Meine Filmflops 2019 – Die Plätze 10 bis 1

Nachdem ich vor Kurzem die Flop 20 meiner in diesem Jahr gesichteten Filme veröffentlichte, folgen nun die Plätze 10 bis 1 der von mir am meisten verabscheuten Filme 2019. Noch einmal möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die objektive Qualität des Films nicht zwingend etwas mit der Platzierung in dieser Liste zu tun haben muss. Es geht hier einzig und allein darum, wie sich mein Empfinden bein Anschauen dieser Filme veränderte. Es kann also sein, dass ich hier ein wenig schärfer in meiner Wortwahl vorgehe, als ich es in meinen Kritiken handhabe. Für eine möglichst objektive Sicht der Dinge verweise ich gern auf die Filmkritiken, die ich in den jeweiligen Platzierungen verlinkt habe. 

An dieser Stelle ist auch noch kurz einmal Platz für einige wenig ehrenwerte Nennungen von Filmen, die es nur ganz knapp nicht in meine Flop 20 des Jahres geschafft haben. Die Faszination für THE IRISHMAN hat sich mir trotz namhafter Beteiligung vor sowie hinter der Kamera partout nicht erschlossen, genauso wie das bedeutungsschwangere, wenngleich hochansehnlich gefilmte Weltraumdrama AD ASTRA. Auch das leidenschaftslose Biopic JUDY über Judy Garland hätte es nicht gebraucht und lässt seine Titelheldin wenig rühmlich von der Bühne abtreten. Respekt aber keine Liebe gab es von mir außerdem für den Fantasy-Filmfest-Beitrag DRAGGED ACROSS CONCRETE. Während die Neuverfilmung von ROBIN HOOD und das zweite „Has Fallen“-Sequel ANGEL HAS FALLEN den Bodensatz unnötiger Blockbusterunterhaltung bildeten.

10

Erst zigfach verschoben, dann unter wenig Begeisterung bei der Berlinale uraufgeführt und schließlich ohne Pressescreening mit gerade mal einer Handvoll Kopien in die deutschen Kinos entlassen: Von BERLIN, I LOVE YOU wussten wohl vorab so ziemlich alle, was sie genau erwarten (oder eben nicht erwarten) durften. In diesem Fall eine absolute Katastrophe von Episodenfilm aus der deutschen Metropole Berlin, inszeniert von durchaus namhaften Regisseuren wie Dennis Gansel, Peter Chelsom und Til Schweiger. Letzterer macht den Film eigentlich schon im Alleingang kaputt. Heißt im Klartext: Selbst wenn alle anderen Episoden super wären – was sie nicht sind, einige von ihnen aber immerhin halbwegs ansehnlich – dann gäbe Schweigers dummdreister Kommentar auf die aktuell nach wie vor in den Medien präsente #MeToo-Debatte automatisch die Bankrott-Erklärung für den Film ab. Und wirklich nichts an diesem aus Postkartenbildern und obskuren Messages bestehenden Film kann retten, was Schweiger hier kaputtmacht und Leute wie Dennis Gansel zu retten versuchen. „Berlin, I Love You“ beendet, was mit „Paris, je t’aime“ hoffnungsvoll begann.

9

Im Falle von HIGH LIFE schieden sich 2019 die Geister. Die einen hielten das Drama mit Robert Pattinson und Juliette Binoche in den Hauptrollen für ein philosophisches, assoziatives Kunstwerk. Die anderen, zu denen ich mich zähle, konnten mit dieser unendlich langatmigen Aneinanderreihung von Symbolik und Schwätzerei einfach nichts anfangen. Hinzu kommt die anstrengende Ästhetik eines Films, bei dem man in jeder Sekunde das Gefühl hat, all das hier soll hochwertig und schön aussehen, während in Wirklichkeit jedes Set wie schnell zusammengeklöppelt ausschaut und bei zu schneller Bewegung der Schauspieler zusammenzufallen droht. Und apropos schnelle Bewegung: Wenn sich die in den vergangenen zwölf Monaten einmal mehr vielbeschäftigte Schauspielerin Juliette Binoche hier mehrere Minuten lang sexuellen Verrenkungen mit sich selbst hingibt, weil es in „High Life“ ja generell sehr viel um Fortpflanzung geht, weiß man nicht, ob man fasziniert hin- oder angewidert wegschauen soll. Hierin mag irgendwo die Essenz von Triebhaftigkeit und Überleben stecken, aber ich habe sie nicht gefunden.

