Alien: Covenant

38 Jahre nach „Alien“ und fünf Jahre nach „Prometheus“ ergänzt Regielegende Ridley Scott sein Weltraumfranchise um einen weiteren Teil. Doch so harsch es klingen mag: Das hätte er mal lieber gelassen! Mehr zu ALIEN: COVENANT verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Absolute Stille herrscht an Bord des Raumschiffs Covenant. Die Besatzung und die rund 2000 Passagiere an Bord befinden sich in künstlichem Tiefschlaf. Lediglich der Android Walter (Michael Fassbender) spaziert durch die endlosen Gänge. Das Schiff befindet sich auf dem Weg zum entlegenen Planeten Origae-6. Dort, am fernen Ende der Galaxie, hofft die Menschheit neuen Siedlungsraum zu finden. Dann ist es urplötzlich mit der Ruhe vorbei. Ein Stern, der gerade passiert wird, explodiert. Die Sonnensegel, die für den Antrieb Covenant sorgen, werden restlos zerstört. Es gibt Dutzende Tote zu beklagen und auch der programmierte Kurs kann nicht gehalten werden. Bald darauf stoßen die überlebenden Crewmitglieder auf ein nicht kartografiertes, dicht bewaldetes Paradies, einen vermeintlichen Garten Eden, dessen Berggipfel hinter Wolken verborgen sind. Viel näher an der Erde als Origae-6 liegt dieser Planet, der sich als neue Heimat wohl auch bestens eignet. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass hier nichts ist wie es scheint…

Kritik

Ridley Scott gelang um Jahr 1979 ein Meilenstein des Science-Fiction-Horrors. An seinem „Alien“ orientierten sich bis heute Dutzende Filmemacher; erst vor wenigen Wochen bewies der leider nur leidlich gelungene Weltraumschocker „Life“ die Zeitlosigkeit der außerirdischen Bedrohung in den Engen einer Raumstation auf ein Neues. „Life“ versagte kläglich aufgrund seines Skripts, hatte aber immerhin den Stellenwert eines Appetizers für all jene, denen Ridley Scotts neuestes Franchise-Sequel „Alien: Covenant“ gar nicht früh genug erscheinen konnte. Nach dem eher unterdurchschnittlich aufgenommenen „Prometheus“ aus dem Jahr 2012 sind fünf Jahre ins Land gezogen. Im „Alien“-Kosmos sogar satte zehn, wie es die Besatzung des Expeditionsschiffes Covenant im gleichnamigen Film betont. Der ursprünglich als „Prometheus 2“ angekündigte Sci-Fi-Horrorstreifen schlägt namentlich die Brücke zwischen dem ruhigen, theoretischen und stark philosophisch aufgeladenen „Prometheus“ und dem harten Bodyhorror-Splatter aus den „Alien“-Filmen. Das Problem ist jedoch, dass hier zwei solch starke, für sich genommen kaum ausbalancierte Extreme aufeinander prallen, dass beide Ansätze einander erst ausbremsen, um sich anschließend fast zu zerstören. Die Folge: Mit „Alien: Covenant“ tut Ridley Scott seinem Franchise wahrlich keinen Gefallen.

Schon in der Eröffnungssequenz wird klar: „Alien: Covenant“ versucht, die Mensch-vs-Alien-Thematik philosophisch zu unterfüttern.

Liebhaber des ersten „Alien“ schätzen den Science-Ficton-Film vor allem aufgrund seiner Atmosphäre. Laut und actionreich wurde es in den Sequels später noch genug; der Wegbereiter für den kinematografischen Kampf zwischen Mensch und außerirdischem Wesen wurde hingegen mit der Minimalistik eines Kammerspiels inszeniert. Genau aus diesem Grund funktioniert „Alien“ auch noch bis heute; bis der Facehugger, geschweige denn sein ausgewachsenes Pendant überhaupt auf der Leinwand erscheint, bekommt man als Zuschauer über eine halbe Stunde lang „nur“ zu sehen, wie die Crew miteinander interagiert. Er nimmt an ihrem Alltag teil, beobachtet sie bei der wissenschaftlichen Arbeit und erhält so ein sehr differenziertes Gespür für den Moment, in welchem aus der Routine aufsteigende Panik erwächst. Sich diese erzählerische Cleverness zum Vorbild nehmend, geht Ridley Scott in „Alien: Covenant“ zu Beginn ganz ähnlich voran. Wir lernen die Besatzung kennen, vereinzelte Spleens und Charakteristika sowie die zwischenmenschlichen Beziehungen untereinander. So weit, so angenehm, doch ist man derartige Feinheiten ohnehin von Ridley Scotts Werken gewohnt (ein Paradebeispiel dafür, wie geschickt der Regisseur darin ist, gediegen zu erzählen, ohne langatmig zu werden, ist sein Weltraumabenteuer „Der Marsianer“), lässt der in diesem Jahr 80 Jahre alt werdende Brite darauf normalerweise etwas folgen. „Alien: Covenant“ geht dagegen nach einer Dreiviertelstunde die Puste aus – da ist das titelgebende Alienwesen gerade einmal „geboren“ worden.

