Gold

Matthew McConaughey darf in Stephen Gaghans Abenteuerdrama GOLD mal wieder einen echten Schmierlappen spielen. Das Problem: authentisch ist der nie! Weshalb das den Film zu einer herben Enttäuschung macht, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Eine kühne Idee, ein unglaubliches Abenteuer, ein riesiger Skandal und ein brutaler Absturz: Der Kleinkriminelle Kenny Wells (Matthew McConaughey) giert nach Gold und nach dem großen Durchbruch. Als er auf den zwielichtigen Geologen Michael Acosta (Édgar Ramírez) trifft, starten sie ein waghalsiges Abenteuer. In den unerforschten Tiefen des Dschungels von Indonesien machen sie sich auf die Suche nach Gold. Was sie dort finden versetzt die Börsenwelt in Aufruhr und bringt ihnen den erhofften Reichtum, doch was steckt wirklich dahinter…

Kritik

Verfilmte Geschichten darüber, wie sich weiße Männer ihre teils hanebüchenen Träume erfüllen, gab es in den letzten Jahren zuhauf. Schließlich ist ja auch die Weltgeschichte voll davon. Kenny Wells, die Hauptfigur in Stephen Gaghans Schatzsucher-Abenteuer „Gold“, ist dagegen kein real existierender Charakter. Gleichwohl beruhen die hier erzählten Ereignisse lose auf einer wahren Begebenheit, die sich anders als im Film nicht in den frühen Achtzigern, sondern erst im Jahre 1993 ereignet hat, als die Bre-X Mineral Corporation im indonesischen Dschungel auf eine Goldmine gestoßen war, die später im Rahmen des größten Goldminen-Schwindels aller Zeiten in die Geschichte eingehen würde. Da in diese Ereignisse keine prägende Privatperson verwickelt war, erfanden die Drehbuchautoren Patrick Massett und John Zinman (produzierten und schrieben unter anderem diverse „The Blacklist“-Folgen) mit Kenny Wells eine Art von personifiziertem Entdeckertum; „Gold“ wird so zu einem klassischen Abenteuerfilm, wie man ihn zuletzt schon mit „Die versunkene Stadt Z“ zu sehen bekam. Das Problem: Mit Kenny Wells mag man als Zuschauer vielleicht eine wesentlich greifbarere Gestalt haben, als sähe man nur einem großen Konzern dabei zu, wie dieser erst vergeblich nach Gold sucht, es dann findet und schließlich vor ungeahnte Probleme gestellt wird. Gleichwohl ist dieser Kenny Wells zu keinem Zeitpunkt authentisch, sondern in erster Linie eine Mischung aus Jordan Belfort („The Wolf of Wall Street“), den Typen aus „The Big Short“ und Percy Fawcett, ebenjenem Entdecker aus „Die versunkene Stadt Z“.

Kenny Wells (Matthew McConaughey) und Michael Acosta (Edgar Ramírez)  im indonesischen Dschungel

Es genügt schon ein Blick auf den Trailer um festzustellen: Irgendwie kommt einem das alles hier ganz schön bekannt vor. Doch ein Mangel an Originalität ist bei Weitem nicht das einzige Problem von „Gold“, denn bei einem vollständigen Verzicht auf eine sympathische Hauptfigur muss der Protagonist auf andere Weise punkten. Leider gibt sich Matthew McConaughey („Interstellar“) einmal mehr größte Mühe bei der Verkörperung eines maximal anstrengenden Charakters. Kurzum: Es braucht nicht lange und man gönnt seinem Kenny Wells alles, aber nicht die Entdeckung einer ihn reich machenden Goldmine. Seine forsch-selbstsichere, dabei aber eben auch ungemein arrogante und egozentrische Art beschränkt sich hier nicht bloß auf einen seiner Arbeit gegenüber erbrachten Ehrgeiz, sondern bahnt sich ihren Weg auch in die Interaktion mit seiner großen Liebe Kay (Bryce Dallas Howard), weshalb auch die Lovestory der beiden alles andere als authentisch wirkt. So wird Kenny Wells zu einem Charakter, dessen Manie, eine Goldmine im indonesischen Dschungel zu finden, zwar zu einer angemessenen Triebfeder wird, um die Ereignisse in „Gold“ zum Laufen zu bringen. Doch erst einmal im Dschungel angekommen, ergötzt man sich lieber an der berauschenden Kulisse, anstatt Spaß daran zu haben, Kenny und seinem Begleiter Michael bei den Grabarbeiten zuzusehen. Vor allem die Tatsache, dass die beiden Nutznießer des späteren Goldfundes kaum selbst anpacken und stattdessen Einheimische für sich schuften lassen, mag so zwar der damaligen Realität entsprechen. Zusätzliche Sympathiepunkte sammelt damit aber weder Wells, noch der von Édgar Ramírez („Girl on the Train“) gespielte Michael.

