Die Trauzeugen AG

Mit der Buddy-Komödie DIE TRAUZEUGEN AG bewegt sich Regisseur Jeremy Garelick weg vom Trend der immer derber werdenden Comedy, sondern widmet sich in einer liebevoll-bodenständigen Geschichte dem ganz normalen Wahnsinn eines Mannes, der partout keinen Trauzeugen finden will. Reicht dieses Szenario für einen gelungenen Filmabend? Ich verrate es in meiner Kritik.

Die Trauzeugen AG

Der Plot

Doug Harris (Josh Gad) ist ein liebenswerter Mensch mit einem etwas unbeholfenen Sozialleben. Da er bald heiraten wird, hat er ein Problem: er hat keinen Trauzeugen. Da ihm nur noch zwei Wochen Zeit bleiben, ehe er die Frau seiner Träume (Kaley Cuoco-Sweeting) zum Altar führen will, wird Doug an Jimmy Callahan (Kevin Hart) verwiesen, den Besitzer und Geschäftsführer der Trauzeugen AG, einer Firma, die sich darauf spezialisiert hat, männlichen Sozialnerds vorzeigbare Trauzeugen zu vermitteln. Als die beiden Männer versuchen, gemeinsam diesen großen Hochzeits-Schwindel durchzuziehen, nehmen wahnwitzige Turbulenzen ihren Lauf. Und außerdem ist es der Beginn einer unerwartet tiefen Männerfreundschaft zwischen Doug und seinem falschen Trauzeugen Jimmy.

Kritik

Noch derber, noch schlüpfriger, noch frivoler: Heutzutage scheint es sich die klassische Hollywoodcomedy zur Aufgabe gemacht zu haben, immer noch ein Stück weiter unter die Gürtellinie zu treffen. Ob „Bad Neighbors“, „Sex Tape“ oder auch der deutsche „Fack ju Göhte“ – um nur die erfolgreichsten Komödien der letzten Monate zu nennen – sie alle eint die Neigung zum Schwanzgag. Das kann trotz des sich nach und nach einstellenden Überdrusses seitens der Zuschauer zwar immer noch punktuell lustig sein, doch gerade die amerikanischen Vertreter ihres Genres fielen in der Vergangenheit nicht gerade durch Einfallsreichtum auf. Regisseur und Autor Jeremy Garelick (Drehbuch für „Trennung mit Hindernissen“) geht bei seinem Langfilmdebüt „Die Trauzeugen AG“ nun einen umgekehrten Weg. Statt auf den gängigen Fäkalhumor zurückzugreifen, verlässt sich sein Skript lieber auf die Sympathien für Darsteller und Szenario. In seiner beschwingt-harmlosen Art peilt „The Wedding Ringer“ – so der Originaltitel – nur in den seltensten Fällen das auf oberflächliche Reize reagierende Zwerchfell des Publikums an. Gemeinsam mit Co-Schreiber Jay Lavender begibt sich Garelick auf die Spuren harmlos-klassischer Hollywoodkomödien der Neunzigerjahre, als das Hoch der frechen Gefühle noch ein doppeldeutiges Wortspiel darstellte. Zugegeben: Ganz so brav wie einst geht es in „Die Trauzeugen AG“ dann zwar auch nicht zu, doch die kreative Idee, dass sich ein zurückhaltender Außenseiter auf die Suche nach einem Trauzeugen begibt, ist wie schon im Falle der 2009 erschienen Tragikomödie „Trauzeuge gesucht“ die halbe Miete. Den Rest bildet ein harmonischer Cast, ein zum Großteil sehr kurzweiliger Erzählstil, aber auch ein nicht immer ganz ausbalanciertes Verhältnis zwischen Komik und Tragik.