8

László Nemes hat vor einigen Jahren das zermürbende KZ-Drama „Son of Saul“ inszeniert und damit mitten in die Magengrube getroffen. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an sein Nachfolgewerk SUNSET, das er 2019 vorgelegt hat und darin von einer jungen Frau erzählt, die in Budapest im Jahr 1913 zunächst nach einem Job und später nach ihrem verschollenen und angeblich kriminellen Bruder sucht. Insbesondere visuell ist das Projekt des für seine unkonventionellen Kameraspielereien bekannten Nemes einmal mehr eine Augenweide. Man hat das Gefühl, direkt Teil des Budapester Getümmels zu sein, wozu aber auch gehört, dass der unfokussierte Erzählstil einen irgendwann völlig verliert. Wenngleich das natürlich in gewisser Weise auch die fehlende Orientierung der Hauptfigur widerspiegelt, habe ich irgendwann vollkommen das Interesse an „Sunset“ verloren. Zumal es einem die Protagonistin Iris Leiter auch alles andere als leicht macht, mit ihr mitzufühlen. Nicht zuletzt da die Hauptdarstellerin Juli Jakab auf ein sehr reduziertes Spiel baut, von dem man selbst in Nahaufnahmen kaum Notiz nimmt.

7

Über keinen deutschen Film wurde in der zweiten Jahreshälfte 2019 mehr diskutiert als über DAS PERFEKTE GEHEIMNIS, die neueste Regiearbeit von „Fack ju Göhte“-Regisseur Bora Dagtekin. Und so viel kann ich vorweg sagen: Bis zu einem gewissen Zeitpunkt ist dieses Remake eines italienischen (und später vor allem französischen) Kassenschlagers wirklich witzig und bildet auf charmant-bissige Weise den von Smartphones dominierten Zeitgeist ab. Doch anders als die bekanntesten Neuinterpretationen des Stoffes gibt es in der deutschen Variante ein absolut mutloses und inhaltlich zudem höchst fragwürdiges Happy End zu sehen, das homophobe Tendenzen offenbart und einige hübsche Aussagen der vorausgegangenen 90 Minuten mit dem Vorschlaghammer zertrümmert. Wäre das nicht gewesen, hätte der Film infolge der inszenatorischen Mutlosigkeit und der dummdreisten Produktplatzierung zwar immer noch keine Top-Platzierung verdient. So aber bringen auch die vielen gelungenen Gags nichts: „Das perfekte Geheimnis“ ist ein absolut unverdienter Publikumshit in den deutschen Kinos und vielleicht sogar der dümmste Film, der in den letzten Jahren solche Erfolge feierte.

6

Und wo wir gerade dabei sind: MONSIEUR CLAUDE 2 setzt die Tendenz zum „Das wird man ja wohl nochmal sagen dürfen“-Kino in deutschen Landen vor, bedient anders als „Das perfekte Geheimnis“ aber nicht das Thema Homophobie, sondern Ausländerfeindlichkeit unter dem Deckmantel ach so mutiger Gags. Die Grundlage: Die allesamt in fremde Kulturkreise eingeheirateten Töchter der Familie Claude denken darüber nach, auszuwandern, was der eng mit Frankreich verwurzelte Vater natürlich alles andere als gut findet. Also beschließt er, seinen Schwiegersöhnen seine Heimat so angenehm wie möglich zu machen – indem er wieder einmal ein Klischee nach dem anderen bedient. Monsieur Claude feuert aus allen Rohren, echauffiert sich über sämtliche Marotten seiner ausländischen Mitbürger. Und das in einer Derb- und Geschwindigkeit, dass Niemand hinterherkommt, die Aussagen des verhärmten Mannes wenigstens kurzzeitig zu entwaffnen. Was bleibt, sind zwei Stunden Dauerbeschallung darüber, weshalb Frankreich super und der Rest der Welt verabscheuungswürdig ist.

5

Der erste Teil befand sich einst noch in den Tops (Ja, ich mochte „Iron Sky“, auch wenn dieser über die Jahre wirklich viel an Charme verloren hat!), der zweite nun hat den Sprung auf das Flop-Treppchen nur knapp verfehlt. Denn, seien wir einmal ehrlich: Wir haben nicht nur nie nach einem zweiten Teil der Weltraumnazi-Komödie verlangt, wir wollten erst recht nie etwas wie IRON SKY: THE COMING RACE – auch nicht, als der erste Trailer uns einen auf einem T-Rex reitenden, „Sieg heil, Mutterfickers!“ brüllenden Adolf Hitler präsentiert hat. Denn das ist auch schon so ziemlich die einzig halbwegs kreative Idee an diesem Film, der über weite Strecken einfach nur gähnend langweilig ist, einem Gags von vor zehn Jahren als absolut auf der Höhe der Zeit angelegten Meta-Humor verkauft (wer lacht heute noch darüber, dass Apple eigentlich eine allmachtsfanatische Sekte ist?) und auf eine schlechte Weise absolut schäbig aussieht. Und als wäre das nicht schon ärgerlich genug: Der Film wurde all seiner Produktionsschwierigkeiten zum Trotz übrigens von der deutschen Filmförderung unterstützt – aber das nur so am Rande…

