinzen einzuschlafen. Doch Kitsch kann auch schön sein, denn gerade im Märchen findet dieser simple Inszenierungsstil noch bevorzugt jene Verwendung, für die er einst gedacht wurde. Für manche Dinge braucht es keine Worte, für manche Dinge gibt es nicht einmal welche. Und auch diese finden sich zumeist dann, wenn es um die Liebe in all ihren Facetten, mit all ihren Irrungen und Wirrungen geht. Manchmal lassen sich die Gefühle für eine Person eben nicht einfach nur beschreiben. Die Farbe des Himmels, der Klang einer bestimmten Melodie oder der Windhauch, der die Härchen auf dem Arm dazu bringt, sich zu erheben, können die emotionale Verfassung einfach manchmal viel treffender zusammenfassen, als es subtilere Ausdrucksformen zu tun vermögen. Dessen ist sich auch Regisseur Lee Toland Krieger („Celeste & Jesse“) bewusst, der mit „Für immer Adaline“ ein durch und durch bezauberndes Romantikdrama inszeniert, das nie auf Subtilität baut. Dass dabei dennoch zu jedem Zeitpunkt echte Emotionen entstehen, liegt zum einen an der treffenden Darstellerauswahl, zum anderen aber auch an dem stilsicheren Blick dafür, wie Regieführung dem Zuschauer die Frage nach der Einordnung abnehmen kann. Mit Gefühlsmanipulation hat das weniger zu tun. Viel mehr mit dem eindeutigen Offenlegen der Intention. „Für immer Adaline“ ist eine berührendes Plädoyer dafür, dass in der Liebe alles erlaubt ist – genauso, wie beim Filmemachen.

Für immer Adaline

Obwohl Blake Lively („Green Lantern“) ihre Zeit im Rampenlicht 1998 als Schauspielerin im Film „Sandman“ begann, bringen die aller meisten die hübsche Lebensgefährtin von Ryan Reynolds mit ihrer Karriere als Model in Verbindung. Dies folgte vielleicht auch dadurch, dass die 27-jährige bis dato nicht durch besonders hervorstechende Charakterleistungen auffiel. Mit ihrem Engagement im Gangsterdrama „Savages“ ereilte Lively vor drei Jahren gar so etwas wie ihre Karrieretalfahrt auf dem Gebiet der Schauspielerei, weshalb die Skepsis ob ihrer Hauptrolle in „Für immer Adaline“ vorab durchaus berechtigt war. Doch nicht nur die bestechende Schönheit der gebürtig aus Los Angeles stammenden Mimin lässt sie wie geschaffen für die Rolle der niemals alternden Adaline erscheinen, auch das zaghafte Agieren vor der Kamera passt wie die Faust aufs Auge dieses berührenden, jedoch nicht immer ganz einfachen Films. Krieger ist sich seiner Richtung von der ersten Sekunde an bewusst, doch trotz des frühen Besinnens auf den richtigen Pfad braucht seine Geschichte eine ganze Weile, um in Fahrt zu kommen. Der Regisseur lässt sich viel Zeit für die Einführung seiner Charaktere. Er zeichnet Adaline als nahezu engelsgleiche Gestalt, der jedwede Form der charakterlichen Schwächen abgehen. Dieses makellose Erscheinungsbild ist für einen Märchenfilm fast unabdingbar, doch als Regisseur im 21. Jahrhundert hätte sich Krieger durchaus mehr trauen dürfen, als eine derart eindimensionale Zeichnung.

Mit der Einbindung weiterer Figuren erweitert sich der „Adaline“-Kosmos um Stereotypen anderen Kalibers, die ihren Handlungszweck durch und durch erfüllen, jedoch nie zu völliger Tiefe finden. Dass „Für immer Adaline“ dennoch funktioniert, liegt an der Wahl des richtigen Fokus, denn außer des Dramasegments finden nur die wenigsten Liebesgeschichten in Kombination mit einer komplexen Charakterstudie statt. Kriegers Film macht sich die Eindimensionalität seiner Figuren zunutze, indem er sie als allgemeingültige Identifikationsfiguren ansieht. Adaline und Ellis stehen für ein Paar, für dessen Zukunft es (eigentlich) keinerlei Chancen gibt. Typischer Lovestory-Stoff, dessen Weg das Ziel ist. Die Inszenierung macht jedweden Überraschungseffekt ob des Filmendes hinfällig, denn der genreerfahrene Zuschauer weiß: Ein Happy-End ist hier obligatorisch. Doch Krieger und sein Kamera-Sound-Duo aus David Lanzenberg („The Signal“) und Rob Simonsen („Foxcatcher“) kleiden ihre eigentlich so simple Geschichte in ein pompöses Gewand und machen aus dem durchschnittlichen und nicht minder konstruierten Film eine visuelle Augenweide, deren Faszination sich sogleich auch auf den Gesamteindruck auswirkt. Alle Beteiligten wissen um den Wert ihrer Produktion und machen keinen Hehl daraus, dass „bloß“ das buchstäbliche Bauchkribbeln einer ersten Liebe im Mittelpunkt stehen soll. Dazu braucht es viel Weichzeichner und das Melodischste vom Melodischen, sodass trotz all des Kitsches am Ende doch eine gewisse Form der Ehrlichkeit bleibt.

Ebenjene stammt allen voran durch den kurzen Auftritt Harrison Ford („The Expendables 3“) der es in seiner Rolle des ehemaligen Adaline-Freundes tatsächlich schafft, der Story so etwas wie Überraschung einzuverleiben. Womit der ergraute Schönling das Publikum nach rund zwei Drittel der Story überrascht, sei aus Spoilergründen an dieser Stelle nicht verraten. Doch so viel sei gesagt: Wer den Trailer vorab nicht gesehen hat, dem vermag das Skript von „Für immer Adaline“ zumindest an dieser Stelle für einen Moment den Atem zu rauben. Damit bewegt sich Lee Toland Krieger letztendlich zwar ebenso wenig aus seiner Komfortzone wie schon vorab in keinem Moment, doch eines ist sicher: „Für immer Adaline“ wählt trotz seiner berechnenden Intention nie den einfachsten Weg. Dadurch erweist sich die zu Beginn noch als kitschig bezeichnete Machart kurzerhand fast als Glücksgriff, denn Krieger gelingt das Schaffen eines Märchens, das er im Hier und Jetzt verwurzelt. Einzig ein Off-Kommentar bezüglich eines angerissenen Meteor-Subplots ist schlussendlich mehr Ballast denn Zugewinn und drückt wesentlich stärker auf die Tränendrüse, als es der ansonsten so federleichte Film tatsächlich verdient hätte.

Fazit: „Für immer Adaline“ hat trotz unübersehbarer Schwächen eine visuelle Ausstrahlung, wie man sie sonst nur im Rahmen der Disney-Filmschmiede oder anderweitigen Märchenverfilmungen kennt. Jedwede logischen Muster sollte man auch hier zu keinem Zeitpunkt genauer unter die Lupe nehmen. Doch gerade für den weiblichen Zuschauer mit Hang zu Träumereien ist Lee Toland Kriegers Regiearbeit wie ein nicht enden wollender Sommernachtstraum.

„Für immer Adaline“ ist ab dem 9. Juli bundesweit in den Kinos zu sehen.

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