Die Trauzeugen AG

Die beiden schon visuell vollkommen unterschiedlichen Schauspieler Josh Gad (Olaf in „Die Eiskönigin“) und Comedian Kevin Hart („Ride Along“) sowie deren interessantes Zusammenspiel machen den Reiz von „Die Trauzeugen AG“ aus. Fast die komplette Dynamik entsteht aus den Differenzen, aber auch aus der sich sukzessive ergebenden Chemie der beiden Geschäftspartner, die mit der Zeit zu echten Freunden werden. Wie sich die beiden Männer, die jeweils eines in Gänze anderen Lebensstils frönen, mit der Zeit annähern und von den unterschiedlichen Charakterzügen des jeweils anderen profitieren, hält die ansonsten nur wenig innovative Geschichte am Laufen. Und auch dieser Handlungsstrang ist genau genommen nicht wirklich neu, denn dass sich Gegensätze anziehen, ist wahrlich kein seltener Plot innerhalb einer Komödie. Doch dank der Interessanten Zusammendarstellung von Haupt- und Nebendarstellercast ergeben sich für die Autoren viele Möglichkeiten, um aus den komödiantischen Vollen zu schöpfen. Als bestes Beispiel dient dafür die Gruppe der insgesamt sieben Fake-Trauzeugen, welche die aberwitzigsten Charakterypen kombiniert. Die Kreativität innerhalb dieser Clique schafft es auch, die anderorts nur oberflächliche Figurenzeichnung weitestgehend auszugleichen. Kaley Cuoco-Sweeting („The Big Bang Theory“) als Braut in spe hat zum Beispiel überhaupt kein Profil, obwohl ihre Figur, die nach und nach Änderungen an ihrem Verlobten bemerkt, eigentlich interessante Ansätze besitzt.

Neben sketchartigen Einzelszenen, die wie im Falle eines aus dem Ruder laufenden Familienessens zünden, im Rahmen eines aus Plotsicht irrelevanten Fußballmatches aber auch schon mal komplett ins Leere laufen, weiß Regisseur Garelick sein Publikum immer mal wieder mit niedlichen Details zu überraschen. Wie Doug auf die Idee kommt, seinen Trauzeugen Bic Mitchum zu nennen und wie seine Frau seine List schließlich durchschaut, hat echtes Schenkelklopferpotenzial. Auch der originelle Schlussakt unterstreicht schließlich noch einmal, dass die Macher alles gegeben haben, um keine weitere US-Komödie von der Stange zu inszenieren. Leider gelingt dem Regisseur der Spagat aus ausgefeiltem Familienfilm und frischer Nummernrevue nicht immer hundertprozentig. Trotz seiner recht humanen Laufzeit von nicht einmal zwei Stunden besitzt „Die Trauzeugen AG“ unübersehbar Längen, die sich durch das Wegstreichen unwichtiger Szenen einfach umgehen ließen. Zwar betont ebenjenes Fußballspiel den Zusammenhalt der Gemeinschaft, doch letztendlich ist es nicht mehr als die Unterstreichung bereits bekannter Tatsachen. Garelick tut sich in kohärenter Szenenzusammenführung schwer und scheint immer mal wieder den Überblick darüber zu verlieren, ob sich seine Geschichte nun mit einem gewissen Tiefgang in die Ecke der Tragikomödie rücken lässt, oder ob er es bei einer oberflächlich-humoristischen Betrachtungsweise belässt. Das führt dann auch schon mal dazu, dass dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleibt und offensichtlich als Sketche angelegte Szenen wie etwa ein ekstatischer Junggesellenabschied vollkommen frei von jedweder Ausrichtung sind.

Die Trauzeugen AG

Trotzdem ist „Die Trauzeugen AG“ weitaus vielfältiger als manch andere US-Komödie der vergangenen Monate. Regisseur und Ensemble kreieren das Bild eines familientauglichen Filmes, der ein Thema beleuchtet, dass noch nicht vielfach durchgekaut wurde und dem man dadurch wesentlich mehr Facetten abgewinnen kann, als der x-ten Lovestory oder einem erneuten Nachbarschaftskrieg. Die Produktion reißt neben dem zentralen Hochzeitsthema Punkte wie Familienzusammenhalt, Ansehen in der Öffentlichkeit und den Wert einer echten Freundschaft an, kreiert durchaus neue Pointen auf den Ebenen Slapstick (Stichwort: Tanzübungen) und Wortwitz und ummantelt alles mit einer so sympathischen Grundstruktur, dass man sich über die komplette Laufzeit einfach nur wohlfühlt. Hier gibt es keinen doppelten Boden, entsprechend vorhersehbar erweist sich der Handlungsverlauf. Doch ausgerechnet durch den Schlussakt kommt „Die Trauzeugen AG“ auf den letzten Metern noch zu einem erfrischend andersartigen Erscheinungsbild.

Fazit: „Die Trauzeugen AG“ erfindet das Komödienrad nicht neu, ist in seiner harmlosen Sympathie aber ein erfrischender Genrebeitrag für ein Publikum, das den ganz hohen Anspruch nicht zwingend sucht und eine konventionelle Story nicht verabscheut. Sehenswert!

„Die Trauzeugen AG“ ist ab dem 12. März deutschlandweit in den Kinos zu sehen.

Erschienen bei Quotenmeter.de

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