Während sich die eine Hälfte von „Gold“ im Dschungel selbst abspielt, geht es in der zweiten Hälfte vornehmlich darum, wie Kenny und seine Crew das in Indonesien entdeckte Gold verprassen. Es mag zu einem Charakter wie diesem Kenny Wells zwar irgendwie passen, dass dieser sich von seinem neu erworbenen Reichtum in erster Linie Nippes wie vergoldete Türschilder, sündhaft teure Klamotten oder absurd großflächige Büroräume zulegt. Doch mehr als das ohnehin Abzusehende geschieht hier nicht und für die Faszination an der Exzentrik fehlt es nicht nur Kenny Wells an Ecken und Kanten, sondern vor allem Matthew McConaughey an dem Willen, seiner Figur diese zuzugestehen. Regisseur Stephen Gaghan („Syriana“) geht in „Gold“ stets den einfachsten Weg und hofft darauf, die abgehobene Prämisse, deren pfiffig gedachte, aber trotzdem nicht wirklich überraschende Auflösung an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden soll, für sich sprechen zu lassen. Gleichzeitig fehlt es Szenen wie jener, in der Kenny im Zuge geistiger Umnachtung einen ausgewachsenen Tiger streichelt, an inhaltlicher Einbettung und scheinen damit nur allzu gezwungen die Exzentrik der Ereignisse betonen zu wollen. In einem „Wolf of Wall Street“ mag die schiere Masse an abgedrehten Szenenideen noch für sich gesprochen zu haben. „Gold“ kann es sich in Ermangelung an Persönlichkeit und Authentizität nicht leisten, ähnliches Geschütz aufzufahren – so wirkt das Leinwandgeschehen in vielen Momenten einfach nur aufgesetzt.

In der Rolle des Kenny Wells geht Matthew McConaughey einmal mehr so richtig auf – solange er seiner Figur keine Emotionen abgewinnen muss.

Kein Echtheitsgefühl, keine funktionierenden Figuren und kein Alleinstellungsmerkmal – „Gold“ kann in den wesentlichen Aspekten eines abendfüllenden Spielfilms einfach nicht punkten. Aus technischer Sicht brauchen sich die Macher jedoch nicht verstecken. Sowohl Kameramann Robert Elswit („Inherent Vice – Natürliche Mängel“) als auch Komponist Daniel Pemberton („Steve Jobs“) kleiden ihren Film in ein Gewand, das sich eben doch in die Riege absolut hochwertig produzierter Hollywoodfilme einreiht. Die an Originalschauplätzen gedrehte Szenen im Dschungel stecken voller Details; wenn ein Tropensturm über die Goldsucher-Crew herein bricht und das komplette Lager überschwemmt, wähnt man sich als Zuschauer in einem Dokumentarfilm, während Daniel Pemberton mit seinen betont rhythmischen Klängen für Dynamik und Tempo sorgt. Letzteres hat „Gold“ auch bitter nötig, denn mit seinen 120 Minuten Lauflänge reizt der Film die Geduld des Publikums spürbar aus. Eine sehr geradlinige Inszenierung und der fehlende Willen, von ausgetretenen Pfaden zu weichen, lassen den Film wesentlich länger erscheinen, als er es eigentlich ist. Was am Ende bleibt, sind viele einzelne, für sich vielleicht irgendwie funktionierende Ideen, doch als großes Ganzes zusammengeführt, erscheint „Gold“ nicht bloß wie Stückwerk, sondern auch wie ein Best-Of bekannter Filme mit ähnlicher Thematik. Entsprechend wenig trägt der Slogan „Basierend auf wahren Ereignissen“ dann auch dazu bei, dass man dem Film die eine oder andere Schwäche verzeiht.

Fazit: „Gold“ ist ein Potpourri bekannter Filme mit ähnlicher Thematik. Technisch ist das alles höchst ansehnlich. Doch so ganz ohne eigene Impulse, geschweige denn ohne irgendwelche interessanten Figuren gerät dieser Abenteuerfilm zu einer echten Geduldsprobe.

„Gold“ ist ab dem 13. April in den deutschen Kinos zu sehen.

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