Sisters

Amy Poehler und Tina Fey sind als Comedy-Duo unschlagbar. Nun wagen sich beide gemeinsam auf die große Leinwand und verhelfen ihrer Party-Komödie SISTERS dadurch zu einem enormen Wiedererkennungswert. Dadurch ist ihr Film noch lange nicht die Speerspitze anspruchsvoller Kinounterhaltung, aber gerade im Hinblick auf das, was diese Woche noch im Genre startet, ist das hier allemal die beste Wahl. Mehr dazu in meiner Kritik.Sisters

Der Plot

Maura (Amy Poehler) und Kate (Tina Fey) sind zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Maura mit viel Herzblut für ihren Job als Krankenpflegerin ein halbwegs normales Leben führt. bekommt Kate als alleinerziehende Mutter einer Teenager Tochter einfach kein Bein an Land. Stattdessen tingelt sie von einem obskuren Job zum nächsten. Eines Tages werden beide von den Eltern nach Hause beordert, um vor dem anstehenden Verkauf des Elternhauses ihr Jugendzimmer auszuräumen. In der Hoffnung, noch einmal ihre Glanzzeit aufleben zu lassen und, um ihr Wiedersehen zu feiern, geben sie eine letzte Party und laden Freunde, Bekannte und ehemalige High School Klassenkameraden ein. Doch die vermeintlich brav gewordenen Freunde entpuppen sich als hemmungsloses Partyvolk.

Kritik

Amy Poehler („Alles steht Kopf“) und Tina Fey („Sieben verdammt lange Tage”) sind als Comedy-Duo unschlagbar. Ihre Golden-Globe-Moderationen sind ebenso legendär wie ihre gemeinsamen Auftritte bei Saturday Night Live, der Talentschmiede für hoffnungsvolle Nachwuchscomedians in den USA. Im Rahmen von Film-, oder Serienformaten standen die beiden dafür noch nicht allzu oft vor der Kamera und wenn doch, wie im Falle der 2008 von Michael McCullers inszenierten Komödie „Baby Mama“, dann wurde das weder vom Publikum, noch von den Kritikern sonderlich honoriert. Gehören die beiden Comedy-Göttinnen also zu einer ganz besonderen Kategorie der Fachidioten? Auf der Bühne unschlagbar, im Kino dafür deutlich fehlbarer? Nicht unbedingt. In „Sisters“, der neuesten Arbeit von „Pitch Perfect“-Regisseur Jason Moore, erkennt man zwar, weshalb die beiden Frauen besser funktionieren, wenn sie sich nicht an ein starres Drehbuchkonzept halten müssen (Improvisation ist gerade bei diesen Damen eben alles), doch ebenjenes von Paula Pell inszenierte Skript kommt Poehler und Fey hier ein ums andere Mal deutlich entgegen, was vermutlich damit zu tun haben dürfte, dass Pell vorab schon für diverse Saturday-Nigh-Live-Sketche zuständig war.

Sisters

Ein Film wie „Sisters“ hat mit den beiden Hauptdarstellerinnen zugleich auch sein größtes Ass im Ärmel. In ihren knapp zwei Stunden ist die überraschend lange, zu weiten Teilen jedoch auch recht kurzweilige Komödie nicht davor gefeit, auf jede Menge abgestandene Klischees zurückzugreifen. Ein Großteil des Humors entsteht aufgrund der Gegensätzlichkeit der Frauen, die Pointen ergeben sich gerade in der ersten Hälfte verstärkt über vom Stapel gelassene Anzüglichkeiten und natürlich darf bei all dem feuchtfröhlichen Humor auch eine Prise Romantik nicht fehlen. Die Bausteine, aus denen sich „Sisters“ zusammensetzt, sind also wahrlich nicht neu. Verwunderung entlockt der Film einem dennoch. Das hängt vor allem damit zusammen, dass es dem Regisseur gelingt, zwar nicht das Umfeld der Figuren, dafür aber die Eskalation der Party amüsant und spritzig zu inszenieren. Erweist sich bei derartigen Filmen doch sonst gerade der Abschnitt, der sich mit dem sukzessiven Bersten der Feier auseinandersetzt, als eintönig und langweilig, ist es in „Sisters“ genau umgekehrt. Für die Zeichnung von Figuren und Szenerie bringt Autorin Pell wenig Kreativität auf. Erhalten allerdings erstmal die Freunde der Schwestern Einzug ins Partydomizil, quillt das Skript – im wahrsten Sinne des Wortes – über vor unterhaltsamen Momenten.

