The Nun

Von Seiten der Produzenten hieß es vorab, man wollte zu THE NUN so wenig wie möglich zeigen, um Spoiler zu vermeiden. Uns stellt sich die Frage, was zum Teufel man hier vorab geheimhalten wollte. Der Horrorfilm über die dämonische Nonne ist die erste richtige Enttäuschung im „Conjuring“-Universum. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

The Nun

Der Plot

Als sich eine junge Nonne in einer Klosterabtei in Rumänien das Leben nimmt, schickt der Vatikan einen Priester (Demián Bichir) mit dramatischer Vergangenheit sowie eine junge Gläubige (Taissa Farmiga) direkt an jenen unheimlichen Ort, um die Gründe für den Selbstmord aufzudecken. Vor Ort lernen sie nicht bloß den sympathischen Frenchie (Jonas Bloquet) kennen, der die Leiche der Nonne selbst entdeckt hat. Sie kommen außerdem einem unheimlichen Orden auf die Spur, in dessen Reihen sich vor vielen Jahren ein grausames Ereignis abspielte. Bis heute geistert eine bösartige Macht in Form einer dämonischen Nonne durch die Mauern des altehrwürdigen Gebäudes und verwandelt die Abtei in ein schreckliches Schlachtfeld zwischen den Lebenden und den Verdammten…

Kritik

Die „Conjuring“-Reihe besitzt im modernen Horrorkino einen ganz besonderen Stellenwert. Der erste Teil des 2013 von „Saw“-Mastermind James Wan ins Leben gerufenen Grusel-Franchises legte den Grundstein für das erste moderne Horrorfilmuniversum in jenem Stil, wie ihn der Marvel-Konzern einst mit „Iron Man“ auf den Weg brachte. Im Genre eiferte dem nur Universal Pictures erfolglos nach; aus den Ideen, erst „Dracula Untold“ und schließlich „Die Mumie“ zum Auftakt eines Grusel-Universums zu machen, wurde in Ermangelung des erhofften Erfolgs nicht. Dies lässt sich von den Auswüchsen der „Conjuring“-Reihe nicht behaupten: Sowohl die Ausgangsfilme „Conjuring – Die Heimsuchung“ und „Conjuring 2“, als auch die beiden Ableger „Annabelle“ und „Annabelle 2“ erwiesen sich als große Erfolge an den Kinokassen und hielten auch auf qualitativer Ebene ein gewisses Grundniveau, wenn sie sich nicht sogar als moderne Meisterwerke entpuppten. Umso enttäuschender fällt da nun das nächste Spin-Off aus. Nach der dämonischen Puppe Annabelle widmen sich die Verantwortlichen nun einer gruseligen Nonne, die ihre erste Ankündigung bereits in „Conjuring 2“ erfuhr. Ihre Präsenz sorgte hier für die mitunter gruseligsten Szenen überhaupt und prägte die Handlung des Gruselschockers stark. Eine Geschichte über ihren Ursprung zu erzählen, sollte eigentlich ein Selbstgänger sein. Doch „The Nun“ ist Jumpscare-Horror von der Stange und hat mit Ausnahme eines wahrlich furchteinflößenden Settings und solider Schauspieler kaum etwas zu bieten. Im Anbetracht der Durchschnittsqualität der bisherigen Franchise-Beiträge ist das eine bittere Enttäuschung.

Ein Priester (Demián Bichir) soll es mit den Dämonen hinter den Klostermauern aufnehmen.

Regisseur Corin Hardy hat bislang vorwiegend Musikvideos inszeniert, sowohl für Indie-Bands wie Biffy Clyro, aber auch für den Sommerhit „Heart Skips a Beat“ von Olly Murs. Sein erster Spielfilm „The Hallow“ erfuhr hierzulande lediglich eine limitierte Kinoauswertung und landete in seinem Produktionsland den USA sogar direkt auf einer Streamingplattform. Um einem Neuling ein Großprojekt wie „The Nun“ anzuvertrauen, bedarf es eines ziemlichen Vertrauensvorschusses. Und dieser macht sich im Anbetracht des Ergebnisses auch durchaus bezahlt. Dass „The Nun“ mit den Ambitionen der bisherigen „Conjuring“-Filme nicht einmal ansatzweise mithalten kann, ist nicht dem Regisseur zuzuschreiben. Corin Hardy hat einen genauen Blick für Atmosphäre, der genreerfahrene Kameramann Maxime Alexandre („Alexandre Ajas Maniac“) kreiert unheilvolle Bilder einer Gänsehaut erzeugenden Kulisse (gedreht wurde unter anderem in Rumänien, Transsilvanien und auf einem Schloss in Ungarn) und so abgegriffen die vielen routinierten Jumpscares auch sein mögen, sind sie in Sachen Aufbau und Ausführung auf jeden Fall effektiv. Auch auf akustischer Ebene baut man auf abgegriffene Motive wie obligatorische Choräle oder dramatisch anschwellende Streicher (Komponist: Abel Korzeniowski, „Nocturnal Animals“), um jedem, der es nicht von selbst erkennt, deutlich zu machen, wie gruselig das alles ist. Das ist alles Horrorkino, wie es durchschnittlicher nicht sein könnte. Aber so richtige handwerkliche Mängel erkennt man hier nicht.

