Bad Moms 2

Die unkonventionellsten Mütter der Kinogeschichte sind zurück und reißen in BAD MOMS 2 das Weihnachtsfest an sich. Weshalb das so gut funktioniert und der Film sogarnoch besser ist, als der charmante erste Teil, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Die dauergestressten Mütter Amy, Kiki und Carla (Mila Kunis, Kristen Bell, Kathryn Hahn) pfeifen auf traditionelle Perfektion und wollen sich dieses Jahr dem alljährlichen Weihnachtsvorbereitungswahnsinn samt aller hochgesteckten Erwartungen entziehen, indem sie für ihre Familien eine ganz besondere Bescherung planen, in ihrem eigenen „Bad Moms“-Style versteht sich. Die Hoffnungen der drei scheinen jedoch schneller als erwartet zu platzen, als sie plötzlich mit ihrem wohl schlimmstem Weihnachtsalptraum konfrontiert werden: ihren eigenen Müttern! Die tauchen nicht nur unverhofft (und ungeladen!) auf, sondern treiben alle mit ihren Schrullen und Macken an den Rand des Wahnsinns. Es kommt zum ultimativen Duell zwischen Müttern und Töchtern. Und trotz ungewissem Ausgang ist eins bereits jetzt sicher: Dieses Weihnachten wird niemand so schnell vergessen.

Kritik

Bevor die starbesetzte Komödie „Bad Moms“ vergangenes Jahr zu einem echten Überraschungshit avancierte, wurde das Skript von den „Hangover“-Autoren Jon Lucas und Scott Moore mehrere Monate lang von einem Studio zum nächsten gereicht. Selbst große Institutionen wie Paramount Pictures sprangen ab; nicht ahnend, dass ihnen hier ein echter Millionenhit durch die Lappen geht. Denn der später von STX Entertainment produzierte Film kostete gerade einmal 20 Millionen US-Dollar, spielte allerdings auch knapp 190 Millionen wieder ein. Damit landete die Comedy 2016 sowohl in Deutschland (1,2 Millionen Besucher), als auch in den USA auf Platz 25 der Jahrescharts. Gerade einmal 14 Monate nach dem Release des ersten Teils lässt das vor und hinter der Kamera identische Team nun ein Sequel folgen. Die Dreharbeiten dazu begannen im Mai und seien laut des Regieduos Lucas und Moore nur deshalb möglich gewesen, da alle Beteiligten davon überzeugt waren, dass eine Fortführung der Geschichte richtig sei. In den USA vermarktet man „Bad Moms 2“ unter dem Titel „A Bad Moms Christmas“ und möchte dem Weihnachtsfilm weitere Produktionen zu unterschiedlichen Anlässen wie etwa Thanksgiving folgen lassen. Das klingt zwar schon irgendwie alles nach einem auf möglichst viel Gewinn abzielenden Schnellschuss, doch im Anbetracht des Endergebnisses erweist sich die Aussage, vor allem das Team hätte hinter der Idee gestanden, als glaubhaft. Nicht nur die Darstellerinnen haben sichtbar Spaß, wie schon der Vorgänger hat auch „Bad Moms 2“ das Herz am rechten Fleck und verknüpft das Aufbegehren gegen eine altmodische Rollenverteilung mit zotigen Gags und drei liebenswürdigen Familiengeschichten.

Amy (Mila Kunis), ihre beiden Kinder Jane und Dylan( Oona Laurence, Emjay Anthony) und Oma Ruth (Christine Baranski).

Fanden die Mütter der Bad Moms im ersten Teil lediglich in einigen Gesprächsfetzen Erwähnung, erfährt der Zuschauer in der Fortsetzung endlich, mit was für Erzieherinnen sich die drei Hauptfiguren als Kind so herumschlagen mussten. Und hier geht die Geschichte direkt einen interessanten Weg, denn Amys herrische Mutter Ruth (Christine Baranski), Kikis klettende Mom Sandy (Cheryl Hines) und die nur sehr sporadisch und meist aus Geldnot bei Carla aufkreuzende Isis (Susan Sarandon) könnten nicht bloß untereinander kaum verschiedener sein, sie verkörpern auch allesamt ein unterschiedliches, zugegebenermaßen recht einfältiges Problemverhältnis zu ihren Töchtern. Im Anbetracht der ohnehin recht überzeichneten Prämisse des „Bad Moms“-Franchise funktioniert das jedoch recht gut und die Konflikte innerhalb der einzelnen Familien schaukeln sich im Laufe der fünf Tage bis zum Weihnachtsfest mächtig hoch. Und so sind es vor allem die Mütter, die diesmal derart überhöhte Anforderungen an ihre Töchter stellen, die Amy, Kiki und Carla dazu animieren, ähnlich wie im ersten Teil gegen das etablierte „System Mutter“ zu rebellieren. Das geht in „Bad Moms 2“ ähnlich vonstatten, wie im Vorgänger, nur dass die drei Freundinnen diesmal nicht in einem Supermarkt die Sau raus lassen, sondern in einer von Weihnachtseinkäufern übersäten Shoppingmall. Die ekstatische Freude über das Ausbrechen aus dem Alltag ist Mila Kunis („Jupiter Ascending“), Kristen Bell (demnächst auch in „The Disaster Artist“ zu sehen) und Kathryn Hahn („Captain Fantastic“) indes anzumerken, sodass sich über diese inszenatorische Wiederholung und die damit einhergehende, fehlende Kreativität hinwegsehen lässt.

