Little Monsters

In der Horrorkomödie LITTLE MONSTERS bekommt es Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong’o mit einer Horde Untoter zu tun. Besonders originell ist das nicht, aber es macht trotzdem jede Menge Spaß. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Der erfolglose Straßenmusiker Dave (Alexander England) meldet sich nach der unschönen Trennung von seiner Freundin freiwillig, um den Kindergarten-Ausflug seines kleinen Neffen in einen beliebten Freizeitpark zu begleiten. Er erhofft sich dadurch, der charismatischen und engagierten Erzieherin Miss Caroline (Lupita Nyong’o) näher zu kommen. Ausgerechnet mit dem äußerst populären, aber nicht wirklich menschenfreundlichen Kinder-Entertainer Teddy McGiggle (Josh Gad) muss er jedoch um die Gunst von Miss Caroline buhlen. Der Ausflug nimmt eine unerwartete Wendung für alle Beteiligten, als der Freizeitpark von Zombies überrannt wird. Nun zählt für Dave und Miss Caroline nur noch eines: Sie müssen die Kinder unter allen Umständen vor den Untoten retten und ihre Schützlinge in Sicherheit bringen.

Kritik

In den seltensten Fällen ist eine Horrorcomedy eine Horrorcomedy. Bei den meisten derart angepriesenen Filmen handelt es sich in Wirklichkeit einfach um Komödien, die mit dem einen oder anderen Horrorelement (meist einer bestimmten Figurenart) aufgepeppt werden. Bei „Shaun of the Dead“ oder „Zombieland“ – man merkt: Untote sind bei derartigen Genremixen ganz vorn mit dabei – wird sich ja kaum einer wirklich gegruselt haben. Von solchem Kaliber ist auch Abe Forsythes Regie- und Drehbucharbeit „Little Monsters“, in der er eine charmante, musikaffine Kindergärtnerin an der Seite ihrer dreikäsehohen Schützlinge in einen Kampf gegen Zombies schickt, die ausgerechnet in einer Militärbasis direkt neben einem Streichelzoo zum Leben erwachen. Was dann folgt, ist in seiner Kombination aus blutigem Splatter und herzhaften bis albernen Comedyeinlagen eigentlich schon zigfach dagewesen, wird von Abe Forsythe („Down Under“) aber mit viel Liebe fürs absurde Detail in Szene gesetzt. Unterstützung hat sie dabei von der umwerfenden Oscar-Gewinnerin Lupita Nyong’o („12 Years a Slave“) und dem herrlich authentisch zwischen tumb und liebevoll changierenden Alexander England („Alien: Covenant“), die sowohl im Zusammenspiel als auch alleine richtig gut funktionieren.

Dave (Alexander England) verschreckt mit seiner Musik die Kindergartengruppe.

Wenn Abe Forsythe seinen Film damit beginnt, dass das Publikum einen Einblick in Daves Alltag erhält, in dem die Beziehung zu seinem Sohn und dessen Mutter vorwiegend aus Stress und Missverständnissen bestehen, dann wird schnell deutlich, worauf der Autorenfilmer mit seinem Titel abzielt: Als „Little Monsters“ ließen sich nämlich genau so gut die hier im Mittelpunkt stehenden Kindergartenkinder (zu denen eben auch sein eigener Sohn gehört) beschreiben, die Dave als Aushilfs-Kindergärtner schon mal ordentlich in den Wahnsinn treiben. In Kombination mit den Zombiehorden ergibt sich schließlich ein Großteil des Humors aus Carolines hilflosen Versuchen, ihren Schützlingen die Invasion als „Das gehört alles dazu!“-Attraktion schmackhaft zu machen. Durch diese außergewöhnliche Prämisse, in der Kinder auf Untote treffen, ergeben sich einige köstliche Pointen, die oftmals daraus resultieren, dass sich die Menschen eher aus Versehen denn gezielt gegen die Angreifer zur Wehr setzen können. Trotzdem bleibt der Horrorfaktor auch in „Little Monsters“ weitestehend auf der Strecke. Erneut haben wir es hier mit einer Comedy mit Horrorelementen zu tun, aus der selten echte Spannung hervorgeht. Und auch reißerische Jumpscares finden sich hier kaum – das ist allerdings alles andere als negativ zu verstehen.