Inszenatorisch besteht „The Nun“ also fast ausschließlich aus simplen „Malen nach Zahlen“-Mechanismen. Erzählerisch dagegen bestätigt Drehbuchautor Gary Dauberman einmal mehr, dass seine Beteiligung an einem Meisterwerk wie „Es“ nicht auf seine gesamten Qualitäten als Schreiber schließen lässt. Neben der herausragenden Neuauflage des Stephen-King-Klassikers und dem soliden „Annabelle“ stammen aus seiner Feder auch der Rohrkrepierer „Wolves at the Door“ und der laue Home-Invasion-Schocker „Within“. „The Nun“ reiht sich jetzt irgendwo dazwischen ein. Daubermans Arbeit ist weder dumm oder moralisch verwerflich (wie etwa „Wolves at the Door“), noch klaut er dreist bei bekannten Vorbildern (wie bei „Within“). Stattdessen ist sein „The Nun“-Skript in erster Linie eines: gähnend langweilig, was nicht zuletzt daran liegt, dass er nicht mehr tut, als artig Haken um Haken hinter all die Dinge zu setzen, die man bei einem modernen Horrorfilm augenscheinlich abfrühstücken muss, um seinem Publikum ein größtmögliches Schockerlebnis zu bieten. Was übrigens auch dafür gilt, seine Protagonisten offenbar so dumm wie möglich zu zeichnen und ihnen darüber hinaus mit Frenchie einen Comic Relief zuzugestehen, der allerdings so gar nicht in die sehr düstere Geschichte passt. Soviel sei allerdings gesagt: Wer sich von psychologischen Horrorstücken wie „Hereditary“, „The Witch“ oder „mother!“ um seine Erschreckmomente geprellt fühlt, kommt in „The Nun“ immerhin voll auf seine Kosten. Wer allerdings glaubt, Dauberman wäre in der Lage, die untereinander mittlerweile sehr eng vernetzten Filme aus dem „Conjuring“-Universum um eine weitere Erzähleben zu ergänzen, der irrt. Wer bisher auch nur ein wenig aufgepasst hat, der muss „The Nun“ nicht einmal gucken, um zu erahnen, wo genau er erzählerisch anknüpft. Weitere erzählerische Türen, die das bisherige Geschehen aus über fünf Jahren „Conjuring“ ergänzen würden, öffnet Dauberman jedenfalls nicht.

Auf dem alten Friedhof macht Frenchie (Jonas Bloquet) eine unheimliche Entdeckung…

Ärgerlich ist all das vor allem deshalb, weil „The Nun“ auf vielen Ebenen durchaus Potenzial für mehr hätte. Darstellerisch lässt sich Taissa Farmiga („Mindscape“), Demián Bichir („Alien: Covenant“) und Jonas Bloquet („Elle“) nicht viel vorwerfen. Sie alle erfüllen ihren Zweck der genrekonform aufspielenden Opfer, denen in den richtigen Momenten die Angst ins Gesicht geschrieben steht. Bloquet gelingt obendrein der Spagat, seine humoristischen Einschübe halbwegs authentisch vorzutragen. Dass es diese generell nicht gebraucht hätte und sie im Kontext zur Bedrohung regelrecht befremdlich wirken, geht dagegen auf die Kappe des Autors. Auch die nach „Conjuring 2“ und „Annabelle 2“ einmal mehr von Bonnie Aarons („Silver Linings“) verkörperte Nonne wirkt mit ihrer grauenvollen Maskerade definitiv furchteinflößend. Wenn sie sich wie lautlos durch die dunklen, endlosen Gänge des Klosters bewegt und immer wieder stumm hinter ihren Opfern auftaucht, dann sorgt das zweifelsohne für Gänsehaut. Das Setting selbst mausert sich im Laufe der rund 90 Minuten immer wieder zum heimlichen Star des Films. Von dem halbverfallenen Gebäude selbst über den sehr effektiv in Szene gesetzten Friedhof bis hin zu den düsteren Katakomben erfüllt die Szenerie alles, was man sich für ein stimmiges Horrorfilmsetting wünscht. Da ist es umso bedauerlicher, dass in Ermangelung einer wirklich guten Geschichte abseits der unzähligen Billig-Jumpscares einfach keine richtige Atmosphäre aufkommen will. Da aber immerhin die titelgebende Nonne selbst das Potenzial zu einer neuen Kultfigur hat, hoffen wir darauf, dass sie in einem zweiten, deutlich besseren Film endlich so zur Geltung kommt, wie es ihr gebührt.

Fazit: „The Nun“ ist ein generischer Horrorschocker von der Stange, der eigentlich viele Voraussetzungen für einen guten Genrefilm erfüllt, diese zu Gunsten abgegriffener Jumpscares allerdings so gut wie alle über Bord schmeißt.

„The Nun“ ist ab dem 6. September bundesweit in den Kinos zu sehen.

Ein Kommentar

  • Seltsamer Film. Die Handlung ist in ihm eigentlich sekundär, eine Nonne, ein frankokanad. Globetrotter und ein Priester holpern und stolpern in einem rumänischen Kloster von einem Jumpscare zum anderen. Man wird das Gefühl nicht los, die Frage wo und wie man da oder dort wieder einen Jumpscare einbauen kann, hat Produzenten und Regisseur mehr Kopfzerbrechen bereitet als wie einen einigermaßen plausiblen Ablauf umzusetzen. Aber eigentlich ist das wurscht, die Schockszenen „wachseln“ einen wirklich her als wie Ted Bundy am Elektrischen Stuhl, und die tricktechnische Umsetzungen der Kulissen – alles düster und grau, dunkel, etwas weichzeichnerisch gefiltertes CGI usw. – sind derzeit „State of the Art“. Daher kann ich mir den enormen Erfolg von „The Nun“ erklären. Da sind die sonstigen Schlampereien – wie dasss die Rumänen mehrheitlich orthodox sind, oder seit wann hieß eine Bar im hintersten Rumänien der 1950iger Jahre „Thre Black Bear“? – auch schon wurscht.
    Gutes billiges Horroschocker – Kino mal so schnell zum Gruselwuseln.
    6/10 Punkte

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