Zuzusehen, wie die Party nach und nach aus dem Ruder läuft, macht im Falle von „Sisters“ einfach unheimlich viel Spaß. Dies liegt zum einen an einer einfachen Idee: Die spießige Maura und die draufgängerische Kate tauschen nach gegenseitigem Vorlesen ihrer jahrzehntealten Tagebücher (eine Highlight-Szene des Films) für diese „letzte Party ihres Lebens“ die Rollen: Maura darf sich volllaufen lassen, während Kate durch ihre für einen Abend angenommene Position als Aufpasserin endlich lernen soll, wie es sich anfühlt, Verantwortung zu übernehmen. Dramaturgisch clever ist das gar nicht, ergeben sich hieraus doch auch gewisse inszenatorische Grenzen. Doch durch die vorab eingeführten, nachvollziehbaren Charakteristika der Figuren entsteht viel des Humors darüber, wie überfordert die beiden Damen durch ihre neuen Rollen sind. Tina Fey und Amy Poehler dürfen es gerade in der zweiten Hälfte ordentlich krachen lassen, obwohl es manch einen Faktor gibt, der die glaubhaft eskalierende Atmosphäre bremst. Manch eine Figur kratzt so hart an der Karikatur, dass sie sich nicht ganz rund in die ansonsten recht bodenständige Prämisse fügt. Auch die eingangs erwähnte Liebesgeschichte zieht nur teilweise, wenngleich Ike Barinholtz („Bad Neighbors“) als Mauras Love Interest James mit seiner zuckersüß-zurückhaltenden Art jede Dame im Kinosaal um den Finger wickelt. Als die Szenendiebin schlechthin erweist sich übrigens Maya Rudolph („Inherent Vice“), die als Kates ungeliebte Ex-BFF und Neureiche zwei Extreme in sich vereint und hervorragend zwischen hysterischer Furie und bemitleidenswertem „Opfer“ zu changieren weiß.

Sisters

Wenn die Ü30-Generation endlich einmal ungeniert die Sau raus lassen darf, dann bleibt kein Auge trocken. Regisseur Moore gelingt mit seinen spleenigen Figuren unterschiedlicher Altersstufen eine allumfassende Abrechnung mit den heutigen Gesellschaftsschichten und Jahrgängen. Das ist teilweise ganz schön böse. Wie Maya Rudolphs Figur als wohlhabende Maklerin abgespeist wird, während asiatische Mädchen in einem Nagelstudio als moderne Sklaven karikiert werden, steckt voll von schwarzem Humor. Da passt es leider überhaupt nicht, dass sich „Sisters“ in den letzten zwanzig Minuten in einer kitschig-familienfilmtauglichen Message übt, die den Zuschauer dazu anhält, das zu schätzen, was er hat und seine Familie und Freunde ehren zu lernen. Gegen diese Botschaft selbst ist natürlich nichts einzuwenden. Im Angesicht der vorab doch reichlich frechen (und in seinem sehr fäkalhumorlastigen Tonfall nicht immer stilsicheren) Szenerie passt ein solch sentimentaler Umschwung leider nur bedingt. „Sisters“ übt sich hier an Aufklärung, wo gar keine angebracht wäre. Derart moralgeschwängert funktioniert ein solcher Film einfach nicht, sondern eher als simpler Partyspaß. Ein wenig mehr Konsequenz hätten die Macher an dieser Stelle gern aufbringen dürfen.

Fazit: Die Pointen zünden nicht immer und auch der Schlussakt zieht sich zu sehr in die Länge. Doch neben der tollen Chemie unter den beiden Hauptdarstellerinnen erweist sich auch die Beobachtungsgabe des Regisseurs als sehr treffsicher, der die Angewohnheiten sämtlicher Altersgruppen in „Sisters“ so hervorragend aufs Korn nimmt, dass sich jeder von 15 bis 75 mindestens einmal in diesem Film wiederfinden wird.

„Sisters“ ist ab dem 11. Februar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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