Womit wir auch schon bei der wohl größten Enttäuschung wären: Für einen Film aus dem „Alien“-Franchise ist das titelgebende Monster nämlich überraschend selten zu sehen. Nach der bereits ausführlich in den Trailern gezeigten Szene, in welcher sich das Alien den Weg durch das Rückgrat seines ersten menschlichen Opfers bahnt, bleibt das stark nach CGI aussehende Wesen erstmal lange im Verborgenen. Schon beim Original bestand der Reiz in erster Linie darin, das sich auf der Raumstation versteckt haltende Wesen irgendwo um sich herum zu vermuten und dabei kaum zu Gesicht zu bekommen. Ist die Crew vor dem Wesen jedoch erst einmal geflohen, spielt die außerirdische Bedrohung lange Zeit überhaupt keine Rolle mehr. Stattdessen trifft die Besatzung auf eine die Brücke zu „Prometheus“ schlagende Figur, deren Weltherrschafts- und Machtstreben fortan das Erzählgeschehen dominiert. „Alien: Covenant“ verliert sich plötzlich in philosophisch aufgeladenen, bedeutungsschwangeren Diskussionen um Menschlichkeit, Existenz und Sein; die für den Drive und die Dynamik verantwortliche Story rund um den Kampf zwischen Mensch und Alien gerät da auf einmal vollends in den Hintergrund. Funktionierte dieser theoretische Ansatz in „Prometheus“ noch erstaunlich gut, da sich dieser Film auch gezielt über diese philosophischen Gedankengänge zu definieren wusste, wirken sie in „Alien: Covenant“ wie unbedacht im Geschehen untergebrachter Ballast. Und nimmt dann irgendwann doch wieder der zugegebenermaßen ziemlich blutig daher kommende Actionplot an Fahrt auf, droht dieser harsche Tonfallbruch, den versuchten Anspruch wieder einzureißen.

Die Crew ahnt noch nicht, dass sie einen Gast an Deck hat…

Diese erzählerische Unausgewogenheit hat immerhin auf eine Sache keinen Einfluss: die Optik. Während sich ausgerechnet das Alien nur in vereinzelten Szenen wirklich existent anfühlt (und man besonders zu Beginn noch das Gefühl hat, die Computer im Hintergrund rendern zu hören), beweist Ridley Scotts Stamm-Kameramann Dariusz Wolski („Der Marsianer – Rettet Mark Watney“) ein exzellentes Gespür dafür, die Kargheit der außerweltlichen Einöde in einprägsame Bilder zu kleiden. Gleichzeitig gelingt es ihm, in den beengten Räumen der Forschungsstation Beklemmung walten zu lassen; ist die Crew erst auf der Flucht vor dem Monster, sorgen spätestens die Bilder dafür, dass man als Zuschauer ein Gespür für die allgegenwärtige Bedrohung bekommt. Unterstützt wird dies durch den sehr unauffälligen Score, an dessen Stelle „Alien: Covenant“ lieber mit unheimlichen, nicht verortbaren Geräuschen spielt, um Unbehagen beim Zuschauer auszulösen. In dieser Szenerie schafft es immerhin Katherine Waterston („Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“), sich als toughe Kampfamazone zu beweisen, während Michael Fassbender („Assassin’s Creed“) den Film mit seinem typisch noblen Auftreten aufwerten kann. Eine echte Tiefe aus ihren Figuren rauszuholen, vermag allerdings keines der Ensemblemitglieder. Dafür erfahren wir trotz der ausgiebigen Exposition einfach viel zu wenig über ihre Beweggründe und Gedanken. Das ist dann auch mit ein Grund dafür, weshalb in „Alien: Covenant“ wenig Raum für subtile, emotionale Zwischentöne bleibt – und die Mimik und Gestik der Darsteller derart ausladend ausfällt, dass auch vermeintliche Plottwists meilenweit gegen den Wind zu riechen sind.

Fazit: In „Alien: Covenant“ versucht Ridley Scott die philosophischen Ansätze aus „Prometheus“ mit der harten Splatter-Action aus „Alien“ zu verbinden und verpasst es dabei, Film und Figuren zu Persönlichkeit zu verhelfen. Der Sci-Fi-Blockbuster punktet mit viel Blut und starken Bildern, verliert aber beim Skript, den Computereffekten und der alles andere als überraschenden, äußerst zähen Dramaturgie.

„Alien: Covenant“ ist ab dem 18. Mai bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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