Darüber hinaus sind die Auseinandersetzungen zwischen den insgesamt sechs Müttern zwar durchaus überspitzt, aber nie völlig an den Haaren herbeigezogen. Dass sich Kiki deutlich mehr Freiraum von ihrer besitzergreifenden Mutter wünscht, ist ebenso nachzuvollziehen, wie der Wunsch nach mehr Anerkennung von Amy gegenüber ihrer Mom Ruth, die sich permanent über die Anweisungen ihrer Tochter hinwegsetzt und sogar im Alleingang das Weihnachtsfest plant, ohne dies mit Amy abzusprechen. Am subtilsten gezeichnet ist allerdings das Verhältnis zwischen der ansonsten so überdrehten Carla und ihrer ihr in Nichts nachstehenden Mama Isis (wie die Terrororganisation!). Susan Sarandon („Mit besten Absichten“) spielt die auf den ersten Blick kaum an ihrer Tochter interessierte Isis mit so viel Fingerspitzengefühl, dass man während des Schauens von „Bad Moms 2“ immer wieder zwischen Sympathie und Skepsis hin und her schwankt. Ihre Figur macht es dem Zuschauer nicht leicht, hinter den wahren Grund für ihren plötzlichen Besuch bei Carla zu steigen – und die Autoren liefern dem Publikum genügend Gründe an die Hand, um einerseits einen aufrichtigen und persönlichen, andererseits aber auch einen praktisch-materialistischen Grund hinter ihrem Auftauchen zu vermuten. Die Szenen zwischen den anderen beiden Mutter-Tochter-Paaren bleiben dagegen deutlich eindimensionaler, besitzen aber das Potenzial für jede Menge gut geschriebene Gags, das die Macher nicht unausgeschöpft lassen. Hatte „Bad Moms“ noch einige Rohrkrepierer in petto, ist die Trefferquote der Pointen diesmal deutlich höher.

Kikis Mutter Sandy (Cheryl Hines) and Kiki (Kristen Bell) bei einer Therapiesitzung, bei der es auch ein Wiedersehen mit einer alten Bekannten gibt.

Leider setzen sich Jon Lucas und Scott Moore selbst eine moralische Grenze, die da lautet: An die Heiligkeit des Weihnachtsfestes gehen wir nicht ran. Da waren die beiden Filmemacher in „Bad Moms“ noch um Einiges konsequenter darin, es sich selbstverständlich aber ohne bösem Willen mit den US-amerikanischen Helicopter-, und Bio-Eltern zu verscherzen; diesmal allerdings lassen sie ihre Bad Moms nur in Teilen gegen die übertriebenen Anforderungen angehen, die die Gesellschaft gerade an Festtagen an Mütter und Familien im Allgemeinen stellt. Die Message, dass eben nicht alles perfekt sein muss, um seinem Umfeld trotzdem friedliche Weihnachten zu bescheren, kommt zwar durch – etwa wenn Amys Family mit einem Besuch in einer Trampolinhalle weitaus glücklicher ist, als mit dem Ansehen eines altmodischen (und fünf Stunden langen!) Weihnachtsmärchens, oder ihre Familie einen Heiligabend mit Rodeln, gemütlichem Essen und einem Besuch der gemeinsamen Freunde einer riesigen, luxuriösen Weihnachtsparty vorzieht. Doch wenn sich am Ende des Tages dann doch wieder alle um einen Tisch versammeln und in andächtiger Stimmung (immerhin beim China-Imbiss bestelltes) Essen verzehren, kann es gerade noch ein Trip der Mütter ins ferne Las Vegas wieder gerade rücken, den Ruth, Isis und Sandy ganz ohne ihre Töchter unternehmen wollen. Das ist zwar ein guter Schritt in eine Richtung allumfassender Akzeptanz, doch ohne die kitschige Versöhnung mitsamt diverser tränenreicher Dialoge, wäre das Ende weitaus weniger kompromissbereit, sondern deutlich wahrhaftiger und im Sinne der Reihenaussage geraten. Wie es richtig geht, zeigen dagegen Carla und ihr neuer Freund Ty Swindel (Justin Hartley), die genau das unkonventionelle „Bad Moms“-Happy-End erhalten, das in diesen Film passt.

Fazit: Trotz einiger Kompromisse im Sinne der klassischen Weihnachtstradition ist „Bad Moms 2“ ein stimmiges Sequel, das den Tonfall des Vorgängers sehr gut aufgreift und eine noch höhere Trefferquote besitzt, als der hier und da zähe erste Teil.

„Bad Moms 2“ ist ab dem 9. November bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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