4

Niemand, absolut niemand hat nach diesem Film verlangt. Aber Til Schweiger hat ihn trotzdem gedreht (und taucht damit als erster Regisseur überhaupt zweimal in einer meiner Floplisten auf). Er hielt es für eine gute Idee, seinen deutschen Über-Blockbuster „Honig im Kopf“ nochmal auf englisch und für ein internationales Publikum zu drehen. Das hat in den USA aber niemanden interessiert, weshalb der Film dort floppte. Anfang dieses Jahres kam HEAD FULL OF HONEY dann auch noch in die deutschen Kinos, wo er einen der miserabelsten Fehlstarts in der Geschichte des Studios Warner Bros. hinlegte. Und das auch völlig zu Recht, denn abgesehen von der einmal mehr grauenvollen Schnittarbeit von Schweiger höchstpersönlich mangelt es dem Remake an jedweden neuen Impulsen. Wer „Honig im Kopf“ mochte, braucht sich diesen Film hier nicht ansehen und wer ihn nicht mochte – wie ich – erst recht nicht. „Head full of Honey“ ist eine künstlerische Bankrotterklärung und auch darstellerisch hat man nicht unbedingt das Gefühl, dass hier irgendjemand hinter seiner Arbeit stand. Alles in allem eine ziemliche Katastrophe.

3

Manche Filme kommen schon einer Frechheit gleich. Etwa, wenn man den Eindruck gewinnt, der oder die Macher hätten das Regieführen komplett aufgegeben und die Arbeit verweigert. So geschehen etwa auch beim Bronze-Treppchen meiner diesjährigen Flop 20 des Kinojahres 2019, auf dem sich die britische Heist-„Komödie“ EIN LETZTER JOB eingerichtet hat. Der Film über einen echten Juwelenraub, der einst von einer Rentner-Bande in einem britischen Nobelviertel vorgenommen wurde, wurde von seinem Studio parallel zum Start von „Avengers: Endgame“ versendet – wohl in der Hoffnung, dann würde keiner dieses filmische Grauen miterleben (hat am Ende auch keiner, der Film ging in den Lichtspielhäusern sang- und klanglos unter). Wie solch namhafte Darsteller wie Michael Caine, Brian Cox und Jim Broadbent hier durch eine aus Schuss-Gegenschuss-Dialogen bestehende Inszenierung schlafwandeln, provoziert, dass man während des Films irgendwann einnickt – und nie, nie, nie wieder aufwacht. „Ein letzter Job“ ist unterfordernd bis zum Gehtnichtmehr und macht in seinem Genre als Comedy null Spaß.

2

Die deutsche Tragikomödie GLÜCK IST WAS FÜR WEICHEIER sah ich bereits Ende des Jahres 2018 und wusste da schon, dass dieser Film ganz weit oben auf meiner Flopliste 2019 zu finden sein wird. Ich erinnere mich jetzt noch an das Kopfschütteln, das meinen gesamten Kinobesuch begleitete und die nächtelangen Gedanken darüber, ob das hier so tatsächlich ernst gemeint sein konnte. Ganz davon abgesehen, dass dieser Film noch und nöcher Anschlussfehler besitzt, diverse Plotpoints ins Nichts führen, mittendrin plötzlich Figuren auftauchen, die einem die Geschichte als bereits bekannt verkauft und es diverse Szenen gibt, in denen die Macher ihre eigenen Figuren verraten, irritierte wohl am meisten der hanebüchen-fragwürdige Umgang mit dem Thema Psychotherapie. Die gruselig-falschen Lösungsansätze des (versehentlich?) mit pädophilen Tendenzen versehenen Therapeuten können so nie im Leben ernst gemeint sein. Und wenn doch, dann ist „Glück ist was für Weicheier“ einfach extrem fahrlässig darin, Fantasie und vermeintliche Realität zu mischen und einem so Lösungen zu präsentieren, die absoluter Quatsch sind.

 

1

Nichts, aber auch wirklich gar nichts lässt eine andere Flop-eins-Platzierung zu, als jene des deutschen Actionfilm-Debakels TAL DER SKORPIONE. Das einzig Tröstliche: Die tatsächlich in die Kinos gekommene und eine große Premiere feiernde Aneinanderreihung potthässlich inszenierter Jagdszenen – egal ob mit der Waffe, den Fäusten oder was auch immer – in denen sich Haudegen wie Claude Oliver Rudolph, Ralf Richter und Martin Semmelroge im Minutentakt erbärmliche Unflätigkeiten an den Kopf werfen oder verzweifelt versuchen, irgendeinen Sinn in der Prämisse von Gewalttätern, die sich gegenseitig niedermetzeln sollen, zu finden, hat sich tatsächlich kaum jemand gegen Geld angeschaut. Das Ganze geht dann auch noch satte zweieinhalb Stunden (es sei denn, man greift auf die um rund eine halbe Stunde gekürze Fassung zurück). Stunden, in denen ich so viel Sinnvolleres hätte tun können. Zum Zahnarzt gehen, meine Steuererklärung machen oder eine weiße Wand anschauen, zum Beispiel. „Tal der Skorpione“ ist nicht nur das Schlechteste, was ich in diesem Jahr gesehen habe. Sondern gehört zu den schlechtesten Filmen aller Zeiten. Over and out!

 

In den nächsten Tagen folgen an dieser Stelle endlich meine Lieblingsfilme aus dem Jahr 2019!

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