Mit Josh Gad („Die Trauzeugen AG“) als durchgeknalltem Kinderzauberer hat „Little Monsters“ einen weiteren Vorzug, der den Film klar in die Comedyecke drückt. Überhaupt funktioniert die Zombiehatz wohl am ehesten als große Gaudi, die Kameramann Lachlan Milne („Wo die wilden Menschen jagen“) in hochwertige, die Weitläufigkeit des Geländes betonende Bilder kleidet. Mit ausführlichen Panorama-Schwenks geben die Aufnahmen einen guten Überblick über die Situation; man weiß immer ganz genau, wie es gerade um die Lage der Menschen steht und mit wie vielen Zombies sie es genau zu tun bekommen. Das ist angenehm in einem Kino, in dem heutzutage häufig mit Wackelkamera eine unmittelbare Nähe zum Geschehen erzeugt werden soll, die in der Regel aber vor allem Unübersichtlichkeit zur Folge hat. Doch Milne geht auch immer wieder nah ran. Dann nämlich, wenn es darum geht, das hochwertige Effekt-Make-Up der Untoten einzufangen. Sowohl ihre Maskerade als auch die vorwiegend haptischen (teils ziemlich drastischen) Trickeffekte machen aus „Little Monsters“ bisweilen eine Achtzigerjahre-Gedenkparty – Tom Savini wäre von der Arbeit hier sicherlich sehr angetan.

Dave versucht, der Zombieinvasion zu entkommen.

Wenngleich es in „Little Monsters“ vor allem darum geht, wie Caroline ihre Kinder vor den Zombies in Sicherheit bringt (oder sie sich selbst in Sicherheit bringen), hält Abe Forsythe für sie und Dave auch noch eine kleine Romanze bereit. Der Verlauf dieser nach typischen Genreversatzstücken ablaufenden Liaison ist von Beginn an klar vorgezeichnet – und hätte man es hier nicht mit Lupita Nyong’o und Alexander England zu tun, die ihre Stereotypen geerdete, authentische Figuren mit Ecken und Kanten machen, ließe sich dem Film dieser Mangel an neuen Impulsen auch schnell zum Vorwurf machen. Doch die beiden Akteure geben sich dem klassischen „Was sich neckt, das liebt sich“-Schema mitsamt vorgezeichnetem Happy End derart leidenschaftlich hin, dass man sich davon nur allzu gern mitreißen lässt. Josh Gad als weit abgeschlagener, unbeholfen flirtender Nebenbuhler sorgt für zusätzliche Würze in diesem berechenbaren Storykonstrukt. So erweist sich „Little Monsters“ am Ende als einer dieser Filme, die ihre fehlende Innovation mit Leidenschaft für die bekannten Formeln wettmachen können. Und allein für die Idee, auf sich im Finale als bemerkenswert tough herausstellende Kinder als Gegner für die Zombies zurückzugreifen, verdient Abe Forsythe den ein oder anderen Bonuspunkt.

Fazit: Die Kombination aus Zombie-Horror und Komödie haben wir zwar schon mehrfach gesehen, doch dank eines engagierten Casts und einem guten Gespür für die Verschmelzung von Witz und Ernst gelingt Regisseur Abe Forsythe ein charmant-unterhaltsamer Beitrag in einem eigentlich längst ausgelutschten Genre, dessen blutrünstige Fleischfresser ganz schön fies aussehen.

„Little Monsters“ ist ab dem 29. August in den deutschen Kinos zu sehen.

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